Выбрать главу

Captain Underhill, der das Licht wenige Augenblicke später gesehen hatte, machte sich nun am Funkgerät zu schaffen. Er stellte eine besondere Frequenz ein und gab eine codierte Nachricht durch: »Atenciön, amigos de Huallaga. Este es el aviön >La Dorada<. Les traemos el embarque Pizarro.«

Underhill hatte bei Abschluß der Charterverhandlungen die Instruktion erhalten, diese Codenachricht zu verwenden. Prompt kam die Antwort: »Somos sus amigos de la tierra. Les estamos esperando. >La Dorada< se puede aterrizar. No hay viento.«

Die Landeerlaubnis war willkommen, aber die Nachricht, daß es keinen Bodenwind gab, der den schweren Jet hätte abbremsen können, weniger. Doch während Underhill seine Bestätigung durchgab, leuchtete der Signalscheinwerfer wieder auf und blinkte nun beständig. Augenblicke später sprangen entlang der Staubpiste drei weitere Scheinwerfer an. Underhill, der die Bahn schon zweimal angeflogen hatte, war sich ziemlich sicher, daß der Sprechverkehr über ein tragbares Funkgerät lief, das sich höchstwahrscheinlich in einem Lastwagen befand, auf dem auch der Suchscheinwerfer montiert war. Die raffinierte Ausrüstung überraschte Underhill nicht. Drogenkuriere landeten oft hier, und bei technischem Gerät sparten die Kartelle nicht am Geld.

»Ich lande«, sagte Underhill, und der Kopilot übergab ihm das Steuer.

In tausend Fuß Höhe überflog der Pilot das Gelände, prägte sich das wenige ein, was von der Landebahn zu sehen war, und berechnete seinen Anflug. Er wußte, daß sie jeden verfügbaren Meter Piste brauchen würden, und auch, daß Bäume und dichtes Buschwerk die Bahn zu beiden Seiten begrenzte; seine Landung mußte also perfekt sein. Er begann mit dem Anflug. Den Fallwind ausnutzend, flog er parallel zu der Piste und verlor dabei an Höhe.

Faulkner neben ihm traf letzte Landevorbereitungen. Bei »Fahrgestell ausgefahren« hörte man, wie die Räder sich rumpelnd senkten. Während sie in einer engen Linkskurve wieder auf die Piste zuflogen, blinkten die drei grünen Kontrollampen des Fahrwerks auf.

Beim endgültigen Anflug zerschnitten die beiden hellen Landescheinwerfer der Maschinen die Dunkelheit vor ihnen, und Underhill drosselte die Geschwindigkeit auf 120 Knoten. Ihm wäre es lieber gewesen, wenn er bei Tageslicht hätte landen können, aber sie hatten nicht mehr genug Treibstoff, um bis zum Sonnenaufgang um 6 Uhr über der Piste zu kreisen. Während der Streifen nun immer näher kam, merkte Underhill plötzlich, daß sie zu hoch waren. Er drosselte die Triebwerke. Der Anfang der Piste war nur noch fünfzehn Meter entfernt. Schub weg und die Nase hochgezogen. Das war's! Etwas unsanft setzten sie auf der rauhen, unebenen Bahn auf. Das Steuer fest in der Hand, um auf einer geraden Linie zu bleiben, die Bäume am Rand nur Schatten im Licht der Landescheinwerfer. Gegenschub... Bremsen! Das mittlere Signallicht lag bereits hinter ihnen, sie wurden langsamer. War es langsam genug? Das Ende der Piste war beunruhigend nahe, aber sie standen schon fast. Und dann hatten sie es geschafft - auf dem allerletzten Meter.

»Gut«, sagte Faulkner. Er mochte Underhill nicht besonders; sein Vorgesetzter war egoistisch, rücksichtslos und arrogant. Aber er war dennoch ein hervorragender Pilot.

Als Underhill den Lear wendete und zum Anfang der Piste zurückrollte, waren flüchtig ein Lastwagen und einige huschende Gestalten zu sehen. Seitlich hinter dem Lastwagen stand eine kleine, grob zusammengezimmerte Hütte und daneben einige Metalltonnen.

»Das ist unser Treibstoff«, sagte Underhill und wies auf die Tonnen. »Die Kerle werden dir beim Auftanken helfen; aber beeil dich, weil ich mit dem ersten Sonnenstrahl von hier verschwinden will.« Bogota in Kolumbien war ihr nächstes Ziel, dort endete der Auftrag. Waren sie erst einmal in der Luft, lag nur noch ein kurzer und einfacher Flug vor ihnen.

