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Die Ehe mit Gemma dagegen hatte sich seit ihren unscheinbaren Anfängen an Bord des päpstlichen Flugzeugs in dem Maße gefestigt, in dem ihre Liebe wuchs. Zu keiner Zeit seines Lebens war Partridge glücklicher gewesen.

Er arbeitete weiter als CBA-Korrespondent in Rom, wo ausländische Journalisten - so ein Kollege von CBS - »wie Könige lebten«.

Schon kurz nach ihrer Rückkehr von der Papstreise fanden Partridge und Gemma eine Wohnung in einem Palazzo aus dem sechzehnten Jahrhundert. Sie lag zwischen der Spanischen Treppe und der Fontana di Trevi und hatte acht Zimmer und drei Balkone. Damals, als die großen Sender noch Geld ausgaben, als gäbe es kein Morgen, kümmerten sich die Korrespondenten noch selber um ihre Wohnungen und ließen sich die Kosten zurückerstatten. Doch seitdem die Budgets magerer und die Buchhalter entsprechend mißtrauischer geworden waren, wurden vom Sender weniger anspruchsvolle, billigere Wohnungen zur Verfügung gestellt.

Während Gemma sich in der Wohnung, die ihr erstes gemeinsames Zuhause werden sollte, umsah, sagte sie plötzlich: »Harry, mio amore, hier fühle ich mich schon jetzt wie im Himmel. Aber für dich werde ich einen siebten Himmel daraus machen.« Und sie tat es.

Gemma hatte die Gabe, mit ihrem Lachen, ihrem Frohsinn und ihrer Liebe zum Leben ihre Umgebung zu verzaubern. Außerdem wußte sie, wie man ein Haus führte, und sie war eine hervorragende Köchin. Doch beim Umgang mit Geld oder Schecks tat sie sich, wie Harry schnell herausfand, eher schwer. Wenn Gemma mit Schecks bezahlte, vergaß sie häufig, den Kontrollabschnitt auszufüllen, so daß auf ihrem Konto immer weniger Geld war, als sie glaubte. Und selbst wenn sie an den Kontrollabschnitt dachte, verrechnete sie sich häufig, weil sie addierte, anstatt abzuziehen, und hatte so ständig Probleme mit der Bank. »Harry, tesoro«, klagte sie nach einem wenig erfreulichen Gespräch mit dem Zweigstellenleiter, »Bankleute sind so lieblos. Sie sind... wie heißt das englische Wort?«

Schmunzelnd sagte er: »Wie wär's mit pragmatisch?«

»Oh, Harry, du bist so ein kluger Kopf Ja«, sagte Gemma entschieden, »Bankleute sind zu pragmatisch.«

Partridge fand schnell eine Lösung. Er nahm die finanziellen Dinge nun selbst in die Hand - ein relativ kleiner Beitrag, wie er fand, zu einem Leben, das jetzt so viele angenehme Seiten für ihn bereithielt.

Ein anderes Problem mit Gemma erforderte mehr Behutsamkeit. Sie war vernarrt in Autos, besaß einen klapprigen Alfa Romeo und fuhr, ganz im Stil ihrer Landsleute, wie eine Wahnsinnige. Wenn er in ihrem Alfa oder seinem BMW, den sie ebenso gerne fuhr, neben ihr saß, gab es Situationen, in denen er die Augen schloß, weil er glaubte, seine letzte Stunde habe geschlagen. Jedesmal, wenn sie davongekommen waren, verglich er sich mit einer Katze, die gerade wieder eins ihrer neun Leben verloren hatte.

Vier waren ihm noch verblieben, als er den Mut aufbrachte, Gemma zu fragen, ob sie bereit sei, mit dem Fahren aufzuhören. »Es ist doch nur, weil ich dich über alles liebe«, versicherte er ihr. »Wenn ich nicht da bin, habe ich Alpträume, weil ich fürchte, du könntest in einen Unfall verwickelt und verletzt werden.«

»Aber Harry«, protestierte Gemma verständnislos, »ich bin eine gute und vorsichtige Fahrerin.«

Für den Augenblick beließ es Partridge dabei, brachte aber das Thema von Zeit zu Zeit wieder zur Sprache. Er änderte lediglich seine Taktik, indem er Gemma zugestand, daß sie in der Tat eine gute Fahrerin sei, er dagegen krankhaft nervös. Mehr als ein bedingtes Versprechen konnte er ihr allerdings nicht abringen.

