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Während eines Werbespots nach dem Fünfminutenbericht über die Entführung verließ Partridge den Moderatorensessel, und Crawford Sloane setzte sich an seine Stelle. Während des Wechsels faßte Sloane Partridge am Arm und flüsterte: »Danke, Harry - für alles.«

»Ein paar von uns werden heute abend noch arbeiten«, erwiderte Partridge, »vielleicht kommen uns dabei ein paar gute Einfälle.«

»Ich weiß. Und ich bin euch wirklich dankbar dafür.« Wie gewohnt überflog nun Sloane die Manuskripte, die ihm ein Assistent vorlegte, und Partridge, der ihm dabei zusah, war entsetzt über das Aussehen des Mannes. Nicht einmal Make-up konnte die verheerende Wirkung der vergangenen eineinhalb Tage verbergen. Sloanes Wangen wirkten eingefallen, er hatte Tränensäcke unter den rotgeränderten Augen; vielleicht, dachte Partridge, hatte er heimlich geweint.

»Wie geht's?« flüsterte er. »Bist du sicher, daß du das schaffst?«

Sloane nickte. »Diese Saukerle werden mich nicht außer Gefecht setzen.«

»Fünfzehn Sekunden«, rief der Sendeleiter.

Partridge verließ schnell das Studio. Draußen blieb er vor einem Kontrollmonitor stehen, bis er ganz sicher war, daß Sloane den Rest der Nachrichten bewältigen würde. Dann fuhr er mit einem Taxi zum Shun Lee West.

Der Tisch stand in einem verhältnismäßig ruhigen Winkel im hinteren Teil des Restaurants.

Kurz vor Ende des ersten Gangs - einer dampfenden, fein gewürzten Wintermelonensuppe - wandte Partridge sich an Cooper. Der junge Engländer hatte fast den ganzen Tag in Larchmont verbracht, wo er mit jedem sprach, der etwas über die Entführung wußte, und natürlich auch mit der Polizei. Erst am späten Nachmittag war er ins Hauptquartier der Spezialeinheit zurückgekehrt.

»Teddy, laß uns mal deine ersten Eindrücke hören, und ob dir schon was eingefallen ist, wie wir weitermachen sollen.«

Cooper schob die leere Suppentasse weg und wischte sich die Lippen ab. Er schlug ein ziemlich abgenutztes Schulheft auf und erwiderte: »Okay, zuerst meine Eindrücke.«

Die aufgeschlagenen Seiten waren bis an den Rand vollgekritzelt.

»Erstens: Diese Kerle waren absolute Profis, sie wußten genau, was sie taten, und machten keinen einzigen Fehler. Die Sache war so präzise geplant wie ein Eisenbahnfahrplan. Zweitens: Sie hatten einen Haufen Geld.«

»Woher willst du das wissen?« fragte Norman Jaeger.

»Auf diese Frage habe ich gehofft.« Cooper sah sich grinsend am Tisch um. »Zum einen deutet alles darauf hin, daß die Entführer erst mal lange beobachteten, bevor sie zuschlugen. Ihr wißt doch, daß die Nachbarn jetzt erzählen, sie hätten Autos und ein- oder zweimal sogar einen Lastwagen vor Sloanes Haus gesehen, aber sich dabei gedacht hätten, die Leute in den Autos würden Mr. Sloane beschützen und nicht ausspionieren. Seit gestern haben das fünf Leute erzählt, mit vieren davon habe ich heute gesprochen. Und alle wollen diese Autos drei Wochen oder sogar einen Monat lang immer wieder mal gesehen haben. Und dazu kommt noch, daß Mr. Sloane jetzt glaubt, er sei verfolgt worden.«

Cooper sah Partridge an. »Harry, ich hab deine Palavernotizen am Infobrett gelesen, und ich glaube, Mr. Sloane hat recht. Er wurde wirklich beschattet. Ich hab' da so 'ne gewisse Theorie.«

Inzwischen wurde der nächste Gang serviert - sautierte Krabben mit Paprikastreifen, gebratene Königsgarnelen, Zuckerschoten und gebratener Reis. Es entstand eine Gesprächspause, in der sich alle das Essen schmecken ließen, doch dann drängte Rita weiter. »Was ist mit dieser Theorie, Teddy?«

»Okay, Mr. Sloane ist ein Fernsehstar, eine Gestalt des öffentlichen Lebens, der bei jedem seiner Schritte beobachtet wird, und im Lauf der Zeit wird ihm das auf unangenehme Art bewußt. Deshalb baut er sich im Unbewußten eine Art Schutzwall dagegen auf, er verdrängt, daß Fremde ihn ansehen, den Kopf nach ihm umdrehen und mit Fingern auf ihn zeigen. Und so hat er eben auch seine Beschattung verdrängt - die es meiner Meinung nach aber gegeben haben muß, weil sie zu der aufwendigen Beobachtung der ganzen Familie paßt.«

