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Im Frühjahr 146 war auch  Karthago  nach einer langen Belagerung in die Hände der Römer gefallen, auch diese Stadt ein Opfer des römischen Sicherheitsstrebens. Die Geschichte Karthagos in den letzten 55 Jahren vor seinem Untergang (201 146) ist, in politischer Hinsicht, eine Leidensgeschichte, jeder Ansatz zu einer Rekonvaleszenz ist durch Rom und seinen Trabanten, den König Massinissa von Numidien, verhindert worden. Auch nach dem Frieden von 201 v. Chr. verfügte Karthago immer noch über weitreichende Handelsverbindungen. Für den Verlust der spanischen Gebiete versuchten die Karthager, sich durch neue Handelsbeziehungen mit der griechischen Welt, sogar mit den Städten des Westpontos (Istros), schadlos zu halten. Sie gingen den Römern aus dem Wege und taten im übrigen alles, um die Bedingungen des Friedensvertrages zu erfüllen. Sie zahlten pünktlich die Raten der Kriegsentschädigung, schon nach zehn Jahren hatten sie ihre

Schulden restlos abgetragen (191). Dies war allerdings nur möglich gewesen, weil Hannibal, im Jahre 196 zum Sufeten gewählt, eine Reform des karthagischen Staates an Haupt und Gliedern in Angriff genommen hatte, die insbesondere den Rat der Einhundertvier betraf. Seine Mitglieder sollten nicht mehr eine lange Zeit oder gar lebenslänglich fungieren, sondern von nun an alljährlich neu gewählt werden, eine grundlegende Veränderung, die man mit dem Sturz des Areopags in Athen durch Ephialtes im Jahre 462 verglichen hat (U. Kahrstedt). Aber im Grunde genommen war es für Reformen längst zu spät. Was der karthagische Staat in der Zeit seiner Blüte versäumt hatte, das vermochte selbst ein Mann wie Hannibal nicht mehr einzuholen, und zwar um so weniger, als er auf das Drängen der Römer schon im Jahre 195 seine Heimat auf Nimmerwiedersehen verlassen mußte (s. S. 92).

Karthagos großer Gegenspieler in Afrika aber war der König der Numider, Massinissa. Am Ende des Hannibalischen Krieges stand er, 3 7j ährig, auf der Höhe seines Lebens, er sollte ein Alter von mehr als 90 Jahren erreichen. Der ungewöhnlich begabte und zielbewußte König hat aus Numidien einen wirklichen Kulturstaat gemacht; dabei hat er sich nicht nur der Hilfe der Römer, sondern auch der Griechen bedient, zu denen er die besten Beziehungen, auch auf dem Gebiet des Handels, unterhielt.

Unter seiner Fürsorge verwandelten sich weite Gebiete Numidiens in blühendes Gartenland. Der Reichtum des Landes an Getreide war ein wichtiger Aktivposten der königlichen Handelspolitik. Massinissa aber hatte seine Ziele hoch gesteckt: er strebte nach einem numidischen Großreich, das vom Gestade des Atlantischen Ozeans bis zu den Grenzen Ägyptens reichen sollte. Den Anfang dazu hatte er im Hannibalischen Kriege mit der Annexion des Reiches des Syphax (im Westen Numidiens, zwischen Siga und Cirta) gemacht. Jetzt aber richtete er seine Augen auf die karthagischen Besitzungen an der Großen Syrte, die  Emporia  in Libyen. Massinissa hat sie den Karthagern mitten im Frieden weggenommen (161). Immer wieder reisten römische Gesandtschaften nach Afrika, im Jahre 153 auch der hochbetagte Cato. Seit dieser Zeit hegte er einen unauslöschlichen Haß gegen alles Punische, er wurde im Senat der heftigste Befürworter der Zerstörung Karthagos. Doch war die Meinung der Römer nicht einhellig, Scipio Nasica und andere vertraten die Auffassung, Karthago müsse aus Vernunftsgründen erhalten bleiben, Rom brauche gewissermaßen einen Wetzstein, damit es sich nicht der Hybris hingebe. War Karthago wirklich noch eine Gefahr für Rom? Die antiken Quellen sind einmütig dieser Ansicht, nicht aber die moderne Forschung. So sah Mommsen in dem Motiv der merkantilen Eifersucht die treibende Kraft, aber auch hierfür gibt es keine antiken Belege, wie überhaupt die Handelsinteressen in der römischen Außenpolitik nur eine erstaunlich geringe Rolle gespielt haben. Daß Rom es nicht zulassen wollte, daß sich Massinissa in Karthago festsetzte (U. Kahrstedt), ist eine ganz bodenlose Hypothese, die nicht die geringste Wahrscheinlichkeit für sich hat. Nein, es gab eine Richtung in Rom, die Karthago immer noch als die ernste Gefahr betrachtete, man wollte sie durch einen Präventivkrieg beseitigen. Die römischen Politiker waren eiskalte Rechner, sie haben den Konflikt mit Karthago mit voller Absicht heraufgeführt, um die punische Frage ein für allemal aus der Welt zu schaffen.

