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»Was unwahrscheinlich ist«, sagte Iris, »wenn man bedenkt, was Teddy eben gesagt hat, nämlich daß die Leute, mit denen wir es hier zu tun haben, sehr gerissen sind. Die wollen doch möglichst unauffällig bleiben, und nicht das Gegenteil.«

»Ich stimme euch in allem zu, Leute«, sagte Cooper. »Und das führt zu dem Schluß, daß die Bande die Autos selbst umgespritzt hat, und zwar ohne besonders auf lieferbare Lacke zu achten. Vielleicht wußten sie davon auch überhaupt nichts.«

»Das sind aber doch alles nur Spekulationen«, gab Partridge zu bedenken.

Doch Rita hielt ihm entgegen: »Sind es wirklich nur Spekulationen? Überleg doch, was Teddy vorher gesagt hat. Daß die Leute, um die es hier geht, praktisch eine ganze Flotte von Fahrzeugen hatten - mindestens drei Personenwagen, einen oder vielleicht zwei Lastwagen, und einen Nissan Kleinbus für die Entführung. Die fünf kennen wir sicher. Na, und da macht es doch durchaus Sinn, daß sie alle fünf an einem Ort unterbringen wollen. Das müßte dann allerdings ein größeres Anwesen sein. Und warum nicht gleich so groß, daß sie dort auch noch eine Lackierwerkstatt unterbringen können?«

»Du meinst also eine Operationsbasis«, sagte Jaeger. Er wandte sich an Teddy; die anfängliche Skepsis des Älteren war einem wachsenden Respekt gewichen. »Das ist es doch, worauf du hinauswillst, oder?«

»Ja.« Cooper strahlte. »Aber klar doch.«

Inzwischen wurde weiter aufgetragen - am Ende sollten es acht Gänge sein. Ein sautierter Hummer mit Ingwer und Schalotten stand nun auf dem Tisch. Nachdenklich griffen die sechs nach ihren Portionen, sie konzentrierten sich auf das, was eben gesagt worden war.

»Eine Operationsbasis.« Rita dachte laut. »Vielleicht nicht nur als Stellplatz für die Autos, sondern auch als Unterkunft für alle Beteiligten. Von der alten Dame wissen wir, daß vier oder fünf Männer an der Entführung direkt beteiligt waren. Vielleicht gab es im Hintergrund noch mehr. Da wäre es doch durchaus sinnvoll, Mensch und Material an einem Ort zu konzentrieren.«

»Wo auch die Geiseln versteckt werden können«, ergänzte Jaeger.

»Wenn wir von all dem ausgehen«, sagte nun Partridge, »und okay, wollen wir es für den Augenblick einmal tun, dann ist die nächste Frage zwangsläufig: Wo?«

»Das wissen wir natürlich nicht«, antwortete Cooper. »Aber wenn man intensiv nachdenkt, kommt man vielleicht auf ein paar Möglichkeiten, wo dieser Ort sein könnte und wie weit er von Larchmont entfernt ist.«

»Und intensiv nachgedacht hast du natürlich bereits«, bemerkte Iris amüsiert.

»Nun«, erwiderte Cooper, »da du schon fragst...«

»Hör mit der Angeberei auf«, zischte Partridge.

Völlig unbeeindruckt fuhr Cooper fort: »Ich habe versucht, mich in die Lage der Kidnapper zu versetzen. Und so habe ich mich gefragt: Nach der Entführung, wenn ich die Leute habe, auf die ich es abgesehen hatte, was wäre mir dann am wichtigsten?«

»Wie wär's denn damit?« fragte Rita. »Sicherheit vor Verfolgern; das heißt, ich mache mich aus dem Staub und verstecke mich so schnell wie möglich.«

Cooper klatschte in die Hände. »Genau! Und ein besseres Versteck als diese Operationsbasis gibt es nicht.«

»Verstehe ich dich richtig?« fragte Owens. »Du willst damit andeuten, daß diese Basis nicht weit vom Tatort entfernt ist?«

»Ich denke mir das folgendermaßen«, sagte Cooper. »Erstens, es muß in einiger Entfernung von Larchmont sein, denn in der Gegend zu bleiben, wäre zu gefährlich. Aber es darf zweitens auch nicht zu weit weg sein. Die Entführer sind bestimmt davon ausgegangen, daß irgend jemand innerhalb kürzester Zeit, vielleicht innerhalb von Minuten, Alarm schlägt, und daß dann die Polizei in der ganzen Gegend nach ihnen sucht. Sie haben sich deshalb genau ausgerechnet, wieviel Zeit ihnen zur Verfügung steht.«

»Und wieviel Zeit würdest du dir als Entführer geben?« fragte Rita.

