Die Sklavenaufstände erstreckten sich über einen Zeitraum von mehr als 60 Jahren, von 135 bis 71 v. Chr. In dieser Zeit ist die römische Republik durch zwei auswärtige Kriege, den Jugurthinischen Krieg und den Kimbernkrieg, auf eine harte Probe gestellt worden. Von ihnen gehört der Jugurthinische Krieg (111-105), genauso wie die spanischen Kriege der Römer (s. S. 124 ff.), in einen weiteren Zusammenhang. In Spanien und in Afrika handelt es sich um nationale Erhebungen, ähnlich wie bei dem Makkabäeraufstand des Jahres 166. Rom hat den Aufstand der Juden gegen die Seleukidenherrschaft mit Genugtuung verfolgt, ohne zu ahnen, daß auch im Westen ähnliche Bewegungen der einheimischen Völker vor der Tür standen. Für die Ideen des Nationalismus gibt es keine Grenzen. Dazu kommt, daß die griechische Sprache und der griechische Geist den Ideen Flügel verliehen hatten, die sie zum Fluge von Vorderasien nach Spanien und Afrika befähigten.
Auf die Befriedung der iberischen Halbinsel folgten zunächst kriegerische Aktionen der Römer in Südgallien. Hier ist endlich eine Landverbindung zwischen Italien und Spanien geschaffen worden. Da sich die römische Kriegskunst den Kelten als überlegen erwies, sind hier fast nur römische Siege zu verzeichnen: in den Jahren von 125-122 kämpften die Römer gegen die Alpenvölker der Salluvier und Vokontier, im Jahre 122 errichteten sie das Kastell Aquae Sextiae (Aixen-Provence). Auch die Allobroger mußten die Überlegenheit der römischen Waffen anerkennen. Aus ihrem Gebiet und dem der Volker bildete Cn. Domitius Ahenobarbus im Jahre 121 eine neue Provinz, ihr Mittelpunkt war Tolosa (Toulouse). Mit der Via Domitia schuf er außerdem eine längst notwendige Landverbindung zwischen der unteren Rhone und den Pyrenäen (Perthus). Mit den Häduern hatten die Römer Freundschaft geschlossen, zu Massilia standen sie seit langem in besten Beziehungen. Der Durchdringung Galliens durch die römische Kultur waren damit Tür und Tor geöffnet. Die erste Phase der römischen Expansion in Südgallien fand mit der Gründung der Kolonie Narbo Martius (Narbonne), im Jahre 118 oder 117, ihren Abschluß (s. S. 134).
Wenige Jahre zuvor (123-122) hatte Q. Caecilius Metellus die Inseln der Balearen in den römischen Herrschaftsbereich miteinbezogen. Hier entstanden die Kolonien Palma und Pollentia, in denen sich Italiker aus den spanischen Provinzen niederließen. Vorher waren die Balearen Stützpunkte der
Seeräuber im westlichen Mittelmeer gewesen. Von nun an dienten viele ihrer Einwohner als Schleuderer in den römischen Auxilien.
Der Jugurthinische Krieg (111-105) trägt seinen Namen nach dem Prinzen Jugurtha von Numidien. Neben dem Lusitanier Viriatus ist er einer der bedeutendsten Gegner Roms im 2. Jh. v. Chr. Infolge des Verlustes der Primärquellen ist der Jugurthinische Krieg in mancher Hinsicht schwer zu beurteilen. Dies gilt in erhöhtem Maße für die Motive der handelnden Personen, insbesondere für Jugurtha, an dem die römische Geschichtsschreibung kein gutes Haar gelassen hat. Für Sallust ist der Krieg das große Beispiel, an dem er den römischen Sittenverfall dargestellt hat. Die Strategie der römischen Nobiles, insbesondere das Verhalten des Q. Caecilius Metellus, hat Sallust nicht nur sehr einseitig, sondern vielfach geradezu ungerecht beurteilt. In Sallusts Werk hat zweifellos seine Abneigung gegen die Optimaten Spuren hinterlassen, es ist deswegen aber keineswegs wertlos, nur muß es mit Kritik benutzt werden. Auf die Chronologie Sallusts ist freilich nicht immer Verlaß. Nicht zu übersehen ist, daß Sallust Africa aus eigener Anschauung gekannt hat, er ist sogar Statthalter der Provinz Africa Nova gewesen.
