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18. Das Zeitalter des Gnaeus Pompejus (78-60 v. Chr.)

Die überragende Persönlichkeit in dem Zeitalter zwischen dem Tode Sullas und dem 1. Consulat Caesars (59 v. Chr.) ist ohne Zweifel  Cn. Pompejus  (* 106, gest. 48 v. Chr.). Schon seine Zeitgenossen haben ihn Pompejus Magnus genannt. Pompejus ist der erste Römer, dem diese außergewöhnliche Ehrung zuteil geworden ist. Der Beiname Magnus stellte ihn an die Seite des Makedonen Alexander. In der Tat hat Pompejus wie kaum ein anderer Römer zur Mehrung des römischen Ansehens in aller Welt beigetragen. Er hat die großen Feinde des römischen Volkes niedergeworfen: Sertorius, die Seeräuber, Mithradates VI. Eupator. Pompejus hat das Mittelmeer befriedet und von den Piraten gesäubert. Er hat die Grenzen des Imperiums weit nach dem Osten vorgetragen und nach Errichtung der Provinz  Syria  den Euphrat zur Grenze zwischen Rom und dem Partherreich gemacht. Wie einst Cornelius Scipio Africanus, so ist auch Pompejus einer der großen Baumeister des Imperium Romanum gewesen. Seine Leistung ist um so beachtlicher, weil sie gegen den offenen und geheimen Widerstand eines großen Teils seiner Standesgenossen errungen werden mußte.

Innenpolitisch stehen die ersten Jahre nach Sullas Tod im Zeichen eines erneuten Ringens um die Verfassung des res publica. Außenpolitisch werden sie bestimmt durch den Krieg gegen Sertorius in Spanien. An beiden Ereignissen ist Pompejus maßgebend beteiligt. Als M. Aemilius Lepidus (Consul 78 v. Chr.), ein alter Anhänger des Marius, den Versuch unternahm, nicht nur ein neues Getreidegesetz durchzubringen, sondern auch die Verbannten zurückzurufen und die durch die sullanischen Veteranen um ihr Land gebrachten Italiker zu restituieren, da erklärte ihn der Senat zum  hostis publicus,  Q.

Lutatius Catulus und Pompejus aber wurden auf Grund des senatus consultum ultimum  mit der Kriegführung gegen Lepidus beauftragt (77 v. Chr.). Die Bewegung konnte mit leichter Mühe niedergeworfen werden, Lepidus entwich nach Sardinien und starb hier. Seine Soldaten aber übernahm M. Perperna und führte sie dem Sertorius zu.

