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Die Kennzeichen des Jugurthinischen Krieges sind Brutalität und Grausamkeit, und zwar auf beiden Seiten, die Römer sind dem Jugurtha nichts schuldig geblieben. Aber Rom durfte nicht nachgeben, es standen nicht allein wichtige kommerzielle Interessen auf dem Spiel, Rom mußte vor allem befürchten, daß sich hier, Seite an Seite mit der römischen Provinz, ein Staat bildete, der eines Tages die Führerschaft in Afrika an sich reißen und so eine späte Rache an den Römern für die Zerstörung Karthagos nehmen könnte. Anderseits hat Jugurtha in einer vorher nicht gekannten Weise die Spannungen innerhalb der Nobilität für sich ausgenutzt, er besaß in Rom zahlreiche Vertrauensleute, die ihn über die geringsten Änderungen der öffentlichen Meinung sofort ins Benehmen setzten. Den Bestand des römischen Imperiums hatte der Krieg nicht berührt, er war aber je länger desto mehr zu einem Ärgernis geworden, das dem römischen Ansehen  (maiestas populi Romani)  in aller Welt großen Schaden zufügte. Der afrikanische Krieg hatte gezeigt, daß die Zeit des alten Volksheeres  ex classibus  vorüber war; siegreich zu Ende geführt wurde der Krieg vor allem durch Freiwillige unter den Fahnen des Marius. Diese Männer aber fühlten sich weniger der  res publica  als vielmehr dem Feldherrn

persönlich verbunden.

Seit der Niederlage von Arausio (105) stand Rom unter dem Schrecken vor den Kimbern und Teutonen. Es war das erste Mal, daß germanische Völker in den Kreis des Mittelmeerraumes eingetreten sind, wenn die Römer sie auch noch nicht als Germanen erkannt haben. Dies gilt übrigens auch für Poseidonios, der sehr eindrucksvolle Schilderungen der Kimbern gegeben hat. Die Heimat der Kimbern ist Jutland, hier erinnern die Namen Himmerland (andere Form: Himbersyssael) in der Nähe von Aalborg noch heute an die Kimbern. Auch die Teutonen stammen aus dem Norden, und zwar wahrscheinlich aus Westholstein. Ihnen hatten sich die Völker der Ambronen und der Haruden (in Jutland) angeschlossen. Nach Poseidonios wären es Sturmfluten gewesen, welche die Kimbern aus ihrer Heimat vertrieben hätten. Über den Weg, den die Kimbern von der Nordseeküste bis an die mittlere Donau zurückgelegt haben, besteht im einzelnen keine Sicherheit. Wahrscheinlich sind sie die Elbe aufwärts und über den Kulmer Stieg nach Böhmen gezogen, von den Bojern verdrängt nach Schlesien ausgewichen und von hier durch die Mährische Pforte an die Donau gelangt. Vor 113 sind sie jedenfalls im Land der keltischen Skordisker, in Bosnien, nachweisbar. Auch von diesen zurückgewiesen, wandten sie sich nach Noricum zu den Tauriskern. Damit waren sie in die Nähe der römischen Nordostgrenze gekommen. Die Römer entsandten ein Heer unter dem Consul Cn. Papirius Carbo mit dem Auftrag, die Alpenpässe gegen die Nordvölker zu sichern. Papirius Carbo griff die Kimbern bei Noreia an (August/September 113), wurde jedoch vollständig geschlagen. Der Ort der Schlacht ist wie die Lokalisation Noreias bis heute umstritten. In Betracht kommt wohl vor allem das obere Savetal bei Krainburg, das Klagenfurter Becken scheint zu weit entfernt. Die Kimbern wandten sich daraufhin nicht nach Italien, sondern nach Süddeutschland zu den Helvetiern, die damals im Raum zwischen dem unteren Main und der Nordschweiz wohnten. Im

