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»Ich bin eigentlich hier, um über die Särge zu sprechen«, sagte Miguel.

»Gewiß.« Field stand auf. »Wenn Sie mir bitte folgen wollen.«

Nun führte er Miguel in den Keller, wo sie einen mit rotem Teppich ausgelegten Austeilungsraum betraten. Field führte ihn zunächst zu dem Sarg für $ 20600. »Das ist unser Schmuckstück. Er besteht aus erstklassigem Stahl, hat drei Deckelmodelle zur Auswahl - Glas, Bronze und Reliefbronze, und ist außerordentlich dauerhaft.« Reiche Ornamente verzierten das Äußere des Sargs. Innen war er mit lavendelfarbenem Samt ausgeschlagen.

»Vielleicht lieber etwas Einfacheres«, sagte Miguel.

Sie einigten sich schließlich auf zwei Särge, der eine etwas kleiner als der andere, zu $ 2300 und $ 1900. »Meine Mutter ist eine sehr zierliche Dame«, erklärte Miguel. Ungefähr so groß wie ein elfjähriger Junge, dachte er.

Einige schmucklose, einfache Kisten hatten Miguels Neugier geweckt. Als er Field danach fragte, erklärte der: »Die sind für orthodoxe Juden, deren Glauben Einfachheit vorschreibt. Und weil es in der Bibel >Erde zu Erde< heißt, haben diese Kisten zwei Löcher im Boden. Sie sind aber kein Jude?« Als Miguel den Kopf schüttelte, vertraute Field ihm an: »Offen gesagt, ich möchte meine geliebten Angehörigen nicht so zur letzten Ruhe betten.«

Sie kehrten in das Büro zurück, wo Field sagte: »Nun würde ich vorschlagen, daß wir uns um die anderen Fragen kümmern. Zunächst einmal die Grabstelle.«

»Das ist nicht nötig«, erwiderte Miguel. »Ich möchte nur die Särge bezahlen und sie gleich mitnehmen.«

Field sah entsetzt aus. »Das ist unmöglich.«

»Warum?«

»Das ist einfach nicht üblich.«

»Ich hätte mich vielleicht deutlicher ausdrücken sollen.« Miguel merkte nun langsam, daß es nicht so einfach war, wie er es sich vorgestellt hatte. »Meine Eltern möchten die Särge gerne bei sich zu Hause haben, an einem Ort, wo sie sie täglich sehen können. Damit sie sich sozusagen an ihre zukünftige Bleibe gewöhnen können.«

Field schien am Boden zerstört. »So etwas können wir unmöglich tun. Was wir hier anbieten sind - wenn ich den Begriff verwenden darf - >Pakete<. Es ist durchaus möglich, daß Ihre Eltern uns besuchen und sich die Särge ansehen, in denen sie einmal ruhen werden. Aber wir müssen darauf bestehen, daß sie im Haus bleiben, bis sie benötigt werden.«

»Können Sie denn nicht...«

»Nein, Sir, auf keinen Fall.«

Miguel spürte, daß der andere das Interesse verlor und sogar schon ein wenig argwöhnisch wurde.

»Nun gut. Ich werde es mir überlegen und vielleicht auf Sie zurückkommen.«

Field begleitete Miguel hinaus. Miguel hatte natürlich nicht im geringsten die Absicht zurückzukommen. Er wußte, daß er bereits jetzt einen zu nachhaltigen Eindruck hinterlassen hatte.

Tags darauf versuchte er es bei zwei anderen Bestattungsinstituten, wo er sich kürzer faßte. Doch die Antwort war überall die gleiche. Keines war bereit, Särge ohne das dazugehörige »Leistungspaket« zu verkaufen.

Miguel sah nun, daß es ein Fehler gewesen war, sich von seiner Operationsbasis zu entfernen, und wandte sich wieder an seine Kontakte in Little Columbia. Nach ein paar Tagen schickte man ihn in ein kleines, tristes Bestattungsinstitut in Astoria, nicht weit von Jackson Heights. Dort traf er Alberto Godoy.

Im Vergleich zu Field's war Godoys Institut ein Ramschladen, speziell ausgerichtet auf eine weniger zahlungskräftige Kundschaft. Doch nicht nur das, der Laden war auch ausgesprochen schäbig, und diese Schäbigkeit erstreckte sich auch auf den Besitzer.

