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»Die haben sich von Anfang an geirrt«, erwiderte Rita. »Dazu mußte es einfach kommen. Die Frage war nur wann und nicht ob.«

Wie schon der Polizeichef von White Plains gingen auch Rita und Partridge inzwischen davon aus, daß es sich bei den Entführern der Sloanes mit ziemlicher Sicherheit um ausländische Terroristen handelte.

»Aber wer zum Teufel sind sie?« Partridge schlug sich mit der Faust auf die geöffnete Linke. »Darauf müssen wir uns konzentrieren. Wer?«

Rita merkte nun deutlich, daß Harry den Gedanken an eine Aufgabe bereits wieder hinter sich gelassen hatte. Sie erwiderte ihm: »Natürlich denkt man zunächst an den Mittleren Osten -Iran, Libanon, Libyen... die ganze religiöse Front: Hisbollah, Schiiten, Islamischer Jihad, FARL, PLO und was es sonst noch alles gibt.«

»Daran habe ich zuerst auch gedacht«, gab Partridge zu. »Aber dann frage ich mich: Was für einen Grund hätten die? Warum sollten sie das Risiko eingehen, ihre Operationen bis hierher auszudehnen, wo sie doch viel einfachere Ziele bei sich zu Hause haben?«

»Vielleicht, um Eindruck zu machen. Um den >großen Satan< davon zu überzeugen, daß er nirgends sicher ist.«

Partridge nickte bedächtig. »Vielleicht hast du recht.« Dann sah er Cooper an. »Teddy, sollten wir auch die IRA in Betracht ziehen?«

Der Ermittler wachte aus seiner Gedankenversunkenheit auf. »Ich glaube nicht. Die IRA ist eine Drecksbande, die zu allem fähig ist, aber nicht in Amerika, weil's hier immer noch ein paar irisch-amerikanische Idioten gibt, die ihnen Geld zuschießen. Mit einem Anschlag in Amerika würden sie sich diesen Geldhahn selber zudrehen.«

»Hast du eine andere Idee?«

»Was den Mittleren Osten betrifft, bin ich mit dir einer Meinung, Harry. Vielleicht solltest du dich eher im Süden umsehen.«

»Lateinamerika«, sagte Rita. »Klingt einleuchtend. Wahrscheinlich Nicaragua, vielleicht Honduras, Mexiko oder Kolumbien.«

Sie spekulierten weiter, waren aber noch zu keinem Schluß gekommen, als Partridge plötzlich zu Teddy sagte: »Ich weiß doch, daß du in deinem wirren Schädel noch irgend etwas ausbrütest. Dürfen wir schon daran teilhaben?«

»Glaub' schon.« Er überlegte kurz, dann sagte er: »Sie haben das Land verlassen.«

»Die Entführer?«

Der Rechercheur nickte. »Und sie haben Mr. Sloanes Familie mitgenommen. Was da heute morgen passiert ist« - er deutete mit dem Kopf in Richtung White Plains - »ist wie ein Erkennungszeichen. Damit wir wissen, welche Art von Leuten sie sind, mit welch harten Bandagen sie kämpfen. Als Vorgeschmack für diejenigen, die mit ihnen später verhandeln müssen.«

»Ich will nur ganz sichergehen, daß ich dich auch richtig verstanden habe«, sagte Partridge. »Du glaubst also, die haben sich ausgerechnet, wie lange es dauert, bis der Kleinbus entdeckt wird und in die Luft fliegt, und es dann so eingerichtet, daß das erst passiert, nachdem sie verschwunden sind?«

»So in der Richtung.«

»Aber das ist doch nur Spekulation«, gab Partridge zu bedenken. »Du könntest dich auch täuschen.«

Cooper schüttelte den Kopf. »Das ist mehr als nur Spekulation - sagen wir mal, es ist eine intelligente Einschätzung, die wahrscheinlich richtig ist.«

»Nehmen wir mal an, du hast recht«, sagte Rita. »Wohin bringt uns das?«

»Das bringt uns in die Zwangslage«, erwiderte Cooper, »entscheiden zu müssen, ob wir viel Geld in eine intensive Suche nach ihrem Versteck investieren wollen, obwohl es bereits leer ist, wenn wir es finden.«

»Warum sollten wir uns damit abgeben, wenn die Vögel, wie du annimmst, bereits ausgeflogen sind?«

»Weil, wie Harry gestern gesagt hat, jeder Spuren hinterläßt. Also haben auch sie welche hinterlassen, ganz gleich wie vorsichtig sie waren.«

Das Auto näherte sich Manhattan. Sie fuhren auf dem Major Deegan Expressway auf die Third Avenue Bridge zu, und der Fahrer mußte wegen des stärker werdenden Verkehrs abbremsen. Partridge sah zum Fenster hinaus, orientierte sich kurz und wandte sich dann wieder den beiden anderen zu.

