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Partridge begann mit einer Zusammenfassung der Ereignisse des Tages, berichtete dann von seiner Absicht, am nächsten Morgen nach Peru zu fliegen, und von der Entscheidung, mit dem gesamten neuen Material am Freitag an die Öffentlichkeit zu gehen.

Les Chippingham meldete sich. »Ich stimme dir in allem zu, was du sagst, Harry, und ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und schlage für den Freitag eine einstündige Sondersendung vor, in der wir ausführlich über die ganze Geschichte berichten.«

Von allen Seiten kam zustimmendes Gemurmel, während Chippingham fortfuhr. »Ich möchte euch nur daran erinnern, daß für die Hauptsendezeit um neun Uhr sowieso eine Nachrichtensendung geplant ist, die wir dafür herausnehmen können. Und es sieht ja ganz so aus, als hättet ihr genug, um die Stunde vollzumachen.«

»Mehr als genug«, bestätigte Rita Abrams. Kurz zuvor hatte sie sich das Interview mit Alberto Godoy und Don Ketterings Gespräch mit dem Direktor der American-Amazonas Bank, Emiliano Armando, das eben hereingekommen war, angesehen.

Sie war von beidem begeistert.

Danach hatte sie mit Partridge und Kettering diskutiert, ob man die Identität des Leichenbestatters überhaupt noch geheimhalten sollte, da er bei der aggressiven Beendigung des Interviews selbst sein Gesicht ins Licht und vor die Kamera gesteckt hatte. Man war versucht, dieses Versehen auszunutzen, da die Geheimhaltung der Identität dem Sender Probleme bereiten konnte. Wegen der ursprünglichen Abmachung mit Godoy lagen die Dinge aber etwas komplizierter.

Man kam schließlich zu dem Entschluß, sich an die Abmachung zu halten, da Godoy gar nicht wußte, was seine abrupte Bewegung aufnahmetechnisch bedeutet hatte. Um sicherzustellen, daß die Entscheidung auch in die Tat umgesetzt wurde, löschte Partridge die Sequenz mit Godoys Gesicht, damit man nicht später doch noch darauf zurückgreifen konnte. Zu diesem Zeitpunkt war das Löschen noch legal, illegal wurde es erst nach Beginn der offiziellen Ermittlungen.

Jeder am Konferenztisch wußte, daß die Entscheidung für eine einstündige Sondersendung relativ leicht durchzusetzen war, weil die dafür benötigte Stunde in der Hauptsendezeit sowieso der Nachrichtenabteilung gehörte und man sich folglich nicht lange mit der Senderleitung abzusprechen brauchte. Ursprünglich war für Freitagabend, 21 Uhr, das Nachrichtenmagazin »Hinter den Schlagzeilen« geplant, bei dem Norman Jaeger sonst als Produzent arbeitete und zu dem er nach diesem Sondereinsatz auch wieder zurückkehren würde. Chippingham beschloß insgeheim, Margot Lloyd-Mason nicht sofort von der Programmänderung zu unterrichten, sondern es ihr erst im Laufe des Freitags mitzuteilen.

Nun folgte ein ganze Reihe weiterführender Entscheidungen.

Partridge gab bekannt, daß er Minh Van Canh und Ken O'Hara, den Tontechniker, der auch bei der Flugzeugtragödie in Dallas-Fort Worth dabeigewesen war, nach Peru mitnehmen wolle.

Rita warf Chippingham einen flüchtigen Blick zu und ergänzte: »Les, wir haben für Harry und die anderen einen Learjet gechartert, der morgen früh um sechs von Teterboro abfliegen wird. Ich brauche noch deine Genehmigung.«

»Bist du sicher...« Chippingham, der an die Mehrkosten dachte, wollte schon sagen: ...daß es ein Linienflug nicht auch tut?, als er aber Crawfords stahlharten Blick auf sich gerichtet sah, vollendete er nur knapp: »Genehmigt.«

Rita, so wurde beschlossen, sollte vorerst in New York bleiben und die Produktion des Berichts für die Abendnachrichten und der einstündigen Sondersendung überwachen. Zum Produzenten für den Bericht wurde Iris Everly bestimmt, für die Sondersendung Norm Jaeger und Karl Owens. Freitagnacht sollte Rita dann Partridge und den anderen nach Lima folgen und Jaeger die Funktion des Chefproduzenten in New York übernehmen.

