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»Eins hat uns diese Aktion auf jeden Fall gebracht«, meinte Jaeger zu Don Kettering, »nämlich neue Talente.«

Mony stand inzwischen wieder in dem Erdloch und grub weiter, bis Kettering ihn aufforderte, aufzuhören. Beim Heraussteigen spürte Mony etwas Hartes unter seinem Schuh und grub mit der Schaufel nach. Einen Augenblick später zog er einen Gegenstand heraus und rief den anderen zu: »He, seht euch das einmal an!«

Es war ein Funktelefon in einem Leinensack.

Während er Cooper das Telefon gab, sagte er: »Ich glaube, da ist noch eins drunter.«

Am Ende war es dann nicht nur eins, sondern fünf. Man legte alle sechs Apparate nebeneinander auf den Boden.

»Die Leute, die hier gehaust haben, litten aber nicht gerade an Geldmangel«, bemerkte Cokie.

»Kann man wohl sagen, und aller Wahrscheinlichkeit nach war es Drogengeld«, entgegnete Don Kettering. Er blickte nachdenklich auf die Apparate. »Vielleicht - vielleicht bringt uns das doch noch weiter.«

»Werden Anrufe von Funktelefonen eigentlich registriert?« fragte Jaeger.

»Aber natürlich«, antwortete Kettering bestimmt, da er erst vor kurzem über das blühende Geschäft mit Funktelefonen berichtet hatte. »Außerdem werden der Name des Benutzers und die Rechnungsadresse registriert. Und dafür brauchte die Bande einen Komplizen vor Ort.« Er wandte sich an Cooper. »Teddy, auf jedem Apparat muß eine Vorwahl und die Anschlußnummer stehen, wie bei einem gewöhnlichen Haus- oder Geschäftstelefon.«

»Schon verstanden«, erwiderte Cooper. »Soll ich eine Liste aufstellen?«

»Bitte!«

Während Cooper arbeitete, filmte das Team das Haupthaus und die Nebengebäude. Den Schluß bildete eine Absage Ketterings:

»Sicher werden manche einwenden, daß die Entdeckung der amerikanischen Operationsbasis der Entführer etwas zu spät kommt. Ob sie recht haben, wird sich erweisen. Unterdessen werden das FBI und andere das hier gefundene Material sorgfältig untersuchen, während die Welt in ängstlicher Hoffnung zusieht.

Don Kettering, CBA News, Hackensack, New Jersey.«

Vor der Abfahrt riefen sie im örtlichen Polizeirevier an und baten den diensthabenden Beamten, das FBI zu informieren.

Noch vor der ersten Sendung der National Evening News hatte Kettering mit einem Freund telefoniert, einem ranghohen Manager der NYNEX Corporation, der Telefongesellschaft für den Bereich New York und New Jersey. Er hatte die von Teddy Cooper zusammengestellte Liste in der Hand und erklärte seinem Freund, was er brauchte - Namen und Adresse der Person oder Personen, auf die die sechs Apparate zugelassen waren, sowie eine Aufstellung aller in den vergangenen zwei Monaten geführten Gespräche«

»Du bist dir natürlich im klaren«, sagte Ketterings Freund, ein Vizepräsident, »daß das nicht nur eine Verletzung der Privatsphäre ist, wenn ich dir diese Informationen gebe, sondern daß ich mich auch strafbar mache und meinen Job riskiere. Wenn du allerdings eine staatliche Ermittlungsbehörde bist mit einer richterlichen Erlaubnis... «

»Bin ich nicht und kann ich auch nicht sein«, erwiderte Kettering. »Aber du kannst dich darauf verlassen, daß morgen das FBI von dir dieselbe Information verlangt, und die haben bestimmt eine Erlaubnis. Ich will doch nur die Information als erster haben.«

»Mein Gott. Wie bin ich nur an einen Typen wie dich geraten?«

»Gut, daß du fragst. Ich erinnere dich daran, daß du CBA ein oder zwei Mal um einen Gefallen gebeten hast, und daß ich immer prompt darauf reagiert habe. Also komm! Wir haben uns seit der Business School immer vertraut und es noch nie bereut.«

Vom anderen Ende der Leitung kam ein Seufzen. »Also gib mir schon diese verdammten Nummern.«

Nachdem Kettering die Liste vorgelesen hatte, fuhr sein Freund fort: »Du hast gesagt, das FBI kommt morgen. Das heißt ja wohl, daß du die Information noch heute nacht brauchst.«

»Ja, noch irgendwann vor Mitternacht. Du kannst mich zu Hause anrufen. Die Nummer hast du noch?«

»Ich fürchte, ja.«

Um 22 Uhr 45 kam der Anruf. Don Kettering hatte die Wohnung eben erst betreten, er war bei CBA aufgehalten worden.

