Danach nahm Cooper seine Einführung wieder auf. Als er die Gruppe zu Fragen ermunterte, schnellten sofort einige Hände hoch. Ein junger Mann in einem Sweatshirt der New York University war der erste. »Angenommen, einer von uns findet eine Anzeige, die diesen Kriterien entspricht, und es ist vielleicht das Objekt, das wir suchen. Was passiert dann?«
»Zuerst«, antwortete Cooper, »finden wir heraus, wer die Anzeige aufgegeben hat. Normalerweise steht ein Name bei der Anzeige, den gebt ihr uns dann einfach durch. Wenn kein Name angegeben ist, sondern nur eine Chiffrenummer, müßt ihr versuchen, in der Redaktion Näheres zu erfahren. Falls die nicht mit dem Namen herausrücken wollen, werden wir uns darum kümmern.«
»Und danach?«
»Wenn es möglich ist, rufen wir den Auftraggeber an und stellen ihm einige Fragen. Wenn nicht, besuchen wir ihn. Und wenn dann die Spur immer noch heiß ist, sehen wir uns das Objekt an - natürlich mit der gebotenen Vorsicht.«
»Sie reden immer von >wir<.« Eine attraktive junge Frau in einem modischen beigen Kostüm war nun an der Reihe. »Heißt das Sie und die anderen hohen Tiere, oder sind ein paar von uns auch mit dabei, wenn die Sache wirklich interessant wird?«
In das entstehende Gelächter stimmte Teddy Cooper mit ein.
»Zunächst einmal«, erwiderte er, »bin ich nur ein kleines Tier, schreibt euch das mal hinter die Ohren.« (Noch mehr Lachen.) »Aber eins kann ich euch versprechen: Soweit wir das können, beziehen wir euch in alle neuen Entwicklungen mit ein, vor allem diejenigen, die mit ihrer Entdeckung dazu beigetragen haben. Nicht zuletzt deshalb, weil wir euch brauchen. Wir sind etwas knapp an Leuten, und wenn wir wirklich eine Spur haben, ist es durchaus wahrscheinlich, daß auch einige von euch darauf angesetzt werden.«
»Und wenn's soweit ist«, wollte eine hübsche Rothaarige wissen, »sind dann auch Kamerateams mit dabei?«
»Sie meinen, ob Sie dann auch vor der Kamera stehen dürfen?«
Sie lächelte. »So was in der Richtung.«
»Das ist nicht meine Entscheidung, aber ich würde sagen, es ist durchaus möglich.«
Als keine Fragen mehr kamen, schloß Cooper noch einige Überlegungen an, die ihn in der vergangenen Nacht beschäftigt hatten, über die er aber noch mit niemandem gesprochen hatte.
»Neben dieser Suche nach der Anzeige möchte ich noch etwas anderes von euch: Wenn ihr schon die Ausgaben der letzten drei Monate vor euch liegen habt, könnt ihr sie auch gleich ganz durchblättern und auf alles Ungewöhnliche achten.
Fragt mich nicht, was das sein könnte, denn ich habe selber keine Ahnung. Aber vergeßt eins nicht: Diese Entführer, die wir suchen, waren mindestens einen, vielleicht sogar zwei Monate in dieser Gegend. In dieser Zeit haben sie trotz äußerster Vorsicht bestimmt irgendwelche Spuren hinterlassen. Und vielleicht ist eine solche Kleinigkeit irgendwie an die Presse gelangt.«
»Klingt aber ziemlich unwahrscheinlich«, meinte jemand.
Teddy Cooper nickte zustimmend. »Ich würde sagen, die Chancen stehen eins zu zehntausend, daß irgendwas in die Zeitung gekommen ist, und daß einer von euch die Information dann auch wirklich findet, ist ähnlich unwahrscheinlich. Es stimmt schon, eine große Chance haben wir nicht. Aber vergeßt nicht, daß es beim Lotto auch immer einen Gewinner gibt, und da stehen die Chancen eins zu ein paar Millionen.
Ich kann euch nur eins sagen: Denken, denken, denken! Nicht nur gründlich suchen, sondern auch mit Verstand. Benutzt eure Phantasie. Wir haben euch geholt, weil wir euch für kluge Köpfe halten, also enttäuscht uns nicht. Natürlich ist diese Anzeige unser erstes Ziel, aber haltet auch nach allem anderen die Augen offen.«
Cooper war nicht wenig überrascht, als die jungen Leute nach seiner Ansprache aufstanden und klatschten.
