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Chippingham war zu verwirrt für mehr als eine höflich formelle Verabschiedung.

Die Meldung über Theodore Elliott und seine Einkommensteuer erschien zwar in den Abendnachrichten von CBA, bohrende Fragen hinsichtlich der Unschuldsbeteuerungen des Vorsitzenden von Globanic blieben jedoch aus. Einer der Redakteure am Hufeisen mokierte sich eine Woche später darüber: »Wenn es ein Politiker gewesen wäre, hätten wir ihn zuerst mit Zweifeln überschüttet und ihm dann die Haut abgezogen wie einer Zwiebel. So hatten wir nicht mal 'ne Fortsetzungsstory.«

Man hatte wirklich an eine Fortsetzung gedacht, genügend neues Material dafür war vorhanden. Doch bei einer Diskussion am Hufeisen, an der auch Chippingham teilnahm, kam man zu der Entscheidung, daß andere Nachrichten an diesem Tag wichtiger seien; die Fortsetzung wurde also nicht gesendet. Es war eine heikle Entscheidung, und nur wenige gestanden sich ein, daß Feigheit mit im Spiel gewesen war.

Die Budgetkürzung war ein viel schwierigeres Problem. Es war genau der Punkt, an dem alle Sender nach der Übernahme durch die neuen Herren verwundbar waren, und jeder wußte das, Leslie Chippingham eingeschlossen. Vor allen die Nachrichtenabteilungen waren aufgebläht, personell überbesetzt und reif für eine Beschneidung.

Bei CBA hatten diese Einsparungen sehr schmerzhafte Auswirkungen, denn über zweihundert Leute verloren ihre Arbeit.

Auf die Entlassungen folgte eine Woge der Entrüstung unter jenen, die ihre Arbeit verloren hatten, und ihren Freunden. Für die Printmedien war die Sache ein gefundenes Fressen, jede Zeitung brachte bewegende Geschichten über die Opfer der Einsparungswelle, obwohl viele Zeitungsverleger selbst ähnliche Rationalisierungen vornahmen.

Eine Gruppe innerhalb von CBA News, deren Mitglieder alle langfristige Verträge besaßen, schickte einen Protestbrief an die New York Times. Zu den Unterzeichnern gehörten Crawford Sloane, einige ranghohe Korrespondenten und mehrere Redakteure. In dem Brief beklagten sie, daß einige der so plötzlich Entlassenen altgediente Korrespondenten gewesen seien, die fast ihr gesamtes Arbeitsleben im Dienst von CBA News verbracht hatten. Sie wiesen auch darauf hin, daß CBA als Ganzes keineswegs in finanziellen Schwierigkeiten sei, sondern im Gegenteil Profite abwerfe, die sich durchaus mit denen großer Industriekonzerne messen ließen. Nach seiner Veröffentlichung fand der Brief landesweit große Beachtung.

Der Brief und das Aufsehen, das er erregte, machten Margot Lloyd- Mason wütend. Noch einmal ließ sie Leslie Chippingham zu sich rufen.

Mit der aufgeschlagenen Times vor sich schimpfte sie los: »Diese überbezahlten, eingebildeten Typen gehören doch zum Management. Die sollten Entscheidungen des Managements mittragen und sie nicht mit ihrer öffentlichen Nörgelei unterminieren.«

»Ich glaube nicht, daß sie sich als Teil des Managements verstehen«, gab der Nachrichtenchef vorsichtig zu bedenken. »Sie sind zuallererst Journalisten und machen sich Sorgen um ihre Kollegen. Und ich kann es Ihnen ruhig sagen, Margot, ich mir auch.«

Seine Chefin strafte ihn mit einem wütenden Blick. »Ich hob' schon genug Probleme, auch ohne euch, und ich will von diesem Unsinn nichts mehr hören. Sie nehmen sich die Leute vor, die diesen Brief unterzeichnet haben, und machen ihnen klar, daß ich solch ein illoyales Verhalten nicht mehr dulden werde. Sie können sie auch darauf hinweisen, daß diese Art von doppeltem Spiel bei Vertragsverlängerungen in Betracht gezogen wird. Da fällt mir ein - einige der Gehälter, die wir den Leuten zahlen, sind ja wirklich astronomisch, vor allem das für diesen arroganten Kerl Crawford Sloane.«

Leslie Chippingham gab eine etwas entschärfte Version von Margots Tirade an seine Leute weiter und gab dabei zu bedenken, daß er derjenige sei, der die Nachrichtenabteilung zusammenhalten müsse, was aber nun immer schwieriger werde.