»Mio amore, sobald ich schwanger bin, höre ich auf zu fahren. Das schwöre ich dir.«

Es war eine Erinnerung an ihren gemeinsamen Wunsch, Kinder zu haben. »Mindestens drei«, hatte Gemma kurz nach ihrer Heirat verkündet, und Harry hatte nichts dagegen.

In der Zwischenzeit machten seine Einsätze für CBA gelegentliche Reisen notwendig, und Gemma arbeitete zunächst weiter als Stewardess. Sehr schnell jedoch merkten sie, daß sie sich auf diese Weise wenig sehen würden, denn wenn Partridge von einer Reise zurückkehrte, war Gemma häufig unterwegs, und ebenso oft war es umgekehrt. So war es Gemma, die sich entschloß, mit der Fliegerei aufzuhören, um ihr Leben mit dem Harrys in Einklang zu bringen.

Glücklicherweise bot man ihr, nachdem sie Alitalia ihren Entschluß mitgeteilt hatte, eine Stelle beim Bodenpersonal mit Rom als festem Standort an. Gemma und Partridge waren froh darüber, denn von nun an würden sie viel mehr Zeit füreinander haben.

Sie nutzten ihre freien Stunden, um Rom zu genießen und in die Jahrtausende alte Geschichte der Stadt einzutauchen, wobei sich Gemmas Gedächtnis, wie Partridge feststellte, als wahre Schatzkammer entpuppte.

»Kaiser Augustus, Harry - er war Julius Cäsars Stiefsohn -, gründete eine Feuerwehr mit Sklaven als Feuerwehrmännern. Doch als sie bei einem großen Brand sich weigerten, das Feuer zu löschen, ersetzte er sie durch freie Bürger, die vigiles, die effektiver waren. Denn freie Menschen wollen Feuer löschen.«

Partridge fragte skeptisch: »Ist diese Geschichte auch wahr?« Gemma lächelte nur, doch er erfuhr später, daß sie recht hatte und daß der Wechsel von Sklaven zu freien Bürgern im Jahr 6 n. Chr. stattgefunden hatte. Als er später einmal über ein Freiheitssymposium der Vereinten Nationen in Rom berichten mußte, arbeitete er diese Geschichte geschickt in sein Manuskript für CBA News ein.

Bei einer anderen Gelegenheit: »Die Sixtinische Kapelle, Harry, in der die neuen Päpste gewählt werden, ist benannt nach Papst Sixtus IV. Er legalisierte Bordelle in Rom und hatte Söhne, einen sogar von seiner eigenen Schwester. Drei von seinen Söhnen machte er zu Kardinälen.«

Oder: »Unsere berühmte Scala di Spagna, die Spanische Treppe, trägt diesen Namen zu Unrecht. Eigentlich müßte sie Scala di Francia heißen. Die Franzosen gaben die Anregung für den Bau der Treppe, und ein Franzose war es, der in seinem Testament das Geld dafür bereitstellte. Die Spanische Botschaft - pffl - war zufällig daneben. Spanien hat nichts, überhaupt nichts, Harry, mit der Treppe zu tun.«

Wenn es ihre Arbeit und die Zeit erlaubten, reisten Partridge und Gemma auch nach Florenz, Venedig oder Pisa. Es war im Zug, auf der Rückreise von Florenz, als Gemma, die die ganze Zeit sehr bleich gewirkt hatte, sich mehrmals entschuldigte, um zur Toilette zu gehen. Partridge machte sich Sorgen, aber sie winkte nur ab. »Wahrscheinlich habe ich mir den Magen verdorben. Geht schon vorbei.«

Zurück in Rom, schien Gemma wieder völlig in Ordnung zu sein und am nächsten Tag ging Partridge wie gewohnt in die Redaktion. Doch als er am Abend nach Hause kam, fand er zu seiner Überraschung an seinem Platz am Eßtisch einen zusätzlichen, kleinen Teller und darauf die Schlüssel von Gemmas Alfa Romeo. Als er sie danach fragte, antwortete Gemma mit einem schwachen Lächeln: »Ein Versprechen ist ein Versprechen.«

Einen Augenblick lang war er verwirrt, doch dann fiel ihm Gemmas »Sobald ich schwanger werde, höre ich auf zu fahren.« wieder ein, und mit einem Freudenschrei nahm er sie überglücklich in die Arme.