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»Faulkner. Der Kopilot«, sagte Underhill knapp.

Die beiden Klappen der linken Seitentür des Learjets waren geöffnet, in der unteren war eine Treppe integriert, die vom Rumpf zum Boden führte. Der Kopilot war hineingeklettert und hatte die Lichter eingeschaltet.

Luis fuhr mit dem Leichenwagen rückwärts bis knapp vor die Tür. Der Laster blieb in geringer Entfernung stehen, Julio, Rafael und Baudelio sprangen heraus.

Als alle an der Tür der Maschine versammelt waren, fragte Underhilclass="underline" »Wie viele lebende Passagiere haben wir?«

»Vier«, antwortete Miguel.

»Ich brauche die Namen für die Passagierliste«, sagte der Pilot, »und auch die Namen der Toten. Abgesehen davon, wollen ich und Faulkner über Sie und Ihre Angelegenheiten nichts wissen. Wir liefern den vertraglich vereinbarten Charterflug. Und sonst nichts.«

Miguel nickte. Er zweifelte nicht daran, daß sich die beiden Piloten mit diesem Flug eine goldene Nase verdienten. In den Luftkorridoren zwischen den Vereinigten Staaten und Lateinamerika wimmelte es nur so von Flugzeugen, deren Besatzungen es mit dem Gesetz nicht so genau nahmen und für viel Geld große Risiken eingingen. Was diese beiden anging, war es Miguel gleichgültig, ob sie sich von der Sache selbst distanzieren wollten oder nicht. Wenn es wirkliche Probleme gab, machte das sowieso keinen Unterschied. Dann würde man auch die Piloten zur Rechenschaft ziehen.

Unter der Aufsicht des Kopiloten hoben Rafael, Julio, Luis und Miguel den Sarg mit Jessica aus dem Leichenwagen in die Maschine. Es war Zentimeterarbeit, den Sarg durch die Türe und um die Ecke zu manövrieren. Die Sitze an der rechten Seite der Kabine waren ausgebaut. An den Führungsleisten am Boden und den Verstrebungen an der Decke waren Gurte angebracht, mit der die Fracht, in diesem Fall die Särge, befestigt werden konnte.

Während der erste Sarg eingeladen wurde, fuhr der Leichenwagen weg, und der Laster kam mit der Ladeklappe bis an die Tür. Kurz darauf waren auch die beiden anderen Särge in der Maschine, Miguel, Baudelio, Socorro und Rafael folgten, und die Tür wurde geschlossen. Man hatte sich grußlos getrennt. Als Miguel sich auf seinen Platz setzte und zum Fenster hinaussah, verschwanden die Lichter der beiden Fahrzeuge bereits in der Entfernung.

Während der Kopilot die Gurte um die Särge festzog, legte der Pilot im Cockpit einige Schalter um, und die Turbinen begannen zu dröhnen. Dann ging der Kopilot nach vorn. Aus dem Funkgerät drang Rauschen, als er beim Tower um Starterlaubnis nachfragte und kurz danach die Freigabe kam.

Augenblicke später rollten sie bereits.

Baudelio begann nun von seinem Sitz aus, seine externen Kontrollinstrumente an den Särgen zu befestigen. Er arbeitete weiter, während der Learjet abhob, schnell an Höhe gewann und durch die Dunkelheit in Richtung Florida flog.

Am Boden gab es noch einiges zu erledigen.

Als der Leichenwagen und der Laster am Tor des Flughafens auftauchten, legte Carlos, der draußen gewartet hatte, den Gang ein und folgte dem Leichenwagen nach Patterson, das etwa zehn Meilen westlich von Teterboro lag. Dort fuhr Luis den Leichenwagen zu einem bescheidenen Bestattungsinstitut, das sie zuvor willkürlich ausgesucht hatten, und stellte ihn auf dem Parkplatz ab. Er ließ die Schlüssel stecken, lief zu dem Plymouth und fuhr mit Carlos davon.

Am nächsten Morgen würde der Besitzer des Instituts wahrscheinlich mit seinem Gewissen ringen, ob er zur Polizei gehen oder besser abwarten solle, was mit diesem offensichtlich geschenkten, wertvollen Leichenwagen passierte. Wie er sich auch entschied, Carlos Luis und die anderen würden zu diesem Zeitpunkt schon weit weg sein.

Von Patterson aus fuhren Carlos und Luis sechs Meilen in nördlicher Richtung nach Ridgewood, wohin Julio in der Zwischenzeit den Lastwagen gebracht hatte. Er hatte ihn vor dem Gelände eines Gebrauchtlastwagenhändlers abgestellt, der über Nacht geschlossen hatte. Es war anzunehmen, daß ein fast neuer Lastwagen, den niemand mehr abholte, nach einer Weile von dem Geschäft absorbiert würde und so die Polizei nie von seiner Existenz erfuhr.

