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Mony, dessen Interesse nun geweckt war, versprach, die Maklerfirma auf dem laufenden zu halten. Dann besuchte er zusammen mit der jungen Frau das Anwesen.

»Ich weiß, daß wir das eigentlich nicht hätten tun dürfen«, sagte er Cooper und den anderen. »Aber das war so vereinbart, bevor wir wußten, daß die Entführer in Peru sind. Auf jeden Fall haben wir einiges gefunden, das wir für wichtig halten, und deshalb habe ich angerufen.«

Er telefoniere von einem Cafe aus, berichtete er, etwa eine Meile von dem leeren Haus entfernt.

»Sag uns erst einmal, wo das liegt«, forderte ihn Kettering auf. »Dann geh zum Haus zurück und warte dort. Wir kommen so schnell wir können.«

Eine Stunde später bog ein Wagen von CBA mit Don Kettering, Norman Jaeger, Teddy Cooper und einem zweiköpfigen Kamerateam in den Hof des Anwesens in Hackensack ein. Beim Aussteigen sah Kettering sich die alten, verfallenen Gebäude an und bemerkte: »Jetzt verstehe ich, warum es in der Anzeige >renovierungsbedürftig< hieß.«

Cooper faltete die Karte zusammen, die er eben studiert hatte. »Wir sind hier fünfundzwanzig Meilen von Larchmont entfernt. Ungefähr die Entfernung, die wir angenommen haben.«

»Die du angenommen hast«, verbesserte ihn Jaeger.

Mony stellte die junge Frau vor, Cokie Vale, eine zierliche Rothaarige. Cooper erkannte sie sofort wieder. Es war diejenige, die bei der einführenden Versammlung nach den Kameras gefragt hatte.

»Ich erinnere mich noch an Ihre Frage«, sagte er und deutete auf das Team, das eben seine Ausrüstung zusammenbaute. »Wie Sie sehen, heißt die Antwort >ja<.«

Sie lächelte ihn strahlend an.

»Das erste, was ihr euch ansehen müßt«, sagte Mony, »ist im ersten Stock des Haupthauses.«

Die anderen folgten ihm zu dem baufälligen Haus und über eine breite, geschwungene Treppe in das Obergeschoß. Mony öffnete eine Tür und trat zurück, um die anderen eintreten zu lassen.

Das Zimmer stand in totalem Kontrast zum Rest des Hauses. Es war sauber und hygienisch weiß gestrichen, mit einem neuen, hellgrünen Linoleumboden. Mony schaltete die, offensichtlich ebenfalls neuen, Leuchtstofflampen an der Decke an, das Licht fiel auf zwei Krankenhausbetten mit Gittern und Gurten. Daneben stand eine schmale, alte Metallpritsche, an der ebenfalls Gurte befestigt waren.

Kettering wies auf die Pritsche und meinte: »Die ist anscheinend erst nachträglich aufgestellt worden. Das ganze Zimmer sieht aus wie eine Sanitätsstation.«

Jaeger nickte. »Oder wie ein Zimmer, in dem man sich um drei Betäubte kümmern kann, wobei einer davon unerwartet dazukam.«

Mony öffnete einen Schrank. »Die Leute, die hier waren, haben sich offenbar nicht die Mühe gemacht, das ganze Zeug verschwinden zu lassen.«

In dem Schrank lag medizinisches Material - Spritzen, Binden, Watte, Kompressen und zwei noch ungeöffnete Arzneifläschchen.

Jaeger nahm eins der Fläschchen in die Hand und las die Aufschrift vor: »>Diprivan... Propofol< - das ist die Gattungsbezeichnung.« Dann betrachtete er das Kleingedruckte auf dem Etikett. »Hier steht >für intravenöse Anästhesien«« Er sah Kettering an und meinte: »Es paßt alles zusammen. Große Zweifel gibt's hier nicht mehr.«

»Soll ich euch den Rest zeigen?«

»Also los«, erwiderte Kettering. »Du bist derjenige, der sich hier schon umgesehen hat.«

Sie betraten ein kleines Nebengebäude, und Mony zeigte auf einen Eisenofen, der bis zum Rand mit Asche gefüllt war. »Da hat jemand 'ne Menge verbrannt. Leider nicht gründlich genug.« Er nahm eine angekohlte Zeitschrift in die Hand, der Titel Caretas war noch zu entziffern.

»Ein peruanisches Magazin«, sagte Jaeger. »Ich kenne es gut.«

Sie gingen zu einem größeren Gebäude, das offensichtlich als Lackierwerkstatt gedient hatte. Man hatte gar nicht erst versucht, es auszuräumen. Überall lagen Lackdosen herum, einige gebraucht, die anderen noch ungeöffnet. Auf den meisten stand Autolack.