»Auch wenn das stimmt«, fragte Karl Owens, »was bringt es uns?«

Partridge entgegnete ihm: »Es hilft uns, eine Vorstellung von den Entführern zu bekommen. Mach weiter, Teddy.«

»Okay. Für diese langfristige und sorgfältige Beschattung müssen die Kerle viel Geld ausgegeben haben. Dasselbe gilt für die Autos, die sie dazu verwendet haben, verschiedene Personenwagen, einen Lastwagen, vielleicht sogar zwei, und dann gestern den Nissan Kleinbus - 'ne richtige Flotte. Und an diesen Autos war was Besonderes.«

Cooper blätterte eine Seite um. »Die Polizei hat mir die Zeugenaussagen gezeigt. Da sind mir ein paar interessante Sachen aufgefallen.

Also, wenn jemand ein Auto sieht, dann bleibt ihm davon vielleicht nicht viel im Gedächtnis, aber an eins erinnern sich die meisten Leute, an die Farbe nämlich. Na, und diese Leute, die die Autos gesehen haben wollen, erwähnen acht verschiedene Farben. Da frage ich mich natürlich sofort: Hatte die Bande acht verschiedene Autos?«

»Möglich wär's«, erwiderte Iris Everly, »wenn sie Leihwagen benutzt haben.«

Cooper schüttelte den Kopf. »Nicht die Profis, mit denen wir es hier zu tun haben; die sind dazu viel zu gerissen. Die wußten genau, daß sie beim Mieten von Autos ihre Identität hätten preisgeben müssen - Führerscheine, Kreditkarten. Und außerdem hätte man anhand der Kennzeichen feststellen können, woher die Leihwagen kamen.«

»Dann hast du also eine andere Theorie«, meinte Iris. »Oder?«

»Genau. Ich glaube, daß die Entführer wahrscheinlich drei Autos hatten und die immer wieder umspritzten, sagen wir einmal pro Woche, weil sie hofften, damit das Risiko einer Entdeckung zu verringern. Und das hat ja auch funktioniert. Nur ist ihnen beim Umspritzen ein dummer Fehler unterlaufen.«

Inzwischen kam der nächste Gang - zwei große Platten mit Pekingente. Während Cooper weitererzählte, griffen die anderen hungrig zu.

»Gehen wir kurz ein Stück zurück. Einer dieser Nachbarn hat sich etwas mehr über diese Autos gemerkt als die anderen. Der ist nämlich im Versicherungsgeschäft und kennt sich mit Marken und Modellen aus.«

Jaeger unterbrach ihn: »Das ist ja alles sehr interessant, mein britischer Freund, aber wenn du noch was von dieser köstlichen Ente willst, mußt du zugreifen, bevor wir Yankees alles wegputzen.«

»Internationale Ente!« Cooper nahm sich genüßlich nun ebenfalls ein Stück Fleisch und fuhr dann fort.

»Na, auf jeden Fall hat dieser Typ sich Marken und Modelle der Autos gemerkt und sagt nun, er hätte insgesamt drei verschiedene gesehen - einen Ford Tempo, einen Chevy Celebrity und einen Plymouth Reliant, alles Modelle von diesem Jahr, und er hat sich zu den Modellen auch ein paar Farben gemerkt.«

»Und wie bist du auf das Umspritzen gekommen?« fragte Partridge.

»Heute nachmittag«, entgegnete Cooper, »hat euer Informant, Bert Fisher, für mich bei einigen Autohändlern angerufen. Und dabei zeigte sich, daß einige der Farben, die die Leute gesehen haben, für diese Modelle gar nicht lieferbar sind. Der Versicherungsmensch hat zum Beispiel erzählt, er hätte einen gelben Ford Tempo gesehen, aber dieses Modell gibt es mit einer solchen Lackierung nicht. Das gleiche gilt für einen blauen Plymouth Reliant. Ein anderer hat ein grünes Auto erwähnt, aber keins der drei Modelle ist mit grüner Lackierung lieferbar.«

»Vielleicht bist du da wirklich auf was gestoßen«, bemerkte Owens nachdenklich. »Es ist natürlich möglich, daß ein Auto in einen Unfall verwickelt war und neu lackiert wurde, aber bei dreien ist das eher unwahrscheinlich.«

»Da ist noch etwas anderes«, warf Jaeger dazwischen, »wenn eine Werkstatt ein Auto neu lackiert, dann verwendet sie meistens die Originallacke des Herstellers. Außer jemand verlangt extra eine ungewöhnliche Farbe.«