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»Viel, viel mehr«, ergänzte Bracebridge. »In Geld ist das überhaupt nicht umzurechnen, aber das steht ja auch gar nicht zur Debatte.«

»Wie ich anfangs schon angedeutet habe«, bemerkte Nortandra, »ergibt das Ganze, vor allem dieser Revolutionsjargon, wenig Sinn.«

Norm Jaeger meldete sich. »Das Gerede von Revolutionären ergibt selten Sinn, außer für sie selbst. Aber das ist kein Grund, sie nicht ernst zu nehmen. Das haben wir im Iran gesehen.« Jaeger sah auf die Uhr über ihnen: 22 Uhr 55. Dann wandte er sich an Chippingham. »Les, sollen wir mit einer Sondermeldung das Programm unterbrechen? Wenn wir schnell sind, schaffen wir es bis zur vollen Stunde. Wir könnten Ausschnitte aus dem Band mit Mrs. Sloane verwenden. Wenn es stimmt, daß die anderen Sender die Cassette auch erhalten haben, dann bringen sie die Geschichte wahrscheinlich sofort.«

»Sollen sie ruhig«, erwiderte Chippingham entschlossen. »Das ist eine ganz neue Situation, in der wir unter Zugzwang stehen und nichts überstürzen dürfen. Wir werden um Mitternacht eine Meldung bringen; das gibt uns Zeit, uns zu überlegen, wie wir vorgehen, und wichtiger noch, wie wir auf die Forderungen reagieren wollen - falls wir reagieren.«

»Die Art unserer Reaktion steht ja wohl außer Frage«, erklärte Margot Lloyd-Mason. »Es ist doch klar, daß wir diese lächerlichen Bedingungen unmöglich akzeptieren können. Wir werden doch nicht unsere Abendnachrichten eine ganze Woche lang stillegen.«

»Aber das müssen wir ja nicht sagen, zumindest nicht gleich am Anfang«, gab Nortandra zu bedenken. »Wir könnten zum Beispiel bekanntgeben, daß wir über die Forderungen nachdenken und später eine Erklärung abgeben werden.«

»Verzeihen Sie, wenn ich das sage«, unterbrach ihn Jaeger, »aber ich bezweifle, daß uns das irgend jemand abnimmt, am allerwenigsten der Sendero Luminoso. Ich habe mich eingehend mit diesen Leuten beschäftigt, und ich weiß, daß sie eins bestimmt nicht sind, nämlich Narren; die sind gerissen und intelligent. Und sie haben sich offensichtlich gut über unser Gewerbe informiert - so wissen sie zum Beispiel, daß die National Evening News am Samstag und Sonntag weniger Zuschauer haben, und deshalb wollen sie diese Termine nicht.«

»Was würden Sie dann vorschlagen?«

»Daß man der Nachrichtenabteilung die Ausarbeitung einer Antwort überläßt. Hier ist Raffinesse gefragt, keine undifferenzierten Pauschalaussagen wie >lächerliche Bedingungen<. Wir bei CBA News sind dafür besser ausgerüstet, haben ein feineres Gespür, und außerdem wissen wir in dieser Szene besser Bescheid...« Auf ein Zeichen von Chippingham hielt Jaeger inne.

»Ich stimme Norman im wesentlichen zu«, sagte er, »aber da dies in meinen Verantwortungsbereich fällt, sollte das wohl von mir kommen. Man sollte in der Tat der Nachrichtenabteilung diese Aufgabe überlassen, weil wir besser informiert sind, weil wir uns auf diesem Gebiet auskennen und weil einer unserer besten Korrespondenten, Harry Partridge, bereits in Peru ist. An ihn müssen wir uns zuerst wenden.«

»Wendet euch doch an wen ihr wollt, ihr mit eurer Raffinesse«, fauchte Margot. Sie war bei Jaegers Erwähnung der Lächerlichen Bedingungen rot geworden. »Hier geht es doch um eine Angelegenheit des Konzerns, die eine Entscheidung des Managements erfordert.«

»Nein, verdammt noch mal! Nein!« Die Worte wurden geschrien. Alle drehten sich um. Geschrien hatte Crawford Sloane, der nun nicht mehr niedergeschlagen in seinem Sessel saß, sondern stand und mit wütendem Blick und rotem Kopf die anderen ansah. Als er sprach, klang seine Stimme belegt, manchmal erstickt.

