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Sloane spürte Dankbarkeit und Erleichterung in sich aufsteigen. Er begann: »Les... Chuck...«

Chippingham brachte ihn mit einer Handbewegung zum Schweigen. »Sag nichts. Es ist überhaupt nicht nötig. Natürlich tun wir das zum Teil auch wegen dir, aber es ist eben auch unser Job.«

Insen beugte sich vor. »Da ist nur noch eins, was wir von dir wissen wollen, Crawf. Für diese Sondereinheit brauchen wir einen erfahrenen Korrespondenten oder Produzenten als Leiter, jemand, der die Sache in die Hand nehmen kann, der ein guter Ermittler ist und dem du vertraust. Möchtest du jemand vorschlagen?«

Crawford Sloane zögerte nur einen kurzen Augenblick, in dem er seine persönlichen Gefühle gegen das, was auf dem Spiel stand, abwägte. Dann sagte er entschlossen: »Ich will Harry Partridge.«

2

Die Medellin-Bande hatte sich, wie Füchse in ihren Bau, in ihren Unterschlupf südlich von Hackensack zurückgezogen.

Das Anwesen bestand aus einer Reihe alter, halbverfallener Gebäude, einem Haupthaus und drei Nebengebäuden. Es hatte mehrere Jahre leergestanden, bevor Miguel, nach gründlicher Prüfung anderer Angebote auf dem Immobilienmarkt, es für ein Jahr angemietet und den ganzen Betrag im voraus bezahlt hatte. Ein Jahr war die kürzeste Mietzeit, die der Makler ihm angeboten hatte. Da Miguel nicht offenbaren konnte, daß das Anwesen nur für etwas mehr als einen Monat genutzt würde, hatte er die Bedingungen widerspruchslos akzeptiert.

Die Art des Anwesens und seine Lage in einer dünnbesiedelten, heruntergekommenen Gegend war in mehrfacher Hinsicht ideal. Das Haupthaus war groß genug, um allen sieben Mitgliedern der Bande Platz zu bieten, und sein baufälliger Zustand war ohne Bedeutung. In den Nebengebäuden konnten sechs Fahrzeuge versteckt werden. Die nähere Umgebung war unbewohnt, das Anwesen selbst lag hinter Bäumen und dichtem Buschwerk versteckt. Eine weiterer Vorteil lag darin, daß, nur eine knappe Meile entfernt, der Flughafen von Teterboro lag. Denn Teterboro Airport, der vorwiegend von Privatmaschinen benutzt wurde, spielte in den Plänen der Entführer eine wichtige Rolle.

Von Anfang an hatte Miguel vorausgesehen, daß es unmittelbar nach der Entführung zu einer Ermittlungsjagd mit polizeilichen Straßensperren und intensiven Nachforschungen kommen würde. Er hielt es deshalb für ungefährlicher, nicht gleich nach der Tat größere Entfernungen zurückzulegen. Doch dazu brauchte er einen einstweiligen Unterschlupf in sicherer Entfernung von Larchmont.

Das Anwesen in Hackensack war ungefähr fünfundzwanzig Meilen vom Ort der Entführung entfernt. Daß sie so problemlos und ohne jede Verfolgung hierher hatten zurückkehren können, zeigte, daß Miguels Plan aufging, zumindest bis zu diesem Zeitpunkt.

Die drei Gefangenen befanden sich inzwischen im Haupthaus. Man hatte die noch immer betäubten Opfer in ein großes Zimmer im ersten Stock gebracht. Im Gegensatz zu den anderen Räumen des heruntergekommenen, stockfleckigen Hauses war dieser gründlich gereinigt und weiß gestrichen worden. Zusätzliche Steckdosen und Neondeckenlampen waren ebenfalls installiert. Der Boden war mit neuem, hellgrünem Linoleum ausgelegt. Baudelio, der ehemalige Arzt, hatte die Renovierungen angeordnet und überwacht, und Rafael, der Handwerker und Mechaniker der Truppe, sie ausgeführt.

In der Mitte des Zimmers standen zwei Krankenhausbetten mit Seitengittern. In dem einen lag Jessica, im anderen Nicholas. Beide waren an Armen und Beinen mit Gurten gefesselt - als Vorsichtsmaßnahme, falls sie aufwachen sollten, doch dazu wollten es die Entführer im Augenblick gar nicht kommen lassen.

Obwohl in der Anästhesie selten präzise Voraussagen gemacht werden konnten, war Baudelio ziemlich sicher, daß seine »Patienten«, denn so nannte er sie in Gedanken, noch mindestens eine halbe Stunde betäubt sein würden.

