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Die Römer haben in Spanien in der ersten Hälfte des 2. Jh. v. Chr. trotz einzelner Fehlgriffe eine wertvolle Aufbauarbeit geleistet, und es waren nicht die schlechtesten römischen Feldherren, die sich hier in Krieg und Frieden bewährt haben. Anders als in Griechenland verbreiteten sich hier in steigendem Umfang römisches Wesen und römische Gesittung.

In  Oberitalien  (Gallia Cisalpina) hatten sich zahlreiche keltische Stämme Hannibal angeschlossen, sie mußten nach dem Ende des 2. Punischen Krieges von den Römern wieder unterworfen werden. Seit dem Jahre 197 sind Kämpfe mit den Insubrern, später auch mit den Boiern überliefert. Die Hauptarbeit leisteten die Römer seit dem Jahre 189 v. Chr. (s. S. 108).

Die römische Außenpolitik hatte seit dem Beginn des 2. Makedonischen Krieges im Jahre 200 v. Chr. Großes erreicht. Während man sich in Spanien für die direkte Form der Herrschaft entschieden hatte, wählte man in Afrika und Kleinasien das System der indirekten Beherrschung, wobei den römischen Freunden und Bundesgenossen, insbesondere dem Numiderkönig Massinissa und Eumenes II., dem König von Pergamon, besondere Bedeutung zukam. Der Senat konnte auf die Treue der beiden Herrscher bauen, trotzdem sah er ängstlich darauf, daß sie nicht zu mächtig wurden. Seit dem Sieg über den Seleukiden Antiochos III. hatte Rom in der gesamten Oikumene keinen ebenbürtigen Gegner mehr, es war kein Wunder, wenn sich die römischen Nobiles den hellenistischen Herrschern weit überlegen dünkten und dies auch wiederholt zum Ausdruck brachten. Im großen und ganzen hat der Senat bei der Auswahl der Feldherrn eine glückliche Hand bewiesen; dies läßt sich nur dadurch erklären, daß eine zahlenmäßig große Oberschicht vorhanden war, die durch den Aufstieg neuer Kräfte immer von neuem ergänzt wurde. Die Begründung der römischen Weltherrschaft ist ein Vorgang, der mit der Bildung einer Elite in Rom aufs engste verknüpft ist. Aber es gab auch Widerstände. Die Prozesse, die gegen P. Cornelius Scipio und seinen Bruder Lucius im Jahre 187 angestrengt worden sind, sind ein Symptom dafür, daß es in Rom Kreise gab, die sich mit der absoluten Führerstellung des Africanus nicht abfinden wollten. Der berühmte Feldherr, dem Rom wie keinem andern seinen Aufstieg verdankte, ist im Jahre 183 einsam und verbittert  (sine desiderio urbis)  auf seinem Landgut Liternum in Campanien gestorben.

In das Jahr 180 fällt die von dem Volkstribunen L. Villius beantragte  Lex Villia annalis.  Sie regelte von nun an die Ämterfolge der höheren Magistrate, indem sie, wie es scheint, für die Bekleidung der curulischen Ädilität 36 Jahre, für die Prätur 39 Jahre und für das Consulat 42 Jahre als Mindestalter festsetzte und dazwischen jeweils ein amtsfreies Intervall von zwei Jahren vorschrieb. Das Gesetz war ein Schlag gegen die Alleinherrschaft der Nobilität, es schloß die jungen Bewerber von vornherein aus, womit den Patriziern der Zugang zu den Magistraten erschwert wurde.

