In Rom beschloß der Senat ein fünftägiges Dankfest (supplicatio). Senat und Volk stimmten dem Frieden mit Philipp V. zu, eine Zehnerkommission begab sich nach Griechenland, um die Ausführung des Senatsbeschlusses zu überwachen. Nach dem Willen der Römer sollten die Griechen in Kleinasien und Europa frei und autonom sein, die von Philipp besetzt gehaltenen Städte den Römern übergeben werden, und zwar noch vor dem Olympischen Fest. Mit Namen wurden Euromos, Pedasa, Bargylia und lasos aufgeführt, sie alle in Karien gelegen, dazu sollten Abydos, Thasos, Myrina und Perinth frei und ohne Besatzung sein, über den Status von Kios sollte Flamininus dem König Prusias von Bithynien schreiben, alle Kriegsgefangenen und Überläufer waren den Römern zu übergeben, ferner alle Kriegsschiffe mit Ausnahme von fünf kleineren Einheiten und einem großen Kriegsschiff. Dazu kam noch eine Kriegsentschädigung von 1000 Talenten, von der die Hälfte sofort, der Rest in zehn Jahresraten zu entrichten war.
Dem Frieden mit dem Makedonenkönig folgte ein sehr eindrucksvolles Nachspiel. Bei der Feier der Isthmien im Frühsommer 196 ließ T. Quinctius Flamininus in Gegenwart einer gewaltigen Volksmenge die berühmte Freiheitserklärung verlesen. Sie verlieh den Griechen, soweit sie bisher von den Makedonen abhängig gewesen waren, die Freiheit und Selbstregierung. Namentlich genannt wurden die Korinther, Phoker, Lokrer, Euböer, die phthiotischen Achäer, die Magneten, die Thessaler und die Perrhäber. Es kann kaum ein Zweifel darüber bestehen, daß die Freiheitserklärung in der äußeren Form, aber auch in der Sache wesentlich von dem römischen Feldherrn geprägt worden war. Die Proklamation wurde in Griechenland mit größter Begeisterung aufgenommen. Sie gewann den Römern viele neue Freunde, und auch außerhalb des griechischen Mutterlandes, vor allem in Kleinasien, tat sie ihre Wirkung. Die Griechen in aller Welt setzten ihre Hoffnungen auf die große domina Roma, im Jahre 195 errichtete man ihr in Smyrna den ersten Tempel auf kleinasiatischem Boden. Zu keinem Zeitpunkt aber besaß Rom größere Sympathien bei den Griechen als im Jahre 196. Dem Sieg über König Philipp und die Makedonen war damit ein zweiter, nicht minder wichtiger Sieg in der Diplomatie gefolgt. Für die Griechen aber waren die Römer von nun an die «gemeinsamen Wohltäter», T. Quinctius Flamininus wurde als »Retter» (soter) gefeiert, man stellte ihn den Göttern an die Seite, stiftete ihm Opfer und sang ihm Paiane, nie vorher war ein Römer in ähnlicher Weise von den Griechen gefeiert worden. Sogar Goldmünzen mit seinem Porträt und mit der Legende T. Quincti sind in Griechenland geschlagen worden. Nur ein einziger unter den Griechen machte Schwierigkeiten, Nabis, der König von Sparta. Er weigerte sich, die Stadt Argos freizugeben. Mit Ausnahme der Ätoler zogen alle Griechen zusammen mit den Römern in den peloponnesischen Völkerkrieg, auch die Pergamener und selbst die Makedonen hatten Hilfstruppen gestellt. Nabis ließ sich nicht einschüchtern, seine Söldner waren tapfere Soldaten, die Römer standen mehr als einmal am Rande einer Niederlage. Nachdem Nabis zunächst jedes Paktieren mit Flamininus abgelehnt hatte, gab er schließlich nach, er kam mit recht glimpflichen Bedingungen davon, da es im Interesse des Flamininus lag, den Krieg möglichst bald zu beenden. Nabis mußte auf Argos und die meisten lakonischen Seestädte verzichten, die sich nunmehr den Achäern anschlossen. Auf eine Rückführung der Verbannten und des rechtmäßigen Königs Agesipolis verzichtete Flamininus, ein Entschluß, der bei den Griechen lebhaften Unmut hervorrief. Mit der Befreiung von Argos und der Niederwerfung des Nabis war die Mission des Flamininus in Griechenland beendet. Im Frühjahr 194 verabschiedete er sich von den Griechen in Korinth, die Festungen Akrokorinth, Chalkis und Demetrias wurden von den römischen Besatzungen geräumt, das Heer zog ab, in Hellas blieb kein römischer Soldat zurück. Die Griechen aber hatten für ihre Freiheit einen hohen Preis zahlen müssen. Weite Strecken des Landes, insbesondere in Thessalien und in Lakonien, lagen wüste, die Römer hatten gewaltige Kontributionen herausgepreßt, im Triumph des Flamininus zeigte man ungeheure Mengen Goldes und Silbers, die von Griechenland nach Italien verbracht worden waren. Die Verluste trafen die Griechen um so härter, als der Höhepunkt der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes längst überschritten war.
