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Kettering, der immer noch nach einer möglichen Verbindung suchte, bohrte weiter. »Wollen Sie mir Ihren Grund dafür nennen?«

»Die ganze Sache ist viel zu komplex für eine so einfache Erklärung.«

»Die Frau war Ihnen ja sicher bekannt, sie arbeitete ja hier. Kannten Sie auch den Mann, Salaverry?«

»Ja. Leider - wie ich inzwischen sagen muß.«

»Würden Sie mir das bitte erklären?«

Armando zögerte, bevor er antwortete. »Ich möchte ganz offen mit Ihnen sprechen, Mr. Kettering, vor allem weil ich glaube, daß das, was wir in den letzten zehn Tagen hier in der Bank entdeckt haben, irgendwann sowieso an die Öffentlichkeit dringen wird, und weil ich weiß, daß Sie in Ihrer Berichterstattung fair sind. Aber ich habe auch eine Verpflichtung der Bank gegenüber. Wir sind in Lateinamerika ein bedeutendes und renommiertes Institut und haben neben dieser Filiale noch andere in den Vereinigten Staaten. Könnten Sie vielleicht ein oder zwei Tage warten, damit ich mich mit der Geschäftsleitung außerhalb der Zentrale absprechen kann?«

Es muß eine Verbindung geben, dachte Kettering und schüttelte entschieden den Kopf. »Ich kann leider nicht warten. Es handelt sich um eine kritische Situation, die Sicherheit und das Leben von Menschen stehen auf dem Spiel.« Nun war es an der Zeit, daß auch er einige Informationen preisgab.

»Mr. Armando, wir bei CBA haben Grund zu der Annahme, daß Ihre Bank in die Entführung der Familie von Mr. Crawford Sloane verwickelt ist. Sie haben sicher schon davon gehört. Nun stellt sich die Frage, ob dieser andere Vorfall - der Tod von Helga Efferen und Salaverry - etwas mit der Entführung zu tun hat.«

Hatte man Armando schon zuvor seine Sorgen angesehen, so wirkte Ketterings Enthüllung nun wie ein Blitzschlag auf ihn. Er stützte die Ellbogen auf den Tisch und legte den Kopf in die Hände. Nach ein paar Sekunden hob er die Augen.

»Ja, das ist durchaus möglich«, sagte er, und seine Stimme war nur noch ein Flüstern. »Jetzt wird mir einiges klar. Es ist nicht nur möglich, es ist sogar wahrscheinlich.« In seinen Gesten lag Überdruß und Erschöpfung. »Ich weiß, es klingt vielleicht egoistisch, aber ich habe nur noch wenige Monate bis zur Pensionierung, und ich frage mich, warum diese ganze Sache nicht warten konnte, bis ich nicht mehr hier bin.«

»Ich kann Sie gut verstehen.« Kettering versuchte, seine Ungeduld zu zügeln. »Aber Sie und ich sind nun einmal hier, und wir sind beide von der Sache betroffen. Ganz offensichtlich besitzen wir unterschiedliche Informationen, und es ist ebenso offensichtlich, daß es uns beiden weiterhilft, wenn wir sie austauschen.«

»Da stimme ich Ihnen zu«, erwiderte Armando. »Wo sollen wir anfange n?«

»Lassen Sie mich anfangen. Wir wissen, daß ein großer Geldbetrag, mindestens zehntausend Dollar, wahrscheinlich aber mehr, über Ihre Bank den Entführern zugeflossen ist.«

Der Direktor nickte ernst. »Wenn ich zusammennehme, was Sie wissen und was ich weiß, muß ich sagen, daß es mit Sicherheit sehr, sehr viel mehr ist.« Er hielt inne. »Wenn ich Ihnen mit Details weiterhelfe, ist es dann notwendig, daß Sie mich namentlich erwähnen?«

Kettering überlegte einen Augenblick. »Wahrscheinlich nicht. Es gibt bei uns ein Arrangement, das wir als >anonyme Hintergrundinformation< bezeichnen. Wenn Sie wollen, können wir auf dieser Basis weiterreden.«

»Es wäre mir lieber.« Armando machte eine Pause, um sich zu sammeln. »Wir führen in dieser Bank Konten von einigen UN-Delegationen. Ich will da nicht zu weit ausholen, sondern nur soviel sagen, daß unsere Bank enge Beziehungen zu gewissen Ländern hat, und deshalb liegt diese Filiale auch so nahe an den Vereinten Nationen. Verschiedene Delegationsmitglieder haben Vollmachten für diese Konten, und eins davon wurde von diesem Mr. Salaverry kontrolliert.«

»Ein Konto, das der peruanischen Delegation gehörte?«

»Das in Zusammenhang mit der peruanischen Delegation stand - ja. Aber ich bin nicht sicher, wie viele Leute außer Salaverry, der zeichnungs- und nutzungsberechtigt war, von diesem Konto überhaupt wußten. Sie müssen wissen, daß jede UN-Delegation eine ganze Reihe von Konten besitzt, und einige davon für besondere Zwecke.«

