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Zweites Kapitel

Die Feste der alten britischen Fürsten zeigten gewöhnlich all den rohen Glanz und die freigebige Fülle der Gastfreiheit unter den Gebirgsbewohnern, und Gwenwyn war bei dieser Gelegenheit recht ängstlich bemüht, sich selbst durch eine ganz ungewöhnliche Verschwendung Popularität zu verschaffen. Denn er fühlte nur zu gut, daß die Verbindung, welche er vorhatte, von seinen Untertanen und Anhängern, wenn geduldet, doch nicht gebilligt werden möchte.

Der folgende, an sich geringfügige Umstand bestätigte seine Befürchtungen. Als er eines Abends, als es beinahe schon finster war, vor den offenen Fenstern einer Wachstube vorbeiging, in welcher sich einige seiner besten Krieger, die sich in der Bewachung des Palastes ablösten, gewöhnlich aufhielten, hörte er, wie Morgan durch Stärke, Mut und Wildheit ausgezeichnet, vor dem Wachfeuer sitzend, zu seinem Kameraden sagte: »Gwenwyn ist zum Pfaffen oder Weibe geworden; wann war, außer diesen letzten drei Monaten, einer seiner Leute genötigt, das Fleisch von den Knochen rein zu nagen, wie ich es hier mit den Bissen in meiner Hand tun muß?«

»Warte nur noch ein wenig,« erwiderte sein Kamerad, »bis die normannische Heirat zustande gekommen. So schmal wird dann die Beute sein, die wir von den sächsischen Bauernkerlen auftreiben werden, daß wir schon zufrieden sein werden, wie hungrige Hunde die Knochen selbst zu verschlingen.«

Mehr vernahm Gwenwyn von ihrem Gespräche nicht; aber dies war genug, seinen Stolz als Krieger, seinen Argwohn als Fürst zu erregen. Er wußte, daß das Volk, welches er beherrschte, zugleich wankelmütig in seiner Zuneigung, ungeduldig bei langer Ruhe, und voll von Haß gegen die Nachbarn war, und er fürchtete gar sehr die Folgen der Untätigkeit, welche ein langer Waffenstillstand veranlassen mußte. Bei alledem war das Wagestück begonnen, und so schien denn eine mehr als gewöhnliche Gastfreiheit der beste Weg zu sein, die wankende Liebe seiner Untertanen zu gewinnen.

Ein Normanne würde die barbarische Pracht eines Gastmahls verachtet haben, welches aus unzerlegt gebratenen Kühen und Schafen, aus dem in der Tiere eigenem Felle gesottenem Fleisch von Ziegen und Wildbret bestand. Die Normänner hielten mehr auf die Beschaffenheit als auf die Menge ihrer Speisen, und lieber delikat als überladen essend, spotteten sie des gröbern Geschmacks der Briten, obwohl diese bei ihren Banketten weit mäßiger waren als die Sachsen. Ebensowenig konnten sich die Ströme von Erw [ein eigentümliches Getränk der Walliser oder vielmehr der alten Briten] und Met, welche gleich einer Sündflut die Gäste überschwemmten, nach ihrer Ansicht mit dem feinern und kostbarern Getränke vergleichen lassen, das sie im Süden Europas lieb gewonnen hatten. Milch, auf verschiedene Weise zubereitet, bot einen andern Teil der Erfrischungen dar, welches nicht der Normannen Beifall erhalten hatte, obwohl dieses Nahrungsmittel unter den alten Briten den Mangel aller andern zu ersetzen pflegte, deren Land reich an Schaf- und Rinderherden, aber arm an Erzeugnissen des Ackerbaues war.

