Выбрать главу

Leslie Chippingham betrat den Konferenzraum, Crawford Sloane folgte ihm wenige Augenblicke später. Sie setzten sich zu den anderen an den Tisch. Als Schweigen entstand, bat der Chef der Nachrichtenabteilung: »Macht doch bitte weiter.«

Während Jaeger fortfuhr, warf Partridge einen Blick auf Sloane, und ihm fiel auf, daß der Moderator entsetzlich aussah, noch blasser und ausgezehrter als am Tag zuvor, was bei der immer stärker werdenden Belastung auch kaum verwunderlich war.

Jaeger berichtete: »Meine Gewährsmänner bei den Geheimdiensten berichten von einigen kleineren Terroristenbewegungen. Ich will euch nicht mit Einzelheiten langweilen; wichtig ist nur, daß sie offensichtlich auf Europa und den Mittleren Osten beschränkt sind. Die Leute, mit denen ich gesprochen habe, gehen davon aus, daß es keine Bewegungen in Richtung USA oder Kanada gegeben hat, weil sich das mit Sicherheit herumgesprochen hätte. Aber ich habe allen gesagt, daß sie Augen und Ohren aufsperren sollen.«

»Danke, Norm.« Partridge wandte sich an Carl Owens. »Ich weiß, daß du dich im Süden umgehört hast, Carl. Irgendwelche Ergebnisse?«

»Nichts Eindeutiges.« Der jüngere Produzent brauchte nicht lange in seinen Aufzeichnungen zu wühlen. Es war typisch für seine präzise Arbeitsweise, daß er jeden Anruf mit sauberer Handschrift auf einer Karteikarte festhielt und die Karten sortierte.

»Ich habe mit der gleichen Art von Kontakten gesprochen wie Norm und ihnen ähnliche Fragen gestellt; meine Leute sitzen in Managua, San Salvador, Havanna, La Paz, Buenos Aires, Tegucigalpa, Lima, Santiago, Bogota, Brasilia und Mexico City. Wie immer gibt es dort fast überall terroristische Aktivitäten, wobei manche Terroristen von einem Land ins andere wechseln, das heißt sie überschreiten die Grenzen wie Pendler, die einfach von einem Zug in den anderen steigen. Aber nichts davon entspricht der Art von Gruppenbewegung, nach der wir suchen. Ich bin nur über eins gestolpert. Aber daran arbeite ich noch... «

»Erzähl«, sagte Partridge. »Wir sind auch mit der Rohfassung zufrieden.«

»Nun, es ist etwas aus Kolumbien. Über einen Kerl namens Ulises Rodriguez.«

»Einer von der ganz üblen Sorte«, sagte Rita. »Man hat ihn schon als den Abu Nidal Lateinamerikas bezeichnet.«

»Was durchaus zutrifft«, bestätigte Owens, »und es gibt auch Gerüchte, daß er an einigen Entführungen in Kolumbien beteiligt war. Bei uns erfährt man von denen nicht viel, obwohl sie da drüben an der Tagesordnung sind. Also, vor drei Monaten ist Rodriguez angeblich in Bogota aufgetaucht, aber dann war er plötzlich verschwunden. Leute, die es wissen müssen, sind davon überzeugt, daß er irgendwo aktiv ist. Es gab Gerüchte, daß er sich in London aufhielt, aber wo immer er jetzt auch ist, seit Juni ist er erfolgreich untergetaucht.«

Owens hielt inne und warf einen Blick auf eine seiner Karten. »Da ist noch etwas: Rein auf Verdacht habe ich einen Kontaktmann bei der Einwanderungsbehörde in Washington angerufen und Rodriguez' Namen erwähnt. Mein Kontaktmann rief mich dann später zurück und erzählte mir, daß die Einwanderungsbehörde vor drei Monaten, also zu der Zeit, als Rodriguez verschwand, von der CIA die Warnung erhalten habe, Rodriguez versuche über Miami ins Land einzureisen. Es gibt einen Haftbefehl auf seinen Namen, und der Zoll und die Einwanderungsbehörde in Miami waren in höchster Alarmbereitschaft. Aber er ist nicht aufgetaucht.«

»Oder er hat es geschafft, unerkannt durchzukommen«, fügte Iris Everly hinzu.

»Das ist natürlich möglich. Oder er ist durch einen andere Tür hereingekommen - vielleicht über London, wenn das Gerücht, das ich erwähnt habe, zutrifft. Rodriguez hat in Berkeley Englisch studiert und spricht ohne Akzent, oder genauer, mit einem amerikanischen Akzent. Ich will damit sagen, daß er als Ausländer nicht auffällt.«

»Die Sache wird langsam interessant«, sagte Rita. »Gibt's noch mehr?«

Owens nickte. »Ein bißchen.«

Während die ganze Runde Owens aufmerksam zuhörte, dachte Partridge darüber nach, daß nur die Leute im Nachrichtengewerbe wirklich verstanden, wieviel Information man über Kontaktleute und durch beständiges Telefonieren sammeln konnte.