In  Spanien  stand Sertorius im Jahre 77 auf dem Höhepunkt seiner Macht. Er hatte das gesamte diesseitige Spanien (Hispania Citerior)  seiner Herrschaft unterworfen, sein Machtbereich erstreckte sich vom Guadiana bis an den Fuß der Pyrenäen, er verfügte über ein schlagkräftiges Heer, das sich dem Q. Caecilius Metellus Pius, dem Beauftragten Sullas und des Senates, durchaus gewachsen, wenn nicht überlegen gezeigt hatte. Aber das Bild veränderte sich, als Pompejus in Katalonien erschien (Ende 77 oder Anfang 76). Nach einem mühevollen Marsch über die Alpen, durch Südgallien und über die Pyrenäen hatte er, wahrscheinlich bei Emporiae, den Boden der iberischen Halbinsel betreten. Pompejus war im Besitz eines  Imperium proconsulare,  für einen noch nicht Dreißigjährigen eine hohe Auszeichnung. Aber auch Pompejus mußte Lehrgeld zahlen, er unterlag dem Sertorius bei Lauro (südlich von Sagunt) und sah sich gezwungen, sein Heer wieder bis an die Pyrenäen zurückzunehmen. Im Jahre 75 aber begann sich das Blatt zu wenden, Metellus und Pompejus gewannen mehr und mehr die Oberhand, in einer zweiten Schlacht bei Lauro siegte Metellus über Perperna, während Pompejus noch einmal gegen Sertorius den kürzeren zog. Die Schwierigkeiten, denen sich Pompejus gegenübergestellt sah, schildert ein Brief, den Pompejus an den römischen Senat gerichtet hat. Im gleichen Jahre hatte Sertorius Verbandlungen mit Mithradates aufgenommen, der pontische König hatte zwei römische Offiziere (L. Magius und L. Fannius) mit einem Bündnisangebot nach Spanien gesandt. Das Ergebnis war ein Abkommen, Mithradates verpflichtete sich, 40 Schiffe zu stellen und 3000 Talente zu zahlen. Sertorius aber versprach seinerseits, gewisse Gebiete Kleinasiens abzutreten und eine Militärmission an den Hof des Mithradates zu entsenden. Bei den kleinasiatischen Ländern handelt es sich um Bithynien, Kappadokien, Paphlagonien und Galatien - sämtlich Klientelfürstentümer, die sich nicht in unmittelbarem römischen Besitz befanden. Die Frage, ob Sertorius auch die römische Provinz Asia abgetreten hat, bleibt weiter umstritten. Die Konzessionen aber werfen dunkle Schatten auf den Charakter des Sertorius. Läßt sich sein Verhalten damit erklären, daß er, um sich selbst zu erhalten, sich dazu gezwungen glaubte? Oder hielt Sertorius einen wirklichen Ausgleich zwischen Rom und dem pontischen König für möglich? Wir wissen es nicht. Auf jeden Fall ging es mit Sertorius im Jahre 74 bergab. Seine Gegner, Metellus und Pompejus, die in den früheren Jahren vorwiegend an der Küste operiert hatten, wagten sich jetzt in das Binnenland vor; das von Sertorius kontrollierte Gebiet schrumpfte auf einige wenige Stützpunkte bei den Keltiberern und an der Ostküste (Tarraco, Valentia, Dianium) zusammen. Es bildete sich unter seinen Anhängern eine Opposition unter M. Perperna. Als ihr Opfer ist Sertorius gefallen (72 v. Chr.). Pompejus aber ließ nach seiner Rückkehr nach Italien auf der Höhe des Pyrenäenpasses des Col Perthus ein Siegesdenkmal errichten. Die Inschrift verkündete, er habe im Krieg gegen Sertorius von den Alpen bis an die Grenze der Hispania Ulterior nicht weniger als 876 Städte erobert. In Rom aber gab es Stimmen, welche die Ruhmsucht des Pompejus heftig kritisierten. Auf der Rückkehr nach Italien, im Frühjahr 71, konnte Pompejus eine Schar von 5000 Sklaven vernichten, sie waren durch die Einschließungslinien des Crassus hindurchgebrochen und hatten Oberitalien unsicher gemacht. Pompejus galt nun als der eigentliche Sieger des Sklavenkrieges, sein Ruhm verdunkelte den des Crassus, obwohl dies den historischen Tatsachen nicht gerecht wurde.

Am 1. Januar 70 v. Chr. trat Pompejus sein erstes Consulat an,

zusammen mit M. Licinius Crassus. Bei der Person des Pompejus setzte man sich über die sullanische Ämterordnung hinweg, denn er war noch nicht einmal 36 Jahre alt. Das Consulat war das Ergebnis einer Absprache mit seinem Kollegen, der Senat war durch die Heere der beiden Machthaber eingeschüchtert worden. Zu den Gefolgschaften der beiden Consuln gehörten zahlreiche ehemalige Marianer, die Stunden der sullanischen Reaktion waren gezählt. In der Tat hat das Jahr 70 v. Chr. eine Reihe wichtiger Reformen gesehen, insbesondere wurden alle Beschränkungen, welche die Volkstribunen in ihrer weiteren Ämterlaufbahn behinderten, wieder aufgehoben. Außerdem erhielten sie die Initiative zu den Gesetzesantragen zurück, eine Befugnis, die im Zeitalter der Bürgerkriege zwischen Cäsar und Pompejus eine wichtige Rolle gespielt hat. Auch die  lex iudiciaria  des Sulla kam zu Fall. Von nun an setzten sich die Gerichtshöfe zu je einem Drittel aus Senatoren, Rittern und Ärartribunen zusammen  (lex Aurelia).  Den Rittern wurde außerdem die Provinz Asia wieder überantwortet, damit hatten die Steuerpächtergesellschaften  (societates publicanorum)  ein neues einträgliches Betätigungsfeld gefunden. Mit der Erneuerung der Censur verband sich eine lectio senatus,  sie kostete 64 Mitgliedern des Senats, zumeist Kreaturen Sullas, den Senatssessel und die senatorischen Standesabzeichen. In das gleiche Jahr (70) fällt der Prozeß des Verres, des ehemaligen Proprätors von Sizilien, wegen Repetunden. Ankläger war Cicero, Altersgenosse des Pompejus, Verteidiger war der berühmte Redner Q. Hortensius. Da seine Verurteilung so gut wie sicher war, entzog sich Verres dem Urteil und ging freiwillig in die Verbannung. Es war das erste Mal, daß in Rom die Sache griechischer Provinzialen mit durchschlagendem Erfolg vertreten worden war.