Underhill wußte, daß dieses Dschungelgebiet Niemandsland war, hart umkämpft vom Sendero Luminoso, der Peruanischen Armee und manchmal auch der Antiterror-Polizei der Regierung. Da alle drei wegen ihrer Brutalität berüchtigt waren, hielt sich niemand gern lange in dieser Gegend auf. Aber die Passagiere des Learjet würden hier aussteigen, und auf ein Zeichen von Underhill griff Faulkner hinter sich und öffnete die Tür zwischen Cockpit und Kabine.

Miguel, Socorro, Rafael und Baudelio waren froh, nach dem Landeanflug in der Dunkelheit nun wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Aber mit der Erleichterung kam auch das Bewußtsein, daß nun ein neuer Abschnitt ihres Unternehmens begann. Das traf vor allem auf Baudelio zu. Hatte er während des Fluges die Särge mit seinen externen Instrumenten überwacht, so begann er nun, die Betäubungsdosis zu verringern, denn er wußte, daß man in Kürze die Särge öffnen und seine Patienten - so sah er sie noch immer - herausnehmen würde.

Augenblicke später blieb der Learjet stehen, die Turbinen wurden ausgeschaltet, und Faulkner verließ seinen Platz, um die Rumpftür zu öffnen. Im Gegensatz zur kontrollierten Temperatur im Innern der Kabine war die Luft draußen erstickend heiß und schwül.

Während die Passagiere ausstiegen, wurde deutlich, daß sich Aufmerksamkeit und Respekt der Leute, die sie am Boden erwarteten, vorwiegend auf Miguel und Socorro richteten. Bei Miguel war das offensichtlich seiner Rolle als Anführer zuzuschreiben, bei Socorro ihrer Verbindung zum Sendero Luminoso.

Acht Männer bildeten das Empfangskomitee. Trotz der Dunkelheit konnte man im Widerschein der Lampen erkennen, daß alle acht kleine, aber kräftige, typisch bäuerliche Gestalten mit wettergegerbten Gesichtern waren. Der offensichtlich Jüngste der Truppe trat vor und stellte sich als Gustavo vor. Zu Miguel sagte er: »Tenemos ordenes de ayudarle cuando lo necesite, senor.«

Nach dieser Bekundung seiner Bereitschaft, Befehle entgegenzunehmen, wandte er sich mit einer Verbeugung an Socorro: »Senora, la destinaciön de sus prisioneros serä Nueva Esperanza. El viaje serä noventa kilometros, la mayor parte por el rio. El barco estä listo.«

Underhill stieg gerade rechtzeitig aus dem Flugzeug, um den letzten Satz noch mitzubekommen. »Welche Gefangenen sollen neunzig Kilometer weit mit dem Boot transportiert werden?«

Miguel war es nicht recht, daß Underhill nun den Namen ihres Zielorts, Nueva Esperanza, kannte. Davon abgesehen, hatte er ohnehin mehr als genug von diesem unverschämten Piloten; das »Ihr seid aber verdammt spät dran« zur Begrüßung in Teterboro fiel ihm wieder ein und auch die anderen Anlässe während der Reise, bei denen der Pilot seine Feindseligkeit unverhüllt zum Ausdruck gebracht hatte. Und da Miguel nun wieder auf festem Boden stand, wo der andere keine Befehlsgewalt hatte, sagte er nur verächtlich: »Das geht Sie nichts an.«

»Alles, was in diesem Flugzeug passiert, geht mich etwas an«, fauchte Underhill ihn an. Dann warf er einen flüchtigen Blick auf die Särge. Ursprünglich hatte er so wenig wie möglich über deren Inhalt wissen wollen. Doch nun schien es ihm instinktiv besser, wenn er, als Absicherung für später, mehr darüber in Erfahrung brachte. »Was ist da drin?«

Doch Miguel ignorierte den Piloten und befahl Gustavo: »Digale a los hombres que descarguen los ataudes cuidadosamente sin moverlos demasiado, y que los lleven adentro de la choza.«

»Nein!« Underhill stellte sich vor die Tür. »Sie werden diese Särge erst ausladen, wenn Sie meine Frage beantwortet haben!« Die Hitze zeigte bei ihm bereits Wirkung, der Schweiß lief ihm über das Gesicht und die kahle Stirn.

Miguel warf Gustavo einen flüchtigen Blick zu und nickte. Fast im gleichen Augenblick regte sich im Hintergrund etwas, metallisches Klicken war zu hören, und plötzlich sah Underhill in die Mündungen von sechs Kalaschnikows, die die Männer der Bodenmannschaft entsichert und mit um den Abzug gekrümmten Fingern auf ihn richteten.