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Zu Crawford Sloane sagte er nun: »Tut mir leid wegen Ihrer Frau und der Familie, aber nur Mut! Jetzt bin ja ich da. Ich werde diese Kerle schon finden. Ich kann das nämlich sehr gut.«

Sloane warf Partridge einen Blick zu und hob fragend die Augenbrauen, als wollte er sagen: Bist du sicher, daß du diesen Spinner willst?

»Bescheidenheit war noch nie Teddys Problem«, bemerkte Partridge trocken. »Aber wir lassen ihn an der langen Leine laufen und sehen einfach, was passiert.« Die Bemerkung schien Cooper nicht im geringsten zu stören.

Cooper wandte sich nun an Partridge. »Zuerst muß ich mir mal sämtliches Material durchlesen, das es über den Fall gibt. Dann will ich mir den Tatort ansehen und mit den Leuten reden, die was gesehen haben. Und zwar mit allen. Wenn man seine Hausaufgaben nicht richtig macht, bringt man die einzelnen Teile des Puzzles nie zusammen. Und wenn es jemand schafft, dann ich.«

»Du hast freie Hand.« Partridge erinnerte sich an frühere Gelegenheiten, bei denen er Cooper bei der Arbeit beobachtet hatte. »Du bist für die Nachforschungen verantwortlich, zusammen mit zwei Assistenten, die dir zur Hand gehen werden.«

Die beiden Assistenten, ein junger Mann und eine Frau, die man sich von einem anderen Projekt ausgeliehen hatte, waren bereits im Konferenzraum. Während sie auf den Beginn der Besprechung warteten, stellte Partridge sie vor.

Cooper gab ihnen die Hand und sagte: »Die Arbeit mit mir wird für euch eine große Bereicherung sein, Kids. Aber ihr braucht nicht nervös zu sein, ich bin sehr umgänglich. Nennt mich einfach >Eure Exzellenz< und legt die Hand an die Mütze,

wenn ihr am Morgen reinkommt.«

Die beiden Assistenten schienen sich über Cooper zu amüsieren, und alle drei begannen sofort, sich über eine Schautafel mit dem Titel »Ereignisablauf« zu unterhalten, die bereits im Konferenzraum aufgestellt war und dort eine ganze Wand einnahm. Eine solche Tafel gehörte zur Standardausrüstung eines Ermittlungsteams. Auf ihr würden alle bekannten und noch in Erfahrung zu bringenden Einzelheiten der Entführung in der korrekten zeitlichen Abfolge notiert werden. An einer anderen Wand hing eine zweite große Tafel mit der Bezeichnung »Vermischtes«. Auf ihr würden alle zufällig auftauchenden Informationen, aber auch Gerüchte und Spekulationen vermerkt, deren Zeitbezug unwesentlich oder die zeitlich nicht einzuordnen waren. Wenn sich aus diesen »vermischten« Informationsbruchstücken etwas entwickelte, würde es auf die andere Tafel übertragen werden - auch das fiel in den Aufgabenbereich des Ermittlungsteams.

Die Tafeln hatte eine doppelte Funktion: Zum einen sollten sie jedem Mitarbeiter der Spezialeinheit sämtliche vorliegenden Informationen und neuen Entwicklungen zugänglich machen, und zum zweiten eine Grundlage für Lagebesprechungen und Brainstormings bilden, aus denen sich oft neue Ideen ergaben.

Pünktlich um zehn Uhr hob Rita Abrams die Stimme und brachte das allgemeine Stimmengewirr zum Schweigen. »Also los, Leute! Fangen wir an.«

Sie saß am Kopfende eines langen Tisches, an ihrer Seite Harry Partridge. Leslie Chippingham kam in den Konferenzsaal und nahm ebenfalls seinen Platz ein. Als sein Blick sich mit dem Rita Abrams traf, tauschten die beiden ein verstohlenes Lächeln aus.

Crawford Sloane setzte sich an das gegenüberliegende Ende des Tisches. Er glaubte nicht, zu diesem Zeitpunkt etwas zur Diskussion beitragen zu können und hatte zuvor bereits Partridge anvertraut: »Ich komme mir absolut hilflos vor, wie ein Trottel.«

Mit am Tisch saßen die drei Reporter, die Rita angefordert hatte. Norman Jaeger, der älteste, war ein CBA-Veteran, der bereits alle Stationen der Nachrichtenarbeit durchlaufen hatte. Der freundliche, phantasiebegabte und sehr gelehrte Mann war Reporter für das renommierte Magazinprogramm des Senders »Hinter den Schlagzeilen«. Seine kurzfristige Freistellung zeigte deutlich, mit welchen weitreichenden Befugnissen man diese Sondereinheit ausgestattet hatte.