Beim Tode des Massinissa (149/48) erstreckte sich das numidische Reich im Osten bis an die Arae Philaenorum, die alte Landgrenze zwischen der Cyrenaica und Karthago, im Westen bis an den Fluß Mulucha. Aus dem karthagischen Restgebiet hatten die Römer im Jahre 146 die Provinz Africa gebildet. Wie Massinissa so hatte sich auch sein Sohn Micipsa bemüht, Griechen und Italiker ins Land zu ziehen, Micipsa war selbst ein halber Gelehrter. Als er im Jahre 118 verstarb, erbten seine Söhne Adherbal und Hiempsal, dazu der von Micipsa adoptierte Neffe Jugurtha das Reich. An geistiger Bedeutung und Regsamkeit war Jugurtha seinen beiden Vettern weit überlegen, durch seinen Kriegsdienst vor Numantia verfügte er über zahlreiche Verbindungen zur römischen Nobilität. Das Ziel des Jugurtha war die Alleinherrschaft in dem numidischen Königreich. Zuerst mußte sein Vetter Hiempsal sterben, dann kam es zu einer kriegerischen Auseinandersetzung mit Adherbal. Eine römische Senatskommission verfügte die Teilung des Königreiches (117 oder 116), Jugurtha aber zog durch seine Beziehungen zu dem Haupt der Zehnerkommission, L. Opimius, das bessere Los, ihm wurde der Westen, Adherbal der Osten zugesprochen. Die Eintracht dauerte aber nicht lange, Jugurtha griff erneut zu den Waffen, Adherbal wurde in Cirta belagert und nach vollzogener Kapitulation getötet, obwohl ihm Jugurtha das Wort gegeben hatte, ihn zu verschonen. Bei der Einnahme Cirtas war auch eine Anzahl italischer negotiatores ums Leben gekommen, sie hatten sich an der Verteidigung der Mauern gegen Jugurtha beteiligt. Aber erst nachdem Jugurtha zwei römische Gesandtschaften mit leeren Redensarten abgespeist hatte, erklärte Rom ihm den Krieg (Frühjahr 111). Die militärischen Führer, der Consul L. Calpurnius Bestia und sein Legat M. Aemilius Scaurus, ließen sich durch den Numider bestechen und schlossen mit ihm einen Vertrag, ehe der Krieg richtig begonnen hatte. In Rom war die Empörung groß, der Senat zitierte Jugurtha, ein Verhör fand jedoch nicht statt, anstattdessen ergriff der schlaue Afrikaner die Gelegenheit, einen Enkel des Massinissa, mit Namen Massiva, in Rom umbringen zu lassen, worauf Jugurtha aus Rom ausgewiesen wurde. Auch die Jahre 110 und 109 waren Unglücksjahre für Rom. Der Consul Sp. Postumius Albinus und sein Bruder Aulus erlitten im Felde eine Niederlage, darauf räumten sie Numidien, nachdem sie zuvor ein Bündnis mit Jugurtha abgeschlossen hatten. Erst mit dem neuen Oberkommandierenden, dem Consul Q. Caecilius Metellus, kam ein frischer Wind in die römische Kriegführung, Jugurtha zog in einem Treffen am Muthul (Nebenfluß des Bagradas) den kürzeren, auch die Stadt Thala fiel in römische Hand. Im übrigen ging aber der Numider größeren Kampfhandlungen aus dem Wege, er führte einen für die Römer aufreibenden Wüstenkrieg. Die Römer gingen dagegen zu einer rücksichtslosen Kriegführung über, mit der sie sich viele Sympathien in Afrika verscherzten. Außerdem kam es wiederholt zu Mißhelligkeiten zwischen dem adelsstolzen Metellus und seinem Legaten C. Marius, der die Kriegführung seines Vorgesetzten offen zu kritisieren wagte. Erst im allerletzten Augenblick gewährte ihm Metellus den Urlaub, den Marius brauchte, um sich in Rom um das Consulat zu bewerben. Die Comitien wählten ihn zum Consul und übertrugen ihm den Oberbefehl im Kriege gegen Jugurtha. Wer aber war Marius? Als Sohn eines römischen Ritters in Arpinum geboren (im Jahre 157?), hatte er sich im Numantinischen Krieg die Sporen verdient, hier hatte er die Anerkennung des Scipio Aemilianus gefunden. Die Grundlage zu seinem Vermögen schuf er sich jedoch als Steuerpächter (publicanus), der Einsatz seines großen Reichtums verhalf ihm, schon in vorgerücktem Alter, im Jahre 115, zur Prätur, darauf verwaltete er das Jenseitige Spanien. Hatte er vorher als Schützling der Metelli gegolten, so fand er durch seine Vermählung mit Julia, der Schwester von Caesars Vater, Zugang zu einer anderen vornehmen Familie der Nobilität. Marius war ein Soldat durch und durch, an sich selbst und an seine Untergebenen pflegte er die höchsten Anforderungen zu stellen, Treue und Diensteifer wußte er großzügig zu belohnen, so daß sich sein Ruhm bald in ganz Italien verbreitete und ihm zahlreiche Freiwillige zuführte. Indem er bei den Aushebungen zu den Ärmsten, den capite censi, herabstieg, veränderte er die Struktur des römischen Heeres von Grund auf, er schuf sich eine ihm auf Tod und Leben verschworene Mannschaft, die für ihn durchs Feuer ging. Dieser Mann übernahm (im Sommer 107) das Heer des Metellus in Utica. Mit einem geglückten Überfall auf die Stadt Capsa nahmen die Operationen ihren Anfang. Im folgenden Jahre (106) drangen die Römer bis zur Westgrenze Numidiens vor, doch erst im Jahre 105 konnte der Krieg mit Hilfe des Bocchus, des Königs von Mauretanien, beendet werden, er lockte seinen Schwiegersohn Jugurtha an seinen Hof und lieferte ihn an die Römer aus. Die entscheidenden Verhandlungen mit Bocchus hatte L. Cornelius Sulla, der Quästor des Marius, geführt. Die westlichen Gebiete Numidiens wurden dem Bocchus gegeben, den Rest des Königreichs erhielt Gauda, der Sohn des Mastanabal, Tripolitanien fiel an die römische Provinz Africa. Am 1. Januar 104 trat Marius in Rom sein zweites Consulat an, an dem gleichen Tage gingen Jugurtha und seine beiden Söhne vor dem Triumphwagen des Marius, wenige Tage später wurde der Numiderkönig im römischen Staatsgefängnis, dem Tullianum, erdrosselt.