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Doch er hatte nicht vor, zu Margot zu gehen und sie um Erlaubnis zu bitten; er wußte viel zu gut, was sie antworten würde. Er wollte das Risiko eingehen und die Ausgaben selbst genehmigen.

Rita, die wie immer praktisch dachte und die Situation entschärfen wollte, sagte: »Wenn wir die Sache machen, dann dürfen wir keine Zeit verlieren. Bis Montag morgen sollten wir die Rechercheure haben. Wo fangen wir an?«

»Wir werden uns an Onkel Arthur wenden«, entgegnete Chippingham. »Ich werde ihn heute noch von zu Hause anrufen, dann kann er morgen gleich mit der Auswahl der Leute beginnen.«

Crawford Sloanes Gesicht hellte sich auf. »Eine gute Idee.«

Teddy Cooper flüsterte Jaeger, der neben ihm saß, zu: »Wer zum Teufel ist Onkel Arthur?«

Jaeger grinste. »Du kennst Onkel Arthur nicht? Na, dann mach dich morgen auf ein einzigartiges Erlebnis gefaßt, mein junger Freund.«

»Die Drinks gehen auf mich«, sagte Chippingham. Und im Geist fügte er hinzu: Ich habe euch alle hierhergebracht, um kleine Wunden zu heilen.

Sie hatten sich alle bei Sfuzzi wiedergetroffen, einem Restaurant mit Bar im neorömischen Stil in der Nähe des Lincoln Center. Es war ein Stammlokal vieler Fernsehreporter. Obwohl das Sfuzzi, wie an jedem Samstagabend, restlos überfüllt war, schafften sie es doch, sich an einen Tisch zu zwängen, an den man einige zusätzliche Stühle gestellt hatte.

Chippingham hatte jeden eingeladen, der an der Konferenz teilgenommen hatte, doch Sloane hatte abgelehnt und es vorgezogen, mit Havelock, seiner FBI-Begleitung, nach Hause zu fahren. Dort würden sie wieder ein Nacht durchwachen, in der Hoffnung auf einen Anruf von den Entführern.

Als jeder mit Getränken versorgt und die Stimmung bereits etwas gelöst war, sagte Partridge: »Les, ich glaube, eins muß mal gesagt werden. Auch unter normalen Umständen möchte ich nicht mit dir tauschen. Aber vor allem in der augenblicklichen Situation zweifle ich daran, daß auch nur einer von uns mit den Problemen und den Leuten so umgehen kann wie du.«

Chippingham sah Partridge dankbar an und nickte. Für ihn war dieses Kompliment ein Zeichen des Verstehens von jemand, den er respektierte, und für die anderen ein Hinweis, daß nicht alles immer glattlief und nicht jede Entscheidung leicht zu treffen war.

»Harry«, sagte nun Chippingham. »Ich weiß, wie du arbeitest und daß du sehr schnell eine Gefühl für eine Situation entwickelst. Ist das bei dieser Geschichte auch schon passiert?«

»Ja, ich glaube schon.« Partridge warf Teddy Cooper einen flüchtigen Blick zu. »Teddy glaubt, daß diese Gauner das Land bereits verlassen haben, und ich bin zu dem gleichen Schluß gekommen. Aber mein Instinkt sagt mir auch, daß wir kurz vor einem Durchbruch stehen - entweder durch unser Zutun oder weil etwas passiert. Und dann wissen wir, wo und wer die Entführer sind.«

»Und dann?«

»Sobald wir das wissen«, sagte Partridge, »bin ich unterwegs. Gleichgültig, wohin die Spur führt, ich will so schnell wie möglich und vor allem als erster dort sein.«

»Das wirst du auch«, sagte Chippingham. »Und ich verspreche dir, du bekommst von mir jede Unterstützung, die du brauchst.«

Partridge lachte und sah sich am Tisch um. »Ihr habt das alle gehört. Vergeßt es nicht.«

»Auf keinen Fall«, sagte Jaeger. »Les, falls es nötig ist, werden wir dich an deine Worte erinnern.«

Chippingham schüttelte den Kopf. »Es wird nicht nötig sein.«

Während das Gespräch weiterging, schien Rita etwas in ihrer Tasche zu suchen. Doch in Wirklichkeit kritzelte sie eine Nachricht auf ein Stückchen Papier, das sie dann unter dem Tisch Chippingham verstohlen in die Hand drückte.

Er wartete, bis er einen Augenblick unbeobachtet war, und sah dann nach unten. Auf dem Papier stand: Les, hast du Lust, mit mir zu schlafen? Laß uns von hier verschwinden.

