Als im Jahre 154 gleichzeitig bei den Lusitaniern und bei den keltiberischen Stämmen der Beller und Arevaker ein Aufstand losbrach, da war man in Rom in keiner Weise auf die Ereignisse vorbereitet. Die Lusitanier fielen in die römische Provinz ein, ihr Führer mit dem bezeichnenden Namen Punicus brachte den beiden Prätoren eine empfindliche Niederlage bei. In dem gleichen Jahre 154 hatte der Stamm der Beller die Stadt Segida (10 km südöstlich von Calatayud im Tal des Perejil) durch einen großen Synoikismos erweitert und mit einem riesigen, 8 km langen Mauerring umgeben. Wahrscheinlich verdankt die Volksburg Segida ihre Entstehung hellenistischen Anregungen, die über die Griechenstadt Massilia nach Spanien gelangt sind. Der Wortführer der Beller war ein Mann namens Karos. Die Römer überreichten eine regelrechte Kriegserklärung, sie entsandten den Consul Q. Fulvius Nobilior nach Spanien. Bei dieser Gelegenheit wurde der Termin des Amtsantritts vom 15. März auf den 1. Januar vorverlegt. Fulvius Nobilior aber wurde im Spätsommer des Jahres 153 v. Chr. in der Nähe von Numantia überfallen, die Römer verloren eine ganze Legion, bevor die Reiterei die Lage einigermaßen wiederherstellen konnte. Dieser Tag - es war das Fest der Vulcanalien am 23. August - galt in Rom von da an als Unglückstag (dies ater). Adolf Schulten hat das Lager des Fulvius Nobilior vor Numantia wiedergefunden, es ist das Lager III, auf dem Hügel Gran Atalaja. Die Überraschung bestand darin, daß in diesem Lager die römischen socii die gefährlicheren Plätze innehatten, dies beweist, daß man im Heere einen wesentlichen Unterschied zwischen den Bürgern und den Bundesgenossen machte. Die Römer, die sogar Elefanten zum Einsatz brachten, kämpften unter den Mauern von Numantia ziemlich unglücklich, auch hier waren ihre Verluste beträchtlich. Überhaupt war das Jahr 153 ein Unglücksjahr für die Römer, Niederlage folgte auf Niederlage. Es war kein Wunder, wenn die Mißerfolge des spanischen Krieges auch in Rom ernste Folgen zeitigten. So gab es im Jahre 151 zum erstenmal Schwierigkeiten bei den Aushebungen in Rom, die Volkstribunen mischten sich ein und ließen die Consuln kurzerhand ins Gefängnis führen, ein Ereignis, das mit Recht das größte Aufsehen erregt hat. Da hat Scipio Aemilianus der römischen Jugend ein leuchtendes Beispiel gegeben, indem er sich für den von allen gefürchteten spanischen Kriegsschauplatz zur Verfügung stellte. Der Consul L. Licinius führte einen eigenmächtigen Krieg gegen die Vakkäer, er besetzte die Stadt Kauka und ließ die wehrfähigen Männer einfach abschlachten. Selbst in Rom war die Empörung darüber groß, und dennoch scheint L. Licinius einer Anklage entgangen zu sein, anders als der Prätor Ser. Sulpicius Galba; dieser hatte sich immerhin gegen den Volkstribunen L. Scribonius Libo und gegen Cato zu wehren, nur mit Mühe und Not entging er der Verurteilung (149).
