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Mit einem dünnen, überheblichen Lächeln sagte Margot: »Ich zumindest stecke nicht mitten in einem vertrackten Scheidungsprozeß. Aber Sie. Ihre Frau will eine großzügige finanzielle Entschädigung plus einen Großteil Ihres gemeinsamen Besitzes, und wenn sie das nicht bekommt, wird sie vor Gericht Beweise vorlegen für eine ganze Reihe von Ehebrüchen, die zu verheimlichen Sie sich nicht die Mühe gemacht haben. Außerdem haben Sie Schulden, darunter einen großes Bankdarlehen, und deshalb brauchen Sie dringend ein regelmäßiges Einkommen, sonst stehen Sie vor dem Bankrott.«

Chippingham hob entrüstet die Stimme. »Das ist eine Beleidigung. Und ein Eingriff in meine Intimsphäre.«

»Das mag ja sein«, erwiderte Margot gelassen. »Aber es stimmt.«

Trotz seines Protests war er entsetzt über das Ausmaß ihres Wissens. Er war in einer verzweifelten finanziellen Zwangslage, nicht zuletzt deshalb, weil er mit Geld nicht umgehen konnte und im Lauf der Jahre nicht nur sein beträchtliches Gehalt verschleudert, sondern auch noch hohe Schulden gemacht hatte. Er hatte auch nie den Reizen anderer Frauen widerstehen können, eine Schwäche, die Stasia, seine Frau seit zwanzig Jahren, offensichtlich akzeptiert hatte - bis vor drei Monaten. Ohne Vorwarnung war Stasias aufgestaute Wut explodiert, und sie hatte sich, mit dem angesammelten Belastungsmaterial in der Hinterhand, in einer wilden Scheidungsklage Luft gemacht. Trotzdem hatte er sich törichterweise auf eine neue Affäre eingelassen, diesmal mit Rita Abrams, einer Kollegin von CBA. Er hatte es eigentlich gar nicht beabsichtigt, aber es war trotzdem passiert. Dann aber fand er Gefallen daran und wollte weitermachen. Doch der Gedanke, seinen Job zu verlieren, jagte ihm Angst ein.

»Jetzt hören Sie mir gut zu«, sagte Margot. »Es ist nicht schwer, einen Nachrichtenchef zu ersetzen, und wenn ich muß, werde ich es auch tun. Bevor Sie überhaupt wissen, was los ist, sitzen Sie schon auf der Straße und ein anderer auf Ihrem Stuhl. Es gibt genügend Bewerber für Ihren Posten, innerhalb und außerhalb unseres Senders. Ist das klar?«

»Ja, es ist klar«, erwiderte Chippingham resigniert.

»Aber wenn Sie mit mir an einem Strang ziehen, können Sie bleiben. Ich bestimme, was in der Nachrichtenabteilung läuft. Und noch eins: Wenn ich etwas will, das Ihnen nicht gefällt, dann kommen Sie mir nicht mit Ihrem Gewäsch über Ethik und journalistische Keuschheit. Ihre Unschuld haben Sie verloren -falls Sie sie je hatten -, als Sie diesen Fortsetzungsbericht über Theo Elliotts Steuern nicht brachten.« Margot zeigte ihm wieder ihr dünnes Lächeln. »Oh ja, ich kenne die Geschichte. Das heißt, Sie haben sich bereits korrumpieren lassen, und die nächsten paar Male machen da keinen Unterschied mehr. Das ist alles. Sie können gehen.«

Stattgefunden hatte diese Unterhaltung zwei Tage bevor zuerst Chuck Insen und dann Crawford Sloane den Nachrichtenchef wegen ihrer persönlichen Probleme mit den National Evening News aufgesucht hatten. Chippingham wußte, daß ihre Probleme schnellstens und innerhalb der Nachrichtenabteilung gelöst werden mußten. Denn er wollte so lange wie möglich keine weiteren Besuche bei Margot, keine Konfrontationen mehr.

»Ich sag' dir eins, Crawf, und ich habe es auch Chuck gesagt«, fuhr nun Chippingham fort, »im Augenblick würdet ihr bei uns den größten Schaden anrichten, wenn ihr euren internen Streit an die Öffentlichkeit tragt. Drüben in Stonehenge ist die Nachrichtenabteilung in Ungnade gefallen. Und was Chucks Idee angeht, sich direkt an Margot Lloyd-Mason zu wenden: Sie würde für keinen von euch Partei ergreifen. Sie würde höchstens noch weitere Einsparungen anordnen, mit der Begründung, wenn wir Zeit für interne Querelen haben, dann sind wir nicht ausgelastet und deshalb personell überbesetzt.«

»Das kann ich widerlegen«, erwiderte Sloane.

