Auch wenn dieses Spiel verloren war, so überlegte er nun, hinderte ihn doch nichts daran, das Vergnügen der nächsten Stunden mit Rita zu genießen.
Rita hatte sich ebenfalls Gedanken über Beziehungen gemacht, allerdings auf einer etwas einfacheren Ebene. Sie war unverheiratet geblieben, da sie bis jetzt noch keinen Mann kennengelernt hatte, an den sie sich auf Dauer hätte binden wollen. Sie wußte, daß auch diese Affäre mit Les keine Zukunft hatte. Sie kannte ihn lange genug, um zu wissen, daß er zur Treue nicht fähig war. Er wechselte die Frauen mit einer Beiläufigkeit wie andere die Wäsche. Was ihn so unwiderstehlich machte, war dieser große, starke Körper mit allem, was dazugehört, und wegen dieses Körpers wurde ein sexuelles Abenteuer mit ihm zu einem euphorischen, glücklichen, himmlischen Traum. Als sie vor ihrer Wohnung eintrafen und Les das Taxi bezahlte, träumte sie bereits von ihm.
Rita verriegelte die Wohnungstür, und einen Augenblick später lagen sie sich schon in den Armen. Rita ging voran ins Schlafzimmer, Les folgte ihr, und noch auf dem Weg warf er sein Sakko zu Boden, zog sich die Krawatte vom Hals und knöpfte sein Hemd auf.
Das Schlafzimmer war typisch für Rita, ordentlich und doch auf eine lässige Art gemütlich mit den pastellfarbenen Stoffbezügen und den überall herumliegenden Kissen. Mit einer schnellen Bewegung zog sie die Tagesdecke vom Bett, faltete sie flüchtig zusammen und schleuderte sie in einen Sessel. Dann zog sie sich schnell aus und warf ihre Kleider in alle Richtungen, die unbewußte Geste einer Liebenden, die damit auch ihre Hemmungen Stück für Stück ablegte. Dabei lächelte sie Les an, und er erwiderte ihren Blick, während er aus seiner Unterhose stieg und sie zu Ritas Slip und BH warf.
Wie schon zuvor, gefiel ihm, was er sah.
Rita, die von Natur aus brünett war, hatte Anfang der Dreißig, als sich erste graue Strähnchen zeigten, begonnen, sich die Haare zu färben. Doch nach ihrem Wechsel von der Korrespondenten- in die Produzentenlaufbahn, der ja auch eine Veränderung ihres Images bedeutete, hatte sie der Natur ihren Lauf gelassen, und nun zeigten ihre Haare eine interessante Mischung aus Dunkelbraun und Silber. Auch ihre Figur war reifer geworden. »Man könnte sagen«, hatte Rita leicht spöttisch bemerkt, als Les sie das erste Mal nackt sah, »aus der Aphrodite, die ich mal war, ist eine solide Venus geworden.«
»Mir gefällt die Venus«, hatte er geantwortet.
Denn mit ihren sanft gerundeten Hüften und dem festen, hohen Busen brauchte sich Rita wirklich nicht zu verstecken.
Als sie den Blick senkte, sah sie, daß Les schon mehr als bereit war. Und doch kam er langsam zu ihr, er beugte sich über sie und küßte sie auf die Stirn, die Lider und den Mund. Dann umfaßte er sanft ihre Brüste mit beiden Händen und nahm abwechselnd ihre Warzen in den Mund. Ein wohliger Schauder lief ihr über den Rücken, als sie spürte, wie sie hart wurden.
Sie atmete schwer, und während jede Bewegung ihres Körpers ihre Lust noch erhöhte, ließ sie ihre Hand langsam, zärtlich über Les' Lenden gleiten, und sie tastete nach ihm mit behutsamen, erfahrenen Fingern. Sie spürte, wie sich sein ganzer Körper anspannte, hörte, wie es ihm beinahe den Atem verschlug, und dann ein sanftes, leises Stöhnen der Lust.
Zärtlich drückte Chippingham sie aufs Bett, während er mit Fingern und Zunge die süße, feuchte Wärme ihres Körpers erkundete. Und als beide es nicht mehr aushielten, glitt er in sie. Rita schrie auf, und Augenblicke später durchströmte ihren Körper ein letztes, herrliches Hochgefühl der Lust.