»Ich habe heute abend eure Nachrichten gesehen«, sagte sein Freund von der NYNEX, »und ich nehme an, die Nummern, die du mir gegeben hast, gehören zu den Funktelefonen der Entführer.«

»Sieht ganz so aus«, erwiderte Kettering.

»In dem Fall hätte ich gern mehr für dich. Viel ist es nämlich nicht. Also, die Telefone sind alle auf eine Helga Efferen zugelassen. Die Adresse kann ich dir geben.«

»Die dürfte kaum noch stimmen. Die Dame ist nämlich tot.

Ermordet. Hoffentlich schuldet sie euch kein Geld.«

»O Mann! Ihr Reporter seid vielleicht kaltblütig.« Nach einer kurzen Pause fuhr er fort. »Mit dem Geld verhält es sich übrigens genau umgekehrt. Gleich nach Ausgabe der Nummern für diese sechs Apparate überwies jemand insgesamt dreitausend Dollar, fünfhundert pro Anschluß. Wir haben das zwar nicht verlangt, aber nachdem das Geld einmal da war, haben wir es den Benutzerkonten gutgeschrieben.«

»Ich kann mir vorstellen, daß die Leute, die diese Apparate benutzten, nicht wollten, daß man ihnen Rechnungen zuschickt oder unangenehme Fragen stellt«, meinte Kettering.

»Na, aus welchem Grund auch immer, der größte Teil des Geldes ist auf jeden Fall noch da. Verbraucht wurde weniger als ein Drittel, weil, mit einer Ausnahme, nur zwischen den sechs Apparaten telefoniert wurde, nie nach draußen. Solche Ortsgespräche zwischen Funktelefonen sind zwar auch nicht umsonst, aber relativ billig.«

»Das spricht alles für den hohen Organisationsgrad und die Disziplin der Entführer«, erwiderte Kettering. »Aber du hast eine Ausnahme erwähnt.«

»Ja - am 13. September, ein direkt gewähltes Auslandsgespräch nach Peru.«

»Das ist der Tag vor der Entführung. Hast du die Nummer?«

»Natürlich. Es war 011, der Zugriffscode auf das internationale Netz, 51, die Vorwahl von Peru, und dann 14-289427. Von meinen Leuten weiß ich, daß >14< Lima ist. Aber welcher Anschluß das nun genau ist, müßt ihr selber herausfinden.«

»Das werden wir sicher. Und vielen Dank!«

»Hoffentlich hilft euch das weiter. Viel Glück!«

Sofort nach dem Auflegen blätterte Kettering in seinem Notizbuch und wählte dann eine Nummer für ein weiteres

Gespräch: 011-51-14-1212.

Als sich eine Stimme mit »Buenas tardes, Cesar's Hotel« meldete, erwiderte Kettering: »Mr. Harry Partridge, por favor.«

8

Für Harry Partridge war es ein entmutigender Tag gewesen. Er war müde und hatte sich deshalb schon kurz vor zehn ins Bett gelegt. Aber seine Gedanken ließen ihm keine Ruhe. Er grübelte über Peru nach.

Das ganze Land, so dachte er, war ein Paradox - eine konfliktgeladene Mischung aus militärischem Despotismus und freier Demokratie. In den abgelegeneren Gegenden der Republik herrschten das Militär und die sogenannte Antiterror-Polizei mit eiserner Faust und meist unter Mißachtung der Gesetze. Sie töteten willkürlich und nannten danach ihre Opfer »Rebellen«, auch wenn sie es nicht waren, wie unabhängige Ermittlungen oft zeigten.

Americas Watch, eine Menschenrechtsorganisation in den Vereinigten Staaten, hatte sich, in Partridges Augen, sehr verdient gemacht, als sie in einem Bericht »eine wahre Sturzflut von außergerichtlichen Exekutionen, willkürlichen Verhaftungen, Verschleppungen und Folterungen« aufzeigte und sie als »zentrales Element« der Antiterrorismuskampagne der Regierung anprangerte.

Doch Americas Watch verschonte auch die Rebellen nicht. In einem erst kürzlich veröffentlichten Untersuchungsbericht, der nun neben Partridges Bett lag, hieß es, der Sendero Luminoso »ermorde systematisch wehrlose Menschen, plaziere Sprengsätze, die das Leben unschuldiger Passanten bedrohen, und greife militärische Ziele an, ohne zu versuchen, das Risiko für die Zivilbevölkerung gering zu halten«. Dies alles seien »fundamentale Verletzungen der internationalen Menschenrechte«.