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»Vor dem Landeanflug«, fuhr Zileri fort, »werden wir uns vergewissern, ob die Straße leer ist und sich niemand am Boden aufhält. Von unserem Landepunkt aus führt ein schmaler Pfad bis in die Nähe von Nueva Esperanza.«

»Ich habe eine gute Karte, auf der dieser Pfad eingezeichnet ist«, warf Fernandez dazwischen.

»Und jetzt zum Rückflug mit den zusätzlichen Passagieren«, sagte Zileri. »Fernandez und ich haben bereits darüber gesprochen und einen Plan ausgearbeitet.«

»Schießen Sie los«, forderte Partridge ihn auf.

Man diskutierte, wägte ab und traf Entscheidungen.

Für den Rückflug gab es drei mögliche Treffpunkte. Zunächst die Straße, auf der man beim Hinflug landen wollte. Zum zweiten die Piste in Sion, die von Nueva Esperanza aus mit dem Boot und einem anschließenden Dreimeilenmarsch durch den Dschungel erreicht werden konnte. Und schließlich eine sehr kleine Piste auf halbem Weg zwischen den beiden, die von Drogenhändlern benutzt wurde und nur sehr wenigen Leuten bekannt war; auch die war nur über den Fluß zu erreichen.

Fernandez erklärte, warum diese Alternativen nötig waren: »Wir wissen nicht, was in Nueva Esperanza passieren wird und welcher Fluchtweg für uns offen ist.«

Das Flugzeug, das die Gruppe aufnehmen sollte, konnte problemlos alle drei Treffpunkte überfliegen und auf Signale vom Boden reagieren. Zu Partridges Ausrüstung gehörte eine Signalpistole mit grünen und roten Patronen. Eine grüne würde bedeuten: Alles in Ordnung, normal landen; eine rote: Schnellstmöglich landen, wir sind in Gefahr!

Falls der Pilot von der Luft aus Gewehr- oder Maschinenpistolenfeuer bemerkte, sollte er nicht landen, sondern nach Lima zurückkehren.

Da man den Termin für den Rückflug nicht im voraus festlegen konnte, sollte das Flugzeug an zwei Tagen das Gebiet überfliegen, zuerst am Sonntagmorgen um 8 Uhr, und falls es da zu keiner Kontaktaufnahme kam, am Montag um dieselbe Zeit noch einmal. Danach sollte Rita entscheiden, was zu tun sei, denn sie sollte während der Expedition von Lima aus die Verbindung nach New York aufrechterhalten, was Partridge für sehr wichtig hielt.

Nach der Operationsplanung unterzeichneten Rita als Vertreterin von CBA News und Oswaldo Zileri einen Vertrag, und schließlich gaben sich das CBA-Team und Zileri formell die Hände. Der Pilot sah Partridge in die Augen und sagte: »Wir werden unseren Teil der Vereinbarung einhalten und unser Bestes für Sie tun.«

Partridge hatte das Gefühl, daß es Zileri ernst war. Nach der Rückkehr ins Cesar's Hotel traf sich Partridge in seiner Suite mit allen Mitgliedern des CBA-Teams, um zu entscheiden, wer ihn auf dieser Expedition nach Nueva Esperanza begleiten sollte. Drei Teilnehmer standen bereits fest: er selbst, Minh Van Canh, da Bildmaterial sehr wichtig war, und Fernandez Pabur. Wenn man die drei zusätzlichen Passagiere beim Rückflug einrechnete, blieb also noch ein Platz offen.

Zur Wahl standen Bob Watson, der Cutter, Ken O'Hara, der Tontechniker und Tomas, der schweigsame Leibwächter.

Fernandez Pabur favorisierte Tomas und meinte: »Er ist stark und kann kämpfen.« Bob Watson, auf seiner stinkenden Zigarre kauend, sagte: »Nimm mich, Harry! Wenn's zum Kampf kommt, kann ich gut auf mich selber aufpassen. Hab' das bei den Straßenschlachten in Miami gemerkt.« O'Hara erklärte nur lapidar: »Ich möchte auch gerne mitkommen.«

Am Ende entschloß sich Partridge für O'Hara, weil er ihn am besten kannte. Er hatte schon oft bewiesen, daß er in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf behalten konnte, und außerdem war er sehr erfinderisch. Da Minh eine Betacam mit eingebautem Mikrofon benutzen wollte, gab es zwar keine separate Tonausrüstung, doch Ken O'Hara hatte eine geschickte Hand für alles Technische, was unter Umständen nützlich sein konnte.

