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Früher hatte Angus eine gute Singstimme besessen, doch nun war sie abgenutzt und zittrig wie er selber auch. Aber den Text hatte er noch deutlich in Erinnerung...

I'll be seeing you

In all the old familiar places

That this heart of mine embraces all day thru...

Jessica stimmte mit ein, die Worte tauchten plötzlich in ihrem Gedächtnis auf. Einen Augenblick später kam auch Nickys junger Tenor mit dazu.

In a small cafe,

The park across the way,

The children's carousel,

The chestnut trees, the wishing well.

I'll be seeing you

In ev'ry lovely summer's day,

In everything that's light andgay,

I'll always think of you that way

I'll find you in the morning sun;

And when the night is new,

I'll be looking at the moon

But I'll be seeing you!

Die Jahre fielen von Angus ab. Jessica faßte wieder Mut. Und Nicky vergaß seine Schmerzen.

13

Als Harry Partridge am Mittwochnachmittag seine Entscheidung, gleich am nächsten Morgen nach Peru zu fliegen, bekanntgab, verfiel die Spezialeinheit von CBA News in hektische Betriebsamkeit.

Partridges zweite Entscheidung - sechsunddreißig Stunden nach seinem Abflug mit sämtlichen Informationen an die Öffentlichkeit zu gehen - hatte eine ganze Reihe von Konferenzen und Beratungen zur Folge, in denen ein Prioriätenprogramm für die nächsten drei Tage aufgestellt wurde.

Zuallererst mußte noch in dieser Nacht ein Bericht für die Freitagssendung der National Evening News geschrieben und teilweise auch aufgenommen werden, ein Bericht, den Partridge noch selbst moderieren wollte. Er sollte alles enthalten, was bis jetzt über die Sloane-Entführung bekannt war, also auch die letzten Informationen über Peru und den Sendero Luminoso; über die Rolle des Terroristen Ulises Rodriguez als vermutlichen Anführer; über die Särge und den Leichenbestatter Alberto Godoy; über die American-Amazonas Bank und den mysteriösen Tod von Helga Efferen und Jose Antonio Salaverry.

Doch vor Beginn all dieser Vorbereitungen suchte Harry Partridge Crawford Sloane in dessen Büro im dritten Stock auf. Denn Partridge war noch immer der Überzeugung, daß Sloane einer der ersten sein sollte, die von neuen Entwicklungen oder Plänen erfuhren.

Seit der Entführung vor dreizehn Tagen hatte Crawford Sloane weitergearbeitet, obwohl man manchmal den Eindruck hatte, er würde nur die Zeit absitzen, ohne mit Herz und Verstand bei der Arbeit zu sein. An diesem Tag sah er noch eingefallener aus als sonst, seine Augen wirkten müde und die Falten in seinem Gesicht noch tiefer als vor ein paar Tagen. Er unterhielt sich gerade mit einer Texterin und einem Produzenten und blickte auf, als Partridge erschien. »Du willst mit mir reden, Harry?«

Als Partridge nickte, bat Sloane die anderen beiden: »Laßt uns doch bitte alleine. Wir besprechen das dann später.«

Sloane winkte Partridge zu einem Stuhl. »Du machst ein ernstes Gesicht. Schlechte Nachrichten?«

»Ich fürchte ja. Wir haben herausgefunden, daß deine Familie nicht mehr im Land ist. Sie werden in Peru gefangengehalten.«

Sloane beugte sich vor, er stützte die Ellbogen auf den Tisch und, strich sich mit den Händen über das Gesicht, bevor er erwiderte: »Ich habe so etwas schon erwartet - genauer gesagt, befürchtet. Weißt du, wer sie gefangenhält?«

»Wir glauben der Sendero Luminoso.«

»O Gott! Nicht diese Fanatiker!«

»Ich fliege morgen nach Lima, Crawf.«

»Ich komme mit!«

Partridge schüttelte den Kopf. »Wir wissen beide, daß das nicht geht; es würde nicht funktionieren. Außerdem würde es der Sender nie erlauben.«

Sloane seufzte, sagte aber nichts dagegen. Dann fragte er: »Haben wir schon irgendeine Vorstellung, was diese Gangster verlangen?«

»Noch nicht. Aber ich bin sicher, daß wir bald von ihnen hören werden.« Nach kurzem Schweigen sagte Partridge: »Ich habe für fünf Uhr eine Konferenz der Spezialeinheit angesetzt. Ich dachte mir, daß du vielleicht gern dabei wärst. Danach werden die meisten von uns die Nacht durcharbeiten.« Er berichtete nun von den Entwicklungen des Tages und von der Entscheidung, am Freitag mit sämtlichen Informationen an die

Öffentlichkeit zu gehen.