Vor den großen Aufgaben der Außenpolitik hatte die Lösung der inneren Probleme zurückstehen müssen, insbesondere die Agrarfrage, aber auch das Verhältnis Roms zu seinen italischen Bundesgenossen bedurfte einer grundlegenden Revision. Rom hatte ihre Wehrkraft ohne weiteres in Anspruch genommen, ihnen aber entsprechende Rechte vorenthalten. Auch die Art der Beherrschung der Untertanen hatte sich nicht geändert: immer noch arbeitete man mit der Aussendung von Kolonien, deren Bevölkerung durch römische Bürger oder Latiner gestellt wurde. Sie wurden an strategisch wichtigen Punkten angelegt und sicherten das System der römischen Herrschaft, vor allem in Oberitalien. Für wirtschaftliche Probleme interessierte sich der römische Senat wenig, die Geldgeschäfte blieben den Rittern überlassen. Römische und italische Kaufleute ließen sich im Osten und im Westen nieder, sie waren in Spanien und Afrika ebenso zu finden wie im griechischen Raum, wo sie mit den Kaufleuten der großen östlichen Handelsmetropolen Rhodos, Tyros und Alexandrien in Wettbewerb traten. Der Ausbreitung der römischen Herrschaft, auch der indirekten, folgte die Expansion des römischitalischen Handels, so hatte er längst die Alpen überstiegen und Kontakte mit Gallien und den Donau Ländern aufgenommen. An Umfang hatte der italische Handel den karthagischen erreicht und sogar übertroffen, im Osten stellte er eine ernsthafte Konkurrenz für den hellenistischen Handel dar, vor allem seitdem sich das Ptolemäerreich im Niedergang befand (seit etwa 200 v. Chr.) und seitdem die Seleukiden aus Kleinasien verdrängt worden waren (188). In der Insel Kephallenia und in dem Hafen Apollonia in Illyrien besaß Rom zwei wichtige Stützpunkte, die für den Handel mit Griechenland und den nördlich angrenzenden Gebieten der Balkanhalbinsel außerordentlich günstig gelegen waren. Wie weit der Einfluß Roms reichte, zeigen die Beziehungen, die sich zwischen Rom und der Stadt Herakleia am fernen Pontos angesponnen hatten. Auch finanziell ging es in Rom aufwärts.

Die Kriegskosten wurden im wesentlichen durch die Kriegsentschädigungen und durch die Beute gedeckt; was übrig blieb, floß in den römischen Staatsschatz, der außerdem durch das  tributum  der Provinzen vermehrt wurde.

Eine wesentliche Veränderung und Bereicherung erfuhr das römische Leben durch die Kontakte mit Griechenland und seiner Kultur. Der Dichter Ennius aus Rudiae in Calabrien (239-169), der von sich behauptete, drei Herzen, ein römisches, ein griechisches und ein messapisches zu besitzen, hat in seiner Dichtung auch so manche hellenistischen Themen behandelt. Die Siege seines Gönners M. Fulvius Nobilior, den er auf seinem griechischen Feldzug begleitete, hat er in der  fabula praetexta  «Ambracia» gefeiert. Die Komödien des Plautus (gest. 184) sind nach griechischen Vorlagen gearbeitet, daneben steht ganz unvermittelt das Römische, das sich in der Umwelt und in den Charakteren widerspiegelt. Auch die Handlung erscheint vielfach verändert und dadurch dem römischen Geschmack besser angepaßt. Der große Erfolg seiner Dichtungen ist jedoch nur durch das Interesse seiner römischen Zeitgenossen für die Griechen und das griechische Wesen zu erklären, das die nüchternen Römer geradezu faszinierte. Die Behandlung rein menschlicher Probleme, wie sie für die Dichter der griechischen Neuen Komödie, vor allem für ihren größten, Menander, charakteristisch ist, kontrastierte seltsam mit der römischen Geisteshaltung, in welcher die Idee der  res publica  alles andere in den Schatten stellte. Dazu ist Plautus ein Meister der Sprache. Es ist das Latein seiner Zeit, das die Personen seiner Komödien sprechen, eine ungeschminkte und oft sehr derbe Sprache, jedoch nicht ohne eine gewisse Würde und Urbanität. Plautus hat ein neues Blatt des römischen Wesens aufgeschlagen, er zeichnet das Bild des römischen Menschen seiner Tage, wenn auch in griechischem Gewände. Wie die Redenfragmente des Älteren Cato, so sind die plautinischen Komödien die wertvollsten Quellen für das römische Menschentum in einer

Zeit, in der Rom seine Herrschaft über viele Völker und Staaten errichtet hat.

