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»Dem wohl, der sie absendet,« sprach der Sterndeuter nach einer Pause, »verspricht diese Stellung Glück; aber sie droht, deucht mir, da Saturn der Sonne so nah ist, Gefahr und Unglück dem Abgesandten, woraus ich schließe, daß die Reise für die, welche sie antreten, gefährlich, ja vielleicht tödlich ist. Gewalttat und Gefangenschaft werden, dünkt mich, durch diese ungünstige Konjunktur angedeutet,«

»Gewalttat und Gefangenschaft für die, welche ausgesandt werden,« erwiderte der König, »aber Glück für den Absender. – War es nicht so, mein gelehrter Vater?«

»So ist's,« erwiderte der Sterndeuter.

Der König schwieg eine Weile, ohne weitere Auskunft zu geben, inwiefern diese Weissagung (die wahrscheinlich der Astrolog auf gut Glück hingeworfen hatte, weil er wußte, daß der Auftrag sich auf irgend einen gefährlichen Plan bezog) zu seinen Absichten Passe, die, wie der Leser bereits weiß, keine anderen waren, als die Gräfin Isabelle von Croye den Händen Wilhelms von der Mark zu überliefern, der, ein Mann vor vornehmer Herkunft, sich an die Spitze eines Heeres gestellt hatte, das sich durch wilde Tapferkeit und ungezügelte Raubsucht auszeichnete. – Dann zog er ein Papier aus der Tasche und sagte, ehe er es Martivalle gab, mit einem Tone, der dem einer Entschuldigung glich: »Gelehrter Galeotti, erstaunt nicht, wenn ich so oft versucht bin, mich Eurer Geschicklichkeit in solchen Zweifelfällen und Schwierigkeiten zu bedienen, die jeden Fürsten bedrängen, der mit Aufständen im eigenen Lande und mit mächtigen und erbitterten Feinden von außen zu kämpfen hat.«

»Als mir die Ehre Eurer Einladung, Sire,« sprach der Philosoph, »zuteil ward und ich den Hof von Ofen mit dem von Plessis vertauschte, geschah dies mit dem Entschlusse, alle meine Kunst dem Dienste meines königlichen Gebieters zu widmen.« »Genug, guter Martivalle, ich bitte Dich, gib nun aufmerksam auf folgende Frage acht.« – Er las nun von dem Papiere, das er in der Hand hatte, folgendes ab: »Es wünscht jemand, der in eine wichtige Streitigkeit verwickelt ist, die entweder auf dem Wege der Unterhandlungen oder durch Waffen entschieden werden muß, dieselbe für jetzt in einer persönlichen Zusammenkunft mit einem Gegner gütlich beizulegen. Er wünscht zu wissen, welcher Tag der Ausführung dieses Planes günstig sei; ferner, was der Erfolg dieser Unterhandlungen sein werde, und ob der Gegner geneigt sei, dem in ihn gesetzten Vertrauen mit Dankbarkeit und Wohlwollen zu entsprechen, oder ob er nicht vielmehr die ihm durch eine solche Zusammenkunft sich darbietende Gelegenheit und deren Vorteile mißbrauchen könnte?« – »Das ist eine Frage von Wichtigkeit,« versetzte Martivalle, als der König mit dem Lesen zu Ende war, »und erfordert, daß ich mein Planetarium zu Rate ziehe und das Ganze in reifliche Erwägung nehme.«

»Tut das, mein gelehrter Vater, und Ihr sollt sehen, was es heißt, sich einem König von Frankreich zu verpflichten. Wir sind entschlossen, wenn die Konstellationen es nicht verbieten, auf persönliche Gefahr hin etwas zu wagen, um diesen unchristlichen Kriegen ein Ziel zu setzen.«

»Mögen die Heiligen Ew. Majestät frommes Beginnen fördern,« sprach der Sterndeuter, »und Eure geheiligte Person beschützen.« – »Dank, gelehrter Vater! – Hier einstweilen etwas, Eure seltene Büchersammlung zu bereichern.«

Damit schob er unter einen der Bände einen kleinen Beutel mit Gold, denn, selbst bei Befriedigung seines Aberglaubens auf Sparsamkeit bedacht, glaubte Ludwig den Sterndeuter durch den ihm ausgesetzten Gehalt hinlänglich an seinen Dienst gefesselt und hielt sich um einen mäßigen Preis für berechtigt, auch für wichtige Fälle sich seiner Geschicklichkeit zu bedienen.