»Ich komme zu der Konferenz«, sagte Sloane. »Und vielen Dank.« Und als Partridge aufstand: »Mußt du gleich wieder gehen?«

Partridge zögerte. Er hatte viel zu tun und nur sehr wenig Zeit, aber er spürte, daß Crawf gern mit ihm gesprochen hätte. Er zuckte die Achseln: »Na, ein paar Minuten machen wahrscheinlich auch nichts aus.«

Nach einer Pause begann Sloane verlegen: »Ich weiß nicht recht, wie ich es sagen soll, und ob ich es überhaupt sagen sollte. Aber in einer solchen Zeit denkt man über eine Menge Dinge nach.« Partridge wartete und fragte sich, worauf Sloane hinauswollte. »Und da habe ich mir eben überlegt, was du für Jessica noch empfinden magst. Schließlich habt ihr euch vor Jahren ja sehr nahegestanden.«

Das war es also: Ein heimlicher Gedanke, der nun endlich zur Sprache kam. Partridge überlegte sich genau, was er sagte, denn er wußte, daß dies ein entscheidender Augenblick war. »Ja, ich mag sie sehr gern, zum Teil auch, weil wir - wie du es nennst -uns vor Jahren sehr nahegestanden haben. Aber vor allem mag ich sie, weil sie deine Frau und du mein Freund bist. Was je zwischen Jessica und mir existierte, war an dem Tag zu Ende, als sie dich heiratete.«

»Wahrscheinlich sage ich das jetzt nur, weil diese furchtbare Sache passiert ist, aber Gedanken darüber habe ich mir schon oft gemacht.«

»Das weiß ich, Crawf, und es gab Zeiten, da wollte ich dir das schon sagen, was ich dir erst jetzt gesagt habe, und auch, daß ich dir nie böse war, weder wegen Jessica noch wegen deiner Karriere als Moderator. Es gab keinen Grund dafür. Aber ich hatte immer das Gefühl, du würdest es mir nicht glauben, wenn ich es dir sage.«

»Da hast du wahrscheinlich recht.« Sloane hielt inne und überlegte. »Aber falls es dich interessiert, Harry, jetzt glaube ich dir.«

Partridge nickte. Er mußte gehen. An der Tür drehte er sich noch einmal um. »Ich werde in Lima Himmel und Hölle in Bewegung setzen. Das ist mein Ernst, Crawf.«

Partridge hatte vor Sloanes Büro den FBI-Agenten Otis Havelock vermißt, dessen Anwesenheit in der ersten Woche nach der Entführung so überdeutlich zu spüren gewesen war. Als er nun Chuck Insen am Hufeisen über die Konferenz der Spezialeinheit informierte, fragte er auch nach dem FBI-Mann.

»Er zeigt sich immer noch ziemlich häufig«, sagte der Studioleiter, »aber ich glaube, er verfolgt inzwischen auch andere Spuren.«

»Weiß du, ob er heute noch einmal kommt?«

»Keine Ahnung.«

Partridge ertappte sich bei dem Wunsch, der FBI-Mann möge für den Rest des Tages weiter tun, was er im Augenblick tat. Dann wäre es leichter, die Nachtarbeit und seine Abreise morgen früh geheimzuhalten. Für den Fall, daß am Freitag im voraus bekannt wurde, daß CBA News für die Abendsendung größere Enthüllungen plante, würden natürlich die Leute vom FBI wissen wollen, was eigentlich los sei, und man würde sie bis zu den Nachrichten vertrösten müssen. Doch zu diesem Zeitpunkt war Partridge bereits in Peru, und ein anderer trug die Verantwortung.

Trotzdem wußte Partridge, daß man bei der Planung der nächsten beiden Tage auch das FBI in Betracht ziehen mußte.

Die Fünf-Uhr-Konferenz der Spezialeinheit war gut besucht. Les Chippingham und Crawford Sloane waren anwesend. Chuck Insen ging nach fünfzehn Minuten wieder, weil die ersten Abendnachrichten vorbereitet werden mußten; ein anderer Produzent vom Hufeisen nahm seinen Platz ein. Partridge saß am Kopfende des langen Konferenztisches, Rita Abrams neben ihm. Iris Everly, die den Entführungsbericht für die Abendsendung produziert hatte - er enthielt noch nichts von den neuen Entwicklungen -, kam ein paar Minuten zu spät. Teddy Cooper war anwesend, nachdem er den Tag mit den Rechercheuren verbracht hatte, die noch immer mit den Lokalzeitungen beschäftigt waren - bisher ohne Ergebnis. Minh Van Canh kam dazu sowie die beiden Producer Norman Jaeger und Karl Owens. Don Kettering war ein neues Gesicht am Tisch. Jonathan Mony war ebenfalls dabei und wurde der Runde vorgestellt. Im Hintergrund warteten die Assistenten auf Anweisungen.