Partridge, der die Sache zuvor schon mit Chippingham abgesprochen hatte, berichtete, daß nach seiner Abreise Don Kettering die Leitung der Sondereinheit in New York übernehmen werde. Ein Assistent sollte in dieser Zeit Ketterings Aufgaben als Wirtschaftskorrespondent übernehmen.

Dann erinnerte Partridge die Runde daran, daß weder der Bericht in den Nachrichten noch die Sondersendung - er trat in beiden als Korrespondent auf - einen Hinweis darauf enthalten durften, daß er bereits nach Peru abgereist war. Falls man, ohne allerdings auf wirkliche Täuschungsmanöver zurückgreifen zu müssen, den Sendungen den Anschein geben könnte, als würde er live berichten, wäre das um so besser.

Es war zwar nicht sehr wahrscheinlich, daß sich die anderen Sender und die Printmedien davon täuschen ließen, aber alles, was die Entsendung von Reporterteams nach Peru verzögerte, war für Partridge von Vorteil. Dabei ging es weniger um unerwünschte Konkurrenz, sondern mehr um die Tatsache, daß Partridge als Einzelner in seinen Nachforschungen besser vorankommen würde als inmitten eines Rudels von Reportern.

Und dies warf die Frage der Sicherheit auf.

Les Chippingham erklärte, daß alles, was in der folgenden Nacht und den nächsten beiden Tagen passieren würde, weder mit anderen aus der Nachrichtenabteilung, die mit dem Fall nichts zu tun hatten, noch mit irgend jemandem draußen, und das hieß auch Familien, besprochen werden dürfe. Absolute Vertraulichkeit, hieß die Devise. »Und das ist keine Bitte, sondern ein Befehl.«

Der Präsident von CBA News sah sich in der Runde um und fuhr dann fort. »Wir dürfen absolut nichts tun oder sagen, was die Informationen vorzeitig ans Licht bringen und damit Harrys Vierundzwanzigstundenvorsprung, den er so dringend braucht, zunichte machen würde. Schließlich geht es hier um Menschenleben« - er sah Crawford Sloane an - »um das Leben von ganz besonderen Menschen, die uns allen am Herzen liegen.«

Es wurden noch weitere Sicherheitsvorkehrungen getroffen.

In den nächsten beiden Tagen sollten vor dem Studio und dem Regieraum, in denen die einstündige Sondersendung produziert werden sollte, Wachen aufgestellt werden, die nur die Leute durchließen, die auf einer von Rita zusammengestellten Liste standen. Auch wollte man alle vom Studio und vom Regieraum nach draußen führenden Leitungen unterbrechen, damit niemand auf einem Außenmonitor verfolgen konnte, was drinnen passierte.

Man einigte sich schließlich darauf, ab Freitag vormittag die Sicherheitsvorkehrungen etwas zu lockern und während des Tages Ankündigungen der Sondersendung auszustrahlen, damit das Publikum auch erfuhr, daß CBA News wichtige Neuigkeiten über die Entführung besaß. Als Zeichen des kollegialen Anstands wollte man auch die anderen Sender, die Presseagenturen und die Printmedien informieren.

Am Ende fragte Partridge: »Ist sonst noch etwas, oder können wir uns an die Arbeit machen?«

»Nur noch eins.« Es war Rita, und in ihrer Stimme lag ein gewisser Schalk. »Les, ich brauche deine Genehmigung für einen zweiten Learjet für Freitagnacht, wenn ich nach Peru fliege. Ich will einen Cutter - Bob Watson - und einen Editpak mitnehmen. Außerdem brauche ich genug Geld.«

Die am Tisch kicherten, und sogar von Crawford Sloane kam eine dünnes Lächeln. Indem Rita einen Cutter und einen Editpak, das heißt eine ziemlich sperrige und umfangreiche Schneideausrüstung, die sonst kaum zu transportieren wäre, mitnahm, erhöhten sich ihre Chancen auf ein Privatflugzeug. Darüber hinaus wäre es unklug, mit einem hohen Geldbetrag in einem Linienflugzeug zu reisen. Rita hatte zwar noch keine konkrete Summe genannt, aber es würde sich bei dem Betrag um etwa 50000 Dollar handeln. Denn harte Währung war notwendig in einem Land wie Peru, in dem die Landeswährung so gut wie nichts wert war, wo man aber für Dollars alles kaufen konnte, nicht zuletzt auch gewisse Privilegien, die sie sicher brauchten.