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Der Einfluß des griechischen Vorbilds zeigt sich schon bei  Q. Fabius Pictor.  Dieser Mann, den der Senat nach der Niederlage bei Cannae nach Griechenland gesandt hat, um das delphische Orakel um Rat zu fragen, wie dem römischen Staat geholfen werden könne, hatte, wahrscheinlich bald nach 200 v. Chr., eine Römische Geschichte veröffentlicht, und zwar in griechischer Sprache. Fabius begann mit der Gründung der Stadt (von ihm ins Jahr 747 gesetzt) und führte die Darstellung bis in die eigene Zeit herab. Auch sein jüngerer Zeitgenosse, L.  Cincius Alimentus  (Prätor 210 v. Chr.), hat eine Römische Geschichte in

Griechisch verfaßt. Wer sich in der griechischen Welt Gehör verschaffen wollte, der mußte sich auch der Sprache der Griechen bedienen. Auch Roms Gegner trieben Propaganda: Cato sagte von Antiochos III., er führe Krieg mit Tinte und Feder  (calamo et atramento milität).  Und Hannibal hat eine Flugschrift an die Rhodier gerichtet (s. o. S. 100).

Wie die Griechen die Lehrer in der Literatur, so waren die Etrusker im Städtebau vorbildlich. Die alte Etruskerstadt Perusia  (Perugia), die im Hannibalischen Kriege als Bundesgenosse treu zu Rom gestanden hatte, schmückte sich im 2. Jh. v. Chr. mit zwei prächtigen Stadttoren, von denen das Nordtor mit zwei gewaltigen Türmen bewehrt ist. Die Tore zeugen von dem Wohlstand des blühenden Municipiums. Die Römer selbst haben auf den Spuren der Etrusker als Baumeister Bedeutendes geleistet. So verdankt die kleine Kolonie  Cosa  in Südetrurien an der Küste des Tyrrhenischen Meeres ihre Ausgestaltung als maritimer Stützpunkt einer zielbewußten römischen Italienpolitik, die auch das Kleinste nicht vernachlässigte. Die Anlage von zwei voneinander unabhängigen Befestigungen im Süden und Südosten des Stadtgebiets zeigt, daß man auch die von der See her drohenden Gefahren richtig einzuschätzen wußte. Auch der Ausbau des italischen Straßennetzes machte bedeutende Fortschritte. Im Jahre 187 wurde die neuangelegte Kolonie Bononia durch eine Straße über den Apennin mit Arretium (Arezzo) verbunden, in das gleiche Jahr fällt der Bau der  Via Aemilia  von Ariminum über Bononia nach Placentia, auch der Außenposten Aquileja erhielt wenig später eine Straßenverbindung, die über Padua und Hostilia an den Po führte. Sie ist wahrscheinlich 175 v. Chr. unter dem Consul Aemilius Lepidus gebaut worden.

Auch die Stadt Rom begann sich mit neuen Bauten zu schmücken. So hat M. Porcius Cato in seiner Censur (184) die Basilica Porcia  erbauen lassen, zu ihr kam bald auch die Basilica Aemilia  (179), beide wohl nach griechischen

Vorbildern errichtet. Vieles, was in republikanischer Zeit in Rom gebaut worden ist, mußte unter Augustus und seinen Nachfolgern abgetragen werden, um neuen Gebäuden Platz zu machen.

12. Die Zerstörung Korinths und Karthagos

In Makedonien war nach Pydna das in der ganzen Welt geachtete Königreich in vier machtlose Republiken verwandelt worden, es waren Zufallsstaaten ohne jede Tradition. Außerdem war das makedonische Volk für die republikanische Freiheit nicht erzogen, so daß die neuen Staaten zu einem Schattendasein verurteilt waren. Die Römer hatten zwar die Lasten des makedonischen Volks vermindert, aber es lag keineswegs in ihrem Interesse, im Lande eine neue Staatsgesinnung wachsen zu lassen. Die Römer ließen sich als die Wohltäter  (eüergetai) feiern, aber man liebte sie nicht. Vielerorts herrschte die Willkür. So ließ ein gewisser Damasippos in Phakos die Synhedroi einfach umbringen (163), er mußte daraufhin fliehen und gelangte nach Kyrene an den Hof Ptolemaios' des Jüngeren, des späteren Ptolemaios VIII. Euergetes II. Auch in den darauf folgenden Jahren gab es in Makedonien keine rechte Ruhe. Im Jahre 152 erbaten sich die Bürger des Landes den Sohn des Aemilius Paullus, Scipio Aemilianus, vom römischen Senat, damit dieser die Ordnung wiederherstelle. Hierzu ist es jedoch nicht gekommen, da Scipio es vorzog, sich auf den spanischen Kriegsschauplatz zu begeben. Im Jahre 151 tauchte ein Abenteurer namens Andriskos auf, er stammte aus Adramyttion in Mysien und soll der Sohn eines Färbers gewesen sein. Die Ähnlichkeit mit dem letzten König der Makedonen, Perseus, verschaffte ihm großen Zulauf, auch zu den hellenistischen Königen des Ostens nahm er Verbindungen auf. Der Seleukide Demetrios I. ließ Andriskos in Syrien festnehmen und an die Römer ausliefern. Andriskos aber konnte aus der Haft entkommen und erschien wieder in Makedonien, wo er die Unterstützung thrakischer Fürsten gewinnen konnte. Nach einem Sieg über das makedonische Aufgebot am Strymon fiel ihm fast das ganze Land zu, sogar die Zitadelle der alten Hauptstadt Pella geriet in seine Hand (149?). Als er auch die Truppen des römischen Prätors Juventius überwunden hatte, wurde seine Existenz zu einer Gefahr für die Sicherheit der römischen Herrschaft. Der Aufstand kam den Römern im übrigen sehr ungelegen, da sie nicht allein in Spanien, sondern vor allem auch in Afrika alle Hände voll zu tun hatten. Unter dem Befehl des Prätors Q. Caecilius Metellus stellten die Römer eine Legion gegen Andriskos ins Feld (er nannte sich Philipp, Sohn des Perseus), die Römer behielten die Oberhand, wobei auf Seiten des Pseudophilipp der Verrat des Telestes, eines Strategen, entscheidend in die Waagschale fiel. Der Prätendent geriet in römische Gefangenschaft, Metellus ließ ihn in seinem Triumphzug mitziehen, dann wurde er umgebracht.

