Bundesgenossen für seinen Krieg zu finden. Hierin sah er sich jedoch getäuscht; außer den Ätolern, die ihn zu ihrem bevollmächtigten Strategen (strategos autokrator) ernannten, traten nur die Euböer, Böoter und Eleer auf seine Seite. Noch schlimmer aber war es, daß Philipp V. sich dem Seleukiden versagte; der Antigonide hatte es ihm nicht vergessen, daß Antiochos III. ihn seinerzeit im Kriege gegen die Römer im Stich gelassen hatte. Dazu kam, daß beide Herrscher Interessen in Thrakien hatten, das Antiochos für sich beanspruchte. Die Römer dagegen haben sich die Hilfe Philipps V. etwas kosten lassen, sie verzichteten auf den Rest der makedonischen Kriegsentschädigung, gaben dem König die Geiseln zurück und versprachen ihm territoriale Vorteile.
Über den Kriegsplan des Antiochos war man sich in Rom nicht im klaren. Man schickte daher noch im Winter des Jahres 192 den Prätor M. Baebius mit einem kleinen Kontingent nach Apollonia, um die Maßnahmen des Antiochos in Griechenland zu beobachten. M. Baebius aber hat seine Aufgabe vortrefflich gelöst, er vereinigte sich mit Philipp V. in Thessalien und zeigte den Griechen, daß Rom sie nicht aufgegeben hatte. Antiochos III. dagegen, der sich, für alle Welt überraschend, im Winter 192 in Chalkis mit einer Bürgerstochter verheiratet hatte, unternahm zunächst (im Frühjahr 191) einen wenig erfolgreichen Feldzug nach Akarnanien. Inzwischen aber war ein größeres römisches Heer unter dem Consul M'. Acilius Glabrio in Apollonia gelandet, dieser wandte sich unverzüglich nach Thessalien und brachte die Landschaft ohne große Mühe zum Anschluß. Antiochos sah sich mit seinem kleinen Heere von 10000 Mann zu Fuß und 500 Reitern einer doppelt so großen Heeresmacht gegenüber. Und doch hatten die Römer nur ein einziges konsularisches Heer (etwa 20000 Mann zu Fuß, 2000 Reiter, dazu 15 Elefanten) eingesetzt. Die Entscheidung fiel an den Thermopylen. Hier hatte der Seleukide zusammen mit den Ätolern eine feste Stellung bezogen, er wurde jedoch von den
Römern vollständig geschlagen. Der Kriegstribun M. Porcius Cato hatte nämlich die Stellung des Gegners umgangen und die Ätoler von der Höhe des Kallidromos hinabgetrieben. Im Heere des Seleukiden entstand eine Panik, in ungeordneter Flucht eilten die geringen Reste des Heeres (angeblich nur 500 Mann) nach Elateia und von hier über den Euripos nach Chalkis (Mai 191). Griechenland war damit für Antiochos verloren, der Herrscher begab sich zu Schiff nach Ephesos. Die Ätoler, allein gelassen, wären zu einem vernünftigen Frieden bereit gewesen, hätte nicht der römische Oberfeldherr M'. Acilius Glabrio ihre völlige Unterwerfung verlangt. Dies aber lehnten die Ätoler ab, die Römer begannen mit der Belagerung von Naupaktos. Die Ätoler hatten jedoch das Glück, in T. Quinctius Flamininus einen Vermittler zu finden, auf dessen Anregung ein für beide Parteien erwünschter Waffenstillstand zustande kam. Der Krieg in Griechenland war damit zunächst beendet. Die Römer trafen nun Anstalten, Kleinasien anzugreifen. Die römische Flotte unter dem Befehl des C. Livius vereinigte sich mit den Schiffen des Attaliden Eumenes II., beide trugen bei Korykos an der kleinasiatischen Küste einen Sieg über den seleukidischen Admiral Polyxenidas davon. Die Römer überwinterten mit ihrer Flottenmannschaft zum ersten Mal auf pergamenischem Boden, Antiochos aber sah sich in Kleinasien selbst bedroht. Die Entscheidung konnte jedoch nur durch ein großes römisches Landheer herbeigeführt