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Innerlich seufzte Chippingham. Trotz ihrer Liebesbeziehung hatte Rita ihn ziemlich rücksichtslos in die Enge getrieben.

»Schon gut«, sagte er. »Du kannst buchen.«

Wenige Minuten nach dem Ende der Sitzung saß Partridge bereits an einem Computer und arbeitete an seiner Einleitung für die Freitagssendung der National Evening News. Er schrieb:

Sie alle wissen von der Entführung der Frau, des Sohnes und des Vaters unseres Nachrichtenmoderators Crawford Sloane, die jetzt bereits fünfzehn Tage zurückliegt. Nun gibt es überraschende neue Entwicklungen. Nachforschungen eines CBA-Reporterteams haben ergeben, daß die drei Entführungsopfer nach Peru verschleppt wurden, wo sie von der maoistischen Guerillaorganisation Sendero Luminoso oder Leuchtender Pfad gefangengehalten werden. Seit Jahren schon terrorisiert diese Gruppe große Teile Perus.

Ein Motiv für die Entführung ist bis jetzt noch nicht bekannt.

Bekannt ist allerdings, daß ein Diplomat bei den Vereinten Nationen die Entführer über ein Konto in New York mit Geld versorgte, was diese Entführung, wie auch andere terroristische Akte, überhaupt erst möglich machte.

Unser ausführlicher Bericht beginnt, wie bei so vielen Verbrechen, beim Geld. Hören Sie dazu unseren Wirtschaftskorrespondenten Don Kettering.

Das war nur die erste von vielen, ähnlichen Einleitungen, die er vor seiner Abreise am nächsten Morgen um fünf Uhr schreiben mußte, überlegte Partridge, während er sich den Text noch einmal durchlas.

Vierter Teil

1

Es war noch dunkel und es regnete, als ein Learjet 36A wenige Minuten vor sechs Uhr morgens östlicher Sommerzeit von Teterboro Airport in New Jersey nach Bogota abflog. An Bord der Maschine waren Harry Partridge, Minh Van Canh und Ken O'Hara.

Die 36A besaß nicht genug Reichweite für einen Non-Stop-Flug nach Lima. Da man in Bogota aber nur auftanken wollte, hofften die drei, Lima um 13 Uhr 30 östlicher Standardzeit zu erreichen, die in Peru das ganze Jahr galt.

Partridge und die beiden anderen waren in einem Dienstwagen direkt von der CBA News-Zentrale zum Flugplatz gefahren. Während der hektischen Nacht hatte Partridge gerade eine halbe Stunde erübrigen können, um im Inter-Continental seinen Koffer zu packen. Er hatte keine Zeit damit vergeudet, auszuchecken; jemand vom Sender würde das für ihn erledigen.

Einen Disponenten von CBA News hatte er gebeten, im Learjet für eine Schlafmöglichkeit zu sorgen, und er war sehr froh, als er in der Maschine auch wirklich eine vorfand. An der rechten Seite der Passagierkabine hatte man zwei Sitze umgeklappt und so zusammengestellt, daß sie ein Bett bildeten. Kissen und Bettzeug waren ebenfalls vorhanden. Auf der linken Seite konnte man auf die gleiche Art einen zweiten Schlafplatz herrichten, aber um den müßten sich Minh und O'Hara streiten. Partridge glaubte jedoch nicht, daß sie eine ähnlich anstrengende Nacht gehabt hatten wie er.

Bald nach dem Start schlief Partridge ein. Nach drei erholsamen Stunden wachte er wieder auf und bemerkte, daß die Kabine im Halbdunkel lag. Jemand war so rücksichtsvoll gewesen, die Sichtblenden herunterzulassen. Nur an den Rändern drang helles Sonnenlicht herein, genug, um sich in der Kabine umsehen zu können. Minh saß an der gegenüberliegenden Seite zusammengerollt auf einem Sitz und schlief. O'Hara saß hinter ihm und schlief ebenfalls.

Partridge sah auf die Uhr: 9 Uhr New Yorker Zeit, erst 8 Uhr in Lima. Er griff nach dem Flugplan, den der Kopilot vor dem Start in die Kabine gebracht hatte, und sah, daß es noch zwei Stunden bis zur Zwischenlandung in Bogota waren. Von draußen kam das beständige, leise Brummen der Turbinen, Turbulenzen waren keine zu spüren. Ein seidenweicher Flug, dachte Partridge. Er genoß den Luxus, legte sich wieder hin und schloß die Augen.