Einen geeigneten Vorwand bot der Krieg zwischen Karthago und Massinissa; er war im Jahre 151/50 ausgebrochen und brachte den Puniern eine Niederlage. Rom mobilisierte vier Legionen: nach den Bestimmungen des Friedens von 201 war es den Karthagern untersagt, ohne Erlaubnis der Römer Krieg zu führen. Die Karthager waren zu jedem Entgegenkommen bereit. Als im Jahre 149 Utica von den Puniern abfiel, war der Zeitpunkt für Rom gekommen: Rom erklärte den Karthagern in aller Form den Krieg, die amtierenden Consuln, M'.Manilius und L. Marcius Censorinus, setzten mit dem Heere von Sizilien nach Utica über. Als bevollmächtigte Gesandte der Karthager nach Rom eilten, mußten sie hören, daß der Krieg bereits erklärt worden sei, die Römer forderten für die Zurücknahme der Kriegserklärung die bedingungslose Kapitulation, sie waren zwar bereit, den Karthagern einige Zugeständnisse über den Besitz des Territoriums und über das private und öffentliche Eigentum zu machen, sie verlangten aber die Gestellung von 300 Geiseln, und als sie diese in Utica in Empfang genommen hatten, zusätzlich die Übergabe des gesamten Kriegsmaterials. Erst als sich auch dieses in den Händen der Römer befand - angeblich hatten die Punier nicht weniger als 200000 Rüstungen und 2000 Katapulte abgeliefert -, sprachen die Römer das Todesurteil über die unglückliche Stadt: sie sollte zerstört werden, ihre Einwohner sollten sich zehn Meilen vom Meer entfernt wieder ansiedeln. Als die Karthager erkannten, daß die Römer geradezu die Vernichtung der Stadt beabsichtigten, da rüsteten sie sich zu einem Verzweiflungskampf, die Stadt verwandelte sich in ein einziges Arsenal, die Befestigungen wurden instandgesetzt, von außen her nahm Hasdrubal Verbindung mit den Einwohnern auf. Wie Tyros, die Mutterstadt Karthagos, seinerzeit nur durch äußerste Anstrengungen Alexanders hatte bezwungen werden können, so war auch die Belagerung Karthagos, selbst für einen überlegenen und vorzüglich ausgerüsteten Gegner, wie es die Römer waren, außerordentlich schwierig. Vom Lande her war die Stadt nur über den schmalen Isthmus zugänglich, dieser war jedoch für den vordringenden Gegner durch eine dreifache Mauer versperrt, und für eine Operation von der Seeseite her kamen nur die Häfen der Stadt als Landungsstellen in Betracht, sie waren aber in jeder Weise, auch durch ihre natürliche Lage, gesichert. Dementsprechend hielten sich die Erfolge der Römer im ersten Jahre der Belagerung (149) in bescheidenen Grenzen.