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»Im Namen Gottes und der heiligen Jungfrau,« sagte Dennis, »was meint Ihr dabei, Herr Ritter? Nur ja nicht, daß wir uns mit den Wälschen eher in Gefechte einlassen, bis der Connetable sich mit uns vereinigt,« – Er hielt ein. – Dann den festen, aber melancholischen Blick wohl verstehend, mit welchem allein sein Gebieter die Frage beantwortete, fuhr er mit noch eindringlicherem Ernst fort: »Ihr könnt das nicht meinen, Ihr könnt nicht den Vorsatz haben, dieses Schloß zu verlassen, welches wir so oft gegen sie zu halten wußten, und im offenen Felde zu kämpfen mit zweihundert Mann gegen tausend. Bedenkt es besser, mein geliebter Herr, und laßt nicht die Raschheit des alten Kriegers den Ruf der Klugheit und Kriegskunst entkräften, den Euer früheres Leben so herrlich errang.«

»Ich zürne Dir nicht, Dennis, daß Du meinen Vorsatz tadelst,« entgegnete der Normann, »denn ich weiß, Du tust es aus Liebe für mich und die meinigen. Aber, Dennis Morolt, es muß also sein, – wir müssen uns innerhalb drei Stunden mit den Wälschen schlagen, oder der Name Raymond Berenger muß aus der Ahnentafel seines Hauses gelöscht werden.«

»Nun, so wollen wir – wir wollen den Kampf mit ihnen eingehen,« sagte der Knappe; »fürchte keinen kalten Rat von Dennis Morolt, wo Kampf das Wort ist. Aber wir wollen hier unter den Wällen des Schlosses mit ihnen fechten, wo der ehrliche Wilkin Flammock mit seinen Bogenschützen vom Wall her unsere Flanke decken und so ein Gleichgewicht gegen die große Ueberzahl sein kann.«

»Nicht also,« antwortete sein Gebieter, »im offenen Felde müssen wir sie bekämpfen, oder Dein Herr wird zum meineidigen Ritter. Wisse, als ich jenen arglistigen Wilden um Weihnachten in meinen Hallen bewirtete, und der Wein um uns her floß, warf Gwenwyn einige Lobsprüche hin über die Festigkeit und Stärke meiner Burg, aber auf eine Weise, welche zu verstehen gab, diese Vorteile allein hätten mich in früheren Kriegen der Niederlage und der Gefangenschaft entzogen. Ich antwortete, obwohl es besser gewesen wäre, zu schweigen, denn wozu diente mein törichtes Prahlen als zu einer Fessel, die mich zu einer Tat zwingt, die an Tollheit grenzt? Sollte ich, sagte ich, ein Fürst der Kymrer, wieder feindlich vor Garde Douloureuse erscheinen, so laß ihn seine Standarte in der Ebene bei der Brücke hinpflanzen, und auf mein gutes Ritterwort und so wahr ich ein Christ bin, wird Raymond Berenger sich ihm ebenso gern stellen, mögen ihrer viel oder wenig sein, oder alle Walliser zusammen!«

Mit sprachlosem Schrecken vernahm Dennis ein so rasches, verhängnisvolles Wort, aber er besah nicht die Wortkunst, welche seinen Gebieter von den Fesseln entbinden konnte, die ihm sein unvorsichtiges Selbstvertrauen angelegt hatte. Anders verhielt es sich mit Wilkin Flammock. Er staunte – er lachte beinahe, ungeachtet der schuldigen Achtung gegen den Kastellan und seiner eigenen Unempfindlichkeit für das Lächerliche. »Und das ist alles?« sagte er, »wenn Euer Gnaden sich durch irgend etwas verpflichtet hätten, einem Juden oder einem Lombarden [Die Lombardei war damals voll Handel und Gewerbe und in reger Verbindung mit Juden; daher dem ironischen Niederländer Jude und Lombarden fast synonym erscheinen. – Auch wanderten sie, selbst in England, wie Hausierer herum.] hundert Floren zu zahlen, so müßt Ihr den Zahlungstag halten, oder Ihr habt Euer Pfand verloren; aber wahrlich, ein Tag ist so gut wie der andere, einen versprochenen Kampf auszufechten, und der Tag paßt wohl am besten, wenn der Versprecher der Stärkere ist. Und nach allem, was bedeutet ein Versprechen bei der Weinflasche?«

»Es bedeutet ebensoviel als jedes andere Versprechen, wo es gegeben sei. Der Versprecher,« sagte Berenger, »entgeht der Sünde des Wortbruches nicht, weil er ein trunkner Prahler war.«

»Was die Sünde anbetrifft,« sagte Dennis, »da bin ich wohl sicher, daß, ehe Ihr eine solche unheilbringende Tat vollführt, Euch der Abt von Glastonburg für einen Gulden die Absolution erteilt,«

»Aber was mag die Schande auslöschen?« sagte Berenger, »wie soll ich es wagen, mich wieder in der Mitte der Ritter zu zeigen, wenn ich das zum Kampf verpfändete Wort aus Furcht vor einem Walliser und seinen nackten Wilden gebrochen hätte? Nein, Dennis Morolt, sprich davon nicht mehr! Sei es zum Wohl oder Wehe, wir fechten mit ihnen heute, und zwar dort auf jenem offenen Felde,«