»Okay, aber wir sollten uns besser auf das konzentrieren, was für uns wichtig ist.«

»Nun gut. In den letzten Monaten liefen größere Geldbeträge über dieses Konto - alles ganz legal, auch von seiten der Bank, bis auf eins, das ungewöhnlich war.«

»Und das war?«

»Miss Efferen, die als eine der stellvertretenden Direktoren beträchtlichen Einfluß hatte, tat alles, um das Konto selbst verwalten zu können, ohne daß ich oder andere über dessen Existenz und die einzelnen Geldbewegungen Genaueres erfuhren.«

»Mit anderen Worten, die Herkunft und die Empfänger des Geldes wurden geheimgehalten.«

Armando nickte. »Genau so war es.«

»Und an wen wurde das Geld ausbezahlt?«

»Immer nur an Jose Antonio Salaverry. In den Unterlagen taucht nie eine andere Unterschrift auf, und es wurde immer bar ausbezahlt.«

»Kehren wir noch einmal zu einem früheren Punkt zurück«, sagte Kettering. »Sie haben uns gesagt, daß Sie diese Schlußfolgerungen der Polizei über die Todesart von Efferen und Salaverry nicht teilen. Warum?«

»Als ich letzte Woche die Sache mit dem Konto entdeckte und dann noch von diesem doppelten Todesfall erfuhr, kam mir der Gedanke, daß diejenigen, die Geld über dieses Konto laufen ließen und dabei, meiner Meinung nach, Salaverry als Vermittler benutzten, auch für diese Todesfälle verantwortlich sein könnten. Und das würde bedeuten, daß es sich um einen Doppelmord handelt, der nur so aussehen sollte wie ein Mord mit anschließendem Selbstmord. Und da Sie mir nun erzählen, daß in dieser Sache eine Verbindung zu den Entführern der Sloanes besteht, ist es durchaus wahrscheinlich, daß die dafür verantwortlich sind.«

Kettering konnte nicht umhin, die Logik des Älteren zu bewundern, der trotz des Drucks, unter dem er stand, zu brillanten Schlußfolgerungen kam. Dann bemerkte er, das Mony unruhig wurde, und meinte: »Jonathan, wenn Sie irgendwelche Fragen haben, stellen Sie sie ruhig.«

Mony legte seine Notizen weg und setzte sich auf. »Mr. Armando, nehmen wir einmal an, es stimmt alles, was Sie sagen. Haben Sie dann nicht auch einen Verdacht, warum diese Leute umgebracht wurden?«

Der Direktor zuckte mit den Achseln. »Meiner Meinung nach wußten die einfach zuviel.«

»Die Namen der Entführer zum Beispiel?«

»Wenn man davon ausgeht, was Mr. Kettering mir gesagt hat, scheint mir das eine Möglichkeit zu sein.«

»Und was ist mit der Herkunft des Geldes, das dieser Salaverry kontrollierte? Wissen Sie, woher das kam?«

Nun zögerte der Direktor zum ersten Mal. »Seit Montag stehe ich mit Angehörigen der peruanischen Delegation in Verbindung - die führen nämlich eigene Untersuchungen durch. Aber was sie bis jetzt entdeckt und mir mitgeteilt haben, ist vertraulich... «

Kettering mischte sich ein. »Wir haben doch bereits vereinbart, daß wir Ihren Namen nicht erwähnen. Also los -erzählen Sie! Woher stammt das Geld?«

Armando seufzte. »Ich möchte Sie etwas fragen, Mr. Kettering. Haben Sie je von einer Organisation mit dem Namen >Sendero Luminoso< oder...«

Mony beendete den Satz für ihn. »Der Leuchtende Pfad?«

Mit verbissenem Gesicht antwortete Kettering: »Ja, ich habe davon gehört.«

»Wir sind noch nicht ganz sicher«, sagte der Direktor, »aber es besteht die Möglichkeit, daß das Geld von denen stammt.«

Nachdem sie Kettering und Mony hinter der Queensboro Bridge abgesetzt hatten, beschlossen Harry Partridge und Minh Van Canh, sich bei Wolfs Delicatessen an der Ecke West Fifthy-seventh und Sixth Avenue ein frühes Mittagessen zu genehmigen. Während sie über ihren riesigen, warmen Pastrami-Sandwiches saßen, betrachtete Partridge Minh, der an diesem Tag sehr nachdenklich und beinahe abwesend wirkte, was aber seine Arbeit in Godoys Bestattungsinstitut nicht beeinträchtigt hatte. Minhs kantiges, pockennarbiges Gesicht wirkte so undurchdringlich wie immer; zwischen zwei Bissen erwiderte er Partridges Blick.