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Der Herzog brach in ein lautes Gelächter aus. »Crevecoeur,« sprach er, »Dein zahmes Wesen hat ja Deine Gemahlin zu einer recht herrischen Frau gemacht, allein das kümmert mich wenig! gebt dem einfältigen Mädchen einen Sesseclass="underline" ich bin weit entfernt, feindselig gegen sie gesinnt zu sein; ich will nur, daß das Fräulein uns mit Muße erzählt, welcher böse Feind in sie gefahren ist, daß sie aus ihrem Heimatlande fliehen und ein irrendes Dämchen werden mußte.«

Mühsam und oft stecken bleibend, bekannte Isabelle, daß sie gegen eine ihr vom Herzoge angesonnene Heirat eine entschiedene Abneigung gehabt und an dem französischen Hofe habe Schutz suchen wollen ....« Bei dem französischen Monarchen,« fragte Karl, »fühltet Ihr Euch also sicherer?« – »Allerdings,« antwortete Gräfin Isabelle, »sonst hätte ich einen so entscheidenden Schritt nicht getan.« Hier warf Karl einen Blick auf den König mit unaussprechlich bitterm Lächeln, den dieser aber mit Festigkeit aushielt... »Aber meine Nachrichten über die Gesinnungen König Ludwigs gegen uns,« fuhr die Gräfin nach einer kleinen Pause fort, »rührten hauptsächlich bloß von meiner unglücklichen Muhme, der Gräfin Hameline, her, und ihre Meinung baute sie auf Einflüsterungen von Leuten, in denen ich nachher niederträchtige Verräter und treulose Wichte gefunden habe.« – Sie erzählte nun in aller Kürze, was sie von Marthons und Hayraddins Verräterei erfahren hatte.

Es entstand eine Pause; dann fuhr die Gräfin fort, alles von ihrer Flucht aus Burgund bis zur Erstürmung des Schlosses Schönwald zu erzählen. Alles blieb still, als sie geendigt hatte; der Herzog aber heftete seine flammenden Augen auf den Boden, als suche er einen Vorwand, seiner Leidenschaft freien Lauf zu lassen, ohne jedoch einen zu finden. »Ich möchte nun doch von König Ludwig wissen,« sagte er endlich, den Blick wieder aufhebend, »warum er die Damen an seinem Hof behielt, wenn sie nicht auf seine Einladung dahin gekommen waren?« – »Lieber Vetter,« antwortete der König, »aus Mitleid nahm ich sie insgeheim in einem Privathause auf, sorgte aber dafür, sie unter den Schutz des verewigten Bischofs, Eures Bundesgenossen, zu bringen, der, Gott hab' ihn selig! besser beurteilen konnte als ich oder irgend ein weltlicher Fürst, wie sich der Schutz, den man Flüchtlingen schuldig ist, mit den Pflichten vereinigen läßt, die ein König seinem Verbündeten schuldig ist, aus dessen Lande sie geflohen waren. Ich fordere diese Dame auf, zu erklären, ob ihr Empfang herzlich gewesen oder ob er nicht vielmehr von der Art war, daß die Damen bedauerten, meinen Hof zum Zufluchtsorte gewählt zu haben?« – »Er war so ganz aller Herzlichkeit bar,« versetzte die Gräfin, »daß ich zweifeln mußte, ob Ew. Majestät selbst wirklich die Einladung habe ergehen lassen, wie uns von denen, die sich für Eure Agenten ausgaben, versichert worden.«

»Mich dünkt, schone Dame,« sagte der Herzog, »Ihr habt bei Eurer Erzählung gewisse Liebesabenteuer vergessen. – Ei, ei! Ihr errötet ja schon? Ich meine gewisse Ritter vom Walde, die Eure Ruhe auf einige Zeit zu stören wagten. – Sagt, König Ludwig, wäre es nicht wohlgetan, ehe diese wandernde Helena von Croye noch mehrere Könige gegeneinander hetzt, eine passende Partie für sie ausfindig zu machen?«