Nachdem Ludwig so dem Astrologen eine erfrischende, aufmunternde Belohnung hatte zufließen lassen, wandte er sich von ihm an Durward. – »Folge mir, mein guter Schotte, Du bist vom Schicksal und einem Monarchen erkoren, ein kühnes Abenteuer zu bestehen. Alles muß bereit sein, daß Du in dem Augenblicke, wo auf Sankt Martin die Glocke zwölf schlägt, den Fuß in den Bügel setzest. Eine Minute früher oder später würde die Konstellation, die Deinem Abenteuer günstig ist, verrücken.«

Mit diesen Worten verließ der König das Gemach, und ihm folgte sein Leibgardist. Sie hatten sich nicht sobald entfernt, als der Sterndeuter Gefühlen Raum gab, die ganz verschieden von denen waren, welche ihn in Gegenwart des Königs beseelt zu haben schienen.

»Der knickrige Filz,« rief er aus, als er die Börse in der Hand wog, denn ein Mann, der soviele Ausgaben machte wie er, hatte immer Geld nötig, – »der elende, schmutzige Geizhals! – Eines Bootsmanns Weib hätte mehr gegeben, um zu erfahren, ob ihr Mann glücklich die Meerenge überschifft habe. – Er hätte einen Schatten von Wissenschaft? ja, wenn stehlende Füchse und heulende Wölfe Musikanten werden. Er will das glänzende Wappenschild des Firmaments deuten? – ja, wenn schmutzige Maulwürfe Luchse werden! – nach sovielen schönen Versprechungen, um mich vom Hofe des prachtliebenden Mathias wegzulocken, wo Hunnen und Türken, Christen und Ungläubige, der Zar von Moskau und der Khan der Tartarei mich um die Wette mit Geschenken überhäuften, – da denkt er, ich lasse mich gleich einem Dompfaffen in einen Käfig einsperren und singe, so oft's ihm zu pfeifen beliebt, und das alles um das liebe tägliche Brot? Nein, so stehen wir nicht – entweder finde ich einen Weg, oder ich bahne mir ihn. – Der Kardinal ist staatsklug und freigebig. – Diese Frage gelangt an ihn, und es soll Sr. Eminenz eigene Schuld sein, wenn die Steine anders sprechen, als er es haben will.«

Er ergriff die verschmähte Börse und wog sie nochmals in der Hand. »Es ist doch möglich,« sprach er zu sich, »daß so ein Juwel oder eine Perle in dieser ärmlichen Behausung ist! er kann, wie ich gehört habe, freigebig sein bis zur Verschwendung, wenn's seine Laune oder sein Interesse will.« Er leerte die Börse, in der sich nicht mehr und nicht weniger als zehn Goldstücke befanden. Der Unwille des Sterndeuters stieg aufs höchste. »Denkt er denn, ich solle um so ärmlichen Lohn die himmlische Kunst ausüben? Nein, beim Himmel! – er soll durch seine eigene Unwissenheit zu Grunde gehen. Zehn Goldstücke! – ein Lumpengeld, das ich mich schämte, Antoinetten anzubieten, um sich neue Spitzen an ihren Brustlatz zu kaufen.«

Bei diesen Worten ließ indes der aufgebrachte Philosoph die verachteten Goldstücke in einen großen Beutel gleiten, den er an seinem Gürtel trug, und den Antoinette und andere, die ihn zum Verschwender machten, schneller zu leeren wußten, als ihn der Philosoph mit all seiner Kunst zu füllen vermochte.

Vierzehntes Kapitel

Ohne sich mit jemand in ein Gespräch einzulassen, – denn so lautete sein Befehl, – beeilte sich Quentin Durward, einen starken aber einfachen Panzer mit Arm- und Beinschienen anzulegen und den Kopf mit einer guten Stahlhaube ohne Visier zu bedecken. Dazu kam ein schöner Waffenrock von Gemsleder, fein gegerbt und am Rande mit einiger Stickerei verziert, wie es einem Oberbeamten in einem vornehmen Haushält zukommen mochte. Dieses alles ward von Oliver auf sein Zimmer gebracht, der ihm mit seinem still einschmeichelnden Lächeln meldete, daß sein Oheim beordert worden, auf die Wache zu ziehen, damit er wegen dieser geheimen Zurüstungen keine Nachforschungen anstelle.

»Man wird Euch bei Eurem Oheim entschuldigen,« sagte Oliver, abermals lächelnd, »und wenn Ihr, lieber Sohn, von der Ausführung dieses angenehmen Auftrags wohlbehalten zurückkehrt, so zweifle ich nicht, daß Ihr einer Beförderung befunden weidet, die Euch überhebt, von Eurem Tun und Lassen andern Rechenschaft zu geben, während sie Euch an die Spitze von solchen stellt, die Euch für ihre Handlungen Rede stehen müssen.«

Also sprach Oliver le Diable, indem er wahrscheinlich bei sich berechnete, daß das Los des jungen Mannes, dem er, während er sprach, freundlich die Hand drückte, bei diesem ihm gegebenen Auftrage notwendigerweise Tod oder Gefangenschaft sein müßte.