Partridge überließ es Fernandez, die Ausrüstung zu besorgen, und unter dessen Anleitung wurden im Hotel die einzelnen Posten zusammengestellt: leichte Hängematten, Moskitonetze und Insektenschutzmittel, getrockneter Proviant für zwei Tage, volle Wasserflaschen, Tabletten zur Wassersterilisierung, Macheten, kleine Kompasse, Ferngläser und Plastikplanen. Da jeder seinen eigenen Bedarf im Rucksack tragen mußte, versuchte man einen Ausgleich zu finden zwischen Notwendigkeit und Gewicht.

Fernandez drängte weiterhin darauf, daß jeder eine Waffe trug. Es kam häufig vor, daß Korrespondenten und Fernsehteams bei Einsätzen im Ausland bewaffnet waren, auch wenn sie ihre Waffen nicht unbedingt öffentlich zur Schau trugen. Die Sender mischten sie dabei nicht ein, sie überließen es dem Urteil der Leute vor Ort. In diesem Fall lag die Notwendigkeit einer Bewaffnung auf der Hand, und außerdem hatten alle vier Erfahrung im Umgang mit Waffen.

Partridge blieb bei seiner Browning neun Millimeter mit Schalldämpfer. Daneben besaß er noch ein Fairburn Armeemesser, das ihm ein Major der britischen SAS geschenkt hatte.

Da Minh außer der Waffe auch noch seine Kameraausrüstung tragen mußte, wollte er etwas Wirkungsvolles aber Leichtes; Fernandez versprach, ihm eine israelische UZI-Maschinenpistole zu besorgen. O'Hara meinte, er nehme alles, was er bekommen könne; am Ende war es dann ein amerikanisches Sturmgewehr vom Typ M-16. Anscheinend war in Lima jede Waffe erhältlich; und dem, der Geld hatte, stellte man keine Fragen.

Eine Frage ging Partridge seit Mittwoch nicht mehr aus dem Kopf: Sollte er die peruanischen Behörden informieren, vor allem die Antiterror-Polizei? Am Donnerstag hatte er Sergio Hurtado um Rat gefragt, den Radioreporter, der ihn davor gewarnt hatte, die Hilfe von Polizei oder Militär in Anspruch zu nehmen. Bei ihrem Treffen an Partridges erstem Tag in Peru hatte Sergio gesagt: »Vermeide am besten jeden Kontakt mit ihnen, weil man sich nicht mehr auf sie verlassen kann, falls man das je konnte. Was Mord und Verwüstungen angeht, sind die nicht besser als der Sendero und mit Sicherheit genauso skrupellos.«

Da sich beide gegenseitige Vertraulichkeit zugesichert hatten, informierte Partridge Sergio über die neuesten Entwicklungen und fragte ihn dann, ob er ihm immer noch den gleichen Rat geben würde.

»Ja, und eher noch eindringlicher«, antwortete Sergio. »Die Regierungseinheiten sind berüchtigt dafür, daß sie genau in solchen Situationen mit maximaler Feuerkraft operieren. Die gehen kein Risiko ein. Die legen zuerst jeden um, egal ob schuldig oder unschuldig, und stellen erst danach Fragen. Und wenn man ihnen dann vorwirft, sie hätten die falschen Leute getötet, sagen sie nur: >Woher sollten wir das denn wissen? Es hieß töten oder getötet werden.««

Partridge fiel ein, daß General Raul Ortiz etwas sehr

Ähnliches gesagt hatte.

Sergio fügte hinzu: »Aber du mußt auch wissen, daß du bei der Aktion, die du geplant hast, ganz auf dich selbst gestellt bist.«

»Ich weiß«, erwiderte Partridge. »Aber ich sehe keinen anderen Weg.«

Es war früher Nachmittag. Schon seit ein paar Minuten spielte Sergio mit einem Blatt Papier auf seinem Schreibtisch. Jetzt fragte er: »Bevor du zu mir gekommen bist, Harry, hast du da eine schlechte Nachricht erhalten? Ich meine heute.«

Partridge schüttelte den Kopf.

»Dann tut es mir leid, daß ich derjenige bin, der sie dir überbringen muß.« Sergio gab ihm das Blatt Papier. »Das kam kurz vor deiner Ankunft herein.«

»Das« war eine Reuter-Meldung über das Eintreffen von Nicky Sloanes abgetrennten Fingern bei CBA in New York und Crawfords entsetzter Reaktion.

»O Gott!« Kummer und Selbstvorwürfe überwältigten Partridge. Warum hatte er nur nicht schon früher etwas Konkretes unternommen?

»Ich weiß, was du jetzt denkst«, sagte Sergio. »Aber du hättest das auf keinen Fall verhindern können. Nicht in der kurzen Zeit und mit den wenigen Informationen, die du hattest.«