König Ludwig wußte zwar, welch unangenehmer Vorschlag jetzt zur Sprache kommen würde. Allein Isabellens Mut war inzwischen aufs neue erwacht. Sie entwand sich dem Arme der Gräfin Crevecoeur, auf den sie sich bis jetzt gestützt hatte, kniete schüchtern, jedoch mit würdevollem Anstand, am Throne des Herzogs nieder und redete ihn also an: »Edler Herzog von Burgund, mein gnädigster Lehensherr! ich erkenne meinen Fehltritt, ohne Eure Erlaubnis mich aus Euren Landen entfernt zu haben, und unterwerfe mich in Demut jeder Strafe, die Ihr über mich zu verhängen für gut findet. Ich bitte einzig um die Gnade, daß Ihr um meines Vaters willen dem letzten Sprößling aus dem Stamme Croye ein mäßiges Einkommen bewilligen wollet, damit ich für den Rest meines Lebens in einem Kloster Aufnahme finde.« – »Was dünkt Euch, Sire, von dem Antrage dieser Person?« fragte der Herzog, sich an Ludwig wendend. – »Ich denke,« erwiderte der König, »es ist eine fromme demütige Bitte, der man nicht zuwider handeln soll.« – »Nun, wer sich selbst erniedrigt, soll erhöhet werden,« sprach der Herzog. »Erhebt Euch denn, Gräfin Isabelle! – Wir meinen es besser mit Euch, als Ihr selbst. Wir wollen weder Eure Güter einziehen, noch Eure Ehre schmälern, – im Gegenteil beides bedeutend erhöhen und mehren.« – »Ach, gnädigster Herr!« sagte die Gräfin, immer noch knieend, »eben diese wohlgemeinte Güte ist es, die ich mehr fürchte, als Ew. Hoheit Mißfallen, da sie mich nötigt –« – »Heiliger Georg von Burgund!« rief Herzog Karl, »soll denn jeden Augenblick Unserem Willen widersprochen und Unseren Befehlen zuwider gehandelt werden? Steh' auf, sag' ich, Püppchen, und entferne Dich für jetzt! – Wenn Wir Zeit haben, wieder an Dich zu denken, so werden Wir's schon so ordnen, daß Du entweder Uns gehorchen oder Dich noch schlechter befinden sollst.«

Gräfin Crevecoeur hob ihre junge Freundin auf und führte sie aus der Halle. Jetzt wurde Quentin Durward vor den Rat gefordert. Er erschien in der Bogenschützen-Uniform mit jenem freien Blicke, der, ebenso entfernt von schüchterner Zurückhaltung als von zudringlicher Dreistigkeit, einem edelgeborenen und wohlerzogenen Jünglinge geziemte. Seine große Jugend nahm alle Räte um so mehr zu seinem Vorteil ein, je weniger sie voraussetzen konnten, daß der scharfsinnige Ludwig einen so jungen Mann zum Vertrauten seiner politischen Händel gemacht haben sollte; und so genoß der König hier wie in andern Fällen einen bedeutenden Vorteil durch die seltsame Wahl seiner Bevollmächtigten, die er oft in einem Alter und in Ständen wählte, wo man es am wenigsten vermutet hätte. Auf die Aufforderung des Herzogs, die Ludwig bekräftigte, begann Quentin die Erzählung seiner Reise mit den Gräfinnen von Croye bis in die Nähe von Lüttich, indem er der Verhaltungsbefehle des Königs voraus erwähnte, die dahin gingen, daß er die Damen wohlbehalten nach dem Schlosse des Bischofs zu geleiten habe. »Und Ihr seid also meinen Befehlen getreulich nachgekommen?« fragte der König. – »Ja, Sire,« war die Antwort des Schotten. – »Ihr übergeht einen Umstand,« sagte der Herzog. »Ihr wurdet ja in dem Walde von zwei irrenden Rittern angefallen.« – »Es kommt mir nicht zu, mich dieses Vorfalls zu erinnern, noch ihn namhaft zu machen,« sagte der Jüngling, bescheiden errötend. – »Aber mir kommt es zu, auf ihm zu bestehen,« sagte der Herzog von Orleans. »Dieser Jüngling entledigte sich mannhaft seines Auftrags und tat seine Pflicht auf eine Art, die mir noch lange im Andenken bleiben wird. – Komm auf mein Zimmer, Bogenschütze, wenn diese Angelegenheit abgetan ist, und Du sollst finden, daß ich Dein tapferes Benehmen nicht vergessen habe, da ich nun sehe, daß Deine Bescheidenheit Deinem Mute gleicht.« – »Komm auch zu mir,« sprach Dunois. »Ich habe einen Helm für Dich; denn ich glaube, daß ich Dir einen solchen schuldig bin.«

Quentin verbeugte sich tief, und das Verhör begann aufs neue. Aufgefordert vom Herzog Karl, wies er die geschriebenen Verhaltungsbefehle vor, die er hinsichtlich seiner Reise bekommen hatte. »... Befolgtet Ihr diese Verhaltungsbefehle buchstäblich, Soldat?« fragte der Herzog. – »Nein, gnädigster Herr,« antwortete Quentin. »Ich sollte ihnen zufolge bei Namur über die Maas gehen, hielt mich aber auf dem linken Ufer, das mir einen näheren, sicherern Weg nach Lüttich bot.« – »Und warum diese Abänderung?« fragte der Herzog. – »Weil mir die Treue meines Führers verdächtig ward,« antwortete Quentin. – »Merke jetzt auf die Fragen, die ich an Dich tun werde,« sprach der Herzog. »Beantwortest Du sie der Wahrheit gemäß, so fürchte Dich vor keines Menschen Zorn. Antwortest Du aber ausweichend und zweideutig, so werde ich Dich lebendig an einer eisernen Kette am Turme des Rathauses aufhängen lassen.«