Im Jahre 189 flammte der Krieg in Griechenland wieder auf. Schon ein Jahr vorher hatten die alten Gegensätze zwischen den Ätolern und dem Makedonenkönig Philipp V. die kriegerischen Auseinandersetzungen wieder aufleben lassen. Dieses Mal machte Rom ernst. Unter dem Consul M. Fulvius Nobilior wurde in Ätolien eine starke Armee eingesetzt, der Consul begann mit der Belagerung Ambrakias, doch ließen die Römer nach der Übergabe der alten Hauptstadt des Pyrrhos große Milde walten, die Ätoler erhielten ein foedus iniquum zugebilligt, das sie zur Waffenhilfe gegenüber den Römern verpflichtete. Die Landverluste der Ätoler waren allerdings beträchtlich, so gingen die ätolischen Besitzungen in Thessalien, Phokis und Malis verloren, aber sie behielten dennoch eine Reihe von griechischen Gebieten, darunter das Land der Änianen und der Ötäer, auch das westliche und östliche Lokris, Aperantien und Amphilochien, da die Römer sie auf Kosten des Makedonenkönigs begünstigten. Mit einer Flottenexpedition nach Kephallenia und einer erfolgreichen Belagerung der Stadt Same durch Fulvius Nobilior fand der griechische Krieg im
Frühjahr 188 sein Ende.
In Kleinasien hatte inzwischen der Consul Cn. Manlius Volso als Nachfolger des L. Scipio das Kommando übernommen (189). Manlius Volso trug zum ersten Male die Waffen der Römer in das Innere Anatoliens. Das Ziel seines Feldzugs war das Land der streitbaren Galater. Diese aber waren der römischen Kriegskunst in keiner Weise gewachsen, sie wurden in zwei Treffen, beim Berge Olymp (Ala Dagh) und bei Magabe (Karg Dagh?) geschlagen, allein von dem Stamm der Tektosagen sollen 40000 Menschen in römische Gefangenschaft geraten sein. Durch die Züchtigung der Kelten verdiente sich Manlius Volso den besonderen Dank der griechischen Städte Kleinasiens, die immer noch in der Furcht vor den Galatern gestanden hatten. Da es den Römern ganz fern gelegen hat, kleinasiatische Gebiete zu annektieren, fällt es schwer, die Expedition des Manlius Volso anders als einen Raubzug großen Stils zu bezeichnen. Er hat den Römern eine gewaltige Beute eingebracht.
Da sich Antiochos III. bereit erklärt hatte, die römischen Friedensbedingungen anzunehmen, war der Abschluß eines regelrechten Vertrages nur noch eine Formsache. Das Friedensinstrument wurde in Apameia (Phrygien) von der römischen Zehnerkommission unter dem Vorsitz des Manlius Volso aufgesetzt (Frühjahr 188). Der Seleukidenkönig mußte nicht nur auf alle seine Besitzungen diesseits des Taurus verzichten, er verpflichtete sich auch, eine enorme Kriegsentschädigung zu entrichten (15000 euböische Talente). Die Römer begünstigten vor allem ihren treuen Trabanten Eumenes II. von Pergamon. Er erhielt den Löwenanteil der ehemals seleukidischen Gebiete im mittleren und südlichen Anatolien, dazu als Brückenkopf die thrakische Chersonesos. Ebenso wertvoll war die Erwerbung von Telmessos in Lykien, womit Eumenes einen wichtigen Hafen in Südanatolien sein eigen nannte. Telmessos war ganz von rhodischem Gebiet umgeben, denn Lykien und Karien bis zum Mäander gingen in den Besitz der Rhodier über als Lohn für ihre Bundesgenossenschaft. Besondere Schwierigkeiten machte die Neuordnung der rechtlichen Stellung der kleinasiatischen Griechenstädte. Während eine besonders bevorzugte Gruppe unter ihnen zu civitates liberae et immunes erklärt wurde, d. h. die volle völkerrechtliche Freiheit erlangte, wurden andere an Eumenes gegeben, und zwar vor allem jene, die bisher Antiochos III. untertänig gewesen waren. Einige Griechenstädte erhielten durch die Gnade der Römer besondere Vergünstigungen wie Ilion, Smyrna und Milet. Im ganzen aber verfuhren die Römer keineswegs nach Willkür, sondern nach dem Verhalten der Gemeinden in dem vorangegangenen Konflikt mit König Antiochos. Im Herbst des Jahres 188 räumte das römische Heer Kleinasien, in Europa wurde es in heftige Kämpfe mit den unzivilisierten Völkern Thrakiens verwickelt, im Frühjahr 187 standen die Legionäre wieder auf italischem Boden.
