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Drittes Kapitel

Als Raymond die Sendung an den Fürsten von Powys abgefertigt hatte, war er, wenn auch nicht ohne Furcht, doch nicht ohne Ahnung ihres Erfolgs. Er sandte Boten zu den verschiedenen Vasallen aus, welche ihre Lehne unter der Bedingung des Hornblasens (cornage) besaßen, mit der Verwarnung, wachsam zu sein, damit er auf der Stelle Nachricht von der Annäherung des Feindes bekäme. Diese Vasallen bewohnten nämlich die zahlreichen Türme, welche, wie eben so viele Falkennester, die Grenzen zu decken an den schicklichsten Punkten erbaut waren, und waren verpflichtet, bei den Einfällen der Wälschen, ein Signal durch Blasen ihrer Hörner zu geben. Diese Töne von Turm zu Turm, von Posten zu Posten beantwortet, gaben das Zeichen zur allgemeinen Verteidigung. Aber obwohl Raymond diese Vorsichtsmaßregeln, wegen des schwankenden und ungewissen Charakters seiner Nachbarn, auch als Pflicht des Feldherrn für notwendig hielt, so war er doch weit entfernt, die Gefahr für so nahe drohend zu halten. Denn obwohl die Vorbereitungen der Walliser zum Kriege ausgedehnter als je waren, so wurden sie doch ebenso versteckt betrieben, als der Entschluß dazu rasch gefaßt worden war.

Schon am zweiten Morgen nach dem merkwürdigen Feste zu Castell Coch brach das Ungewitter an der normannischen Grenze aus. Ein einziger, langer, schneidender Hörnerstoß gab die erste Kunde der Annäherung des Feindes; sogleich hallten die Alarmsignale wider von jeder Burg, jedem Turm an den Grenzen von Shropshire, wo jede Wohnung damals eine Festung war. Feuerbecken brannten auf allen Felsen und Hügeln, Glockengeläute ertönte in allen Kirchen und Städten, und sehr eifrige Aufforderungen zu den Waffen verkündeten eine Größe der Gefahr, welche die Bewohner dieser oft beunruhigten Gegend noch nie gekannt hatten.

Während dieses allgemeinen Tumults beschäftigte Raymond Berenger sich selbst damit, seine wenigen, doch tapferen Krieger und Anhänger zu ordnen und alle Ritter, die in seinen Diensten standen, aufzubieten, um Nachrichten von der Bewegung und Stärke des Feindes einzuziehen; endlich bestieg er den Wachtturm des Kastells, die Gegend umher zu beobachten, die schon an mehreren Stellen von Rauchwolken verdunkelt ward, welche das Vorschreiten und die Verheerung der Feinde bezeichneten. Bald sah er auch seinen Lieblingsknappen sich zur Seite, bei welchem der ungewohnte Trübsinn in seines Gebieters Blicken Erstaunen erregte, da sein Auge sonst nur fröhlich in der Stunde der Schlacht zu sein pflegte. Der Squire hielt in seiner Hand des Gebieters Helm, denn, das Haupt ausgenommen, war Sir Raymond schon völlig bewaffnet.

»Dennis Morolt,« sagte der alte Krieger, »sind unsere Vasallen und Lehensmänner schon alle gemustert?«

»Alle, edler Herr! Die Flamländer ausgenommen; diese sind noch nicht angelangt.«

»Die trägen Hunde! was säumen sie?« sagte Raymond, »es ist eine ganz falsche Verwaltung, diese schwerfälligen Naturen in unsre Grenzen zu verpflanzen. [Schon damals hatten die Auswanderungen der Niederländer aus ihrem bevölkerten Vaterlande begonnen, und sie wurden selbst dazu eingeladen, weil sie allenthalben als fleißige und gewerbetreibende Menschen, besonders in Webereien gerne gesehen wurden. So hatte sich sogar in diese entfernte Gegenden von Wallis eine Kolonie verpflanzt.] Sie sind, wie ihre Stiere, geeigneter den Pflug zu ziehen, als Dinge zu tun, wozu Feuer gehört.«

»Mit Eurer Erlaubnis,« entgegnete Dennis, »die Burschen können dessenungeachtet gute Dienste leisten. Da ist Wilkin Flammock von der Au da; der kann Streiche führen wie die Hämmer seiner Walkmühle.«

»Er wird sich wohl schlagen, glaube ich, wenn er es nicht vermeiden kann,« sagte Raymond, »aber er hat keinen Geschmack für dergleichen, und ist so faul und hartnäckig wie ein Maulesel.«