In Vorderasien hatten sich in der Zwischenzeit grundlegende Veränderungen vollzogen. Antiochos III. hatte in den Jahren von 212 bis 205/4 seine <Anabasis> unternommen, die ihn durch das ganze Obere Asien bis zu den Grenzen Indiens geführt hatte. Nie zuvor hatte das Seleukidenreich ein so hohes Ansehen in der Welt besessen, vor allem die Griechen sahen in Antiochos einen neuen Alexander. Einer kurzen Periode der Aktivität des Königs in Kleinasien (204-203) folgte der 5. syrische Krieg. Er wurde im Herbst des Jahres 198 beendet, und zwar mit einem beachtlichen Erfolg des Seleukiden. Koilesyrien, seit hundert Jahren der Zankapfel zwischen den Ptolemäern und Seleukiden, war für das Reich des Antiochos III. gewonnen. Im Jahre 198 war der Seleukide in das pergamenische Territorium des Attalos I. eingefallen. Die Nachricht stammt zwar aus annalistischer Quelle, sie braucht aber keine Fälschung zu sein. Auch in den beiden darauf folgenden Jahren (197 und 196) war Antiochos III. in Kleinasien tätig. Es gelang ihm, weite Teile der anatolischen Küste von Kilikien bis zum Hellespont wieder seiner Herrschaft Untertan zu machen. Im Anschluß daran setzte er nach Thrakien über, zum ersten Male seit mehreren Jahrzehnten brachte er hier die Herrschaft der Seleukiden wieder zur Geltung. Auf der thrakischen Chersonesos ließ er die Stadt Lysimacheia, die alte verfallene Gründung des Lysimachos, wieder aufbauen, sie war als Residenz für seinen Sohn und Nachfolger bestimmt. Im Jahre 195 kehrte Antiochos III. noch einmal auf die Chersonesos zurück und begann damit, sich die griechischen Städte am Pontos Untertan zu machen. Die Römer hatten seine Fortschritte argwöhnisch beobachtet und sich durch Gesandtschaften auf dem laufenden gehalten. Im Jahre 195 fand eine Konferenz zwischen dem König und einer römischen Mission statt, an deren Spitze L. Cornelius Scipio stand. Da sich jedoch der stolze Seleukide auf das Siegerrecht berief und sich jede Einmischung der Römer verbat, verliefen die Verhandlungen völlig ergebnislos. In dem gleichen Jahre hatte Antiochos in Ephesos den flüchtigen Hannibal empfangen, der ihn zum Kriege gegen Rom zu überreden versuchte. In der Tat hatte sich das Verhältnis des Königs zu den Römern stark abgekühlt. Flamininus hatte schon im Jahre 196 das Ansinnen an Antiochos gestellt, nicht allein die neuen Eroberungen, sondern auch die autonomen Griechenstädte Kleinasiens freizugeben. Dies wäre freilich einer förmlichen Auflösung des Seleukidenreiches in seinen westlichen Teilen gleichgekommen. Doch wollten weder Rom noch der Seleukide den Krieg, die Römer aber glaubten, zu ihren Versprechungen, die sie den Griechen gegeben hatten, stehen zu müssen, der König Antiochos aber konnte es nicht zulassen, daß Rom subversive Kräfte in Kleinasien begünstigte. Die Entstehung des Syrischen Krieges (bellum Antiochicum) ist ein Beispiel für die Unvereinbarkeit der Interessen zweier Großmächte, die beide letzten Endes um die Anerkennung ihres Standpunktes in der griechischen Welt mit den Mitteln der politischen Propaganda gerungen haben. Sie tauschten Gesandtschaften aus, übermittelten diplomatische Noten und versuchten vor allem, den Gegner vor der Welt ins Unrecht zu setzen. Da sie den Rivalen nicht einzuschüchtern vermochten, rüsteten sie schließlich zum Kriege, Roms Verhalten ist zweifellos folgerichtig, wenn auch der Seleukidenkönig hierin nur eine höchst unangebrachte Einmischung in die Angelegenheiten seines Reiches sehen konnte, das er mit so großem Erfolg zu neuer Blüte und zu neuem Ansehen geführt hatte. Seit dem Jahre 193 stand Antiochos III. in Verbindung mit den Ätolern, die, durch die politische Entwicklung in Hellas enttäuscht, den König zum Kriege gegen Rom zu bewegen versuchten. Im Winter 192 setzte der Seleukide nach Griechenland über, er hatte das Schlagwort der Römer von der Befreiung der Griechen übernommen und hoffte, in den Hellenen willfährige