Aus den ehemaligen vier Zonen Makedoniens bildeten die Römer zusammen mit Epirus und Illyrien eine neue Provinz, ihre Ära beginnt im Jahre 148 v. Chr. Jetzt wurde hier ganze Arbeit geleistet. Durch großzügige Straßenbauten verbanden die Römer das Land Makedonien mit der Ostküste der Adria; insbesondere die  Via Egnatia,  die von Dyrrhachium über Pella nach Thessalonike und von hier nach Kypsela am Hebros verlief, hat sich als eine Verkehrsader ersten Ranges erwiesen. Im übrigen aber waren die Unruhen noch nicht ganz zu Ende, noch zweimal traten Prätendenten auf, der letzte von ihnen, ebenfalls Philipp mit Namen, stand an der Spitze eines Sklavenheeres, das aber im Kampfe gegen die Truppen des römischen Quästors L. Tremellius zugrunde ging (143 v. Chr).

Auch in  Griechenland  hatten sich die Römer seit dem Sieg über Perseus wenig Sympathien erworben. Obwohl sich der römische Senat durch zahlreiche Gesandtschaften auf dem laufenden hielt, war das Verhältnis zwischen den römischen Siegern und den befreiten Griechen alles andere als harmonisch. Den Römern fehlte es an Verständnis für die Griechen, die sich im Schatten der römischen Herrschaft vielfach um winzige

Gebietsteile stritten. Die Römer verstanden es nicht, warum man die Griechen anders behandeln sollte als die übrigen Provinzialen, deren Schicksal von den Senatusconsulta und den Edikten der Magistrate abhing. In Hellas aber war nahezu jeder mit jedem verfeindet, dazu gerieten die Achäer immer mehr in ein romfeindliches Fahrwasser. Ihre leitenden Politiker Diaios und Kritolaos führten auf der Bundesversammlung zu Korinth den endgültigen Bruch mit Rom herbei (Frühjahr 146). Sie fanden in den untersten Schichten der griechischen Bevölkerung lebhaften Widerhall. Der Zeitpunkt war freilich nicht günstig gewählt, der Aufstand des Andriskos in Makedonien war längst niedergeschlagen, und in Afrika war es nur noch eine Frage der Zeit, wie lange Karthago noch der römischen Belagerung standhalten konnte. Es waren nicht sehr viele griechische Staaten, die mit den Achäern gemeinsame Sache machten: die wichtigsten waren die Phoker, Euböer und Thebaner. Die Römer, zunächst unter dem Kommando des Proprätors Q. Caecilius Metellus, gewannen rasch Vorteile, die Achäer unterlagen bei Skarpheia (Sommer 146). Die von Metellus angeregten Friedensverhandlungen zerschlugen sich, so daß der Krieg seinen Fortgang nahm. Da machten die Römer endlich ernst, sie setzten ein consularisches Heer von zwei Legionen unter L. Mummius ein, das mit leichter Mühe die Achäer bei Leukopetra (am Isthmos) zu Boden warf. Damit war der Krieg für die Achäer und ihre Bundesgenossen verloren, es folgte als trauriges Nachspiel die Plünderung und Zerstörung der reichen Handelsstadt Korinth. Mummius ließ Tausende von Kunstwerken auf Schiffe verladen und nach Italien schaffen, vieles war vorher von seinen Soldaten in sinnloser Weise zerstört worden, darunter wertvolle Gemälde. Bei der Zerstörung der Isthmosstadt konnte sich Mummius auf einen ausdrücklichen Befehl des Senats berufen, von einer völligen Vernichtung kann jedoch, nach den archäologischen Untersuchungen, keine Rede sein. Aber der Schaden war groß genug, die Tat des Mummius hinterließ in der gesamten griechischen Welt einen tiefen Eindruck. Nach Mommsen wäre es der Handelsneid der römischen Kapitalisten gewesen, der die Vernichtung Korinths gefordert habe. Wie dem nun auch sein mag - der  einzige  Grund kann dieses Motiv nicht gewesen sein: die Römer wollten in Hellas ein Exempel statuieren, ihre Geduld, die auch durch den Karthagischen Krieg auf eine harte Probe gestellt wurde, war am Ende. Der Achäische Bund wurde aufgelöst, die Feinde Roms verfolgt, ihr Vermögen eingezogen. Athen, Sparta und Delphi empfingen für ihre Treue aus der Hand der Römer ihren Lohn, sie galten als Freistädte  (civitates liberae),  während das übrige Griechenland dem römischen Statthalter von Makedonien unterstellt wurde. Unter dem Patronat der Römer übernahmen in den Städten die vermögenden Schichten die Regierung, an die Stelle politischer Auseinandersetzungen trat vielerorts die soziale Frage, Reiche und Arme standen sich vielfach in unversöhnlichem Haß gegenüber.