»Gestern abend«, sagte er zu Cooper, »hast du gesagt, du würdest dir einen Weg überlegen, wie man den Unterschlupf der Bande ausfindig machen könnte. Gehört dieses >viele Geld für eine intensive Suche< auch zu diesem Weg?«

»Ja. Aber das Ganze wäre eine höchst unsichere Sache.«

»Dann erzähl mal«, sagte Rita.

Cooper blätterte in seinem Notizbuch und begann dann: »Ich habe mir zuerst überlegt, welche Art von Anwesen diese Bande braucht, um all das zu tun, worüber wir gestern abend gesprochen haben: mindestens fünf Autos abstellen beziehungsweise verstecken, eine Lackierwerkstatt einrichten, die groß genug ist, um alle Autos immer wieder umspritzen zu können, und genug Platz haben, um vier oder wahrscheinlich noch mehr Leute unterzubringen. Sie brauchen Lagerräume, ein sicheres Zimmer, wo sie die Sloanes nach der Entführung einsperren können und, für eine Operation dieses Umfangs, eine Art Büro. Etwas Kleines kommt da nicht in Frage, vor allem kein gewöhnliches Haus mit Nachbarn, die alles beobachten können.«

»Okay«, warf Partridge ein, »so weit kann ich dir folgen.«

»Welche Art Anwesen wäre das also?« fuhr Cooper fort. »Wie ich das sehe, kommen drei Möglichkeiten in Frage: entweder eine kleine, stillgelegte Fabrik, ein leeres Lagerhaus oder ein großes Haus mit verschiedenen Nebengebäuden. Aber was es auch ist, es muß an einem Ort liegen, wo nicht viel los ist, eine einsame, abgelegene Gegend, und es darf außerdem, denn davon gehen wir ja inzwischen aus, nicht mehr als fünfundzwanzig Meilen von Larchmont entfernt liegen.«

»Du gehst davon aus«, bemerkte Rita. »Wir anderen haben das nur akzeptiert, weil uns nichts Besseres eingefallen ist.«

»Das Problem ist«, gab nun Partridge zu bedenken, »daß es wahrscheinlich auch in diesem Fünfundzwanzig-Meilen-Radius Zehntausende von Objekten gibt, auf die deine Beschreibung paßt.«

Cooper schüttelte den Kopf. »So viele auch wieder nicht. Ich hab' gestern nach dem Abendessen noch mit ein paar von den anderen gesprochen, und wir sind darauf gekommen, daß es, wenn man die einsame Gegend berücksichtigt, wahrscheinlich nur ein- bis dreitausend sind.«

»Aber auch dann, wie zum Teufel sollen wir in dieser Menge genau das finden, was wir suchen?«

»Wie gesagt, die Sache ist ziemlich unsicher, aber einen Weg gibt es vielleicht doch.«

Partridge und Rita hörten aufmerksam zu, während Cooper ihnen seinen Plan erläuterte.

»Überlegt euch einmal folgendes: Diese Entführer kommen ins Land, egal woher, und müssen sich zunächst einmal eine Operationsbasis aufbauen. Und zwar, wie wir gesagt haben, in der Nähe von Larchmont, aber auch nicht zu nahe. Was tun sie also, um ein geeignetes Anwesen zu finden? Sie suchen sich erst mal die ungefähre Gegend aus. Und dann tun sie das, was jeder tun würde, vor allem, wenn er wenig Zeit hat - sie sehen sich die Immobilienannoncen in den Zeitungen an, und die Art von Bruchbude, die sie suchen, steht vermutlich in den Kleinanzeigen. Wir können natürlich nicht hundertprozentig sicher sein, aber ich halte es für sehr wahrscheinlich, daß sie genau auf diese Art an ihre Bude herangekommen sind.«

»Möglich ist das natürlich«, sagte Partridge. »Aber möglich ist auch, daß sie vor Ort Helfershelfer hatten, die ihnen diese Basis schon vor ihrer Ankunft besorgt haben.«

Cooper seufzte. »Du hast ja nur zu recht. Aber wenn man nichts als Möglichkeiten in der Hand hat, muß man sich eben damit weiterhelfen.«

»Ich spiel' nur den Advocatus Diaboli, Teddy. Mach weiter.«

»Bin schon dabei... Wir sollten jetzt eigentlich die Kleinanzeigen in sämtlichen regionalen und lokalen Zeitungen durchgehen, die in den letzten drei Monaten in diesem Fünfundzwanzig-Meilen-Gebiet um Larchmont erschienen sind. Dabei müßten wir vor allem auf die Objekte achten, von denen wir gesprochen haben und die über längere Zeit inseriert waren und dann plötzlich verschwanden.«