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- Im Augenblick hatte Peru mehr als 16 Milliarden Dollar Auslandsschulden, die es nicht zurückzahlen konnte. Das bedeutete gleichzeitig, daß die internationale Finanzwelt nicht mehr bereit war, dem Land weiteres Geld zu leihen. Doch Peru litt im Augenblick unter einer bedrückenden ökonomischen Krise und mußte dringend wieder in den Ruf eines soliden Schuldners kommen, um neues Geld aufnehmen zu können.

- Globanic hatte heimlich 4,5 Milliarden der peruanischen Schulden aufgekauft, mehr als ein Viertel also, und dafür pro Dollar durchschnittlich fünf Cents bezahlt, was eine Vorabinvestition von 225 Millionen Dollar bedeutete. Die ursprünglichen Geldgeber, vorwiegend amerikanische Banken, waren sogar über den Verkauf zu einem so niedrigen Preis hoch erfreut, da sie ursprünglich damit gerechnet hatten, überhaupt nichts zurückzubekommen. Globanic »versicherte« nun diese peruanischen Schulden, das heißt, sie wandelte sie in verkehrsfähige Papiere um.

- Der Regierung von Peru, genauer den Ministern für Finanzen, Tourismus und öffentliche Arbeiten, wurde ein verlockendes Angebot unterbreitet: Sie könne die 4,5 Milliarden Dollar Schulden auf einen Schlag loswerden, wenn sie Globanic diese »versicherten« Schuldpapiere für zehn Cents pro Dollar abkaufe, wobei sie sämtliche anfallenden Verwaltungskosten in ihrer eigenen, schwachen Währung, dem Inti, bezahlen dürfe. Letzteres war ein von Fossie sehr geschickt ausgelegter Köder, da so Perus kleiner, aber kostbarer Vorrat an starken Fremdwährunge n, vorwiegend Dollars, im Land bleiben würde.

- Drei kritische Bedingungen waren mit Globanics Bereitschaft zur Anerkennung der peruanischen Währung verknüpft. Globanic wollte für die Schuldpapiere kein Geld, sondern verlangte statt dessen von der peruanischen Regierung im Rahmen dieses Debt-to-Equity Swaps die Übereignung von zwei spektakulär gelegenen Erholungsgebieten. Globanic wollte diese Gebiete erschließen und zu Touristenzentren ausbauen, da man vom Potential dieser Landstriche als erstklassige Urlaubsziele überzeugt war. Geplant war zum einen ein Erholungszentrum an der Küste, dem man jetzt schon den Namen »Punta del Este des Pazifiks« gab, und zum anderen die Erschließung eines Gebiets in den Anden, das als Ausgangspunkt für Exkursionen zum Machu Picchu und zum Cuzco, zwei weltberühmten Touristenattraktionen, dienen sollte.

- Die peruanische Regierung mußte darüber hinaus garantieren, daß Globanic die Erschließung völlig unabhängig und nach eigenen Vorstellungen vorantreiben konnte. Globanic dagegen würde zur Finanzierung der Erschließung harte Währung ins Land bringen und außerdem vor Ort eine große Anzahl von Arbeitsplätzen schaffen, was beides Peru zugute kam.

- Als letzte, zwischen Konzern und Regierung geheimzuhaltende Bedingung, verlangte Globanic, daß als Preis für die beiden Gebiete nur drei Viertel des wahren Werts berechnet werden dürfe.

- Globanic profitierte in verschiedener Hinsicht von diesem Projekt: Zunächst konnte sie die Schuldverschreibungen für das Doppelte des Einkaufspreises weiterverkaufen - ein unmittelbarer Gewinn von 225 Millionen Dollar. Zum zweiten der Preisnachlaß von fünfundzwanzig Prozent auf zwei großartige Erholungsgebiete. Zum dritten würde die Erschließung der Gebiete Investoren aus aller Welt anziehen, und die fertiggestellten Touristenzentren würden schließlich gigantische Gewinne abwerfen.

Fossie schloß mit dem Hinweis, daß es vor wenigen Tagen nach langen und behutsamen Verhandlungen zu einer Einigung zwischen der Peruanischen Regierung und Globanic Financial gekommen sei, wobei Peru alle Bedingungen akzeptiert habe.

Als K. Phocis Xenos sich setzte, applaudierte ihm sein kleines, aber ausgesprochen mächtiges Publikum spontan.