»Eben deswegen sind seine Landsleute recht gemacht gegen die Walliser,« erwiderte Dennis Morolt, »weil ihr fester, unbeugsamer Charakter eine recht passende Wehr gegen die wilden und tollköpfigen Anstalten unserer gefährlichen Nachbarn sind, gerade wie die rastlosen Wogen an dem unerschütterlichen Felsen den besten Widerstand finden. – Horcht, Sir! Ich höre Wilkin Flammocks Fuß auf der Turmtreppe, er steigt so bedächtig, als der Mönch zur Frühmesse schreitet.«

Schritt für Schritt nahte sich der schwerfällige Ton, bis endlich die Gestalt des gewaltigen wohlbeleibten Flamländers durch die Turmtür auf die Terrasse vordrang, wo diese Unterredung stattfand. Wilkin Flammock war bewaffnet und in glänzender Rüstung; diese war mit der außerordentlichen Sorgfalt gescheuert, welche die Sauberkeit seiner Nation mit sich brachte, und ungewöhnlich schwer und dick; aber der Sitte der Normänner entgegen, ganz einfach, ohne Gravierung, Vergoldung oder irgend eine andere Verzierung. Die Haube oder Stahlkappe hatte kein Visier und ließ, offen hingestellt, ein breites Angesicht sehen, mit groben unbeweglichen Zügen, die ganz den Charakter seines Temperaments und seines Verstandes aussprachen. Er führte eine schwere Keule in der Hand.

»So, Herr Flamländer,« sagte der Kastellan, »Ihr scheint, wie mich dünkt, nicht in Eile, Euch auf dem Sammelplatze einzufinden.«

»Wenn Ihr erlaubt,« sagte der Flamländer, »wir waren gezwungen, uns aufzuhalten, um unsre Wagen mit unsern Tuchballen und anderm Besitztum zu beladen.«

»Ha, Wagen! – Wie viele Wagen habt Ihr denn mitgebracht?«

»Sechs, edler Herr!« erwiderte Wilkin.

»Und wieviel Mann?« fragte Raymond Berenger.

»Zwölf, wackrer Herr!« antwortete Flammock.

»Nur zwei Mann bei jedem Bagagewagen? Mich wundert, daß Ihr Euch mit so vielem Gepäck beschwert,« sagte Berenger.

»Wiederum mit Eurer Erlaubnis, Sir,« erwiderte Wilkin, »nur der Wert, den ich und meine Kameraden auf unsere Güter legen! er ist es ja, der mich geneigt macht, sie mit Leib und Seele zu verteidigen. Wären wir gezwungen worden, unser Zeug den plündernden Klauen jener Vagabunden zurückzulassen, so hätte ich ja gar schlechte Politik darin gesehen, hier stille zu halten, und ihnen Gelegenheit zu geben, Mord dem Raube hinzuzufügen. Glocester wäre dann mein erster Haltpunkt gewesen.«

Der normännische Ritter starrte den flamländischen Handwerker, denn das war Wilkin Flammock, mit einer Mischung von Verwunderung und Verachtung an, so daß der Unwille nicht Platz fand. »Ich habe vieles gehört,« sagte er, »aber dieses ist das erstemal, daß ich einen Mann mit dem Barte sich selbst für eine Memme bekennen höre.«

»Auch hört Ihr das jetzt nicht,« antwortete der Flamländer mit der größten Gelassenheit. »Ich bin immer bereit, mich zu schlagen für Leben und Eigentum; und, daß ich in diese Gegend gezogen bin, wo beides in beständiger Gefahr ist, zeigt, daß ich nicht große Sorge trage, wie oft ich es tue. Aber ein gesundes Fell ist doch immer besser als ein zerfetztes, bei alledem!« »Gut,« sagte Raymond Berenger, »schlage Dich nach Deiner Weise, wenn Du nur recht kräftig mit Deinem langen Leibe da Dich schlagen willst. Sehr leicht wird's not sein, alles zu tun, was wir tun können. – Saht Ihr denn schon etwas von diesen Walliser Schuften? – Haben sie Gwenwyns Banner unter sich?«

»Ich sah es mit seinem Weißen Drachen flattern. Ich mußte es ja wohl erkennen' es ward ja in meinem eigenen Webstuhle gestickt.«

Raymond vernahm diese Kunde mit so ernstem Angesicht, daß Dennis Morolt, der nicht wollte, daß der Flamländer es bemerken sollte, es für nötig erachtete, seine Aufmerksamkeit abzulenken. »Ich kann Dir sagen,« sprach er zu Flammock, »wenn der Connetable von Chester mit seinen Lanzen zu uns stößt, sollt Ihr Eurer Hände Arbeit schneller nach Hause fliegen sehen, als das Weberschifflein flog, das den Drachen webte.«

»Er muß fliehen, ehe der Connetable erscheint, Dennis Morolt,« sagte Berenger, »oder er fliegt triumphierend über unsere Leichen.«