»Und ich garantiere dir, daß man dich überhaupt nicht anhören würde.« Chippingham geriet nun langsam in Wut, was bei ihm nicht häufig vorkam. Für gewöhnlich war es die Aufgabe des Nachrichtenchefs, sein journalistisches Personal und eben auch den Moderator gegen das Topmanagement des Senders zu schützen. Aber es gab auch Grenzen; und dieses eine Mal beschloß er, hart zu bleiben und unverblümt seine Meinung zu sagen. »Du kannst ruhig wissen, daß unsere neue Chefin nicht viel Zeit für dich übrig hat. Wegen dieses saublöden Briefs, den ihr an die Times geschrieben habt, hat sie dich arrogant und überbezahlt genannt.«

»Der Brief traf haargenau ins Schwarze«, protestierte Sloane. »Ich habe das Recht auf meine freie Meinung, und die habe ich auch zum Ausdruck gebracht.«

»Blödsinn! Die ganze Sache ging dich überhaupt nichts an. An diesem Punkt bin ich mit Margot einer Meinung. O Mann, Crawf, werd doch endlich mal erwachsen. Man kann doch nicht ein Gehalt einschieben, wie du es tust, und trotzdem >einer der Jungs< bleiben und blöd daherreden, wenn man gerade Lust dazu hat.«

Es gab keinen Grund, dachte Chippingham, warum er sich alleine mit den neuen Besitzern herumschlagen sollte. Sloane, Insen und die anderen konnten ruhig auch die Köpfe hinhalten. Der Nachrichtenchef hatte noch einen persönlichen Grund für seine Verärgerung. Es war bereits Donnerstag, und er hatte geplant, noch an diesem Abend für ein langes, verliebtes Wochenende mit Rita Abrams nach Minnesota zu fahren. Rita war bereits am Abend zuvor dort eingetroffen. Doch er konnte nun nicht zulassen, daß dieser dumme Streit in seiner Abwesenheit weitergärte.

»Aber ich bleibe bei dem, was ich am Anfang gesagt habe«, meinte Sloane. »Es muß Änderungen in der Struktur unserer Nachrichten geben.«

»Kann es ja auch«, erwiderte Chippingham. »Ich habe mir da selbst schon einige Gedanken gemacht. Aber wir werden das Problem hier unter uns lösen.«

»Wie?«

»Nächste Woche werde ich mich mit dir und Chuck Insen zusammensetzen - und zwar so lange, bis wir zu einer Einigung gekommen sind. Und wenn ich euch die Köpfe einschlagen muß, wir werden einen akzeptablen Kompromiß erreichen.«

»Wir können es ja versuchen«, erwiderte Sloane zweifelnd. »Aber besonders begeistert bin ich nicht.«

Chippingham hob die Schultern. »Du mußt ja nicht gleich begeistert sein.«

Nachdem der Nachrichtenchef gegangen war, saß Sloane schweigend in seinem Büro und dachte über ihr Gespräch nach. Dann fiel ihm die Durchsage über Larchmont wieder ein. Weil er wissen wollte, ob sich schon etwas Neues ergeben hatte, verließ er sein Büro und ging in den Redaktionssaal.

15

Bert Fisher, der Informant aus Larchmont, blieb am Ball, nachdem ihn ein Polizeifunkspruch auf die Spur einer »möglichen Entführung« gebracht hatte. Nach seinem Anruf bei WCBA-TV stürzte Bert aus seiner Wohnung und hoffte nur, daß sein zerbeulter, zwanzig Jahre alter VW Käfer mitmachte. Nach einigen bangen Sekunden sprang er an, wenn auch unter Ächzen und Stöhnen. Bert hatte auch im Auto ein Abhörgerät, das er nun auf die Frequenz des Polizeifunks einstellte. Dann fuhr er in die Stadt, zum Grand Union Supermarkt.

Auf halbem Weg dorthin ließ ihn ein weiterer Polizeifunkspruch die Richtung ändern.

»Wagen 423 an Revier. Fahren jetzt zum Haus des potentiellen Entführungsopfers. Adresse: 66 Park Avenue. Erbitten Verstärkung durch einen Kriminalbeamten, der uns dort treffen soll.«

»Revier an 423. Zehn vier.«

Und nach einer kurzen Pause: »Revier an Wagen 426. Fahren Sie schnell zur Park Avenue, Haus Nr. 66. Streifenwagen 423 erwartet Sie dort. Lassen Sie sich von dem Streifenbeamten über den Fall berichten, und nehmen Sie die Ermittlungen auf.«

Im Klartext, das wußte Bert, hieß »Fahren Sie schnell« mit Blaulicht und Sirene. Die Sache kam also offensichtlich ins Rollen, und Bert beschleunigte sein Tempo, soweit sein uralter Volkswagen es zuließ. Während er auf die Park Avenue zufuhr, ging ihm die angegebene Hausnummer nicht mehr aus dem Kopf: Er war sich nicht ganz sicher, aber wenn das Haus demjenigen gehörte, an den er dachte, dann war er wirklich einer heißen Geschichte auf der Spur.