Die beiden anderen holten Julio an einem vereinbarten Treffpunkt ganz in der Nähe ab, und das Trio fuhr ein letztes Mal zu ihrem Unterschlupf in Hackensack. Dort stieg Julio in den Chevrolet Celebrity und Luis in den Ford Tempo. Dann fuhren die drei in verschiedene Richtungen davon.

Sie würden die Autos an drei weit voneinander entfernten Orten abstellen - mit unverschlossenen Türen und den Schlüsseln im Zündschloß, weil so die Möglichkeit bestand, daß die Autos gestohlen und damit alle Spuren, die auf eine Verbindung mit der Sloane-Entführung hindeuten könnten, verwischt wurden.

14

Erst nach der Erstausgabe der National Evening News nahm die Sondereinheit ihre Konferenz, die am Vormittag von der Schreckensnachricht aus White Plains unterbrochen worden war, wieder auf. Es war inzwischen 19 Uhr 10, und die Mitglieder der Gruppe hatten sich bereits damit abgefunden, daß aus ihren privaten Wochenendplänen nichts wurde. Es wurde oft behauptet, daß die unregelmäßige Arbeitszeit, die langen Abwesenheiten von zu Hause und die Unmöglichkeit eines kalkulierbaren gesellschaftlichen Lebens schuld waren an der außergewöhnlich hohen Scheidungsrate unter den Fernsehreportern.

Harry saß nun wieder am Kopfende des Tisches und betrachtete seine Kollegen - Rita, Norman Jaeger, Iris Every, Karl Owens, Teddy Cooper. Die meisten sahen müde aus; Iris zum Beispiel war bei weitem nicht mehr makellos, ihre Frisur war aufgelöst, auf der weißen Bluse zeigten sich Tintenflecken. Jaeger lümmelte sich in Hemdsärmeln auf seinem nach hinten gekippten Stuhl und hatte die Füße auf dem Tisch.

Im Konferenzraum selbst herrschte ein einziges Chaos, die Abfallkörbe und Aschenbecher quollen über, schmutzige Kaffeetassen türmten sich auf dem Tisch, auf dem Boden lagen Zeitungen verstreut. Die sicher verschlossenen Büros hatten ihren Preis, denn so konnten auch die Putzfrauen nicht herein. Rita nahm sich vor, dafür zu sorgen, daß die Zimmer bis Montagmorgen aufgeräumt wurden.

Die beiden Wandtafeln »Ereignisablauf« und »Vermischtes« hatten beträchtlichen Zufluß bekommen. Die letzte Ergänzung war eine Zusammenfassung der Katastrophe in White Plains, die Partridge getippt hatte. Doch über die Identität der Entführer und den Aufenthaltsort der Opfer gab es leider noch immer keine eindeutigen Informationen.

»Irgendwelche Neuigkeiten?« fragte Partridge.

Jaeger, der inzwischen die Füße vom Tisch genommen und den Stuhl herangezogen hatte, hob die Hand.

»Schieß los, Norm.«

Der altgediente Produzent hatte ein ruhige, gelehrte Art zu sprechen. »Ich habe fast den ganzen Tag in Europa und im Mittleren Osten herumtelefoniert und allen - unseren Redaktionsleitern, Korrespondenten und Informanten - die gleichen Fragen gestellt: Was wißt ihr von neuen oder ungewöhnlichen Entwicklungen in der Terroristenszene? Gibt es unter den Terroristen irgendwelche auffälligen Bewegungen? Sind in der letzten Zeit Terroristen, vor allem ganze Gruppen, von der Bildfläche verschwunden? Wenn ja, könnte es möglich sein, daß sie sich in den Vereinigten Staaten aufhalten? Und so weiter.«

Jaeger unterbrach sich, blätterte in seinen Aufzeichnungen und fuhr dann fort: »Ich bekam einige halb positive Antworten. Eine Gruppe von Hisbollah-Leuten ist vor einem Monat aus Beirut verschwunden. Es gibt Gerüchte, daß sie in der Türkei sind und dort einen neuen Überfall auf Juden planen, und Ankara bestätigt, daß die türkische Polizei nach ihnen sucht. Aber Beweise gibt es keine. Die könnten überall sein.

Die FARL - die Libanesische Bewaffnete Revolutionäre Fraktion - hat angeblich Leute ausgeschickt, doch gibt es drei Berichte, einer davon aus Paris, wonach sie sich in Frankreich aufhalten sollen. Wieder keine Beweise. Abu Nidal ist aus Syrien verschwunden und angeblich in Italien, wo es Gerüchte gibt, daß er, die Islamische Jihad und die Roten Brigaden irgend etwas planen.« Jaeger streckte die Hände in die Luft. »Diese Gangster sind schwer greifbare Schatten, aber die Kontakte, von denen ich diese Informationen habe, waren bisher alle sehr zuverlässig.«