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Beispiel. Mithradates zerschnitt damit das Band zwischen sich und den Römern, um des Terrors willen trat er das ungeschriebene Völkerrecht  (ius gentium)  mit Füßen und bedeckte seinen Namen mit einer ungeheuren Blutschuld.

In dem gleichen Jahre (88) erschien Archelaos, der Feldherr des pontischen Königs, mit einer Flotte in der Ägäis. Er nahm die Insel Delos, die dort wohnenden Italiker wurden gnadenlos niedergemetzelt. In Athen hatte Aristion, ein epikuräischer Philosoph, ein geschworener Römerfeind, die Zügel in der Hand. Obwohl sich Bruttius Sura, der Legat des römischen Statthalters von Makedonien, durch eine sehr besonnene Strategie auszeichnete, so gingen doch nicht nur Makedonien, sondern auch fast ganz Griechenland (mit Ausnahme Thessaliens und Ätoliens) für die Römer im Jahre 88 verloren. Mit der Landung Sullas in Epirus im Frühjahr 87 begann sich jedoch das Blatt wieder zu wenden. In Sullas Gefolge befanden sich zahlreiche Angehörige der Nobilität, die der Terror der in Rom herrschenden Marianer vertrieben hatte. Am 1. März 86 fiel Athen in die Hände Sullas, um den wichtigen Piräus aber mußte noch einige Zeit erbittert gekämpft werden. Bei den Kämpfen gingen zahlreiche historische Bauten in Flammen auf, auch die Langen Mauern wurden zerstört, besonders schwer waren die Verheerungen auf der athenischen Akropolis. Die Entscheidung in dem griechischen Feldzug brachten aber erst die Schlachten bei Chaironeia und Orchomenos (86 v. Chr.). Sullas Stellung war trotz seiner Siege außerordentlich schwierig, der Senat in Rom hatte ihn zum  hostis  erklärt, was natürlich von Sulla ignoriert worden ist. Er betrachtete sich vielmehr auch weiterhin als legitimer Proconsul, wobei er in der Regel den Titel  imperator  zu führen pflegte. Der Senat aber wollte ihn verdrängen, indem er dem L. Valerius Flaccus die Provinz Asia und das Kommando im Kriege gegen Mithradates übertrug. Doch scheint es der diplomatischen Gewandtheit Sullas gelungen zu sein, diesen Schlag zu parieren, indem er mit

Flaccus eine Vereinbarung zustande brachte. Auf jeden Fall zog der Rivale mit seinen Truppen nach Thessalien ab. Die Erfolge des neuen Feldherrn waren ganz beträchtlich: Flaccus eroberte nicht nur die Provinz Makedonien zurück, er besetzte auch die Städte Byzanz und Kalchedon, dies ein wichtiger Brückenkopf in Kleinasien. Es erhoben sich indes zwischen Flaccus und seinem Legaten (oder  praefectus equitum)  C. Flavius Fimbria ernste Streitigkeiten, in ihrem Verlauf fand Flaccus in Nikomedia den Tod durch Mörderhand. Fimbria setzte den Krieg energisch fort, er eroberte Pergamon und Ilion, dazu errangen die Römer auch zur See unter L. Licinius Lucullus, dem Proquästor Sullas, beachtliche Erfolge.

Bereits nach der Schlacht bei Orchomenos waren zwischen Sulla und Archelaos in Delion (oder in Aulis) Verhandlungen aufgenommen worden, sie wurden zwischen Sulla und dem König Mithradates in Dardanos auf kleinasiatischem Boden zu Ende geführt (85). Der König mußte sich verpflichten, alle Eroberungen in Vorderasien wieder herauszugeben, dazu mußte er eine hohe Kriegsentschädigung (2000 Talente nach Plutarch, 3000 nach Memnon) zahlen und dem Sulla Schiffe zur Rückführung seines Heeres nach Italien zur Verfügung stellen. Mithradates aber wurde als Freund und Bundesgenosse des römischen Volkes anerkannt. Sulla verpflichtete sich, allen Städten Amnestie zu gewähren, die sich auf die Seite des Mithradates gestellt hatten - ein Versprechen, das der Römer nicht gehalten hat. Dem Frieden von Dardanos folgte die Abrechnung Sullas mit Fimbria, sein Heer wechselte auf die Seite Sullas über, worauf sich Fimbria im Heiligtum des Asklepios zu Pergamon das Leben nahm. Sulla legte der Provinz Asia eine ungeheure Kontribution auf, sie mußte außerdem Steuernachzahlungen für fünf volle Jahre leisten, auch die großen Heiligtümer wurden von Sulla zur Ader gelassen. Überhaupt hat Sulla seinen Soldaten große Freiheit gewährt, unter seiner Ägide haben sie in Griechenland und in Kleinasien geraubt und geplündert, wie dies bisher undenkbar gewesen war. Irgendwelche Rücksicht auf die Gegner und auf die griechische Bevölkerung kannte Sulla nicht, er fühlte sich mit seinem Heere auf Tod und Leben verbunden und bekannte sich zu dem Grundsatz, daß der Krieg den Krieg ernährt.