Jahre 110 erschienen sie in Gallien; zwei helvetische Gaue, die Tougener und die Tiguriner, hatten sich ihnen angeschlossen. Sie erbaten von den Römern in Südgallien Land zur Ansiedlung. Die Römer ließen sich jedoch nicht auf Verhandlungen ein, der Consul M. Junius Silanus griff die Germanen an, wurde aber vollständig geschlagen (109). Auch in den folgenden Jahren setzten sich die römischen Niederlagen fort, und am 6. Oktober 105 kam es zu einer Katastrophe bei  Arausio  (Orange). Die Kimbern nahmen hier furchtbare Rache, Tausende von römischen Gefangenen wurden aufgehängt, die Rosse ertränkt, die Beutestücke zerstört oder ins Wasser geworfen. Die römische Niederlage war nicht zuletzt das Ergebnis der Uneinigkeit zwischen den römischen Befehlshabern, Q. Servilius Caepio und Cn. Mallius Maximus. Zum Glück für die Römer wandten sich die Kimbern nun nach Spanien, hier stießen sie jedoch auf harten Widerstand bei den wehrhaften keltiberischen Völkerschaften, so daß sie wieder umkehren mußten. Die Teutonen hatten sich vorher von den Kimbern getrennt und waren nach Nordgallien gezogen. Einer ihrer Stämme, die Atuatuker, siedelte sich im Räume von Tongern inmitten der Beiger an.

In Rom aber richteten sich alle Hoffnungen auf  Marius.  In den Jahren von 104 bis 101 wurde er nicht weniger als viermal zum Consul gewählt, ein Ereignis ohne Beispiel in der römischen Geschichte. Aber Mars regierte die Stunde in Rom, und seine Verkörperung war Marius. Er schuf sich aus den Veteranen des Afrika-Krieges und aus neuen begeisterten Freiwilligen ein schlagkräftiges Heer, das in ständiger Übung gehalten wurde. Unter seinen Offizieren waren auch die später so berühmten Sulla und Sertorius. In den Jahren zwischen 104 und 101 ließ Marius die Rhone durch einen Kanal mit dem Meere verbinden  (fossa Mariana).  Dieser umging die Sandbänke im Mündungsgebiet der Rhone, er hat sich für die Verproviantierung des Heeres als wichtig erwiesen. Die germanischen Völker aber zogen getrennt nach dem Süden, um in Italien einzufallen. So überschritten die Kimbern mit den Tigurinern im Frühjahr 102 den Rhein, mit dem Ziel, die Ostalpen zu übersteigen, während die Teutonen und Ambronen den Weg durch Südgallien über die Westalpen einschlagen wollten. Sie berannten sechs Tage lang vergeblich das Lager des Marius, dann zogen sie an ihm vorüber, sie wurden aber durch Marius eingeholt und geschlagen, zuerst die Ambronen, dann die Teutonen. Die Kämpfe spielten sich in der Nähe von Aquae Sextiae (Aixen-Provence) ab und dauerten drei oder vier Tage an (Oktober/November 102). Der König der Teutonen, Teutobod, geriet in Gefangenschaft, die germanischen Frauen, 300 an der Zahl, gaben sich selbst den Tod. Wie es heißt, erreichten Marius auf dem Schlachtfeld Boten aus Rom, die seine Wahl zum fünften Konsulat verkündeten. Die Kimbern hatten inzwischen die Alpen (wahrscheinlich durch das Pustertal) überschritten, in der Nähe von Verona, vielleicht auf dem Plateau von Rivoli, erwartete sie ein römisches Heer unter Q. Lutatius Catulus. Aber die Kimbern erzwangen mit großem Elan den Übergang über die Etsch, Catulus mußte seine Stellung räumen. Damit waren große Teile der Po-Ebene den Germanen preisgegeben. Im Frühjahr 101 vereinigte Marius sein Heer mit den Legionen des Catulus, in einer Zusammenkunft mit dem König Boiorix wurde der 30. Quinctilis (Juli) als Tag der Schlacht, die  Campi Raudii  (wohl am unteren Po, zwischen Rovigo und Ferrara) als Kampfplatz festgesetzt. Wiederum erwies sich die römische Taktik als überlegen, die Germanen standen gegen die Sonne und den Staub eines unendlich heißen Julitages. Der endgültigen Niederlage der Kimbern gingen Schreckensszenen in der Wagenburg voraus, die Todesverachtung der germanischen Frauen machte selbst auf die Römer einen tiefen Eindruck. Angeblich sollen 60000 Kimbern in Gefangenschaft geraten sein, insgesamt soll Marius nach seinen Siegen bei Aquae Sextiae und auf den Raudischen