15

Sie fuhren in Ritas Wohnung an der West Seventy-second, nur wenige Taximinuten vom Sfuzzi entfernt. Chippingham wohnte etwas weiter nördlich, auf der Höhe Eightieth Street. Solange sein Scheidungsprozeß noch lief, mußte er sich mit einer kleinen, für New Yorker Verhältnisse billigen Wohnung begnügen, auf die er nicht gerade stolz war. Er vermißte die luxuriöse Eigentumswohnung am Sutton Place, die er zwanzig Jahre lang zusammen mit seiner Frau bewohnt hatte. Doch diese Wohnung war nun für ihn verbotenes Territorium, ein verlorenes Paradies. Dafür hatten Stasias Anwälte gesorgt.

Aber im Augenblick wollten er und Rita nur möglichst schnell allein sein. Schon im Taxi waren ihre Hände sehr beschäftigt, bis er zu Rita sagte: »Wenn du so weitermachst, explodiere ich wie der Vesuv, und dann kann's Monate dauern, bis der Vulkan wieder tätig wird.«

Lachend erwiderte sie: »Du doch nicht!« aber sie hörte dennoch auf.

Unterwegs ließ Chippingham den Taxifahrer an einem Zeitungskiosk anhalten. Er stieg aus und kehrte gleich darauf mit den Sonntagsausgaben der New York Times, der Daily News und der Post zurück.

»Wenigstens weiß ich jetzt, wie du deine Prioritäten setzt«, bemerkte Rita. »Ich hoffe nur, du willst sie nicht lesen, bevor wir... «

»Später«, erwiderte er, »viel, viel später.«

Noch während er das sagte, fragte er sich, ob er, was Frauen betraf, je erwachsen werde. Wahrscheinlich nicht, oder zumindest erst dann, wenn seine Libido auf kleinerer Flamme brannte. Er wußte, daß ihn einige Männer um seine Manneskraft beneideten, die wenige Monate vor seinem fünfzigsten Geburtstag kaum schwächer war als vor fünfundzwanzig Jahren. Aber diese permanente Lust hatte auch ihre Schattenseiten.

Während Rita ihn nun erregte, wie sie es auch früher schon des öfteren getan hatte, und er wußte, daß Augenblicke des gemeinsamen Vergnügens vor ihnen lagen, wußte er doch auch, daß er sich in einer oder zwei Stunden fragen würde: Ist das den ganzen Ärger wert? Und ähnlich stellte er sich auf die Frage, ob seine sexuellen Exkursionen es wert waren, eine Frau zu verlieren, die er wirklich mochte, und gleichzeitig seine Karriere aufs Spiel zu setzen - eine Tatsache, die ihm Margot Lloyd-Mason bei ihrer letzten Unterredung allzu deutlich vor Augen geführt hatte.

Warum tat er es? Teilweise, weil er diesen Freuden, wenn sich die Gelegenheit dazu bot, einfach nicht widerstehen konnte, und solche Gelegenheiten gab es im Nachrichtengewerbe unzählige. Dazu gehörte auch das Vergnügen an der Jagd, das nie nachließ, und schließlich das Eindringen und die körperliche Erfüllung - das Nehmen und das Geben, die beide gleich wichtig waren.

Les Chippingham führte ein sorgsam verstecktes Tagebuch, in das er seine sexuellen Eroberungen eintrug - eine Liste von Namen in einem speziellen Code, den nur er entziffern konnte. Und all diese Namen bedeuteten Frauen, die er gemocht, und einige, die er, zumindest eine Zeitlang, wirklich geliebt hatte.

Ritas Namen, den er erst kürzlich in das Buch aufgenommen hatte, war der einhundertsiebenundzwanzigste Eintrag. Chippingham versuchte, die Liste nicht als Trefferkarte zu sehen, aber in gewisser Weise war sie es.

Leute, die ein ruhigeres und unschuldigeres Leben führen, finden diese Zahl vielleicht übertrieben, ja, unglaubwürdig. Wer aber beim Fernsehen oder in anderen kreativen Bereichen, ob nun als Maler, Schauspieler oder Schriftsteller, arbeitet, wird diese Zahl ohne Zögern akzeptieren.

Chippingham bezweifelte, daß seine Frau auch nur eine ungefähre Vorstellung von der Anzahl seiner Seitensprünge hatte, und das brachte ihn auf eine Frage, die er sich schon oft gestellt hatte: Gab es eine Möglichkeit, ihre Ehe zu kitten und zu der Vertrautheit zurückzukehren, die er mit Stasia einmal erlebt hatte, obwohl sie von seinen Amouren wußte? Er wünschte sich, die Antwort könnte Ja lauten, aber er wußte, daß es zu spät war. Stasias Verbitterung war zu stark, die Wunde saß zu tief. Vor einigen Wochen hatte er brieflich einen zaghaften Annäherungsversuch gemacht. Doch geantwortet hatte ihm Stasias Anwalt mit der Warnung, er, Chippingham, habe jede direkte Kontaktaufnahme mit seiner, des Anwalts, Klientin zu unterlassen.