Es ist nicht zu leugnen, daß sich die römische Politik - ähnlich wie ein Jahrzehnt früher in Griechenland - eine gewisse Zurückhaltung auferlegt hatte. In Griechenland wie in Kleinasien hatte man die Gegner zwar niedergeworfen, sie aber keineswegs völlig vernichtet. Dazu hatten sich die Römer bemüht, die Sympathien der griechischen Städte zu erwerben, soweit dies in Kleinasien die Rücksicht auf die Bundesgenossen Eumenes II. und Rhodos zuließ. Im ganzen eine maßvolle und kluge Politik, die Rom, gestützt auf seine überragende Stellung in der Mittelmeerwelt, im Osten an den Tag gelegt hatte. Rom war hier als Beschützer der griechischen Freiheit aufgetreten, seine Freunde, Eumenes II. und Rhodos, waren für ihre Treue reich belohnt worden. Außerdem hatte Rom seine Siege in Hellas und Kleinasien mit einem Minimum an Kräften erreicht; der Aufwand an Menschen und Mitteln stand in keinem Verhältnis zu den enormen Anstrengungen im 2. Punischen
Kriege. Jeweils ein einziges konsularisches Heer hatte genügt, um Philipp V. und Antiochos III. niederzuwerfen. Es war kein Wunder, wenn in Rom ein unerschütterliches Selbstbewußtsein im Entstehen war, dem die hellenistische Welt nichts Vergleichbares gegenüberzustellen hatte. Rom hatte das politische Gleichgewicht unter Aufbietung sehr sparsamer Mittel in folgenschwerer Weise verändert. Und dennoch ist die Politik des römischen Senats nicht in allem glücklich gewesen. Zuerst hatte man auf Drängen der Bundesgenossen, vielleicht auch aus dem Gefühl heraus, sich gegen eine aufsteigende Gefahr im Osten wenden zu müssen, zu den Waffen gegriffen, dann aber, nach dem Siege, hatten die Römer die Länder wieder geräumt, die sie eben erobert hatten. Dies aber war ein ganz verhängnisvoller Fehler, den die Römer teuer bezahlen mußten.
Während sich die Römer im Osten über Gebühr zurückhielten, vermochten sie in Spanien nach dem 2. Punischen Kriege größere Fortschritte zu erzielen. Überhaupt erscheint die Westpolitik Roms viel glücklicher und folgerichtiger. Im Anschluß an die Eroberung des Landes waren hier zwei Provinzen geschaffen worden (197), Hispania Citerior und Hispania Ulterior, die Grenze zwischen ihnen bildete der Saltus Castulonensis (Sierra Morena). In der Kolonie Italica (Santiponce) am Baetis erhielt die südliche Provinz ein neues Zentrum. Die Bewohner des Landes waren zu Abgaben an Rom verpflichtet. Im übrigen war Spanien durch seinen Reichtum an Bodenschätzen, vor allem an wertvollen Metallen, aber auch durch seine Getreidefelder und Weingärten, berühmt. Manche Städte wie Sagunt, Emporium und Ilerda prägten eigene Münzen mit iberischen Legenden, in der Form des Münzbildes ahmten sie die Prägungen des Königs Hieron II. von Syrakus nach. Die römische Administration hatte nicht überall eine glückliche Hand, sie mißachtete die Privilegien wie im Falle von Gades, das einem römischen Gouverneur unterstellt wurde. Die freiheitsliebenden Spanier waren nicht gewillt, dies hinzunehmen. Als sich im Jahre 197 ein Aufstand in Turdetanien erhob, da griff dieser auch auf Hispania Citerior über. In der Person des Consuls M. Porcius Cato hatte der römische Senat jedoch den rechten Mann gefunden. Er kam im Jahre 195 nach Spanien und schuf in kurzer Zeit im ganzen Lande wieder Ordnung. Doch lebten die Kämpfe bald wieder auf. Im Jahre 190 stand L. Aemilius Paullus, der spätere Sieger in der Schlacht bei Pydna (s. S. 105), in Spanien, und seit dem Jahre 181 befanden sich auf dem Hochland zwischen dem Ebro und Sucro die Völker der Lusoner, Beller und Tittier im Aufstand. Die Lusoner aber schlossen nach dem Verlust ihrer Hauptstadt einen Vertrag mit Ti. Sempronius Gracchus, dem Vater der Gracchen (179). Das noble und großzügige Vorgehen dieses Mannes bescherte Spanien eine 25jährige Ruhezeit, die erst im Jahre 154 durch den Aufstand der Keltiberer beendet worden ist.