Zum Eklat kam es schließlich einige Wochen später, als ein CBA-internes Memo mit neuen Vorschlägen von Mrs. Margot Lloyd-Mason die Gemüter erhitzte. Sie hatte die Absicht, einen politischen Aktionsfonds einzurichten, mit dem eine Lobby für die CBA in Washington finanziert werden konnte. Die Führungsetage des Senders sollte »freiwillig« zu diesem Fonds beitragen, was hieß, daß das Geld von ihren Gehältern abgezogen würde. Natürlich war auch die Leitung der Nachrichtenabteilung davon betroffen. Die Ankündigung wies darauf hin, daß dieses Arrangement einem ähnlichen in der Muttergesellschaft entspreche.

An dem Tag, als dieses Memo eintraf, wurde Chippingham am Hufeisen von einem Redakteur gestellt: »Les, du wirst uns doch diese Sauerei mit dem Fond vom Leib halten, oder?«

Crawford Sloane, der etwas abseits stand, mischte sich ein. »Natürlich wird er das. Les würde nie einer Sache zustimmen, bei der die Nachrichtenabteilung um politische Gefälligkeiten bitten müßte, anstatt über sie zu berichten. Da können wir uns auf ihn verlassen.«

Der Nachrichtenchef war sich nicht sicher, inwieweit der Moderator das ironisch gemeint hatte. Doch wußte er, daß er ein weiteres schwieriges Problem vor sich hatte; und Schuld daran war Margots Ignoranz, was journalistische Integrität betraf - oder war es einfach Gleichgültigkeit? Sollte er mit ihr über diesen Fonds streiten? Er glaubte nicht, daß es viel Sinn haben würde, da es ganz offensichtlich Margots einziges Ziel war, ihren Herren bei Globanic zu gefallen und ihre eigene Karriere zu fördern.

Schließlich löste er das Problem, indem er die ganze Geschichte und den Inhalt des internen Memorandums an die Washington Post durchsickern ließ. Er hatte dort einen Kontaktmann, den er schon öfters benutzt hatte und bei dem er sich darauf verlassen konnte, daß er seine Quelle nicht preisgab. Die Folge war ein auch von anderen Zeitungen aufgegriffener Artikel in der Post, der die Vorstellung, ein Nachrichtenmedium würde politisches Lobbyistentum betreiben, der Lächerlichkeit preisgab. Innerhalb weniger Tage wurde der Plan offiziell fallengelassen, angeblich auf persönlichen Befehl des Globanic-Vorsitzenden Theodore Elliott.

Und wieder mußte Chippingham vor seiner Chefin erscheinen.

Sie fragte ihn barsch, ohne jede Begrüßung: »Wer in der Nachrichtenabteilung hat das Memo an die Post gegeben?«

»Ich habe keine Ahnung«, log er.

»Blödsinn. Auch wenn Sie es nicht genau wissen, einen Verdacht haben Sie sicher!«

Chippingham hielt es für besser zu schweigen, und er stellte mit Erleichterung fest, daß Margot gar nicht auf die Idee kam, er selbst könne der Übeltäter sein.

Sie brach das sekundenlange Schweigen. »Seitdem ich hier bin, waren Sie nur unkooperativ.«

»Es tut mir leid, daß Sie das so sehen, weil es meiner Meinung nach nicht stimmt. Ich habe nur versucht, ehrlich zu sein.«

Ohne auf seinen Widerspruch einzugehen, fuhr Margot fort: »Wegen Ihrer widerspenstigen Haltung habe ich Erkundigungen über Sie einholen lassen und einiges erfahren. Unter anderem auch, daß Ihnen Ihr Job im Augenblick sehr wichtig ist, weil Sie es sich finanziell nicht leisten können, ihn zu verlieren.«

»Mein Job war mir schon immer wichtig. Und was die finanzielle Seite angeht, trifft das nicht auf die meisten Leute zu?« Chippingham fragte sich mit Unbehagen, was noch kommen würde.