Ähnliche Prinzipien der Befriedung wandten die Römer auch in Illyrien an. Wer sich vor der Kapitulation des Genthios (Frühjahr 168) den Römern angeschlossen hatte, erhielt die Freiheit, die anderen Stämme wurden in drei Gruppen zusammengefaßt; sie waren von nun an den Römern tributpflichtig.
Die lange Dauer des Krieges (171-168) war für das Ansehen der Römer im Osten alles andere als günstig gewesen. Außerdem behandelten die Römer die hellenistischen Fürsten mit einer Willkür, die ihresgleichen suchte. Als Eumenes II. von Pergamon im Jahre 167 in Brundisium an Land ging, untersagte ihm der Senat die Weiterreise nach Rom. Seine Verhandlungen mit Perseus hatten ihn den Römern verdächtig gemacht. Im Jahre 164 nahm ein römischer Gesandter, C. Sulpicius Galus, in Sardes, einer Stadt des pergamenischen Reiches, sogar Anklagen gegen den König entgegen! Eher noch schlimmer erging es den Rhodiern. Als ihre Gesandten in Rom erschienen, um die Glückwünsche zum Siege über Perseus darzubringen, mußten sie hören, daß der Senat beschlossen habe, Lykien und Karien die Freiheit zu geben. Der Prätor M'. Juventius Thalna beantragte in den Comitien, Rhodos den Krieg zu erklären, er scheiterte aber an dem tribunizischen Veto, und M. Porcius Cato nahm sich in einer Rede der Rhodier an. Trotzdem vergingen mehrere Jahre, bis Rhodos endlich (im Jahre 164) die Anerkennung als eine mit Rom verbündete und befreundete Stadt erreichte. Inzwischen hatten die Römer die Insel Delos zum Freihafen erklärt; dies aber war ein schwerer Schlag für den rhodischen Handel, dessen Blüte ein für allemal vernichtet war.
Nur wenige Wochen nach dem Siege bei Pydna hatte sich eine römische Gesandtschaft unter dem Consular C. Popillius Laenas nach Ägypten begeben. Hier hatte der Seleukide Antiochos IV. Epiphanes in dem Kriege, den er gegen die unfähige ägyptische Vormundschaftsregierung führte, einen entscheidenden Sieg bei Pelusium davongetragen. Nachdem Antiochos zunächst vorgegeben hatte, für seinen jungen Neffen Ptolemaios VI. Philometor die Regierung zu führen, hatte sich der Seleukide schließlich in der alten ägyptischen Hauptstadt Memphis die Doppelkrone aufs Haupt setzen lassen: das Seleukidenreich und das Ptolemäerreich waren unter einem Zepter vereinigt. Nun stand Antiochos IV. mit Heeresmacht vor den Toren Alexandriens, in Eleusis, als ihn der Römer Popillius Laenas aufforderte, die militärischen Operationen einzustellen und Ägypten unverzüglich zu räumen. Als Antiochos zögerte, da zog der Consular mit seinem Rebstock einen Kreis um den König im Sand und ersuchte ihn, sich zu entscheiden, bevor er den Kreis verlasse. Der König gab nach und versprach, den römischen Forderungen zu genügen. Rom hatte damit einen zweiten, unblutigen Sieg errungen, er fiel nicht weniger schwer in die Waagschale als der Sieg bei Pydna. Nichts anderes macht die überragende Stellung Roms deutlicher als diese Szene von Eleusis: sie zeigt Rom als die große Weltenschiedsrichterin, die nun auch dem Seleukiden ihren Willen aufzwingt. Hatte Rom überhaupt in Ägypten lebenswichtige Interessen zu verteidigen? Nein, Rom hatte sich viele Jahre nicht um Ägypten gekümmert, es griff erst ein, als sich die Gefahr einer politischen Verbindung der beiden östlichen hellenistischen Großmächte am Horizont abzeichnete. Diese Veränderung wollte der römische Senat nicht hinnehmen, Rom hatte nicht soeben den makedonischen Staat zu Boden geworfen, um dafür einer anderen hellenistischen Großmacht, dem Seleukidenreich, den Weg zum Aufstieg freizugeben. Zweifellos hat Rom, wie so oft, die Gefahr im Osten bei weitem überschätzt, es hat blitzschnell gehandelt, und einen in aller Welt bewunderten Erfolg errungen. Wo aber Macht ist, wird Macht hinzugetragen: als der König Prusias II. von Bithynien im Jahre 167 in Rom erschien, betrat er den Sitzungssaal des Senats mit dem Hut der römischen Freigelassenen, dem pilleus, auf dem Kopf und redete die Senatoren als die crettenden Götter> (theoi soteres) an! Die hellenistischen Könige erstarben geradezu in Ehrfurcht vor Rom, es war kein Wunder, wenn die römischen nobiles die hellenistischen Fürsten vielfach wie Menschen zweiter Klasse behandelten.
