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Chippingham nickte. »Gut.«

Jaeger wies auf Karl Owens, der am anderen Ende des Hufeisens saß. »Karl hat eine Idee, wie diese Reaktion aussehen könnte.«

»Laß hören.«

Owens, das ideenreiche Arbeitstier, dessen hartnäckiges Nachbohren bereits zur Identifizierung des Terroristen Ulises Rodriguez geführt hatte, warf einen Blick auf eine seiner Karteikarten, seine gewohnte Datenbank.

»Aus dem Brief von Sendero wissen wir, daß CBA fünf einzelne Cassetten, die jeweils unsere Abendnachrichten ersetzen sollen, erhalten wird - die erste am Donnerstag nächster Woche, die anderen im Abstand von einem Tag. Im Gegensatz zu dem Band mit Mrs. Sloane werden diese Cassetten offenbar nur an CBA geschickt.«

»Das weiß ich doch alles«, entgegnete Chippingham.

Jaeger lächelte, als Owens unbeirrt in der ihm eigenen Ausführlichkeit fortfuhr. »Ich würde nun vorschlagen, daß wir bis Dienstag überhaupt nichts über eine mögliche Reaktion von CBA verlauten lassen. Nur am Montag sollten wir, um das Interesse wachzuhalten, ankündigen, daß wir am nächsten Tag eine öffentliche Erklärung abgeben werden. Und diese wird lauten: Kein Kommentar, bis wir das angekündigte Band am Donnerstag erhalten haben, unsere Entscheidung werden wir erst danach bekanntgeben.«

»Und was bringt uns das?«

»Das bringt uns erst einmal einen Aufschub bis Donnerstag, das sind von heute ab sechs Tage. Dann nehmen wir einmal an, der Sendero schickt uns das Band.«

»Okay, es ist also da. Was dann?«

»Wir legen es in einen Safe, damit niemand dran kann, und gehen dann sofort auf Sendung. Wir unterbrechen das Programm, tun sehr aufgeregt und sagen, wir hätten die Cassette erhalten, sie sei aber kaputt. Sie muß beim Transport beschädigt worden sein, es ist fast alles gelöscht. Wir haben versucht, sie abzuspielen und irgendwie zu reparieren, aber es ging nicht. Und das bringen wir nicht nur im Fernsehen, sondern geben es auch an die Presse und die Presseagenturen weiter, damit es auch wirklich bis nach Peru gelangt und der Sendero Luminoso davon erfährt.«

»Ich glaube, ich verstehe, worauf du hinauswillst«, sagte Chippingham. »Aber erzähl's mir trotzdem.«

»Diese Typen vom Sendero wissen dann nicht, ob wir lügen oder die Wahrheit sagen. Aber sie wissen - wie wir auch -, daß so etwas passieren kann. Vielleicht entscheiden sie im Zweifelsfall zu unseren Gunsten und schicken uns eine Kopie, was wiederum einige Tage dauert... «

Chippingham beendete den Satz für ihn: »...und das würde heißen, daß wir auf keinem Fall an dem Tag, den sie angegeben haben, mit den Sendungen beginnen können.«

»Genau.«

»Karl wäre sicher auch gleich dazu gekommen, Les«, bemerkte Jaeger. »Aber ich glaube, er will damit sagen, daß wir so einige Tage Aufschub erreichen - falls es funktioniert, und es besteht durchaus die Chance, daß es funktioniert. Was hältst du davon?«

»Ich halte es für brillant«, erwiderte Chippingham. »Ich bin wirklich froh, daß wir die Sache in die Hand genommen haben.«

Während des ganzen Wochenendes beherrschten die Forderungen des Sendero Luminoso und das Video mit Jessica die Nachrichtensendungen. Die Meldung erregte weltweit Aufsehen. CBA wurde mit Bitten um Stellungnahme, vorzugsweise in Form einer offiziellen Verlautbarung, bestürmt. Man einigte sich darauf, sämtlich Anrufe dieser Art direkt an CBA News weiterzuleiten. Dem Management der anderen Abteilungen wurde nahegelegt, auf Fragen zu diesem Thema nicht zu antworten, auch nicht inoffiziell.

Bei CBA News kümmerten sich drei Sekretärinnen, die extra deswegen Wochenenddienst leisten mußten, um diese Anrufe. Ihre Antwort war immer dieselbe: Kein Kommentar von CBA und nein, es sei auch nicht möglich zu sagen, wann der Sender einen Kommentar abgeben würde.