Neben den beiden Betten stand eine schmale Metallpritsche, die man in aller Eile für Angus aufgestellt hatte, dessen Anwesenheit ja nicht eingeplant gewesen war. Deshalb war er auch nicht mit Gurten, sondern mit Stricken gefesselt. Miguel, der den alten Mann vom anderen Ende des Zimmers aus betrachtete, war sich noch immer unschlüssig, was er mit ihm tun sollte. Ihn töten und nach Einbruch der Dunkelheit im Hof verscharren? Oder ihn in den Plan mit einbauen? Er mußte die Entscheidung bald treffen.

Baudelio lief zwischen den drei bewußtlosen Gestalten hin und her, er baute Infusionsständer auf und hängte Flüssigkeitsbehälter an die Haken. Auf einem mit einem grünen Tuch bedeckten Tisch hatte er seine Instrumente, Medikamente und Schälchen ausgebreitet. Obwohl er in diesem Fall wahrscheinlich nur Katheter und Infusionsnadel brauchte, hatte Baudelio es sich angewöhnt, immer sein gesamtes Handwerkszeug bereitzulegen, um es bei Schwierigkeiten oder einem Notfall zur Hand zu haben. Socorro, die Frau mit den Verbindungen zum Medellin-Kartell wie zum Sendero Luminoso, assistierte ihm, denn sie war ausgebildete Schwesternhelferin.

Sie hatte rabenschwarze Haare, die sie am Hinterkopf zu einem Knoten zusammengebunden trug, einen schlanken, geschmeidigen Körper, olivfarbene Haut und ein Gesicht, das man durchaus schön hätte nennen können, hätte sie nicht einen permanent mißmutigen Ausdruck zur Schau getragen. Socorro tat, was man von ihr verlangte, und erwartete keine Rücksichtnahme auf ihr Geschlecht, doch sie schwieg die meiste Zeit und zeigte nie, was in ihrem Kopf vorging. Sexuelle Annäherungsversuche von einigen der Männer hatte sie immer mit unverblümter Offenheit zurückgewiesen.

Miguel nannte sie deshalb insgeheim »die Unerforschliche«. Er wußte zwar von ihren Doppelkontakten und auch, daß der Sendero Luminoso auf ihrer Teilnahme an der Entführung bestanden hatte, doch hatte er keinen Grund, ihr zu mißtrauen. Er fragte sich nur manchmal, ob Socorros langer Aufenthalt in Amerika nicht ihre Loyalität zu den kolumbianischen und peruanischen Gruppen aufgeweicht hatte.

Socorro selbst hätte bei der Beantwortung dieser Frage Schwierigkeiten bekommen. Sie war zwar schon immer eine Revolutionärin gewesen, die zuerst bei der kolumbianischen M-19 und schließlich - und einträglicher - beim Medellin-Kartell und Sendero Luminoso ein Ventil für ihren kämpferischen Eifer gefunden hatte. Sie war der Überzeugung, daß die kolumbianischen und peruanischen Regierungen Banden herrschsüchtiger Verbrecher seien, die getötet werden mußten, und sie war auch gern bereit, bei einem solchen Gemetzel mitzumachen. Darüber hinaus hatte man ihr eingetrichtert, daß die Herrschaftsstrukturen in den Vereinigten Staaten nicht weniger übel und korrupt seien. Doch nach drei Jahren in Amerika, in denen sie Freundlichkeit und Fairneß erfahren hatte, wo sie mit Feindseligkeit und Unterdrückung besser hätte umgehen können, wurde es für sie immer schwieriger, Amerika und das amerikanische Volk als den Feind zu betrachten.

Im Augenblick versuchte sie, diese drei Gefangenen von Grund auf zu hassen - bourgeoiser Abschaum, sagte sie sich -, aber sie schaffte es nicht ganz... und es war ein Fehler, daß sie es nicht schaffte... denn Mitleid war für eine Revolutionärin eine verachtenswerte Empfindung!

Doch wenn sie erst einmal dieses verwirrende Land verlassen hatte, und das würden sie alle ja sehr bald tun, würde sie wieder besser und stärker werden und beständiger in ihrem Haß.

Migue l, der in der entfernten Ecke des Zimmers auf einem zur Wand gekippten Stuhl saß, rief Baudelio zu: »Was tust du gerade?« Sein Ton machte deutlich, daß es als Befehl gemeint war.

»Ich muß mich beeilen, weil die Wirkung des Midazolam, das ich ihnen gespritzt habe, bald nachläßt. Wenn das passiert, injiziere ich ihnen Propofol, und zwar intravenös. Der Wirkstoff hält länger an als der erste und ist für das, was wir vorhaben, besser geeignet.«