Zusammenhang.
Nahezu zur gleichen Zeit (133 v. Chr.) erhoben sich die Sklaven, zusammen mit dem freien Proletariat (duloi kai aporoi), im westlichen Kleinasien. Attalos III., der letzte Herrscher des pergamenischen Reiches (138-133), hatte sein Reich bei seinem Ableben durch Testament den Römern vermacht. Ein illegitimer Sohn des Herrschers, Aristonikos (auf den Münzen nannte er sich Eumenes), gewann die Sklaven und die untersten Schichten des Bürgertums für sich. Er nannte seine Untertanen die «Heliopoliten», wohl im Hinblick darauf, daß die Sonne (Helios) als die Schirmherrin der Gerechtigkeit betrachtet wurde. Die Erhebung blieb aber im wesentlichen auf das flache Land beschränkt, von den Griechenstädten des pergamenischen Reiches hat sich aus freien Stücken einzig und allein Phokaia dem Aristonikos angeschlossen. Die Römer waren zunächst gegenüber dem Aufstand vollständig machtlos, erst nachdem die benachbarten Herrscher von Bithynien, Paphlagonien, Pontos und Kappadokien als römische Bundesgenossen in den Krieg eingriffen, wandte sich allmählich das Blatt. Aber noch im Jahre 130 erlitt P. Licinius Crassus Mucianus eine schwere Niederlage (bei Leukai), der Römer wurde auf der Flucht ereilt und von thrakischen Söldnern des Aristonikos getötet. Die Kämpfe wurden noch in dem gleichen Jahre durch M. Perperna, den Nachfolger des Crassus, entschieden, Aristonikos, der sich nach Stratonikeia geflüchtet hatte, mußte sich den Römern ergeben, er wurde nach Rom geschafft und hier im Gefängnis erdrosselt (129). In dem gleichen Jahre wurde der Krieg in Kleinasien durch M'.Aquillius beendet.
Auch nach den Aufständen in Sizilien und Westkleinasien ist die Zahl der Sklaven weiterhin angestiegen. Es ist vor allem die Seeräuberei im Mittelmeer gewesen, die den Märkten immer neue Sklavenmassen zugeführt hat. Als Marius im Jahre 104 den König von Bithynien aufforderte, Hilfstruppen für den Kimbernkrieg zu stellen, da mußte der Römer hören, die meisten
Bithyner seien als Sklaven von den römischen Publicani verschleppt worden. Der Senat faßte darauf den Beschluß, die Statthalter sollten dafür sorgen, daß nicht die Angehörigen eines mit Rom verbündeten Staates in den Provinzen als Sklaven gehalten würden. In Sizilien sind daraufhin innerhalb weniger Tage 800 Sklaven in Freiheit gesetzt worden, mit dem Ergebnis, daß sich die Eigentümer beschwerten und die Aktion alsbald eingestellt wurde. Auch in Italien war man vor weiteren Erhebungen der Sklaven nicht sicher. Im Jahre 104, noch vor dem Ausbruch des zweiten großen sizilischen Sklavenaufstandes, zettelte ein römischer Ritter, T. Minucius Vettius, eine Erhebung von Sklaven in Nuceria und Capua an, 3000 Sklaven sollen daran teilgenommen haben. Zum Glück für die Römer konnte die Bewegung unterdrückt werden, bevor es in Sizilien wieder unruhig wurde.
An dem zweiten großen Sklavenaufstand in Sizilien (104-101 v. Chr.) sind viele Tausende von Unfreien beteiligt gewesen. Sie wählten aus ihrer Mitte Salvius zum König, andere dagegen scharten sich um einen kilikischen Sklaven namens Athenion. Beide Gruppen schlossen sich zusammen, Salvius nannte sich von nun an Tryphon, wahrscheinlich nach dem Vorbild des syrischen Usurpators aus den Jahren 142/41 v. Chr., Athenion figurierte als Tryphons Stratege. In Triokala schlug der Sklavenkönig seine Residenz auf. Im übrigen vereinigen sich in seinem Königtum hellenistische mit römischen Zügen. So hat Tryphon beispielsweise die Tracht des römischen Triumphators angenommen. Nach seinem Tode im Jahre 102 ging der Oberbefehl auf Athenion über. Er hat mit großer Tapferkeit gegen die Römer gekämpft. Erst als M'. Aquillius (Consul 101) das Kommando übernahm, ging es mit den Sklaven bergab, Athenion fiel im Zweikampf gegen den römischen Oberfeldherrn. Auch in Sizilien hatte die ärmere Bevölkerung (hoi äporoi) die Partei der Sklaven ergriffen.