Der Sieg der Römer bedeutete für die Griechen den Beginn des endgültigen politischen Niedergangs. Hatten sich die Römer vor dem Siege über Perseus immer wieder darum bemüht, die Griechen von der Rechtmäßigkeit des römischen Vorgehens zu überzeugen, so ließ man jetzt alle Rücksichten fallen. Aemilius Paullus, der römische Feldherr, entschied im Verein mit einer Zehnerkommission des Senats über das Schicksal der einzelnen griechischen Staaten. Manche von ihnen hatten beträchtliche Gebietsverluste hinzunehmen, wie die Ätoler und die Akarnanen. Für die ehemaligen Gegner der Römer zogen schlimme Zeiten herauf: sie sahen sich in ihrem Besitz und Leben bedroht, überall gab es Denunzianten, besonders hart mußten die Epiroten, und unter ihnen die Molosser, für ihre Romfeindschaft büßen. Hier sollen nicht weniger als 70 Ortschaften zerstört, 150000 Menschen in die Sklaverei verkauft worden sein. Auch die Achäer mußten ihre unentschlossene
Haltung im Perseuskriege teuer bezahlen, 1000 der Vornehmsten, unter ihnen der spätere Geschichtsschreiber Polybios, damals Hipparch des Achäerbundes, wanderten als Geiseln nach Italien; nur ein Bruchteil von ihnen hat, 17 Jahre später, die Heimat wiedergesehen. Unter den Besten der Römer haben diese Methoden Kritik und gelegentlich auch Widerstand gefunden, aber diese Männer vermochten sich nicht durchzusetzen. Für die offizielle römische Politik ist vielmehr eine rücksichtslose Härte charakteristisch. Hier zeigen sich die Schattenseiten eines übertriebenen Sicherheitsbedürfnisses, das über die Interessen der unterworfenen und abhängigen Völker kühl hinwegschreitet. Wie groß die Furcht vor Rom geworden war, offenbart das traurige Schicksal des rhodischen Politikers Polyaratos: keine einzige kleinasiatische Griechenstadt, weder Phaseiis noch Kaunos noch Kibyra, wagte es, sich des Mannes anzunehmen, der bei Rom in Ungnade gefallen war! Auf Befehl des Aemilius Paullus wurde er schließlich nach Rom geschickt, wo er wahrscheinlich den Tod von Henkershand gefunden hat. Die schwere Kunst, im Glück maßzuhalten, hatten die Römer noch nicht gelernt: anstatt zu versöhnen, traten sie die einstigen Gegner in den Staub, weit entfernt davon, sich um ihr Vertrauen zu bemühen.
Sehr viel glücklicher aber war die römische Politik in Oberitalien. Um die römische Herrschaft auf feste Grundlagen zu stellen, kam es hier zur Gründung der latinischen Kolonie Bononia (189) und der Bürgerkolonien Parma und Mutina (183). Sie gaben von nun an der römischen Herrschaft in Oberitalien einen festen Rückhalt. Einen gewissen Abschluß aber stellt die Begründung der Kolonie Aquileja dar (181). Die Stadt blühte bald kräftig auf und zog einen bedeutenden Teil des Handels zwischen Italien und den Ländern bis zur mittleren Donau an sich. Im übrigen war Aquileja auch der Stützpunkt, von dem aus die Römer ihre militärischen Expeditionen gegen die Istrier richteten. Zwar mißglückte der erste Feldzug des Jahres 178, im folgenden Jahre aber konnte der Consul C. Claudius Pulcher die Stadt Nesactium (in der Nähe von Pola) und einige andere Orte erobern und eine überraschend große Beute einbringen.
Auch an der Küste des ligurischen Meeres wurde die römische Herrschaft fest verankert. Das kleine Bergvolk der Apuaner verlor seine Selbständigkeit, es wurde zum Teil nach Mittelitalien (Samnium) umgesiedelt. Mit der Begründung der Kolonien Luca (180) und Luna (177) wurde hier ein Abschluß erreicht.
Die großen, in aller Welt bewunderten Erfolge der Römer werden nur verständlich, wenn man eine zielbewußte zentrale Lenkung voraussetzt. Diese aber liegt in den Händen des Senats, dessen Mitglieder die ehemaligen kurulischen Magistrate sind. Neben den Häuptern der großen patrizischen Familien finden sich im Senat auch so manche neuen Männer (novi homines), die durch eigene Tüchtigkeit die Ämterlaufbahn emporgestiegen waren und der römischen Politik frisches Blut zuführten.