Neben Jaeger saß Iris Everly, Mitte Zwanzig und ein leuchtender Stern der Nachrichtenszene. Die kleine, hübsche Absolventin der Columbia Journalism School besaß ein helles Köpfchen, mit dem sie blitzschnell reagieren konnte. Wenn sie an einer schwierigen Reportage arbeitete, konnte sich ihre Zähigkeit und Gerissenheit mit der eines Rasputin messen.

Karl Owens, der dritte Reporter, war ein Arbeitstier, der sich seinen Ruf durch beharrliche, unermüdliche Kleinarbeit erworben hatte; oft waren seine Recherchen, und damit auch die der Korrespondenten, mit denen er arbeitete, noch von Erfolg gekrönt, wenn andere schon längst aufgegeben hatten. Er lag im Alter genau zwischen Jaeger und Iris Everly, und während er bei weitem nicht so viel Fantasie wie die beiden besaß, konnte man sich auf seine Beharrlichkeit und die gründliche Beherrschung seines Handwerks blind verlassen.

Auf den anderen Plätzen am Tisch und direkt dahinter saßen Teddy Cooper und die beiden Assistenten, ein Texter, den man sich von den National Evening News ausgeliehen hatte, Minh Van Canh, der erste Kameramann des Teams, und eine Sekretärin, die zugleich die Organisatorin der Gruppe war.

»Okay, wir wissen alle, warum wir hier sind«, sagte Rita und eröffnete die Konferenz in geschäftsmäßigem Ton. »Wir müssen zunächst darüber reden, wie wir an die Arbeit herangehen. Dazu werde ich etwas über die Organisation erzählen, und danach wird Harry die redaktionelle Stoßrichtung aufzeigen.«

Rita hielt inne und sah Crawford Sloane am anderen Ende des Tisches an. »Crawf, wir werden hier keine Reden halten. Ich glaube nicht, daß das einer von uns könnte, ohne emotional zu werden. Du hast bestimmt schon genug Kummer, dazu brauchst du nicht noch unsere Strategiediskussionen. Aber eins will ich dir trotzdem sagen, und zwar stellvertretend für alle: Für dich, für deine Familie und auch für uns, weil es uns am Herzen liegt, werden wir unser gottverdammt Bestes geben!«

Von den anderen Mitgliedern der Gruppe kam zustimmendes Murmeln.

Sloane nickte zweimal und sagte dann mit halb erstickter Stimme: »Danke.«

»Wir werden auf zwei Ebenen arbeiten«, fuhr Rita nun fort, »auf einer langfristigen Ermittlungs- und Berichterstattungsebene und auf der Ebene der täglichen Nachrichtenmeldungen.« Sie wandte sich an den älteren Reporter. »Norm, du kümmerst dich um die langfristige Sache.«

»In Ordnung.«

»Iris, du kümmerst dich um die Tagesmeldungen und fängst gleich mit dem Spot für die heutige Abendausgabe an. Aber darauf kommen wir gleich zurück.«

»Verstanden«, erwiderte Iris Everly forsch und stürzte sich sofort auf die neue Aufgabe: »Zunächst brauch' ich das Video von diesem Chaos heute morgen vor Crawfs Haus.«

Bei der Erwähnung des Zwischenfalls zuckte Sloane zusammen und sah Iris beinahe flehend an, doch sie bemerkte es nicht.

»Das bekommst du«, sagte Rita. »Es ist bereits auf dem Weg hierher.«

Zu Owens, dem dritten Reporter, sagte sie: »Karl, du wechselst zwischen den beiden Projekten hin und her, je nachdem, wo du gebraucht wirst.« Dann fügte sie hinzu: »Und ich werde mit jedem von euch dreien eng zusammenarbeiten.«

Nun wandte sie sich Cooper zu: »Teddy, soweit ich weiß, willst du nach Larchmont.«

Cooper sah grinsend auf. »Jawohl, Madam. Um rumzuschnüffeln und ein bißchen Sherlock Holmes zu spielen.« Zu den anderen gewandt fügte er hinzu: »Das kann ich nämlich besonders gut.«

»Teddy«, warf Partridge dazwischen, der zum ersten Mal etwas sagte, »jeder in diesem Zimmer ist besonders gut. Deswegen sind wir ja hier.«