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»Vielen Dank, Noreen. Ich auch. Also, ich rufe aus Lima in Peru an, und ich muß dringend mit Mrs. Lloyd-Mason sprechen. Wenn Sie mir die Nummer geben, verspreche ich Ihnen, daß ich kein Wort sage, von wem ich sie habe, und wenn ich das nächste Mal in Stonehenge bin, werde ich mich persönlich bei Ihnen bedanken.«

»Oh! Das würden Sie wirklich tun, Mr. Sloane?«

»Ich halte immer meine Versprechen. Und wie lautet jetzt die Nummer, Noreen?«

Er notierte sie sich auf einen Zettel.

Seinen Anruf nahm eine Männerstimme entgegen, die wie die eines Butlers klang. Sloane stellte sich vor und bat, Mrs. Lloyd-Mason sprechen zu dürfen. Nach einigen Minuten meldete sich Margots unverwechselbare Stimme: »Ja?«

»Hier ist Crawford Sloane. Ich rufe aus Lima an.«

»Man sagte mir, daß Sie dort seien, Mr. Sloane. Ich möchte nur wissen, warum Sie anrufen, Mr. Sloane, vor allem bei mir zu Hause. Doch zunächst mein Beileid zum Tod Ihres Vaters.«

»Vielen Dank.«

Die CBA-Präsidentin redete Sloane noch immer mit dem Nachnamen an, was bei jemand in seiner Position ungewöhnlich war, aber sie hatte offensichtlich nicht die Absicht, das zu ändern. An ihrem Ton und ihrer Distanziertheit merkte Sloane auch, daß er mit direkten Fragen nichts erreichen würde. Er beschloß deshalb, einen altbewährten Journalistentrick anzuwenden, der schon oft und auch bei den gerissensten Gesprächspartnern funktioniert hatte.

»Mrs. Lloyd-Mason, als Sie gestern beschlossen, Harry Partridge zu entlassen, war Ihnen da eigentlich bewußt, wieviel er bei dem Versuch, mein Familie zu finden und zu befreien, bereits erreicht hat?«

Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen. »Wer hat Ihnen gesagt, daß das meine Entscheidung war?«

Am liebsten hätte er geantwortet: Sie selbst, gerade eben! Aber er hielt sich zurück und sagte: »Bei einem Sender wie dem unseren ist es fast unmöglich, etwas geheimzuhalten. Und deshalb habe ich Sie angerufen.«

»Ich will im Augenblick nicht darüber sprechen«, erwiderte Margot kurz angebunden.

»Das ist aber bedauerlich«, sagte er schnell, bevor sie auflegen konnte, »weil ich geglaubt habe, wir könnten uns vielleicht über die Beziehung zwischen Harrys Entlassung und dem großen Debt-to-Equity-Swap unterhalten, den Globanic im Augenblick mit Peru aushandelt. Hat Harrys ehrliche Berichterstattung möglicherweise jemanden beleidigt, der Interesse an diesem Geschäft hat?«

Vom anderen Ende der Leitung kam ein langes Schweigen, nur Margots Atem war zu hören. Schließlich sagte sie mit gedämpfter Stimme: »Woher wissen Sie das alles?«

Also gab es doch eine Verbindung!

»Nun«, sagte Sloane, »Tatsache ist, daß Harry Partridge von diesem Geschäft erfahren hat. Er st ein erstklassiger Reporter, wie Sie wissen, einer der besten, die es gibt, und er riskiert jetzt gerade sein Leben für CBA. Aber Harry hat beschlossen, diese Information nicht zu benutzen. Soweit ich weiß, waren seine Worte: >Das ist das mindeste, was wir für Globanic tun sollten, schließlich sorgen die ja, für die Butter auf unserem Brot.<«

Wieder Schweigen. Schließlich sagte Margot: »Dann wird es also nicht veröffentlicht?«

»Nun ja, das ist eine andere Geschichte.« Unter anderen Umständen hätte Sloane die Situation vielleicht genossen, aber so fühlte er sich elend und deprimiert. »Da gibt es hier in Lima einen Radioreporter, der die Sache aufgespürt hat. Er besitzt eine Kopie des Vertrags und will nächste Woche damit an die Öffentlichkeit gehen. Ich denke, daß man die Geschichte auch außerhalb Perus aufgreifen wird. Oder was glauben Sie?«

Margot antwortete nicht. Um festzustellen, ob sie nicht schon aufgelegt hatte, fragte Sloane: »Sind Sie noch dran?«

»Ja.«

»Kann es vielleicht sein, daß Sie bedauern, Harry das angetan zu haben?«

»Nein.« Die Antwort klang irgendwie geisterhaft, als sei Margot in Gedanken weit weg. »Nein«, wiederholte sie, »ich habe an etwas anderes gedacht.«

»Mrs. Lloyd-Mason« - Crawford Sloane sagte es mit der schneidenden Stimme, mit der er gelegentlich unangenehme Meldungen in den Nachrichten verlas - »hat man Ihnen schon einmal gesagt, daß Sie ein eiskaltes Miststück sind?« Dann legte er auf.