11. Rom und der hellenistische Osten (188-168 v. Chr.)

Die auf den Frieden von Apameia (188) folgenden Jahre sind in Rom eine wirkliche Zeitenwende. Die Generation, die den Hannibalischen Krieg in führenden Stellungen erlebt hatte, geht zur Rüste. Allein M. Porcius Cato (Consul 195) erlangte im Jahre 184 die Censur. Er war ein eifersüchtiger Hüter der altrömischen Traditionen, dabei hat er es zeitlebens verstanden, seine eigenen unbezweifelbaren Verdienste in das rechte Licht zu rücken. Im Jahre 183 starben nicht nur Hannibal und der achäische Stratege Philopoimen, sondern auch P. Cornelius Scipio (s. o. S. 98). Hannibal hatte seit 195 im Dienste des Antiochos III. gestanden, mit seinem Kriegsplan aber hatte er bei dem Seleukiden kein Gehör gefunden. Da die Römer seine Auslieferung verlangten, mußte er wieder fliehen. Er veröffentlichte eine Flugschrift über die Untaten des Cn. Manlius Volso, die er den Rhodiern widmete. Irgendwelchen Widerhall hat sie, wie es scheint, nicht gefunden. Rhodos war viel zu eng mit Rom verbündet, als daß die Schrift eines geschworenen Romfeindes hier Eindruck hätte machen können. Wahrscheinlich über Armenien und über Kreta kam Hannibal nach Bithynien zu dem König Prusias I. Dieser lag wegen der Landschaft Phrygia Epiktetos im Kriege mit seinem Nachbarn Eumenes II. von Pergamon. Der Krieg brach bereits im Jahre 188 (?) aus; erst 184/83 wurde er durch einen Frieden beendet, der auf römische Vermittlung zustande kam. Die römische Gesandtschaft mit T. Quinctius Flamininus an der Spitze verlangte von Prusias die Auslieferung Hannibals. In die Enge getrieben, nahm sich der Punier selbst das Leben. Wenn uns auch an seinem Wesen so manches rätselhaft bleibt, so besteht doch kein Zweifel, daß Hannibal als Feldherr zu den größten zu zählen ist, die das Altertum gekannt hat. Wenn er als Politiker seine Ziele nicht erreicht hat, so liegt dies einmal an der geringen Unterstützung, die ihm von seinen Landsleuten zuteil wurde, zum andern aber auch an der gewaltigen Übermacht Roms, der gegenüber der Kampf eines einzelnen, wenn auch noch so genialen Gegners von vornherein aussichtslos war. In Anatolien gab es auch sonst noch Schwierigkeiten. So lag Eumenes II. wegen Galatien im Streit mit dem König Pharnakes von Pontos, wobei der Attalide in dem Herrscher von Kappadokien, Ariarathes, einen Verbündeten fand. Der Krieg dauerte bis 179 v. Chr. Die Balkanisierung Kleinasiens, von den Römern durch den Frieden von Apameia entscheidend gefördert, erwies sich als ein großer Nachteil für den Frieden und den Wohlstand der verschiedenen Völker und Staaten Anatoliens. Rom hatte aus Kleinasien die seleukidische Großmacht verdrängt, an ihre Stelle war ein Konglomerat von Mittel- und Kleinstaaten getreten, die alle mehr oder weniger Befehlsempfänger der Römer waren. Die Servilität der hellenistischen Fürsten kannte vielfach keine Grenzen, sie alle buhlten geradezu um die Gunst der Römer und versuchten, sich gegenseitig bei diesen anzuschwärzen.