Doch er schlief nicht mehr ein. Vielleicht waren die drei Stunden bereits genug gewesen. Vielleicht war auch zu viel in zu kurzer Zeit passiert, um ihn länger zur Ruhe kommen zu lassen. Er wußte noch von früheren Aufträgen, daß er in Zeiten der Belastung und des kurz entschlossenen Handelns wenig Schlaf brauchte. Ja, jetzt war wieder die Zeit des Handelns gekommen, er zog in die Schlacht, höchstwahrscheinlich sogar in eine sehr reale, und er spürte, wie der Gedanke daran seine Lebensgeister weckte.

Vermutlich hatte dieses Gefühl schon immer in ihm geschlummert, Vietnam hatte es nur geweckt, und danach hatten andere Kriege an anderen Orten sein Bedürfnis befriedigt. Und ebendieses Gefühl machte ihn zu einem sogenannten »Päng-päng«-Korrespondenten, eine Bezeichnung, die ihn früher geärgert hatte, aber nun nicht mehr.

Warum nicht? Weil es Zeiten gab, in denen ein »Päng-päng« wie er gebraucht wurden, so wie in jedem Krieg Soldaten gebraucht wurden, die inmitten des Schlachtgetümmels tapfer ihre Pflicht erfüllten. Er lächelte über seinen pathetischen Vergleich.

Es war nicht immer so gewesen. In der Zeit mit Gemma hatte er Kriege und Gefahren ganz bewußt gemieden, weil das Leben zu schön und zu glücklich war, um ein plötzliches Ende zu riskieren Er wußte, daß es zu dieser Zeit im Sender eine stillschweigende Übereinkunft gab, die ihn betraf: Gebt Harry ungefährliche Aufträge; er hat sie verdient. Sollen sich doch die jüngeren Reporter eine Zeitlang die Kugeln um die Ohren pfeifen lassen.

Später änderte sich das natürlich wieder. Als Gemma dann nicht mehr da war, verlor er diesen Schutz; man schickte ihn wieder zu den Kriegsschauplätzen, zum Teil, weil er diese Berichterstattung so hervorragend beherrschte, zum Teil aber auch, weil er zu erkennen gab, daß es ihm gleichgültig war, welches Risiko er einging. Und letzteres war wohl mit ein Grund, so überlegte er, warum er jetzt diese Reise machte.

Es war schon eigenartig, daß er seit Beginn dieser Geschichte seine Zeit mit Gemma im Geiste noch einmal durchlebt hatte. Auf dem Flug von Toronto direkt nach der Entführung hatte er sich die Reise in der DC-10 des Papstes in Erinnerung gerufen... seine Unterhaltung mit dem Papst und wie er das Problem mit der Slawen/Sklaven-Verwechslung löste... und schließlich Gemma, die ihm sein Frühstück mit einer Rose servierte.

Einen oder zwei Tage später dann die nächtlichen Erinnerungen in seinem Hotelzimmer... wie er sich in Gemma verliebte und ihr noch während der Papstreise einen Heiratsantrag machte... der kurze Aufenthalt in Panama, ihre Taxifahrt in die Altstadt und der juez, der ihn und Gemma zu Mann und Frau erklärte.

Und schließlich vor knapp einer Woche, auf der Rückfahrt von Larchmont nach dem Besuch bei Crawford Sloane, die idyllischen, glücklichen Bilder ihres gemeinsamen Lebens in Rom, wo ihre Liebe erst richtig wuchs... Gemmas glockenhelles, fröhliches Lachen, ihre ständigen Probleme mit der Bank, ihr halsbrecherischer Fahrstil, der ihn immer in Angst und Schrecken versetzte... bis sie ihm die Schlüssel aushändigte, als sie erfuhr, daß sie schwanger war... und danach der Umzug von Rom nach London...

Nun lag er hier in diesem Flugzeug, alles war still um ihn, und die Erinnerung an Gemma kehrte zurück. Diesmal wehrte er sich nicht dagegen, sondern gab sich ganz den Gedanken hin.

Ihr Leben in London war unglaublich schön.

Sie übernahmen von Partridges Vorgänger eine hübsche möblierte Wohnung in St. John's Wood, die Gemma schnell mit eigenen stilistischen und farblichen Akzenten versah. Frische Blumen standen in jedem Zimmer. Sie hängte Bilder auf, die sie aus Rom mitgebracht hatten, kaufte Porzellan und Tischwäsche in Kensington sowie eine bemerkenswerte Bronzeskulptur von einem jungen Künstler aus einer Galerie in der Cork Street.