werden. Unter dem Befehl des Consuls L. Cornelius Scipio, des Bruders des Africanus, machte es sich auf den weiten, beschwerlichen Weg von Apollonia in Illyrien nach dem Hellespont. Im Consilium des Oberfeldherrn, der mehr durch seinen Namen als durch seine Fähigkeiten zu diesem verantwortungsvollen Posten aufgestiegen war, befand sich sein berühmter Bruder P. Cornelius Scipio Africanus, ohne übrigens irgendwie besonders bevollmächtigt zu sein. Es war indes jedermann klar, daß Publius die eigentliche Führung in den Händen hatte. Die Expedition der Scipionen war nicht ganz ungefährlich. Hatten doch in Griechenland die Ätoler, enttäuscht durch die harten Bedingungen der Römer, den Krieg wieder aufgenommen, sie ließen sich jedoch von M'. Acilius Glabrio zu einer erneuten Waffenruhe überreden. Der eigentliche Verlierer aber war nun Antiochos III., der sich der zusammengefaßten Kraft der Römer gegenübersah. Verschlechtert wurde seine Lage noch dadurch, daß eine syrische Flotte unter dem Befehl des Hannibal in der Nähe von Side eine Niederlage erlitt. Als die Römer schließlich auch noch bei Myonnesos, vor allem dank der Tapferkeit ihrer rhodischen Bundesgenossen unter Eudamidas, einen weiteren Sieg zur See davontrugen (September 190), da befanden sie sich in uneingeschränktem Besitz der Seeherrschaft auf der Ägäis, dem Vormarsch des römischen Landheeres stand kein Hindernis mehr im Wege. Die Festung Lysimacheia ergab sich ohne Schwertstreich, sie war von Antiochos vorsorglich geräumt worden. Der Übergang über die Meerenge des Hellesponts vollzog sich ohne jede Schwierigkeit. Alsbald zeigte sich eine syrische Gesandtschaft: Antiochos sei gewillt, den Römern große Zugeständnisse zu machen, falls sie ihm den Frieden gewährten. Der König war nicht nur bereit, auf seine Besitzungen in Europa, sondern auch auf eine Reihe von Städten in Kleinasien, darunter Smyrna und Lampsakos, zu verzichten. L. Cornelius Scipio aber forderte schon jetzt die Räumung von ganz Kleinasien bis zum Taurus! Da Antiochos hierzu nicht zu bewegen war, mußten die Waffen entscheiden. Das Heer der Scipionen, insgesamt etwa 30000 Mann stark, traf auf eine mehr als doppelt so große Übermacht. Der Seleukide hatte Zeit gehabt, die Kontingente seines Riesenreiches zu mobilisieren, alles in allem etwa 70000 Mann, jedoch von sehr unterschiedlichem Kampfwert und ganz verschiedener Bewaffnung. Mit den römischen Legionen und Auxilien hielten sie nicht im entferntesten einen Vergleich aus. Auf dem Kyrosfeld, nicht weit von Magnesia am Berge Sipylos, stellte sich Antiochos III. zur Schlacht (Ende Dezember 190 oder Anfang Januar 189). Die Entscheidung fiel durch eine Reiterattacke des Eumenes II., die ganz im Stil der Alexanderschlachten geführt wurde. Sie zertrümmerte nicht nur den linken Flügel des syrischen Heeres, sondern auch die im Zentrum stehende Phalanx der Makedonen, den Kern der seleukidischen Kampftruppen, die zu gleicher Zeit durch einen Frontalangriff der römischen Legionäre in größte Unordnung gestürzt worden waren. Das Lager des Königs wurde eine Beute der Römer, der Herrscher selbst floh über Sardes nach Apameia in Phrygien, er besaß kein Heer mehr, seine Länder in Kleinasien standen den Römern offen, Antiochos aber ließ um Frieden nachsuchen. Für die Römer war dies ein besonderer Glücksfall, denn nichts hätte den Römern weniger erwünscht sein können, als daß der Seleukide den Widerstand in den östlichen Satrapien seines Reiches fortgesetzt hätte.