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Etwa ein Drittel der Gruppe waren Schwarze, und auf einen von ihnen hatte Onkel Arthur Cooper besonders hingewiesen -Jonathan Mony. »Nimm dir Jonathan als Koordinator«, hatte ihm der alte Mann geraten. »Er hat ein Diplom von der Columbia School of Journalism, arbeitet aber zur Zeit als Kellner, weil er Geld braucht. Wenn du von ihm ebenso beeindruckt bist wie ich, können wir ihn nach dieser Sache vielleicht bei CBA unterbringen.«

Mony, der sich an diesem Morgen als erster gemeldet hatte, besaß die Statur und die Beweglichkeit eines professionellen Basketballspielers. Er hatte feingeschnittene Gesichtszüge und unwiderstehliche, selbstsicher blickende Augen. Seine Stimme war ein heller Bariton, und er sprach in knappen, präzisen Sätzen ohne jeden Jargon. Gleich nachdem er sich Cooper vorgestellt hatte, fragte er: »Kann ich helfen?«

Cooper, der Mony vom ersten Augenblick an mochte, antwortete: »Klar doch«, und gab ihm einen Stapel Formulare, die alle, die sich gemeldet hatten, ausfüllen mußten. Wenige Minuten später führte er bereits Neuankömmlinge zu ihren Plätzen und erklärte ihnen die Formulare, die er zuvor selbst nur überflogen hatte.

Bald darauf bat Cooper Mony, er möge telefonisch zwei Anfragen durchgeben. Mony stellte keine Fragen, sondern nickte nur und verschwand. Einige Minuten später kehrte er zurück und meldete: »Alles in Ordnung, Mr. Cooper. Beide Antworten lauten ja.«

Das war vor zehn Minuten gewesen. Nun fuhr Teddy Cooper in seiner Einführung fort, nachdem er nach seiner Ankündigung, er werde seinen Zuhörern »die Wahrheit anvertrauen«, der Wirkung halber eine Pause eingelegt hatte.

»Worum es hier eigentlich geht, ist die Entführung von Mrs. Crawford Sloane, dem kleinen Nicholas Sloane und Mr. Angus Sloane - von der ihr natürlich alle schon gehört habt. Was ihr nun tun werdet, soll den Entführungsopfern helfen und ist von allerhöchster Wichtigkeit. Wir schicken euch in Lokalredaktionen und in Bibliotheken, wo ihr euch die Zeitungsausgaben der letzten drei Monate ansehen sollt. Aber das heißt nicht nur lesen, sondern richtig Sherlock Holmes spielen und die Zeitungen nach Hinweisen durchforsten, über die ich euch gleich noch Genaueres sagen werde und die uns vielleicht auf die Spur dieser Kidnapper bringen.«

Das Interesse auf den Gesichtern vor ihm war nun noch deutlicher sichtbar als zuvor, und das leise Summen der Gespräche verstummte auch sofort wieder, als Cooper fortfuhr: »Sobald ich mit meiner Geschichte hier oben durch bin, wird man euch in Gruppen aufteilen und euch erklären, wohin ihr fahren müßt und was ihr zu tun habt, wenn ihr dort seid. Einige der Redaktionen wurden von uns bereits informiert, sie sind zur Kooperation bereit und erwarten euch. Bei anderen müßt ihr euch selber vorstellen. Sagt einfach, ihr kommt von CBA. Bevor ihr geht, bekommt jeder noch einen CBA-Presseausweis. Hebt ihn auf - als Andenken für eure Enkel.

Noch was zu den Transportmöglichkeiten: Wir haben einige Autos, die ein paar der Gruppen jeden Tag zu ihren Einsatzorten bringen. Von dort müßt ihr euch dann selbst durchschlagen. Schließlich habt ihr alle genug Eigeninitiative, und die könnt ihr hier mal richtig unter Beweis stellen. Einige werden mit dem Bus oder Zug fahren müssen. Die Reisespesen gehen natürlich in jedem Fall auf CBA.

Wenn ihr abends fertig seid, braucht ihr nicht hierher zurückzukehren, aber ihr müßt euch unbedingt telefonisch melden - die Nummer bekommt ihr noch -, und ihr müßt auch sofort anrufen, wenn ihr etwas Wichtiges entdeckt.«

Die Punkte, die Teddy Cooper hier vortrug, hatte er während des Sonntags und noch früh an diesem Morgen mit seinen beiden Assistenten und einer von der Nachrichtenredaktion ausgeliehenen Sekretärin ausgearbeitet. Einige vorbereitende Arbeiten, Anrufe bei den Lokalzeitungen etwa, waren auch jetzt noch im Gange.