»Zu dem wenigen, was man über Rodriguez weiß«, fuhr Owens fort, »gehört neben dem, was ich eben erzählt habe, auch, daß er seinen Abschluß in Berkeley im Jahr 1972 machte.«

»Gibt es Fotos von ihm?« fragte Partridge.

Owens schüttelte den Kopf. »Bei der Einwanderungsbehörde haben sie keins. Und dort sagen sie, daß auch sonst niemand eins hat, auch die CIA nicht. Rodriguez hat immer gut aufgepaßt. Aber in dieser Hinsicht haben wir vielleicht Glück.«

»O Mann, Carl!« rief Rita. »Du sollst keinen Roman schreiben, sondern uns einfach erzählen, was du weißt!«

Owens lächelte. Es war seine Art, eine Geschichte langsam und geduldig aufzubauen. Nur so funktionierte es, und er hatte keine Lust, es wegen Rita Abrams oder sonst jemandem zu ändern.

»Nachdem ich also das von Rodriguez wußte, hab' ich in unserer Redaktion in San Francisco angerufen und sie gebeten, jemand nach Berkeley zu schicken.« Er warf Chippingham einen Blick zu. »Ich hab' deinen Namen erwähnt, Les, und gesagt, du hättest Toppriorität angeordnet.«

Chippingham nickte nur, und Owens fuhr fort.

»Die schickten Fiona Gowan, die auch in Berkeley studiert hat und sich dort gut auskennt. Fiona hatte Glück - schließlich ist ja Samstag - und konnte wirklich, ob ihr mir's nun glaubt oder nicht, ein Mitglied des Fachbereichs Englisch ausfindig machen, das sich an einen Rodriguez aus der 72er Klasse erinnerte.«

Rita seufzte. »Wir glauben es dir.« Ihr Tonfall bedeutete: Na, mach schon!

»Rodriguez war offensichtlich ein Einzelgänger, er hatte keine engen Freunde. Der Typ von der Uni erinnerte sich auch daran, daß Rodriguez sehr kamerascheu war, daß er sich nie fotografieren ließ. Die Daily Cal, das Studentenblättchen, wollte über ihn und einige andere ausländische Studenten eine Reportage bringen, aber er lehnte ab. Die ganze Sache entwickelte sich zu einem Sport, und irgendwann schaffte es ein Kommilitone, der ein ziemlich guter Zeichner war, eine Kohleskizze von Rodriguez zu machen, ohne daß der es merkte. Als der Künstler die Zeichnung herumzeigte, wurde Rodriguez wütend. Schließlich kaufte er ihm das Bild zu einem überhöhten Preis ab. Der Gag dabei war aber, daß der Künstler einen ganzen Stapel Kopien von der Zeichnung gemacht und an seine Freunde ausgeteilt hatte. Rodriguez erfuhr nie etwas davon.«

»Und diese Kopien...«, begann Partridge.

»Dazu kommen wir gleich, Harry.« Owens lächelte, er ließ sich auch weiterhin nicht drängen. »Fiona ist inzwischen wieder in San Francisco, und sie hing den ganzen Nachmittag an der Strippe. Es war 'ne Wahnsinnsarbeit, weil der 72er EnglischJahrgang dreihundertachtundachtzig Studenten hatte. Aber sie schaffte es, ein paar Namen und Telefonnummern aufzutreiben, und da führte eins zum anderen. Kurz vor unserem Treffen hat sie mich noch angerufen und mir gesagt, daß sie eine dieser Kopien aufgetrieben hat und daß sie die morgen bekommt. Sobald sie da ist, faxt die Redaktion sie uns 'rüber.«

Am Tisch entstand zustimmendes Gemurmel. »Gute Arbeit«, sagte Chippingham. »Richte Fiona meinen Dank aus.«

»Vielleicht sollte man das Ganze trotzdem nicht überbewerten«, gab Owens zu bedenken. »Was wir im Augenblick haben, sind nur ein paar glückliche Zufälle, und es ist ja auch nur eine Vermutung, daß Rodriguez an der Entführung beteiligt war. Außerdem ist diese Kohlezeichnung zwanzig Jahre alt.«

»So stark verändern sich die Leute auch in zwanzig Jahren nicht«, sagte Partridge. »Wir können das Bild ja in Larchmont herumzeigen und die Leute fragen, ob sie den schon einmal gesehen haben. Sonst noch etwas?«