Выбрать главу

»Sie sagen dann einfach zu unseren Priestern und Sozialarbeitern: >Verschwindet von hier! Wir können euch nicht brauchen. Ihr werdet schon erfahren, wann ihr zurückkehren könnt.<«

»Und die Priester gehorchen?«

Acevedo seufzte. »Klingt nicht gerade bewundernswert, was? Aber normalerweise ja, weil sie keine andere Wahl haben. Wird der Befehl nicht befolgt, würde der Sendero nicht zögern zu töten. Ein lebender Priester kann irgendwann zurückkehren. Ein toter nicht.«

Plötzlich fiel Partridge etwas ein. »Gibt es im Augenblick Orte, von denen eure Leute vertrieben wurden, weil Sendero Luminoso dort keine Zeugen wollte?«

»Es gibt so eine Gegend, und die bereitet uns beträchtliche Probleme. Komm! Ich zeig' sie dir auf der Karte.« Sie gingen zu einer Wand, an der, unter einer Plastikhülle mit Kreidemarkierungen, eine große Karte von Peru hing.

»Es ist dieses ganze Gebiet hier.« Acevedo zeigte auf einen Abschnitt der Provinz San Martin, der rot umrandet war. »Bis vor etwa drei Wochen haben wir dort, wie jedes Jahr, unser großangelegtes Hilfsprogramm durchgeführt. Es geht dabei vorwiegend um Schutzimpfungen für Kinder. Die sind sehr wichtig, weil in diesem Teil der Selva Dschungelkrankheiten sehr häufig sind, die auch tödlich verlaufen können. Auf jeden Fall hat der Sendero Luminoso, der die Gegend kontrolliert, darauf bestanden, daß unsere Leute sie verlassen. Wir haben protestiert, aber es war nichts zu machen. Und jetzt wollen wir unsere Ärzte wieder dorthin zurückschicken. Aber der Sendero sagt nein.«

Partridge betrachtete den eingekreisten Kartenausschnitt. Er hatte gehofft, daß es sich um ein kleines Gebiet handeln würde. Aber er wurde enttäuscht, es war riesig. Er las Ortsnamen, alle weit voneinander entfernt: Tocache, Uchiza, Sion, Nueva Esperanza, Pachiza. Ohne sich viel davon zu versprechen, notierte er sie. Falls die Geiseln wirklich an einem der Orte gefangengehalten wurden, hätte es wenig Sinn, in die Gegend einzudringen, ohne zu wissen, an welchem Ort genau. Eine Rettung wäre überall schwierig, wenn nicht sogar unmöglich. Eine winzige Chance bestand nur, wenn die Entführer überrascht werden konnten.

»Ich glaube, ich weiß, was du denkst«, sagte Acevedo. »Du überlegst dir, ob deine entführten Freunde irgendwo in diesem Gebiet sind.«

Partridge nickte schweigend.

»Ich glaube nicht, denn davon hätte ich bestimmt gehört. Aber unsere Kirche hat ein ganzes Netz von Kontakten. Ich werde mich umhören und dir berichten, falls ich etwas erfahre.«

Mehr konnte Partridge nicht erwarten. Aber er wußte, daß ihm die Zeit davonlief und daß er über den Aufenthaltsort der Sloanes seit seiner Ankunft noch nichts Neues in Erfahrung gebracht hatte.

Schon im erzbischöflichen Palais hatte ihn der Gedanke niedergeschlagen gestimmt. Als er sich nun in seinem Hotelzimmer an die Ereignisse des Tages erinnerte, war er frustriert wegen seiner mangelnden Fortschritte und fühlte sich wie ein Versager.

Plötzlich klingelte das Telefon.

»Harry, bist du das?« Partridge erkannte Don Ketterings Stimme.

Gleich nach der Begrüßung kam Kettering zur Sache. »Hier ist einiges passiert, von dem ich mir dachte, daß du es wissen solltest.«

Rita, die ebenfalls im Cesar's Hotel wohnte, hob nach dem zweiten Klingeln ab.

»Ich habe eben einen Anruf aus New York bekommen«, sagte Partridge. Er wiederholte, was Don Kettering ihm über die Entdeckung des Hauses in Hackensack und die Funktelefone erzählt hatte, und fügte hinzu: »Don hat mir eine Nummer in Lima gegeben, die von einem der Funktelefone angerufen wurde. Ich will wissen, wem die gehört.«

»Gib sie mir«, sagte Rita.

