Выбрать главу

Doch Cooper ließ sich nicht einschüchtern und meinte strahlend: »Dann werde ich mich ja richtig zu Hause fühlen.«

»Sobald dieses Treffen beendet ist«, teilte Rita ihm mit, fährt Minh mit zwei neuen Kamerateams nach Larchmont. Du wirst ihn begleiten, Teddy, und dich dort mit Bert Fisher treffen, dem Nachrichtenbeschaffer unserer lokalen Tochterstation. Das ist bereits arrangiert. Fisher war gestern der erste an der Geschichte. Er wird dich herumfahren und dich mit allen Leuten bekannt machen, die du sehen willst.«

»So ein Teufelskerl. Das muß ich mir notieren: Fischen gehn mit Fisher.«

Leise sagte Norm Jaeger zu Karl Owens: »Bevor dieser Auftrag beendet ist, dreh' ich diesem englischen Klugscheißer den Hals um.«

»Minh«, sagte Iris Everly zum Kameramann, »kann ich bitte mit dir noch kurz sprechen, bevor du nach Larchmont fährst?«

Minh Van Canh, dessen kantiges, dunkles Gesicht so undurchdringlich war wie immer, nickte.

»Damit hätten wir das Gröbste«, sagte Rita. »Und jetzt, was viel wichtiger ist, unser redaktionelles Vorgehen. Harry, du bist dran.«

»Meiner Meinung nach sollte es unser erstes Ziel sein«, begann Partridge, »mehr über die Entführer in Erfahrung zu bringen. Wer sind sie? Woher kommen sie? Es ist natürlich durchaus möglich, daß sie uns das bald selber sagen, aber wir sollten nicht darauf warten. Im Augenblick kann ich euch noch nicht sagen, wie wir zu den entsprechenden Antworten kommen; außer daß wir uns eingehend und gründlichst mit all dem beschäftigen, was bis jetzt passiert ist, und jede Information, die neu hereinkommt, mitberücksichtigen. Ich will, daß heute jeder von euch alle bereits verfügbaren Daten studiert und sich einprägt. Die Tafeln werden uns dabei helfen.« Er deutete auf die Wandtafeln mit »Ereignisablauf« und »Vermischtes« und ergänzte: »Die werden noch heute vormittag auf den neuesten Stand gebracht.«

»Sobald jeder auf dem laufenden ist, will ich, daß wir uns, gemeinsam und in kleineren Gruppen, jede einzelne Information immer wieder vornehmen, sie zerpflücken und uns Gedanken darüber machen. Wenn wir das tun, muß einfach etwas dabei herauskommen, das weiß ich aus Erfahrung.«

Die Gruppe am Tisch hörte aufmerksam zu, während Partridge fortfuhr.

»Eins kann ich euch mit Bestimmtheit sagen. Irgendwo haben diese Leute, die Entführer, Spuren hinterlassen. Jeder hinterläßt Spuren, und wenn er sie noch so sorgfältig zu verwischen sucht. Der Trick ist nur, sie zu finden.« Er nickte Jaeger zu. »Das wird vorwiegend deine Aufgabe sein, Norman.«

»Schon verstanden«, erwiderte Jaeger.

»Jetzt zur kurzfristigen Berichterstattung, Iris, wegen der Meldung für die heutige Abendausgabe. Ich weiß, daß du dir schon Gedanken gemacht hast. Was sind für dich die wesentlichen Punkte? Hast du dir schon einen Aufbau

überlegt?«

Sie antwortete, ohne lange zu zögern: »Wenn es keine dramatischen Entwicklungen gibt, wie zum Beispiel eine Nachricht von den Entführern, sollten wir uns nach der Feststellung, daß es nichts Neues gibt, dem Unfall vor Crawfs Haus von heute morgen zuwenden. Und dann, da es der erste ganze Tag nach der Entführung ist, eine Rekapitulation der Ereignisse von gestern. Ich hab' mir die Aufzeichnung von gestern abend angesehen, das war ein ziemliches Durcheinander. Heute abend bringen wir da Ordnung rein. Und ich möchte auch einige Zeugen aus Larchmont noch einmal interviewen« - Iris sah auf ihre Notizen - »vor allem diese alte Dame, Priscilla Rhea, die macht sich vor der Kamera nämlich sehr gut. Vielleicht fällt ihr und auch einigen anderen noch was Neues ein.«

»Was ist mit Reaktionen?« fragte Jaeger. »Aus Washington zum Beispiel.«

Partridge antwortete: »Nur ein kurzer Clip, wahrscheinlich mit dem Präsidenten. Vielleicht noch ein paar Interviews mit Bürgern auf der Straße, falls wir die Zeit haben.«

»Also nichts vom Capitol Hill?«

»Morgen vielleicht«, sagte Partridge. »Vielleicht aber auch nie. Dort will doch jeder nur seinen Senf dazugeben.« Er nickte Iris zu, die sofort wieder übernahm.