»Soweit die Vorspeise«, verkündete Cooper. »Und jetzt wollen wir uns mal dem Hauptgang zuwenden. Ihr werdet jetzt gleich einen ganzen Stapel Info-Material bekommen... Ach, da ist es ja schon.«

Der vor Eifer fast überströmende Jonathan Mony hatte sich mit Coopers Assistenten unterhalten, die an einem Tisch am anderen Ende des Saales beschäftigt waren. Nun kehrte er mit einem Stapel Papier im Arm zurück - Kopien des Arbeitsplans und der Richtlinien, die Cooper am Tag zuvor ausgearbeitet und über Nacht ausgedruckt hatte. Mony verteilte die Kopien an seine neuen Kollegen.

»Wenn ihr in diese Lokalredaktionen kommt«, sagte Cooper, »laßt ihr euch zuerst die Ausgaben der letzten drei Monate geben, also ab dem 14. Juli. Bei jeder geht ihr dann die Immobilienanzeigen durch und sucht euch die heraus, in denen eine kleine Fabrik, ein Lagerhaus oder ein großes, altes Mietshaus angeboten werden - aber nicht jedes beliebige Objekt in dieser Richtung, sondern... die genauen Angaben stehen auf Seite eins der Unterlagen, die ihr gerade bekommen habt.«

Während Teddy Cooper seine Überlegungen und Pläne erläuterte, war er froh, daß er sich entschlossen hatte, die Wahrheit zu sagen. Wie viel oder wie wenig er diesen Hilfskräften sagte, lag allein in seinem Ermessen, und daß er den Leuten kein Märchen aufgetischt hatte, machte alles viel einfacher. Natürlich war auch ein gewisses Risiko dabei. Zum einen bestand nun die Gefahr, daß ein Konkurrent, ein anderer Sender vielleicht, erfuhr, was CBA plante, und das dann entweder an die Öffentlichkeit trug oder selbst ein ähnliches Projekt startete. Cooper wollte die jungen Leute davor warnen, Einzelheiten über diese verdeckte CBA-Operation preiszugeben. Und während er nun seine aufmerksamen, eifrig mitschreibenden Helfer betrachtete, kam er zu der Überzeugung, daß sie sein Vertrauen nicht mißbrauchen würden.

Zwischendurch sah Cooper immer wieder zur Tür. Die beiden Anrufe, um die er Jonathan Mony gebeten hatte, galten Harry Partridge und Crawford Sloane; er hatte sie fragen lassen, ob sie nicht kurz vorbeischauen könnten. Daß beide zugestimmt hatten, kam ihm sehr gelegen.

Sie trafen gemeinsam ein. Cooper unterbrach sich mitten im Satz und wies zur Tür. Alle drehten die Köpfe, und trotz der weltklugen Abgeklärtheit der jungen Leute ging ein unüberhörbares Raunen durch die Gruppe, als Sloane und Partridge den Saal betraten.

Cooper verließ ehrerbietig die Rednertribüne. Den Chefsprecher der National Evening News vorstellen zu wollen, wäre eine Anmaßung gewesen; er machte ihm einfach Platz.

»Hallo, Teddy«, sagte Sloane. »Was willst du denn von mir?«

»Vor allem, Sir, glaube ich, daß jeder hier Sie gern persönlich kennenlernen möchte.«

Sloane flüsterte mit Cooper. »Sag mal, wieviel hast du den Leuten denn schon erzählt?«

Partridge stand neben den beiden an der Tribüne und hörte zu.

»So ziemlich alles. Ich dachte mir, daß sie so mehr Begeisterung zeigen und daß wir ihnen trauen sollten.«

»Ganz meine Meinung«, sagte Partridge.

Sloane nickte. »Ist mir auch recht.« Er beachtete die Rednertribüne gar nicht, sondern ging auf die erste Stuhlreihe zu. Sein Gesicht war ernst; es erwartete auch niemand, daß er an einem Tag wie diesem froh und glücklich war, und als er sprach, paßte seine Stimme zu seiner ernsten Miene.

»Meine Damen und Herren, was Sie oder einige von Ihnen in den nächsten Tagen tun werden, kann unter Umständen direkt dazu beitragen, daß meine Frau, mein Sohn und mein Vater unversehrt zurückkehren. Falls wir wirklich dieses große Glück haben sollten, können Sie sicher sein, daß ich mich persönlich bei Ihnen bedanken werde. In der Zwischenzeit möchte ich Ihnen nur sagen, wie froh ich bin, daß Sie hier sind, und Ihnen alle Gute wünschen. Viel Glück für uns alle.«

Viele der jungen Leute standen nun auf und kamen vor, um Sloane die Hand zu schütteln und ihm ihr aufrichtiges Mitgefühl auszudrücken; und Teddy Cooper entdeckte unter ihnen einige mit tränenfeuchten Augen. Nach einer Weile verabschiedete sich Sloane und ging so unauffällig, wie er gekommen war. Partridge, der ebenfalls Hände geschüttelt und mit einigen Hilfskräften gesprochen hatte, begleitete ihn.