Partridge las vor: »28-9427.«

»Ich versuche, diesen Victor Velasco von Entel zu erreichen. Er soll sich darum kümmern. Ich rufe zurück, sobald es etwas Neues gibt.«

Fünfzehn Minuten später meldete sie sich wieder. »Ich habe Velasco zu Hause erreicht. Er sagt, daß sich seine Abteilung um so etwas normalerweise nicht kümmert und daß es schwierig sei, an die Information zu kommen. Aber er hofft, daß er sie bis morgen früh hat.«

»Danke«, sagte Partridge. Wenige Augenblicke später war er eingeschlafen.

9

Erst am Mittwoch gegen Nachmittag konnte die Telefonnummer, die Partridge von Kettering bekommen hatte, identifiziert werden. Velasco entschuldigte sich wegen der Verspätung. »Das sind natürlich vertrauliche Daten«, erklärte er Partridge und Rita in der Schneidekabine von CBA bei Entel, wo sie zusammen mit dem Cutter an einem neuen Bericht für New York arbeiteten.

»Es war schwierig, meine Kollegen zu überreden, die Information herauszugeben«, fuhr Velasco fort. »Aber ich habe es geschafft.«

»Mit Geld?« fragte Rita, und als er nickte, meinte sie: »Sie bekommen es zurück.«

Die Information war hastig auf einen Notizzettel gekritzelt: Calderön G. - 547 Huancavelica Street, 10F.

»Wir brauchen Fernandez«, sagte Partridge.

»Ist schon unterwegs«, erwiderte Rita, und wenige Minuten später stand der dunkelhäutige Kontaktmann vor ihnen. Seit Partridges und Minh Van Canhs Ankunft hatte er für die beiden gearbeitet und half nun auch Rita, wo er konnte.

Als er die Adresse sah und erfuhr, warum sie wichtig sein konnte, nickte Fernandez Pabur eifrig. »Ich kenne das Haus. Es ist ein alter Wohnblock in der Nähe der Kreuzung an der Avenida Tacna. Nicht gerade ein« - er suchte nach dem englischen Wort - »Palast.«

»Egal was es ist«, erwiderte Partridge. »Ich muß sofort dorthin.« Er wandte sich an Rita: »Ich will, daß ihr mitkommt, du, Minh und Ken, aber ich gehe zuerst allein hinein und sehe, was ich herausfinden kann.«

»Nicht allein«, protestierte Fernandez. »Man könnte Sie angreifen und ausrauben, oder vielleicht noch Schlimmeres. Tomas und ich werden Sie begleiten.«

Tomas, das wußten sie inzwischen, war der Name des kräftigen, schweigsamen Leibwächters.

Der Kombi, den Fernandez gemietet hatte und den sie nun regelmäßig benutzten, stand vor dem Entel-Gebäude. Mit sieben Leuten wurde es ziemlich eng, aber die Fahrt dauerte nur zehn Minuten. »Dort ist es«, sagte Fernandez und zeigte aus dem Fenster.

Die Avenida Tacna war eine breite, viel befahrene Durchgangsstraße, Huancavelica Street eine Querstraße dazu. Die Gegend war zwar noch nicht so schlimm wie die barriadas, hatte aber offensichtlich schon bessere Tage gesehen. Die Nummer 547 war ein großes, düsteres Gebäude mit abblätternder Farbe und zerbröckelndem Mauerwerk. Einige Männer standen untätig herum, andere saßen auf dem Sims neben dem Eingang und sahen zu, wie Partridge, Fernandez und Tomas ausstiegen, während Rita, Minh Van Canh und Ken O'Hara, der Tontechniker, mit dem Fahrer im Auto sitzenblieben.

Partridge sah die feindseligen, prüfenden Blicke der Männer und war froh, daß er das Gebäude nicht allein betreten mußte.

Im Inneren überfiel sie der Gestank von Urin und allgemeinem Verfall. Der Boden war voller Unrat. Natürlich funktionierte auch der Aufzug nicht, und die Männer mußten zu Fuß über die schmuddelige Treppe in den zehnten Stock steigen.

Apartment F lag am Ende eines düsteren Korridors. Partridge klopfte an der einfachen Holztür. Drinnen hörte er Bewegungen, doch es kam niemand, um die Tür zu öffnen. Er klopfte noch einmal. Nun wurde die Tür einen Spalt geöffnet, gerade so weit, wie es die Sicherungskette erlaubte. Gleichzeitig kam von einer schrillen Frauenstimme eine Schimpftirade in Spanisch - so schnell, daß Partridge nicht folgen konnte. Er verstand nur einige Worte: »Animales!... Asesinos!... Diablos!«

Partridge spürte eine Hand auf seinem Arm, Fernandez' kräftige Gestalt schob sich zur Tür. Er hielt den Mund an den Spalt und sprach ähnlich schnell, aber mit sachlicher, beruhigender Stimme. Nach einer Weile verstummte die Stimme in der Wohnung, die Kette wurde gelöst und die Tür geöffnet.