Rita ließ sich treiben, sie genoß die wenigen trägen Augenblicke, bevor ihr immer aktiver Verstand sie mit Fragen bedrängte. Die Liebe mit Les war immer so perfekt und makellos, daß sie sich fragte, ob es für alle Frauen so war, die mit ihm ins Bett gingen. Sie nahm an, daß es so war. Er hatte eine Art, mit dem Körper einer Frau umzugehen, die Rita - und wahrscheinlich alle anderen - bis zur Ekstase trieb. Und Ritas Erregung erhöhte sicherlich die seine. Doch erst nach ihrem fantastischen Höhepunkt - wie schön, daß sie ihn nicht vorspielen oder mühsam darauf hinarbeiten mußte! - explodierte auch er in ihr.
Später lagen sie dann tief und gleichmäßig atmend nebeneinander, und der Schweiß ihrer feuchten Körper vermischte sich zum herbsüßen Aroma der Liebe.
»Leslie Chippingham«, sagte Rita. »Hat dir schon einmal jemand gesagt, daß du der perfekteste Liebhaber der Welt bist?«
Er lachte und küßte sie. »Liebe ist Poesie. Und die Poesie lebt aus der Inspiration. In diesem Augenblick bist du die meine.«
»Mit Worten bist du aber auch nicht schlecht«, erwiderte sie. »Vielleicht solltest du im Nachrichtengeschäft arbeiten.«
Nach einer Weile schliefen sie ein, und beim Aufwachen liebten sie sich wieder.
Doch schließlich und unausweichlich trat der Sex in den Hintergrund, und Rita und Les wandten sich dem Stapel Zeitungen zu, die Les unterwegs gekauft hatte. Er nahm sich zuerst die Times vor, Rita die Post.
Beide verschlangen die neuesten Meldungen über die Entführungsgeschichte, die sich fast ausschließlich auf die Explosion in White Plains und die entstandene Verwüstung konzentrierten. Von einem rein professionellen Standpunkt aus war Rita froh, als sie sah, daß die Berichterstattung von CBA News alle wichtigen Punkte abgedeckt hatte. Die Printmedien brachten zwar ausführlichere Berichte mit mehr Reaktionen, doch die Fakten waren im wesentlichen dieselben.
Danach wandten sich Rita und Les anderen wichtigen nationalen und internationalen Meldungen zu, denen sie in den letzten Tagen weniger Aufmerksamkeit als sonst geschenkt hatten. Doch keiner der beiden beachtete einen einspaltigen Bericht, der versteckt in den Innenseiten der Post stand:
UN-DIPLOMAT TÖTET IN RASENDER EIFERSUCHT GELIEBTE UND SICH SELBST
Ein Diplomat bei den Vereinten Nationen, Jose Antonio Salaverry, und seine Freundin Helga Efferen wurden am Samstag erschossen in Salaverrys Wohnung an der 48th St. aufgefunden. Nach Polizeiangaben handelte es sich bei der Tat um einen »Mord aus Eifersucht mit anschließendem Selbstmord«.
Salaverry war Mitglied der peruanischen Delegation bei den Vereinten Nationen. Helga Efferen, eine libanesische Immigrantin und jetzige amerikanische Staatsbürgerin, arbeitete in einer Filiale der American-Amazonas Bank an der Dag Hammerskjöld Plaza.
Die beiden Leichen wurden am frühen Samstagmorgen von einem Hausmeister entdeckt. Eine ärztliche Untersuchung ergab einen wahrscheinlichen Todeszeitpunkt zwischen 20 und 23 Uhr des vorangegangenen Tages. Die Polizei geht anhand der vorliegenden Indizien von der Vermutung aus, daß Salaverry, nachdem er entdeckt hatte, daß Helga Efferen seine Wohnung für sexuelle Eskapaden mit anderen Männern benutzte, aus Wut und Eifersucht, zuerst sie und dann sich selbst erschoß.
16
Mit der Anmut einer Seemöwe schwebte der Learjet 55LR durch die Nacht. Die Turbinen waren gedrosselt, und die Maschine senkte die Nase auf zwei parallele Lichtbänder, die die Landebahn eins-acht des Opa Locka Airport markierten. Hinter dem Flughafen funkelten die unzähligen Lichter von Miami, deren Reflexion wie ein riesiger Heiligenschein über der Stadt lag.
Miguel in seinem Sitz in der Passagierkabine sah aus dem Fenster, er hoffte, daß die Lichter Amerikas und alles, was sie repräsentierten, bald hinter ihm lägen.
Er sah auf die Uhr. 23 Uhr 18. Der Flug von Teterboro hatte etwas mehr als zweieinviertel Stunden gedauert.