Schon früher an diesem Morgen, gleich mit Beginn der Geschäftszeit, hatte Harry Partridge einen seiner Kontaktmänner, nämlich den Anwalt angerufen. Die Reaktion des Mannes war nicht eben herzlich. »Ach, Sie sind es. Ich habe Ihnen doch am Freitag gesagt, daß ich mich diskret umhören werde. Das habe ich auch bereits zweimal getan, aber ohne jedes Ergebnis. Ich kann es ganz und gar nicht gebrauchen, daß Sie mir dauernd im Nacken sitzen.«
»Es tut mir leid, wenn ich...«, begann Partridge, doch der andere hörte nicht zu.
»Ist euch Journalistenschnüfflern eigentlich nie bewußt, daß ich bei so einer Sache Kopf und Kragen riskiere? Die Leute, mit denen ich es zu tun habe, meine Klienten, vertrauen mir, und ich will, daß das auch so bleibt. Und ich weiß auch, daß diese Leute sich einen Dreck um die Probleme anderer kümmern, und dazu gehört auch Ihres und Crawford Sloanes, egal für wie schlimm Sie es halten.«
»Das verstehe ich ja«, entgegnete Partridge. »Aber hier geht es um eine Entführung, und... «
»Schweigen Sie und hören Sie zu. Wie ich Ihnen schon gesagt habe, bin ich sicher, daß keiner der Leute, die ich vertrete, in irgendeiner Form in die Entführung verwickelt ist. Ich habe zugegeben, daß ich Ihnen etwas schuldig bin, und versprochen, mein möglichstes zu tun, um etwas herauszufinden. Aber erstens laufe ich bei dieser Sache über ein Minenfeld und zweitens muß ich die Leute davon überzeugen, daß es für sie von Vorteil ist, wenn sie mir erzählen, was sie wissen oder gehört haben.«
»Hören Sie, ich sagte doch, daß es mir leid tut, wenn...«
Doch der Anwalt ließ sich nicht unterbrechen. »So was kann man nicht übers Knie brechen. Verstanden?«
Partridge seufzte innerlich und sagte: »Verstanden.«
Der Anwalt mäßigte seinen Ton ein wenig. »Geben Sie mir noch ein paar Tage. Aber rufen Sie mich nicht an, ich rufe Sie an.«
Beim Auflegen dachte Partridge, daß man Kontaktleute, auch wenn sie einem nützlich sein konnten, nicht unbedingt mögen mußte.
Vor seiner Ankunft in der Zentrale von CBA News an diesem Morgen hatte Partridge in der Frage, ob er die Beteiligung des kolumbianischen Terroristen an der Sloane-Entführung in den Abendnachrichten bringen sollte oder nicht, eine Entscheidung getroffen.
Er hatte beschlossen, die Information für den Augenblick noch zurückzuhalten.
Nach seinem Besuch bei Coopers Truppe machte er sich auf die Suche nach seinen Kollegen von der Spezialeinheit, um sie zu informieren. Im Konferenzraum fand er Owens und Iris Everly und erläuterte ihnen seine Entscheidung.
»Seht mal, im Augenblick ist Rodriguez die einzige Spur, die wir haben, und er weiß nicht, daß wir sie haben. Wenn wir damit auf Sendung gehen, besteht die Gefahr, daß auch Rodriguez davon erfährt, und dann haben wir einen Trumpf aus der Hand gegeben.«
»Ist das wirklich so wichtig?« fragte Owens zweifelnd.
»Ich glaube schon. Alles deutet darauf hin, daß Rodriguez verdeckt agiert, und wir würden ihn mit einer Veröffentlichung nur noch weiter in die Deckung treiben. Ich brauch' euch wohl nicht zu sagen, was das für unsere Chancen, ihn und damit die Sloanes zu finden, bedeuten würde.«
»Das sehe ich ja alles ein«, gab Iris zu. »Aber glaubst du wirklich, Harry, daß eine brandheiße Nachricht wie diese, die schon mindestens ein Dutzend Leute kennen, so lange geheim bleibt, wie es uns paßt? Vergiß nicht, daß jeder Sender, jede Zeitung und jede Presseagentur ihre besten Leute auf diese Geschichte angesetzt hat. Ich geb' dir höchstens vierundzwanzig Stunden, und dann weiß es die ganze Welt.«
Rita Abrams und Norman Jaeger waren nun ebenfalls dazugekommen und hörten zu.
»Vielleicht behältst du recht«, sagte Partridge zu Iris, »aber ich glaube, wir sollten dieses Risiko eingehen.« Dann fügte er hinzu: »Ich will ja nicht sentimental werden, aber ich glaube, wir sollten ab und zu daran denken, daß die Nachrichten, die wir produzieren, nicht das Ein und Alles sind. Wenn Berichterstattung Leben und Freiheit von Menschen gefährdet, dann müssen die Nachrichten zurückstehen.«