»Lassen Sie den Konzern aus dem Spiel. Norman hat recht mit den undifferenzierten Pauschalaussagen; wir alle haben eben eine gehört, und das kommt daher, weil die Leute vom Konzern weder das Wissen noch die Erfahrung für ein präzises journalistisches Urteil haben. Außerdem wurde eine Konzernentscheidung ja bereits getroffen, wir haben sie ebenfalls gehört: Wir können diese Bedingungen nicht akzeptieren. Wir werden doch nicht unsere Abendnachrichten eine ganze Woche lang stillegen. War es wirklich nötig, uns das zu sagen? Als ob das nicht alle von den Nachrichten wüßten -ich eingeschlossen. Wenn Sie eine Bestätigung brauchen, Mrs. Lloyd-Mason, hier haben Sie sie: Ich weiß, daß wir CBA News nicht einfach eine Woche lang dichtmachen und dem Sendero Luminoso übergeben können. Mein Gott - das akzeptiere ich doch! Ich sage das hier vor Zeugen.«

Sloane hielt inne, schluckte und fuhr dann fort: »Aber wir in der Nachrichtenabteilung können eins tun: Wir können unsere Fähigkeiten, unser Know-how benutzen und versuchen, Zeit zu schinden. Denn im Augenblick ist Zeit das, was wir am nötigsten brauchen. Und wir können auf Harry Partridge vertrauen, denn in ihn setze ich meine größte Hoffnung, meine Familie wohlbehalten wiederzubekommen.«

Sloane blieb stehen, nachdem er geendet hatte.

Bevor ein anderer etwas sagen konnte, versuchte Bracebridge, der ehemalige Nachrichtenmann und jetzige Konzernmanager, einen versöhnlicheren Ton anzuschlagen. »In einer solchen Lage ist es für alle schwierig. Die Anspannung ist so groß, daß man emotional und gereizt reagiert. Einiges von dem, was gesagt wurde, hätte man höflicher formulieren können und wahrscheinlich auch sollen.« Er wandte sich an die CBA-Präsidentin. »Aber dennoch, Margot, glaube ich, daß man über diesen Vorschlag nachdenken sollte, zumal Ihre Entscheidung, wie Crawf deutlich gemacht hat, verstanden und akzeptiert wird. Das steht ja wohl außer Frage.«

Margot merkte, daß ihr hier eine Möglichkeit geboten wurde, das Gesicht zu wahren. Sie zögerte und sagte dann zu Chippingham: »Also gut, auf dieser Basis können Sie eine vorläufige Strategie ausarbeiten.«

»Vielen Dank«, erwiderte er. »Können wir noch eines klarstellen?«

»Und was?«

»Daß die grundlegende Entscheidung, auf die wir uns geeinigt haben, für den Augenblick geheim bleibt.«

»Einverstanden. Aber diese Zusicherung lassen Sie sich besser auch von den anderen hier geben. Und halten Sie mich auf jeden Fall auf dem laufenden.«

Die anderen hatten aufmerksam zugehört. Nun sah Chippingham sie an und fragte: »Kann ich bitte diese Zusicherung haben?«

Während einer nach dem anderen ihm sein Wort gab, verließ Margot den Saal.

Als Chippingham in sein Büro zurückkehrte, war es 23 Uhr 25. Um 23 Uhr 30 erhielt er den Ausdruck einer ReuterMeldung aus Lima mit Informationen über die Forderungen des Sendero Luminoso an CBA. Augenblicke später kam von AP aus Washington ein ausführlicher Bericht herein, der »Die leuchtende Zeit ist gekommen« in voller Länge zitierte.

Innerhalb der nächsten fünfzehn Minuten brachten ABC, NBC und CBS Sondermeldungen mit kurzen Ausschnitten aus dem Band mit Jessica. Für die Nachrichtensendungen des folgenden Tages wurden ausführlichere Berichte angekündigt sowie, falls notwendig, weitere Sondermeldungen. CNN, das gerade eine Nachrichtensendung laufen hatte, nahm die Meldung einfach mit auf und hatte so die Nase vorn. Chippingham blieb bei seinem Entschluß, das Programm im Augenblick nicht zu unterbrechen, sondern um Mitternacht eine vorsichtig formulierte Erklärung zu bringen, die nun vorbereitet wurde.

Um 23 Uhr 45 verließ er sein Büro und ging zum Hufeisen. Norman Jaeger saß auf dem Platz des Chefproduzenten. Iris Everly arbeitete in einem Schneideraum an dem Band mit Jessica und an anderen, die als Hintergrundinformation benutzt werden sollten. Don Kettering, der die Mitternachtssendung moderieren sollte, saß in der Maske und arbeitete an seinem Manuskript.

»Wir werden ganz sachlich darüber berichten«, sagte Jaeger zu Chippingham, »ohne jede Reaktion von unserer Seite. Dafür haben wir später wahrscheinlich noch genug Zeit - egal wie die Reaktion dann aussieht. Übrigens, alle Welt, darunter auch die Times und die Post, ruft bei uns an, um zu erfahren, wie wir reagieren werden. Wir haben ihnen gesagt, daß wir das im Augenblick noch nicht wissen und daß wir darüber erst diskutieren müssen.«