Teddy Cooper sah sich die Farben an. »Erinnert ihr euch noch an die Gespräche mit den Leuten, die die Sloane-Beschattung beobachtet hatten? Ein paar erzählten von einem grünen Auto, obwohl keins der erwähnten Modelle in dieser Farbe geliefert wird. Na, und da ist grüner Lack - und da gelber.«

»Das ist der Unterschlupf«, sagte Jaeger. »Spricht alles dafür.«

Kettering nickte. »Glaube ich auch. Also, machen wir uns an die Arbeit. Wir bringen das heute abend in der Sendung.«

»Da ist noch was«, sagte Mony. »Cokie hat es draußen entdeckt.«

Nun war die attraktive Rothaarige an der Reihe. Sie führte die anderen zu einer Baumgruppe, die etwas abseits von den Gebäuden stand, und erklärte: »Erst vor kurzem hat hier jemand gegraben. Danach hat er versucht, die Stelle wieder einzuebnen, was ihm aber nicht ganz gelungen ist. Und Gras ist auch noch nicht drübergewachsen.«

»Sieht aus, als hätte jemand Erde ausgehoben und irgend etwas vergraben. Deshalb hat sich der Boden auch nicht wieder vollständig gesenkt.«

In der Gruppe wurden Blicke gewechselt. Cooper schien unsicher geworden zu sein, Jaeger sah weg. Wenn hier etwas vergraben war - was? Eine Leiche, oder mehrere? Jeder wußte, daß das möglich war.

»Wir müssen das FBI informieren«, meinte Jaeger zweifelnd. »Vielleicht sollten wir warten und es ihnen...«

Grund für diese Bemerkung war die Tatsache, daß der Direktor des FBI in Washington nach der Freitagssendung der National Evening News bei Margot Lloyd-Mason angerufen und gegen das Zurückhalten von Informationen protestiert hatte. Einige bei CBA hatte es sehr überrascht, daß sie diesen Protest nicht sonderlich ernst nahm. Aber sie ging wahrscheinlich davon aus, daß der Sender sich gegen Druck von Regierungsbehörden zur Wehr setzen konnte und wohl kaum vor Gericht zitiert würde. So unternahm sie nichts und informierte nur Les Chippingham über den Anruf. Und der wies die Spezialeinheit an, die Behörden auf dem laufenden zu halten, es sei denn, zwingende Gründe sprächen dagegen.

Da es sich hier um materielle Indizien handelte, mußte das FBI auf jeden Fall informiert werden - und zwar noch vor der Abendausgabe.

»Klar sagen wir es dem FBI«, entgegnete Kettering. »Aber zuerst möchte ich wissen, was da drin ist.«

»Im Heizkeller sind ein paar Schaufeln«, sagte Mony.

»Hol' sie«, forderte Kettering ihn auf. »Wir sind alle gesund und kräftig. Und dann fangen wir an zu graben.«

Schon kurze Zeit später wurde deutlich, daß sie hier kein Grab öffneten. Es war ein Versteck für verschiedene Gegenstände, die von den Mietern zurückgelassen worden waren. Einige waren unwichtig - Nahrungsmittel, Kleider, Toilettenartikel, Zeitungen. Aber andere lieferten Hinweise - zusätzliches medizinisches Material, Karten, spanische Taschenbücher und Elektrowerkzeuge.«

»Wir wissen, daß sie eine ganze Flotte von Fahrzeugen hatten«, sagte Jaeger. »Vielleicht findet das FBI heraus, was mit denen passiert ist - falls das jetzt überhaupt noch wichtig ist.«

»Das Zeug, das wir hier ausgraben, ist jetzt bestimmt nicht mehr wichtig«, erwiderte Kettering. »Hören wir auf damit.«

Während des Grabens hatte sich das Kamerateam an die Arbeit gemacht und zuerst Cokie Vales Bericht über ihre Nachforschungen in den Immobilienanzeigen und die Entdeckung dieses Hauses in Hackensack aufgenommen. Vor der Kamera wirkte sie sehr sympathisch, sie drückte sich knapp und präzise aus. Später sagte sie, daß das ihr erster Auftritt im Fernsehen gewesen sei. Diejenigen, die zusahen, hatten jedoch das Gefühl, daß es nicht der letzte sein würde.

Alle waren der Meinung, daß auch Jonathan Mony einen Auftritt vor der Kamera verdient hatte, und er wiederholte deshalb seinen Rundgang durch das Zimmer, in dem die Geiseln mit ziemlicher Sicherheit gefangengehalten worden waren. Auch sein Auftritt war sehr überzeugend.