»Und zum Schluß«, sagte sie, »wäre eine zusammenfassende Analyse nicht schlecht - ein Interview mit einem Entführungsspezialisten.«

»Hast du an einen bestimmten gedacht?« fragte Partridge.

»Noch nicht.«

Karl Owens meldete sich. »Ich kenne da einen. Ralph Salerno heißt er, ein New Yorker Ex-Polizist, der jetzt in Naples in Florida lebt. Er hält bei der Polizei Vorlesungen über das Verbrechen und hat schon einige Bücher geschrieben. Weiß 'ne Menge über Entführungen. Ich hab' ihn auch im Fernsehen gesehen. Der Mann ist gut.«

»Dann besorgen wir ihn uns«, sagte Iris und sah dabei Partridge an, der zustimmend nickte.

Les Chippingham warf dazwischen: »Karl, wir haben eine Tochtergesellschaft in Naples. Versuch, über die zu arbeiten, wenn's geht. Wenn nicht, setzen wir Salerno in ein Flugzeug nach Miami.«

»Auf jeden Fall«, ergänzte Iris, »mußt du Satellitenzeit buchen, damit Harry ihn interviewen kann.«

»Ich kümmere mich darum«, entgegnete Owens und schrieb es sich auf.

Nach weiteren fünfzehn Minuten Diskussion klopfte Rita auf den Tisch. »Das reicht«, verkündete sie. »Genug geredet. An die Arbeit.«

Am Rande des ernsthaften Geschehens kam es zu einer kleinen atmosphärischen Störung.

Harry Partridge hatte beschlossen, Crawford Sloane noch einmal zu befragen, weil er hoffte, vielleicht doch noch etwas Neues zu erfahren. Partridge war überzeugt, daß Sloane, wie viele Leute, die sich plötzlich in komplexe Ereignisse verwickelt sahen, mehr wußte, als er glaubte, und daß eine geschickte, beharrliche Befragung neue Informationen ans Licht bringen konnte. Sloane hatte bereits zugestimmt.

Als Partridge nach der Besprechung Sloane noch im Konferenzraum an die Vereinbarung erinnerte, platzte plötzlich von hinten eine Stimme dazwischen. »Macht es Ihnen etwas aus, wenn ich mich dazusetze und mithöre? Vielleicht erfahre ich auch etwas Neues.«

Die beiden drehten sich überrascht um. Vor ihnen stand Sonderagent Otis Havelock, der das Zimmer betreten hatte, als die Versammlung sich auflöste.

»Nun«, erwiderte Partridge, »da Sie schon fragen: Mir macht es etwas aus.«

»Sind Sie nicht Mr. FBI?« fragte Rita Havelock.

»Meinen Sie wie >Miss Amerika<?« antwortete Havelock freundlich. »Meine Kollegen sind da wahrscheinlich anderer Meinung.«

»Was ich eigentlich meine«, sagte Rita, »ist, daß Sie hier überhaupt nicht hineingehören. Hier haben nur die Zutritt, die auch hier arbeiten.«

Havelock schien überrascht. »Es gehört zu meiner Arbeit, Mr. Sloane zu beschützen. Außerdem ermitteln Sie doch in der Entführung, oder?«

»Ja.«

»Dann haben wir das gleiche Ziel, nämlich Mr. Sloanes Familie wiederzufinden. Deshalb muß das FBI alles erfahren, was Ihre Leute herausfinden und was dort notiert wird.« Er wies auf die »Ereignisablauf«-Tafel.

Einige, die noch im Zimmer waren, darunter auch Leslie Chippingham, verstummten plötzlich.

»In diesem Fall«, erwiderte Rita, »sollte die Sache aber auf Gegenseitigkeit beruhen. Kann ich jetzt sofort einen Korrespondenten ins New Yorker FBI-Büro schicken und ihn alle eingegangenen Berichte überprüfen lassen?«

Havelock schüttelte den Kopf. »Ich fürchte, das ist unmöglich. Einige sind vertraulich.«

»Genau!«

»Also Leute, hört zu.« Havelock, der sich der wachsenden Aufmerksamkeit um ihn herum durchaus bewußt war, versuchte ganz offensichtlich, sich zu beherrschen. »Ich bin mir nicht sicher, ob Sie sich im klaren darüber sind, daß wir es hier mit einem Verbrechen zu tun haben. Jeder, der etwas weiß, hat die Pflicht, es zu melden, in diesem Fall an das FBI. Jeder, der das nicht tut, macht sich strafbar.«

Rita, die selten lange Geduld hatte, hielt ihm entgegen: »O Mann, wir sind doch keine Kinder. Wir stellen die ganze Zeit Nachforschungen an und kennen die Spielregeln.«