Godoy war fett und glatzköpfig, er hatte nikotinfleckige Finger und das aufgeschwemmte Gesicht eines starken Trinkers. Die Flecken auf seinem schwarzen Frack und den grau gestreiften Hosen waren unübersehbar. Seine Stimme war heiser, ein Raucherhusten zerteilte seine Sätze. Während der Besprechung mit Miguel, die in Godoys winzigem, vollgestopftem Büro begann, rauchte er drei Zigaretten, wobei er die eine an der anderen anzündete.

Miguel begann: »Mein Name ist Novack, und ich wollte mich erkundigen... «

»Ja, ich weiß.«

»Meine Eltern sind bereits im vorgerückten Alter... «

»Ach, sieh mal einer an!«

Miguel ließ sich nicht beirren und wiederholte seine Geschichte, während Godoy mit einer Mischung aus Langeweile und Ungläubigkeit zuhörte. Am Ende fragte er nur: »Wie werden Sie zahlen?«

»Bar.«

Godoy wurde sofort etwas freundlicher. »Hier entlang, bitte.«

Auch bei Godoy befand sich der Ausstellungsraum im Keller, doch hier war der Teppich stumpfbraun und abgenutzt, und es gab auch weniger Auswahl als bei Field's. Ohne langes Zögern suchte sich Miguel zwei Särge aus, den einen von durchschnittlicher Größe, den anderen kleiner.

»Für den normalen dreitausend Dollar«, verkündete Godoy. »Für den Kindersarg zweitausendfünfhundert.«

Obwohl der Hinweis auf das Kind nicht mit seiner Geschichte übereinstimmte und der Wahrheit gefährlich nahekam, ignorierte Miguel ihn. Er zahlte auch widerspruchslos, obwohl er überzeugt war, daß die insgesamt $ 5500 mindestens das Doppelte des normalen Preises darstellten. Er hatte das Geld bei sich und zahlte in Hundertdollarscheinen. Godoy verlangte noch $ 454 Verkaufssteuer, die Miguel ebenfalls zahlte, obwohl er bezweifelte, daß Godoy die je abführte.

Miguel fuhr den kurz zuvor gekauften GMC Laster rückwärts an eine Laderampe, wo die Särge unter Godoys Aufsicht verladen wurden. Anschließend brachte Miguel sie in das Haus, wo er sie bis zu ihrem späteren Transport nach Hackensack aufbewahrte.

Nun kehrte Miguel fast einen Monat später zu Alberto Godoys Institut zurück, weil er noch einen dritten Sarg brauchte.

Wegen des damit verbundenen Risikos machte Miguel diesen zweiten Besuch nicht gern. Er erinnerte sich noch an Godoys beiläufige Bemerkung über den Kindersarg. Und er fragte sich, ob die Gefahr bestand, daß Godoy den Kauf der beiden Särge mit der Entführung des Jungen und der Frau in Verbindung gebracht hatte. Es war nicht sehr wahrscheinlich, doch Miguel hatte unter anderem auch deshalb so lange als Terrorist überlebt, weil er jedes mögliche Risiko in Betracht zog. Doch da er beschlossen hatte, auch den dritten Gefangenen nach Peru zu schaffen, gab es für ihn zu diesem Zeitpunkt keine Alternative zu Godoy. Er mußte es riskieren.

Eine gute Stunde nach dem Verlassen der Vereinten Nationen sagte Miguel zu Luis, er solle den Leichenwagen einen Block vor Godoys Bestattungsinstitut abstellen. Miguel spannte den Schirm auf und lief durch den strömenden Regen.

Im Bestattungsinstitut meldete eine Empfangsdame Miguel über die Sprechanlage bei Godoy an und führte ihn dann in dessen Büro.

Der dicke Mann sah Miguel durch eine Wolke von Zigarettenrauch argwöhnisch an. »Ach, Sie sind's wieder. Ihre Freunde haben mir nicht gesagt, daß Sie kommen.«

»Die wissen es nicht.«

»Was wollen Sie?« Hatte er sich beim ersten Mal noch bereitwillig auf das Geschäft mit Miguel eingelassen, wurde jetzt deutlich, daß er Vorbehalte hatte.

»Ein alter Freund hat mich gebeten, ihm einen Gefallen zu tun. Er hat die Särge gesehen, die ich für meine Eltern gekauft habe, ihm gefällt der Gedanke und er möchte... «

»Ach, lassen Sie das!« Ein altmodischer Spucknapf stand neben Godoys Schreibtisch. Er nahm die Zigarette aus dem Mund und spuckte hinein. »Hören Sie zu, Mister, verschwenden Sie keine Zeit mit diesem Unsinn, von dem wir beide wissen, daß er nicht stimmt. Ich habe gefragt, was Sie wollen.«