Ein strahlender Elliott fragte in die Runde: »Noch Fragen?«

»Was diese Minister angeht, die Sie erwähnt haben«, sagte Warren Graydon von Empire Chemical, »gibt es da irgendwelche Sicherheiten, daß die auch ihr Wort halten?«

»Darauf kann ich antworten«, entgegnete Elliott. »Ja, wir haben Vorkehrungen getroffen. Aber ich glaube, wir brauchen dabei auch in unserem Kreis nicht ins Detail zu gehen.«

Die anderen lächelten hintersinnig, denn die Antwort deutete darauf hin, das Bestechung mit im Spiel war. Und tatsächlich erhielt jeder der drei Minister nach Unterzeichnung des Vertrags eineinhalb Millionen Dollar, die in seinem Namen auf einem Schweizer Konto deponiert waren. Darüber hinaus standen ihnen in London, Paris und Genf Luxuswohnungen zur freien Verfügung, einschließlich gewisser Annehmlichkeiten am Rande. Internationale Konzerne wie Globanic tafen für ihre politischen Freunde häufig solche Arrangements.

Nun meldete sich Margot. »Wie sieht es denn mit der politischen Stabilität in Peru aus, Fossie? In letzter Zeit kam es dort doch verstärkt zu revolutionären Aktivitäten, und nicht nur wie früher in den Anden, sondern auch in Lima und anderen Städten. Sind diese Touristenzentren unter solchen Umständen überhaupt sinnvoll? Werden die Urlauber davon nicht abgeschreckt?«

Margot wußte, daß sie mit diesen Fragen einen Drahtseilakt vollführte. Auf der einen Seite konnte sie es sich wegen der Rivalität zu Fossie Xenos nicht leisten, dessen Bericht ohne jede kritische Anmerkung zu akzeptieren; und für den Fall, daß es mit dem Touristikprojekt später Schwierigkeiten gab, wollte sie sicherstellen, daß man sich an ihre anfänglichen Zweifel erinnerte. Andererseits brauchte sie, falls sie wirklich die neue Vorsitzende von Globanic Industries werden sollte, Fossies Freundschaft und seinen eindrucksvollen Beitrag zu den Einkünften des Konzerns. Deshalb versuchte sie, ihre Fragen möglichst neutral und sachlich klingen zu lassen.

Wenn Fossie dieses taktische Spiel durchschaute, ließ er es sich nicht anmerken, denn er antwortete fröhlich: »Nach meinen Informationen sind diese revolutionären Ausbrüche nur eine vorübergehende Erscheinung, und Peru wird langfristig als solide, gesetzestreue Demokratie überleben, die einem expandierenden Tourismus wohlwollend gegenübersteht. Außerdem hat das Land eine lange demokratische Tradition.«

Margot beließ es dabei, registrierte aber, daß Fossie eine Schwäche gezeigt hatte, die sie vielleicht eines Tages ausnutzen konnte. Sie hatte dieses Phänomen auch schon bei anderen beobachtet, vor allem bei Immobilienmaklern, deren normalerweise gesundes Urteilsvermögen von allzu glänzenden Zielen außer Kraft gesetzt wurde. Psychologen nannten das Wirklichkeitsverlust, und genau daran litt in Margots Augen jeder, der glaubte, daß ein Ende der bewaffneten Aufstände in Peru in Sicht sei.

Natürlich, so überlegte sie, konnten die Touristenzentren trotzdem gebaut werden, man mußte sie eben schützen. Schließlich lagen in immer mehr Ländern der Welt Urlaubsvergnügen und Gefahr dicht nebeneinander. Aber in Perus Fall würde eine endgültige Lösung des Problems viel Zeit und noch mehr Geld kosten.

Elliott teilte Margots Zweifel ganz offensichtlich nicht. »Wenn es keine Fragen mehr gibt«, verkündete er nun, »dann möchte ich nur noch eins sagen: Ich weiß schon seit längerer Zeit über Fossies Projekt Bescheid und habe es heute aus zwei guten Gründen auf die Tagesordnung gesetzt. Zum einen weiß ich, daß wir alle ein Geheimnis für uns behalten können, und daß es für uns von Vorteil ist, wenn wir gerade dieses für uns behalten. Zum anderen will ich nicht, daß irgend etwas unserer noch immer anfälligen Beziehung zur peruanischen Regierung schadet und dadurch ein Projekt verhindert, das zum Geschäft des Jahrhunderts werden könnte.« Der Vorsitzende stand auf. »Da das nun geklärt ist, laßt uns zum Mittagessen gehen.«

7

Jessica brauchte einige Minuten, bis sie begriff, daß an dem, was Nicky eben gesagt hatte, etwas Wahres sein konnte, und daß sie möglicherweise wirklich in Peru waren.

Das kann doch nicht sein! Dazu war doch gar keine Zeit! Doch allmählich wurden ihre Erinnerungen klarer, sie mußte einige ihrer früheren Annahmen revidieren, und es wurde immer wahrscheinlicher, daß Nicky recht hatte. War es möglich, überlegte sie, daß sie, Nicky und Angus länger bewußtlos waren, als sie angenommen hatte? Offensichtlich ja.