Mithradates, der König von Pontos, hatte mit dem Frieden von Dardanos (85) einen erheblichen Rückschlag erlitten. Aber er verfügte immer noch über ein großes Reich, das größte und mächtigste, das neben dem Partherreich im hellenistischen Osten existierte. Seine Hofhaltung zeigte das Abbild eines hellenistischen Königshofes. Mithradates umgab sich mit «Freunden»  (philoi, amici),  die wohl eine Art von Staatsrat bildeten. In der Verwaltung bestand ein grundlegender Unterschied zwischen dem pontischen Reich in Anatolien und den Besitzungen jenseits des Schwarzen Meeres. Die letzteren, hauptsächlich aus der Halbinsel Krim, aber auch aus einigen angrenzenden Gebieten der Taman-Halbinsel bestehend, bildeten ein Vizekönigtum, das in der Regel einem Sohne des Mithradates unterstellt war. In den anatolischen Gebieten schalteten Satrapen, sicherlich nach dem Vorbild des Achämenidenreiches. An der Spitze der Städte standen vom Könige ernannte Statthalter. Mithradates verfügte immer über einen wohlgefüllten Staatsschatz, von dessen Mitteln er, auch zu politischen Zwecken wie z. B. für Bestechungen, freigebig Gebrauch machte. Die größten Erträge brachten, abgesehen von der enormen Kriegsbeute, die zahlreichen Staatsgüter und die Zolleinnahmen. Das pontische Kappadokien, das Strabo beschrieben hat, war ein blühendes Land, allerdings fehlte es unter Mithradates an einer genügenden Anzahl von städtischen Zentren, die erst durch Pompejus geschaffen worden sind. Die Einkünfte erlaubten es dem Mithradates, ein großes Heer zu unterhalten: nahezu alle Völker, die am Gestade des Schwarzen Meeres wohnten, finden sich im Heere des pontischen Königs wieder, Skythen und Sarmaten ebenso wie Bastarnen, Thraker und Kelten. Auch zahlreiche Römer, denen aus politischen Gründen die Rückkehr nach Italien verschlossen war, dienten unter seinen Fahnen; in späterer Zeit bildeten sie ein eigenes Elitekorps. Besonders gefürchtet waren die Geschwader der pontischen Sichelwagen, auch sie ein iranisches Erbteil. Die Heerführer waren zum Teil griechische Abenteurer aus den Küstenstädten des Reiches. Mithradates selbst aber war eine überragende Erscheinung in der vorderasiatischen Welt, er war von hoher Intelligenz und hatte es gelernt, alle Sprachen der Völker seines Reiches zu sprechen. Als Krieger und Feldherr in gleicher Weise bewährt, fand er noch die Zeit, sich Kunstsammlungen anzulegen und mit griechischen Freunden philosophische Gespräche zu führen. Die bekanntesten Griechen in seiner Umgebung waren der Philosoph Diodor von Adramyttion, ein Akademiker, und Metrodor von Skepsis. Dieser war Philosoph, Rhetor, Historiker und Geograph in einer Person, er genoß das volle Vertrauen des Königs und hat es bis zum höchsten Richter im pontischen Reich gebracht, auch er war ein geschworener Feind der Römer  (misoromaios).  An dem pontischen Hof in Sinope wimmelte es von Priestern, Sekretären, Ärzten, Traumdeutern und Eunuchen, dazu kamen noch, wie einst am Hofe des persischen Großkönigs, zahlreiche Frauen und Konkubinen des Herrschers, unter ihnen Monime, griechischer Abstammung aus Stratonikeia in Karien, die Mithradates zu seiner legitimen Gemahlin erhoben hatte. Mit ihrer Mischung von griechischer Zivilisation und orientalischer Barbarei war die Hofhaltung ein Spiegelbild des Herrschers und seines aus iranischen und hellenistischen Elementen zusammengesetzten Reiches, das durch die Person des Königs zu einer Einheit zusammengefaßt wurde.