Daß CBA sich in Schweigen hüllte, hielt andere nicht davon ab, ihre Meinung zu äußern. Der Tenor der meisten dieser Kommentare lautete: Bleibt stark! Gebt nicht nach!

Eine überraschende Zahl von Leuten war jedoch auch der Ansicht, es schade nichts, die Forderungen der Entführer zu erfüllen, wenn damit die Freilassung der Geiseln zu erreichen wäre. Norman Jaeger reagierte auf diese Haltung mit Empörung: »Sehen diese Spatzenhirne denn nicht, daß es hier ums Prinzip geht? Wenn wir einen Präzedenzfall schaffen, wäre das doch eine Einladung für jede Gruppe von Verrückten auf der ganzen Welt, Leute vom Fernsehen zu entführen!«

In den sonntäglichen Talkshows Face the Nation, Meet the Press und The Week with DavidBrinkley wurde über das Thema diskutiert und Auszüge aus Crawford Sloanes Buch Die Kamera und die Wahrheit zitiert. Besonders beliebt waren folgende Stellen:

daß Geiseln im Notfall zu opfern sind.

- Das einzige Mittel zur Bekämpfung des Terrorismus ist, ...daß man nie, ich wiederhole, nie, mit Terroristen verhandelt oder Lösegelder zahlt, ob nun auf direktem oder indirektem Weg.

Innerhalb von CBA schienen diejenigen, die Les Chippingham versprochen hatten, die grundsätzliche Entscheidung gegen ein Eingehen auf die Forderungen der Entführer geheimzuhalten, zu ihrem Wort zu stehen. Die einzige, die dieses Versprechen brach, war Margot Lloyd-Mason, denn sie telefonierte am Sonntag mit Theodore Elliott und berichtete ihm von den Ereignissen des vergangenen Abends.

Darauf angesprochen, hätte Margot zweifellos argumentiert, daß sie sich nur korrekt verhalte, wenn sie den Vorsitzenden von Globanic über die laufenden Ereignisse informierte. Leider gab aber ihr Vorgehen, ob es nun richtig war oder nicht, den Anstoß für ein Informationsleck mit verheerenden Folgen.

5

Globanic Industries World Headquarters, die Zentrale von Globanic, war ein villenähnlicher Bürokomplex mit eigenem Park in Pleasantville im Staat New York, etwa dreißig Meilen von Manhattan entfernt. Diese Residenz war bewußt gewählt, um die Denkfabrik des Konzerns, in der über Strategien nachgedacht wurde und weitreichende Entscheidungen getroffen wurden, von der hektischen Atmosphäre der Einzelgesellschaften in den industriellen und Finanzzentren zu isolieren. Globanic Financial zum Beispiel, die das Umschuldungsgeschäft mit Peru abwickelte, residierte in drei Stockwerken des World Trade Center in der Nähe der Wall Street.

In Wirklichkeit aber drangen viele der untergeordneten Probleme, die die einzelnen Tochtergesellschaften betrafen, bis in die Zentrale in Pleasantville. Und das war auch der Grund, warum am Montagvormittag um zehn Uhr Glen Dawson, ein forscher junger Reporter des Baltimore Star, darauf wartete, den Chefbuchhalter von Globanic zum Thema Palladium interviewen zu können. Das wertvolle Metall machte im Augenblick Schlagzeilen, und eine Tochter von Globanic besaß in Minas Gerais in Brasilien Bergwerke, in denen Palladium und Platin gefördert wurden. Dort drohten Arbeitskämpfe die Produktion lahmzulegen.

Dawson wartete vor dem Büro des Chefbuchhalters in einer eleganten, runden Vorhalle, von der zwei weitere Büros ranghoher Globanic-Manager abgingen, darunter das des Vorsitzenden des Konzerns.

Der Reporter saß noch immer in einer unauffälligen Ecke, als eine der Bürotüren aufging und zwei Männer in die Halle traten.

Der eine war Theo Elliott, den Dawson von Fotos her kannte. Auch das Gesicht des anderen Mannes kam ihm bekannt vor, doch er konnte es im Augenblick nicht einordnen. Die beiden setzten die Unterhaltung fort, die sie im Büro begonnen hatten.

»...über CBA gehört. Die Drohungen dieser peruanischen Rebellen bringen Sie in eine schwierige Lage.«

Der Vorsitzende von Globanic nickte. »In gewisser Hinsicht ja... kommen Sie, ich bringe Sie zum Aufzug... Wir haben bereits eine Entscheidung getroffen, sie wurde nur noch nicht bekanntgegeben. Wir haben nicht die Absicht, uns von einem Haufen verrückter Kommunisten an die Wand drängen zu lassen.«