Der letzte und größte italische Sklavenaufstand gehört erst der nachsullanischen Zeit an (73-71 v. Chr.). Er trägt seinen Namen nach dem thrakischen Sklaven Spartacus. Dieser war mit einer Anzahl Genossen aus einer Gladiatorenschule in Capua entflohen, er fand bald großen Anhang und vermochte sich gegen mehrere römische Heere durchzusetzen. An der Spitze von 7000 Sklaven gewann er die Städte Nola, Nuceria, Thurii und Metapont. Selbst gegenüber zwei consularischen Heeren von mindestens vier Legionen konnte er sich im Jahre 72 im Felde behaupten. Dies aber erhöhte sein Ansehen so sehr, daß er weiteren reißenden Zulauf fand; angeblich soll er 60000 Menschen um sich versammelt haben. Das Zentrum seiner Macht lag in Lukanien. Von dort aus trat er in Verbindung mit den kilikischen Seeräubern, sie ließen ihn aber im Stich, als er ihre Hilfe in Anspruch nehmen wollte, um mit seinen Anhängern nach Sizilien überzusetzen. Der Proconsul M'. Licinius Crassus, der spätere Triumvir, ließ in Bruttium von einem Meer zum andern einen Wall mit Graben errichten, von einer Länge von insgesamt 55 km (entweder bei Thurii oder in der Nähe von Scolacium). Aber Spartacus durchbrach das Befestigungswerk; in der Nähe der Silarusquelle, in Lukanien, wurde er jedoch gestellt, sein Heer geschlagen, er selbst fand den Soldatentod auf dem Schlachtfeld. 6000 gefangene Sklaven sollen an der Via Appia zwischen Rom und Capua gekreuzigt worden sein.
Unter den Sklavenführern ist Spartacus mit Abstand die bedeutendste Persönlichkeit. Er hat sich aus den bunt zusammengewürfelten Sklavenhäufen ein Machtinstrument geschmiedet, mit dem er selbst den kampfgeübten römischen Legionen die Spitze bieten konnte. Außerdem hielt er auf Ordnung, Ausschreitungen versuchte er zu verhindern. Wenn dennoch zahlreiche Greueltaten vorgekommen sind, so erklärt sich dies aus der Situation der Sklaven, die im Falle einer Niederlage nicht mit Pardon rechnen konnten. Übrigens hatte Spartacus seinen Untergebenen den Besitz von Gold und Silber verboten. Vom Privateigentum hielt er offenbar nichts. Der von ihm ins Leben gerufene Sklavenstaat, ein interessantes historisches Experiment, war auf Raub und Beute gegründet, mit den Schätzen erkaufte er sich die Dienste der kilikischen Seeräuber. Das Ziel seiner Bestrebungen war eine Besserung der sozialen und wirtschaftlichen Lage der Sklaven, mit denen sich viele Entrechtete und Unterdrückte aus dem Bürgerstand und dem Bauerntum vereinigt hatten. Die Mehrzahl der Sklaven hatte allerdings keine andere Sehnsucht, als möglichst bald wieder in die Heimat zurückzukehren, von woher man sie zwangsweise nach Italien verschleppt hatte. Die Gründung eines eigenen Staates in Italien oder in Sizilien interessierte sie nicht.
Wenige Jahre nach dem Tode des Spartacus zog Pompejus in den Seeräuberkrieg (67). Der Krieg war geradezu eine erlösende Tat, sie wurde im gesamten Mittelmeerraum, nicht zuletzt auch in Italien, mit Freuden begrüßt. Der Sieg des Pompejus beseitigte die Voraussetzungen für weitere Sklavenerhebungen. Damit war ein gefährlicher Zündstoff aus der Welt geschafft, in Italien und in Sizilien, aber auch in Griechenland und Kleinasien, konnten die Bürger wieder ruhig schlafen, ohne den Ausbruch neuer Unruhen und Umwälzungen befürchten zu müssen. Nur noch ein einziges Mal hat Italien die Erschütterungen einer sozialen Revolution von ferne verspürt: es war die Verschwörung des L. Sergius Catilina (63). Aber eine mit Spartacus zu vergleichende Gefahr war Catilina nicht, mochte Cicero auch anderer Ansicht sein (s. S. 179).