»Eine halbe Stunde, würde ich sagen. Das ist zwar auch schon gefährlich lange, aber dieses Risiko müssen sie eingehen, um weit genug wegzukommen.«

»Wenn man das in Meilen umrechnet...«, sagte nun Owens langsam, »bei der Gegend... ich würde sagen, etwa fünfundzwanzig.«

»Genau das habe ich mir auch gedacht.« Cooper zog eine zusammengefaltete Karte von New York und Umgebung aus der Tasche und breitete sie auf dem Tisch aus. Auf der Karte hatte er mit Buntstift einen Kreis um Larchmont gezogen. Nun zeigte er mit dem Finger auf den Kreis. »Ein Fünfundzwanzig-Meilen-Radius. Ich glaube, daß das Hauptquartier der Entführer irgendwo innerhalb des Kreises liegt.«

8

Am Freitagabend um 20 Uhr 40, während die Spezialeinheit von CBA News noch im Shun Lee West beim Essen saß, klingelte es in der Wohnung des peruanischen Diplomaten Jose Antonio Salaverry in Manhattan. Ein Besucher kündigte sich an.

Die Wohnung lag in einem zwanzigstöckigen Hochhaus an der Forty-eighth Street in der Nähe der Park Avenue. Obwohl am Haupteingang ein Pförtner postiert war, konnten sich Besucher über eine Gegensprechanlage direkt bei den Hausbewohnern anmelden, die sie dann mit einem Knopfdruck einließen.

Seit seinem Treffen mit Miguel an diesem Morgen war Salaverry nervös und wartete ungeduldig auf die Nachricht, daß die Medellin-Sendero-Luminoso-Bande das Land unbehelligt verlassen habe. Denn er glaubte, mit der Abreise der Gruppe sei seine Verbindung zu dieser entsetzlichen Sache, die ihm seit gestern keine Ruhe mehr ließ, beendet.

Schon seit mehr als einer Stunde saßen er und Helga Efferen, seine Freundin aus der Bank, vor dem offenen Kamin und tranken Wodka-Tonics, denn keiner der beiden hatte Lust, in die Küche zu gehen und zu kochen oder auch nur telefonisch etwas zu bestellen. Obwohl der Alkohol sie körperlich entspannte, nahm er ihnen nichts von ihrer Angst.

Die beiden bildeten ein eigenartiges Paar: Salaverry war klein und unruhig, während auf Helga die Beschreibung »üppig« wohl am besten zutraf. Ihr kräftiger Knochenbau war von reichlich Fleisch umhüllt, sie hatte riesige Brüste und naturblonde Haare. Doch eigentliche Schönheit hatte die Natur ihr vorenthalten; eine gewisse Härte in ihrem Gesicht und ihre keifende Art stießen einige Männer ab, nicht aber Salaverry. Seit ihrer ersten Begegnung in der Bank fühlte er sich zu Helga hingezogen, vielleicht weil er in ihr ein Spiegelbild seiner selbst sah und weil er in ihr eine versteckte, aber ausgeprägte Sexualität zu spüren glaubte.

Er hatte in beiden Aspekten recht behalten. Sie hatten die gleichen Ansichten, die im wesentlichen von Pragmatismus, Eigennutz und Geiz bestimmt waren. Und was den Sex anging, so kam es häufig vor, daß eine erregte Helga zum Wal wurde, die ihren Jonas Jose Antonio überwältigte und beinahe verschlang. Er liebte es. Helga hatte auch die Neigung, laut zu stöhnen und auf dem Höhepunkt zu schreien, und das gab ihm das Gefühl, männlicher und größer zu sein, als er es, in jeder Hinsicht, war.

Doch dieser Abend war bislang erotisch eine Enttäuschung gewesen. In der Hoffnung, ihre Sorgen zumindest eine Zeitlang vergessen zu können, hatten sie mit Zärtlichkeiten begonnen, aber bald darauf gemerkt, daß sie beide nicht bei der Sache waren, und es wieder aufgegeben.

Ihr geistiges Einverständnis war jedoch noch intakt und zeigte sich in ihrer Einstellung zu der Entführung der Sloanes.

Beide wußten, daß sie wichtige Informationen über ein Verbrechen besaßen, das alle Nachrichtensendungen beherrschte, und nach dessen Opfern und Tätern im ganzen Land gefahndet wurde. Schlimmer noch, sie hatten zur Finanzierung der Bande beigetragen.

Doch Jose Antonio und Helga machten sich keine Sorgen um die Sicherheit der Entführungsopfer, sondern nur um ihre eigene. Salaverry wußte, wenn seine Verwicklung bekannt wurde, konnte ihn nicht einmal mehr seine diplomatische Immunität vor höchst unangenehmen Konsequenzen bewahren, darunter die Verbannung aus den Vereinten Nationen, die Ausweisung aus den Vereinigten Staaten, das Ende seiner Karriere und höchstwahrscheinlich ein Racheakt des Sendero Luminoso in Peru. Helga, die keine diplomatische Immunität besaß, mußte wegen Unterdrückung von Informationen und Bestechlichkeit mit einer Gefängnisstrafe rechnen.