Auch Margot legte auf, als die Verbindung unterbrochen war. Eines Tages, und zwar sehr bald, wie sie hoffte, würde sie Mittel und Wege finden, es diesem überheblichen Mr. Crawford Sloane zu zeigen. Jetzt war nicht die Zeit dafür. Im Augenblick waren andere Dinge wichtiger.

Die Nachricht, daß das Abkommen zwischen Globanic und Peru nicht länger geheim war, hatte ihr einen Schock versetzt. Doch sie war schon oft erschrocken gewesen und es nie lange geblieben. In ihrer Karriere hatte es zahlreiche Rückschläge gegeben, doch war es ihr immer gelungen, sie am Ende zu ihrem Vorteil zu nutzen. Und das wollte sie auch jetzt tun. Sie setzte sich und dachte nach, welchen Weg sie einschlagen sollte.

Ohne Frage mußte sie zuerst Theo Elliott anrufen. Ihn konnte man wegen wichtiger Geschäftsangelegenheiten jederzeit stören, auch am Wochenende.

Sie wollte ihm sagen, sie habe erfahren, daß in Peru Informationen über das Globanic-Geschäft durchgesickert seien und daß ein peruanischer Reporter im Besitz von Kopien des Vertragstextes sei und sie auch veröffentlichen wolle. Es habe nichts zu tun mit CBA oder einem anderen amerikanischen Sender; es sei ein rein peruanisches Leck, allerdings ein schlimmes.

Die ganze Sache sei sehr bedauerlich, wollte sie Theo sagen, und sie habe nicht die Absicht, jemandem Vorwürfe zu machen, aber sie müsse sich doch fragen: War Fossie Xenos, was seine Gesprächspartner betraf, vielleicht zu unvorsichtig gewesen, vor allem in Peru? Nach ihren Information zu urteilen scheine es möglich, daß der Enthusiasmus, für den Fossie berühmt war, ihn zu Indiskretionen verleitet habe.

Sie wollte Theo weiterhin sagen, daß auch CBA News über die peruanische Presse von der Sache Wind bekommen habe.

Doch sie, Margot, habe ausdrücklichen Befehl gegeben, damit nicht an die Öffentlichkeit zu gehen.

Mit etwas Glück, dachte sie, würde sich schon Anfang nächster Woche der Wind drehen, und sie wäre Fossie wieder einen Schritt voraus. Ausgezeichnet!

Während dieser Überlegungen dachte Margot auch kurz an Harry Partridge. Sollte man ihn wieder einstellen? Nein, entschied sie. Es würde die ganze Sache noch komplizierter machen, und da Partridge ohnehin nicht wichtig war, sollte man es besser dabei belassen. Außerdem würde Theo trotz allem noch am Montag Präsident Castaneda anrufen und ihm sagen wollen, daß der Unruhestifter - um seinen Ausdruck zu benutzen - entlassen und aus Peru verbannt sei.

Lächelnd und zuversichtlich, daß ihre Strategie funktionieren würde, griff sie zum Hörer und wählte Theo Elliotts Geheimnummer.

Oswaldo Zileri, der Pilot und Besitzer von Aerolibertad, hatte schon von Crawford Sloane gehört und verhielt sich deshalb entsprechend höflich.

»Als Ihre Freunde sich wegen eines Charterflugzeugs an mich wandten, Mr. Sloane, sagte ich ihnen, ich wolle von ihren Absichten nichts wissen. Aber da ich Sie jetzt hier sehe, kann ich mir vorstellen, worum es geht, und Ihnen und den Männern nur Glück wünschen.«

»Vielen Dank«, erwiderte Sloane. Er saß mit Rita in Zileris bescheidenem Büro in der Nähe des Flughafens von Lima. »Wie war die Lage, als Sie Mr. Partridge und die anderen heute morgen absetzten?«

Zileri zuckte die Achseln. »Der Dschungel ist immer gleich -grün, undurchdringlich, endlos. Aber außer Ihren Freunden war keine Menschenseele zu sehen.«

»Als wir über die zusätzlichen Passagiere für den Rückflug sprachen«, sagte Rita zu Zileri, »hofften wir, daß es drei sein würden. Aber jetzt sind es nur noch zwei.«

»Ich habe die traurige Nachricht über Ihren Vater gehört.« Der Pilot schüttelte den Kopf. »Wir leben in grausamen Zeiten.«

Sloane begann: »Ich habe mich gefragt, ob jetzt...«