Die Tafel war in einer langen, niedrigen Halle errichtet, von unbearbeitetem Holze erbaut und mit Schindeln bedeckt. Ein großes Feuer brannte an jedem Ende, wovon der Rauch, unvermögend, durch die unvollkommenen Oeffnungen im Dach einen Ausgang zu finden, wie aufgetürmte Wolken über die Häupter der Schmauser sich wälzte, die absichtlich, den erstickenden Dämpfen zu entgehen, auf niedrigen Sitzen saßen. Gebärde und das Aeußere der hier Versammelten waren wild, und selbst in der geselligen Stunde sehr schreckhaft. Ihr Fürst selbst hatte die gigantische Haltung und das stolze Auge, geeignet, ein ungeregeltes Volk zu beherrschen, das seine Freude nur auf dem Schlachtfelde findet. Der lange Schnurrbart, welchen er und die meisten seiner Kämpen trugen, vermehrte die furchtbare Würde seiner Gegenwart. Gleich den meisten der Gegenwärtigen war Gwenwyn in eine einfache Tunika von weißem leinenen Zeuge gekleidet, ein Ueberbleibsel der Tracht, welche die Römer in die britische Provinz einführten; ihn zeichnete nur die Gudorchawa aus, eine Kette von ineinander geflochtenen goldenen Ringen, womit die keltischen Stämme [Die Briten gehörten ursprünglich zu dem großen keltischen Volksstamme des nordwestlichen Europa.] ihre Häuptlinge schmückten. Dieser Halsschmuck fand nun zwar auch unter den Häuptlingen geringeren Standes statt, mehrere von ihnen trugen ihn vermöge ihrer Geburt oder hatten ihn durch Kriegstaten erworben; aber ein goldener Ring, der sich um das Haupt wand, schimmerte durch Gwenwyns Haar, denn er behauptete noch immer seine Ansprüche auf den Rang eines der drei gekrönten Fürsten, und seine Arm- und Knöchelbänder, von demselben Metall, waren dem Prinzen von Powys als einem unabhängigen Regenten eigen. Zwei Schildknappen, welche seinem Dienste ihre ganze Aufmerksamkeit widmeten, standen hinter dem Fürsten; zu seinen Füßen stand ein Page, dessen Geschäft es war, sie durch Reiben und Einhüllen in seinem Mantel warm zu erhalten. Eben das oberherrliche Recht, welches Gwenwyn das goldene Diadem zugestand, befugte ihn zum Gebrauch eines solchen Fußwächters oder eines solchen jungen Menschen, der auf der Matte lag, und das Geschäft hatte, in seinem Schoß oder Busen des Fürsten Füße zu wärmen.

Ungeachtet der beständigen kriegerischen Stellung der Gäste gegeneinander und der Gefahr, welche die vielen unter ihnen obwaltenden Fehden herbeiführen konnten, trugen wenige der Gäste eine Verteidigungswaffe, den leichten, ziegenledernen Schild ausgenommen, welcher hinter dem Sitz eines jeden hing. Doch waren sie auf der andern Seite mit einem Vorrat von Angriffswaffen wohl versehen; das breite, scharfe, kurze, zweischneidige Schwert war ebenfalls ein Vermächtnis der Römer; viele fügten noch ein Jagdmesser oder einen Dolch hinzu. Auch gab es da eine Menge von Wurfspießen aller Art, Bogen und Pfeilen, Piken und Hellebarden, dänische Aexte und Walliser krumme Aexte und Messer, so daß, wenn während des Mahles böses Blut entstand, es nicht an Waffen gebrach, Unheil anzurichten.

Wiewohl nun das Aeußere des Festes ein wenig unordentlich aussah, und die Schmauser nicht durch die strengen Regeln der guten Lebensart, welche die Gesetze des Rittertums auflegten, in Zaum gehalten wurden, so besaß doch das Osterbankett Gwenwyns durch die Anwesenheit von zwölf der ausgezeichnetsten Barden eine Quelle des edelsten Vergnügens, in einem weit höheren Grade, als die stolzen Normannen sich rühmen konnten. Wahr ist's, auch sie hatten ihre Minstrels, eine Klasse von Menschen, die zur Betreibung der Poesie des Gesanges und der Musik ganz eigentlich gebildet waren. Obgleich aber diese Kunst hoch geehrt war, und einzelne dieser Künstler, wenn sie zu einer ausgezeichneten Höhe gelangten, oft reichlich belohnt wurden, so ward doch der Stand des Minstrels als ein solcher sehr gering geachtet, da die, welche dazu gehörten, sehr unwürdige liederliche Herumtreiber waren, die sich dieser Kunst gewidmet hatten, sich dem Zwange der Arbeit zu entziehen und Mittel zu haben, ein wanderndes, herumschweifendes Leben zu führen. So hat man von jeher über den Beruf derer geurteilt, welche sich dem öffentlichen Vergnügen widmen; die wenigen, welche sich unter ihnen durch eine persönliche Vortrefflichkeit auszeichnen, werden zuweilen in der Gesellschaft sehr hochgestellt, während die Mehrzahl dieser Künstler auf die niedrigste Stufe hinabgesunken bleiben. Aber dieses war nicht der Fall mit dem Orden der Barden in Wales, welche, Druiden in ihrer Würde folgend, unter welchen sie ursprünglich eine untergeordnete Brüderschaft bildeten, manche Gerechtsame besaßen, der höchsten Achtung und Ehrerbietung genossen und einen großen Einfluß auf ihre Landsleute ausübten, Ihre Gewalt über die öffentliche Meinung wetteiferte selbst mit der der Priester, mit welchem sie in der Tat einige Aehnlichkeit hatten; denn nie trugen sie Waffen, sie wurden in ihren Orden durch geheime mystische Feierlichkeiten eingeweiht, und Ehrfurcht wurde ihrem »Awen« oder dem Strome ihrer poetischen Begeisterung dargebracht, als ob wirklich etwas Göttliches in derselben wäre. So im Besitz der Macht und des Einflusses, fehlte es auch nie den Barden an Willen, ihre Vorrechte auszuüben, und oft hatte ihre Art und Weise, es zu tun, das Gepräge des grillenhaftesten Eigensinnes.