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In das Jahr 81 fällt wahrscheinlich die Mehrzahl der sullanischen Gesetze  (leges Corneliae).  Aus reaktionärem Geiste geboren, sollten sie die Senatsherrschaft in Rom wiederherstellen und für alle Zukunft verankern, der Ritterstand wurde dagegen zur völligen Bedeutungslosigkeit verurteilt, die politischen Rechte der Volkstribunen stark beschnitten, und zwar mit vollem Recht, da die Volkstribunen längst nicht mehr die Anwälte der Plebs waren, sondern vielfach die populäre Politik in einseitiger Weise begünstigt hatten. Das  ius intercedendi  der Volkstribunen wurde eingeschränkt, der weitere Aufstieg in der Ämterlaufbahn untersagt. Die Gerichte aber wurden ganz in die Hände des Senatorenstandes gegeben. Die staatlichen Getreideverteilungen  (frumentationes),  eine große Belastung der Staatsfinanzen, wurden abgeschafft. Auf Grund einer  lex de sacerdotiis  sollten die Mitglieder der vier amplissima collegia  der Priesterschaft fortan wieder kooptiert werden, die seit dem Jahre 103 bestehende Wahl durch das Volk wurde wieder abgeschafft. Auch der  pontifex maximus  wurde von nun an nicht mehr gewählt, sondern durch das Kollegium der Pontifices bestellt. Der Senat wurde durch 300 neue Mitglieder ergänzt, die den vornehmsten Familien des Ritterstandes, den  equites illustres,  zum Teil aber auch den Centurionen, entnommen wurden. Die Söhne der Senatoren figurierten in dieser ihrer Eigenschaft als Ritter mit Staatspferd (equites equo publico),  es sei denn, daß sie bereits ein Staatsamt bekleidet hatten. Diese Maßnahme führte zu einer Annäherung und darüberhinaus zu einer gewissen Verschmelzung der beiden ersten Stände, doch behielten die Senatoren die uneingeschränkte Führerschaft. Die neuen Senatoren ließ Sulla durch Volkswahl bestellen, ein Vorgang ohne Beispiel in der römischen Geschichte, der nur verständlich wird, wenn man weiß, daß die Comitien in jeder Weise dem Diktator gefügig waren. Wer zum Quästor gewählt wurde, gehörte ohne weiteres dem Senat an. Auf eine Überprüfung seiner Mitglieder  (lectio senatus)  seitens des Censors verzichtete man; die Censur selbst verschwand in der Versenkung, erst im Jahre 70 ist sie neu erstanden.

Womöglich noch einschneidender waren die sullanischen Reformen auf dem Gebiete des Gerichtswesens. Die Volksgerichte, denen der Diktator nicht traute, wurden ausgeschaltet, an ihrer Stelle die Quästionen zu ständigen Gerichtshöfen umgebildet  (quaestiones perpetuae).  Zu der schon seit dem Jahre 149 bestehenden  quaestio repetundarum kamen noch die Gerichtshöfe über Amtserschieichung,

Unterschleif im Amt und Majestätsbeleidigung  (quaestiones ambitus, peculatus, maiestatis).  Neu eingerichtet wurde zur Ahndung von Verbrechen ein Gerichtshof für Mörder und Giftmischer  (quaestio inter sicarios et veneficii),  dazu ein anderer, der insbesondere für Testamentsfälschungen  (quaestio de falsis)  zuständig war. Nimmt man noch den Gerichtshof gegen Ehrverletzungen  (quaestio iniuriarum)  hinzu, so steht man hier vor einer grundlegenden Neuordnung des römischen Gerichtswesens, der eine bedeutende Fernwirkung bis tief hinein in die römische Kaiserzeit beschieden gewesen ist. Gewisse Ansätze der früheren Zeit hat Sulla in genialer Weise benutzt, um einen völligen Neubau zu errichten.

Nicht weniger grundlegend aber waren die sullanischen Reformen auf dem Gebiete der allgemeinen Staatsverwaltung. Durch die Vermehrung der Stellen der hohen Beamten wurde einem dringenden Bedürfnis der Staatsverwaltung abgeholfen. So wurde die Zahl der Prätoren von sechs auf acht, die Zahl der Quästoren von zehn auf zwanzig heraufgesetzt. Von den Prätoren übten zwei, der  praetor urbanus  und der  praetor peregrinus,  die Zivilgerichtsbarkeit aus, die übrigen leiteten die quaestiones perpetuae.  Nach dem Ablauf ihres Amtsjahrs gingen sie als Statthalter in die Provinzen, deren Zahl sich durch die Einbeziehung der Gallia Cisalpina auf zehn erhöht hatte. Während ihres Amtsjahres blieben die Oberbeamten (die Consuln und Prätoren) in Rom. Sulla trennte damit die Magistraturen von den Promagistraturen, eine folgenschwere Neuerung, sie ist in der gesamten Zeit der späteren Republik ebenso wie in der Kaiserzeit in Geltung geblieben. Für die Bekleidung der Prätur hat Sulla anscheinend das 40. Lebensjahr, für das Konsulat das 43. festgesetzt. Iteration des Konsulats war erst nach Ablauf von zehn Jahren gestattet.

Niemand wird die Größe und die Konsequenz der sullanischen Gesetzgebung verkennen. Der Diktator hat den ihm verliehenen Auftrag, neue Gesetze zu geben, in umfassender

Weise erfüllt. Aber die Neuordnung als Ganzes war zu sehr auf die Herrschaft des Senatorenstandes zugeschnitten. Dieser war nämlich längst nicht mehr intakt, er wies im Gegenteil bedenkliche Zersetzungserscheinungen auf, die keinem Zeitgenossen verborgen geblieben sein können. Sulla selbst hatte durch seine rücksichtslosen Proskriptionen hierzu wesentlich beigetragen. Unter Sulla aber ist der Senat noch einmal der eigentliche Träger der Reichsregierung geworden. Für das Volk dagegen legte der Diktator eine souveräne Mißachtung an den Tag, die Comitien waren zu leeren Abstimmungskörpern geworden, in denen sich niemand dem Gebot des allmächtigen Herrschers zu widersetzen wagte. Die Neuordnung des Staates, vor allem aber die Ansiedlung der vielen Veteranen, kostete teueres Geld. Da hierfür selbst die Raubgelder der Proskriptionen nicht ausreichten, wurden die befreundeten Könige zu den Kosten mitherangezogen. Es gab einen Thronwechsel in Alexandrien im Jahre 80: in diesem Jahre starb Ptolemaios IX. Soter II.; nach einer kurzen Zwischenregierung von wenigen Tagen des Ptolemaios XI. Alexander II. bestieg der zwölfte Ptolemäer (Neos Dionysos, im Volksmund Auletes, der <Oboenspieler>, genannt) den Thron, während die Insel Cypern seinem Bruder zufiel, der unter dem dynastischen Namen Ptolemaios in die Geschichte eingegangen ist. In Ägypten aber war Rom Trumpf. So mußte der 12. Ptolemäer jahrzehntelang um die Anerkennung seitens der Römer zittern. Zudem schwebte über seinem Haupte wie ein Damoklesschwert das Testament des 11. Ptolemäers, das, wie es hieß, die Römer zu Erben einsetzte.