Noch größere Ausmaße nahm der spanische Krieg im Jahre 147 an. In diesem Jahr trat Viriatus an die Spitze der Lusitanier, ein Mann einfacher Herkunft, der sich aber in hervorragender Weise nicht nur auf die Kunst der Strategie, sondern auch auf die Menschenführung verstand. Acht volle Jahre hat Viriatus das Feld gegen die Römer behauptet, diese waren gezwungen, immer größere Heere auf die iberische Halbinsel zu werfen. Seit dem Jahre 143 erhielt regelmäßig einer der beiden Consuln das spanische Kommando, und im Jahre 140 sahen sich die Römer unter dem Proconsul Q. Fabius Maximus Servilianus so in die Enge getrieben, daß dieser froh war, einen für ihn annehmbaren Vertrag mit Viriatus schließen zu können, den später das römische Volk bestätigt hat. Doch der Bruder und Nachfolger des Servilianus, Q. Servilius Caepio, setzte sich über den Vertrag hinweg, dieser Mann ist es gewesen, der im Jahre 139 unter den Lusitaniern die Mörder gedungen hat, die Viriatus in seinem eigenen Feldherrnzelt bei Nacht und Nebel umbrachten. Die Unterwerfung der Lusitanier führte der Consul D. Iunius Brutus, Statthalter von Hispania Ulterior, in den Jahren von 138 bis 136 zu Ende. Brutus betrat als erster römischer Feldherr den Boden Galiciens, befestigte die Stadt Olysipo (heute Lissabon) und gründete die Kolonie Valentia, in der ehemalige Krieger des Viriatus angesiedelt wurden. In Hispania Citerior dagegen hielten sich immer noch die beiden festen Städte Termantia und Numantia. Vor Numantia aber vollzog sich die Katastrophe des Consuls C. Hostilius Mancinus. Er wurde in dem alten Lager des Fulvius Nobilior (s. S. 125) eingeschlossen und gezwungen, eine Kapitulation abzuschließen. Dadurch wurden übrigens 20000 römische Bürger gerettet. Im römischen Senat aber herrschte helle Empörung, den Vertrag bezeichnete man als foedus turpissimum. Es kam soweit, daß ein vom Volk bestätigter Senatsbeschluß die Auslieferung des Mancinus an die Numantiner vorsah. Einen ganzen Tag lang stand Mancinus, die Hände auf dem Rücken gebunden, vor dem Stadttor von Numantia, die Numantiner aber weigerten sich, ihn anzunehmen und damit die Römer aus dem Vertrag zu entlassen (136). Dieser wohl kläglichsten Szene der römischen Geschichte folgten weitere römische Niederlagen. Sie kamen auf das Konto des Proconsuls M. Aemilius Lepidus Porcina. Er wurde bei der Belagerung von Palantia geschlagen und zum Rückzug genötigt. Seit der Katastrophe des Mancinus waren zwei Jahre verstrichen, in Rom richteten sich die Augen auf Scipio
Aemilianus, den Sieger über die Karthager. Mit überwältigender Mehrheit wählten die Comitien ihn zum Consul (die an sich verbotene Iteration wurde durch eine lex specialis gestattet, diese aber nach vollzogener Wahl wieder aufgehoben). Da weigerte sich der Senat, die notwendigen Aushebungen zu gestatten. Doch es meldeten sich viele Freiwillige, angeblich nicht weniger als 40000 Mann, zumeist wohl Veteranen des 3. Punischen Krieges. Aus den Freiwilligen bildete Scipio eine «Schar der Freunde» (cohors amicorum), sie ist gelegentlich als die Urzelle der Prätorianergarde der Kaiserzeit bezeichnet worden. Auch Kontingente befreundeter Fürsten machten sich auf den weiten Weg nach Spanien. So entsandte Micipsa von Numidien eine Truppe von Reitern, Bogenschützen und Schleuderern unter dem Kommando des Prinzen Jugurtha, auch Attalos III. von Pergamon und sogar Antiochos VII. Sidetes stellten Mannschaften und Geschenke zur Verfügung. In Scipios Gefolge befanden sich einige Männer, die nachmals als Feldherrn berühmt geworden sind: C. Marius und C. Memmius, die späteren Gegner des numidischen Königs Jugurtha. Auch der römische Dichter Lucilius und der griechische Historiker Polybios haben im Stabe Scipios den spanischen Feldzug mitgemacht. Anders als seine Vorgänger hatte Scipio erkannt, daß nur eine konsequente Belagerung Numantias zum Ziele führen konnte. In höchst mühseliger Arbeit wurde eine 9 km lange Zirkumvallationslinie mit Mauer, Graben und Türmen angelegt, dazu wurden sieben Lager (zwei Hauptlager und fünf Kastelle) geschaffen, sie sind sämtlich durch die Bodenforschungen Adolf Schultens wiedergefunden worden. An Truppen war Scipio den Numantinern um ein Vielfaches überlegen, der Belagerungsarmee von 60000 Mann (davon allerdings nur 10000 Mann italische Truppen) standen nur 4000 Numantiner gegenüber! Die Römer gingen mit größter Planmäßigkeit zu Werk, sie bedienten sich vor allem auch der Abschreckung. So hat Scipio nach einem Ausfall der
Numantiner, der bis zur Stadt Lutia (heute Cantalucia, 55 km westlich von Numantia) führte, nicht weniger als 400 jungen wehrfähigen Männern des Ortes die Hände abhauen lassen, weil sie mit den Numantinern gemeinsame Sache gemacht hatten. In Numantia selbst aber stieg die Not auf den Gipfel, in der Stadt spielten sich furchtbare Szenen von Kannibalismus ab, bis die Numantiner endlich, nach einer Belagerung von neun Monaten, auf Gnade und Ungnade kapitulierten (Hochsommer 133). Die Römer verkauften die Überlebenden in die Sklaverei, einige wenige wurden für den Triumphzug Scipios aufgespart. Die Stadt selbst wurde auf Befehl Scipios dem Erdboden gleichgemacht. Damit war der letzte Herd der Unruhe ausgelöscht. Für die iberische Halbinsel aber brach ein neues Zeitalter an, das durch eine ständig fortschreitende Romanisierung gekennzeichnet wird.