»Es kann doch sein,« sagte Flammock, »daß Gwenwyn jenes Versprechen vergessen hat, und folglich ist es verfehlt, auf der verabredeten Stelle zu erscheinen, denn, wie wir gehört haben, hatten Eure französischen Weine auch sein wälsches Gehirn recht tüchtig übergossen.«

»Er spielte des Morgens darauf wieder an,« sagte der Kastellan, »glaube mir, er wird das nicht vergessen, was ihn in den glücklichen Fall bringt, mich auf immer aus seinem Wege zu räumen,«

Indem er so sprach, bemerkten sie, daß große Staubwolken, welche man bis dahin an verschiedenen Stellen der Landstraße erblickt hatte, sich gegen das jenseitige Ufer des Flusses hinzogen, über welchen eine alte Brücke zu dem verabredeten Kampfplatze führte. Leicht errieten sie die Ursache; es war klar, daß Gwenwyn die einzelnen Abteilungen, welche verschiedene Orte schon verheerten, zusammenzog und mit seiner ganzen Macht gegen die Brücke und die Ebene jenseits der Brücke vorrückte.

»Laßt uns eilig hinunter und den Paß besetzen,« rief Dennis, »wir sind ihnen einigermaßen gleich durch den Vorteil, daß wir die Brücke verteidigen. Euer Wort bindet Euch an die Ebene als Schlachtfeld, aber es kann Euch nicht verpflichten, Euch solche Vorteile entgehen zu lassen, als ihr Uebergang über die Brücke Euch gewährte. Unsere Leute, unsere Pferde stehen bereit, – Lasset unsere Bogenschützen die Ufer besetzen, – und mein Leben für den glücklichen Ausgang!«

»Als ich versprach, mich mit ihnen in jenem Felde zu stellen, so meinte ich,« erwiderte Raymond Berenger, »den Wälschen jenen Vorteil des gleichen Platzes zu gewähren. So meinte ich es. So verstand er es. Und was hilft es, wenn ich mein Wort dem Buchstaben nach halte, und breche es dem Sinne nach? Wir ziehen nicht, bis der letzte Walliser die Brücke überschritten hat, und dann –«

»Und dann,« sagte Dennis, »ziehen wir in unsern Tod! – Möge uns Gott unsre Sünden vergeben! – aber« –

»Aber? Was?« sagte Berenger, »da liegt Dir noch etwas auf der Seele, was einen Ausgang haben will.«

»Meine junge Herrin, Eure Tochter, Lady Eveline,«

»Ich habe ihr gesagt, was vor ist. Sie soll im Schlosse bleiben, in welchem ich einige auserlesene Veteranen zurücklasse, und Euch, Dennis, als ihren Befehlshaber. In vierundzwanzig Stunden muß die Belagerung aufgehoben sein, und länger haben wir die Burg mit geringerer Besatzung verteidigt. Dann soll sie zu ihrer Tante, der Aebtissin der Benediktinerinnen. Du, Dennis, sollst dafür sorgen, daß sie mit allen Ehren und in Sicherheit dorthin kommt, und meine Schwester wird für ihre Zukunft sorgen, wie es ihre Klugheit am geratensten halten wird.«

»Ich Euch in dieser Klemme verlassen?« sagte Dennis Morolt, »ich sollte mich in Mauern einsperren, wenn mein Herr in den letzten Kampf reitet? – Ich der Diener einer Dame werden, selbst wenn es Lady Eveline ist, indes er tot unter seinem Schilde liegt! Raymond Berenger, dazu habe ich Dir so oft Deinen Harnisch zugeschnallt?«

Die Tränen stürzten aus des alten Kriegers Augen so heftig, wie sie das Mädchen vergießt, das um den Geliebten weint. Raymond nahm ihn freundlich bei der Hand und fügte mit besänftigendem Tone: »Glaube nicht, mein guter alter Diener, daß ich Dich von meiner Seite entfernen würde, wenn es Ehre zu gewinnen gäbe. Dies aber ist ein wildes, unbesonnenes Tun, zu welchem mein Geschick oder meine Torheit sich verpflichtet halten. Ich sterbe, meinen Namen vor Entehrung zu schützen, aber der Vorwurf der Unbesonnenheit wird mein Andenken begleiten.«

»Laßt mich Eure Unbesonnenheit mit Euch teilen, teuerster Herr,« sagte Dennis Morolt eindringlich, »dem armen Knappen liegt nichts daran, für klüger gehalten zu werden als sein Gebieter. In so manchem Kampfe erhielt dadurch meine Tapferkeit einen kleinen Ruf, weil sie teilnahm an den Taten, die Euren Ruhm begründeten. Versagt mir nicht das Recht, auch den Tadel zu teilen, der Euer Wagestück treffen mag. Laßt nicht sagen, so unbesonnen war sein Unternehmen, daß selbst seinem alten Waffenträger nicht erlaubt ward, daran teilzunehmen. Ich bin ein Teil von Euch selbst – es ist ein Mord für jeden andern, den Ihr mit Euch nehmet, wenn Ihr mich zurücklaßt.«