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»Dennis,« sagte Berenger, »Du läßt mich nur um desto bitterer die Torheit fühlen, in die ich mich eingelassen habe. Ich möchte Euch Euer Gesuch gewahren, so traurig es ist – aber meine Tochter« –

»Herr Ritter,« sagte der Flamländer, der diesem Gespräche mit etwas geringerer Apathie als gewöhnlich zugehört hatte, »es ist nicht mein Vorsatz, heute dieses Schloß zu verlassen: nun, wenn Ihr auf meine Treue bauen wollt, zum Schutze für Mylady Eveline alles zu tun, was ein schlichter Mann vermag« –

»Wie, Bursche,« sagte Raymond, »Ihr habt nicht den Vorsatz, das Schloß zu verlassen? Wer gibt Euch das Recht, hier Euch etwas vorzunehmen, bis mein Wille bekannt ist?«

»Es sollte mir leid tun, Streit mit Euch zu haben, Herr Kastellan,« sagte der nicht aus der Fassung zu bringende Flamländer, – »aber ich habe hier in dieser Umgebung verschiedene Mühlen, Pächtereien, Bleichen und dergleichen, dafür muß ich meinen Mannsdienst leisten, durch die Verteidigung des Schlosses von Garde Douloureuse, und dazu bin ich bereit. Aber wenn Ihr mich auffordert, mich von hier zu entfernen, das Schloß verteidigungslos zu lassen und mein Leben in einer Schlacht zu wagen, die Ihr selbst verzweifelt nennt, so kann ich nicht umhin zu sagen, meine Pacht verpflichtet mich nicht. Euch zu gehorchen.«

»Elender Handwerker,« sagte Morolt, legte seine Hand an den Dolch und bedrohte den Flamländer.

Aber Raymond Berenger trat mit Hand und Mund dazwischen, – »Füge ihm kein Leid zu, Morolt, und tadle ihn nicht! Er fühlt, was Pflicht ist, nur nicht auf unsere Weise, und er und seine Leute werden am besten unter Mauern fechten. Sie sind, diese Flamländer, nach der Weise ihres Vaterlandes tüchtig in Angriffen und Verteidigungen ummauerter Städte und Festungen, und ganz besonders geschickt in Behandlung der Steinschleuder und der andern Kriegswerkzeuge. Außer seinen eigenen Begleitern gibt es noch mehrere seiner Landsleute in der Burg. Es ist mein Vorsatz, sie zurückzulassen, und ich denke, sie werden ihm lieber gehorchen als irgend einem andern außer Dir. Was denkst Du? Ich weiß, Du wirst nicht eines übelverstandenen Ehrpunktes wegen oder aus blinder Liebe zu mir, diesen wichtigen Platz und die Sicherheit Evelinens unsichern Händen anvertrauen.« »Wilkin Flammock ist zwar nur ein flämischer Bauer, edler Herr!« antwortete Dennis, überfreudig, als ob er den größten Vorteil errungen hätte, »aber ich muß es allerdings sagen, er ist zuverlässig und treu wie einer, dem Ihr trauen wollt. Ueberdies wird es ihm sein eigener gesunder Verstand sagen, daß mehr durch die Verteidigung eines solchen Schlosses zu gewinnen ist als durch dessen Uebergabe an Fremde, welche nicht leicht die Bedingungen erfüllen möchten, wie lockend sie sich auch anbieten würden,«

»So steht's denn fest,« sagte Raymond Berenger, »Du, Dennis, gehst also mit mir, und er soll zurückbleiben. – Wilkin Flammock,« sagte er, den Flamländer feierlich anredend: »Ich rede nicht zu Dir in der Sprache der Ritter, von welcher Du nichts weißt; aber so wahr Du ein ehrlicher Mann bist, und ein echter Christ, so fordere ich Dich auf, festzustehen in der Verteidigung dieses Schlosses. Laß durch kein Versprechen des Feindes Dich zu einem niedrigen Vergleich locken, durch keine Drohung zur Uebergabe, Entsatz muß sehr bald ankommen. Haltet Ihr Treue mir und meiner Tochter, so wird Euch Hugo de Lacy reichlich belohnen.«

»Herr Ritter!« sagte Flammock, »es ist mir doch lieb, daß Ihr so ganz Euer Vertrauen auf einen schlichten Handwerksmann setzet. Was die Walliser anbetrifft, – ich komme aus einem Lande, wo wir gezwungen sind, jedes Jahr gezwungen sind, mit dem Meere zu kämpfen, und die, welche mit den Wogen im Sturm zurechtkommen, brauchen nicht ein ungeschlachtet Volk in seiner Wut zu scheuen. Eure Tochter soll mir so teuer sein wie meine eigene; in diesem Glauben mögt Ihr nur dreist drauf losgehen, wenn Ihr doch nicht lieber als ein kluger Mann daheim bleiben, Tore zu, Fallgitter hinab, Eure Bogen- und meine Armbrust-Schützen den Wall lassen und den Schuften zeigen wollt, Ihr seiet nicht der Tor, für den sie Euch halten.«

»Guter Freund, das kann nicht sein,« fügte der Ritter. »Ich höre meiner Tochter Stimme,« setzte er eilig hinzu; »ich mag sie nicht noch einmal sehen, um noch einmal mich zu trennen. Der Obhut des Himmels empfehle ich Dich, ehrlicher Flamländer – folge mir, Dennis Morolt.«

Der alte Kastellan stieg die Treppe des südlichen Turmes eilig hinab, eben als seine Tochter Eveline die des östlichen Turmes bestieg, um sich noch einmal zu seinen Füßen zu werfen. Ihr folgte Pater Aldrovand, ihres Vaters Kaplan, ferner ein alter, fast invalider Jäger, dessen Dienste, einst tüchtig im Felde und auf der Jagd, seit einiger Zeit sich auf die Oberaufsicht über des Ritters Hundestall und besonders die Pflege seiner Lieblingshunde beschränkte; endlich Rose Flammock, Wilkins Tochter, ein blauäugiges flämisches Mädchen, rund, voll und scheu, wie ein Rebhuhn, der man seit einiger Zeit gestattet hatte, dem hochgeborenen normannischen Fräulein zur Gesellschaft zu dienen, und zwar in der schwankenden Stellung zwischen einer untergebenen Freundin und einer höheren Dienerin.

Eveline eilte auf die Zinnen, ihre Haare aufgelöst, ihre Augen schwimmend in Tränen, und fragte dringend den Flamländer, wo ihr Vater sei.

Flammock machte eine plumpe Verneigung und versuchte, eine Antwort zu geben; aber die Stimme schien ihm zu versagen. Ohne Umstände kehrte er Evelinen den Rücken zu, und ohne auf die ängstlichen Fragen des Jägers und des Kaplans zu achten, rief er seiner Tochter schnell in seiner Landessprache zu: »Toll Ding! Toll Ding! Gib acht auf das arme Mädchen Rosichen. – Der alte Herr ist verrückt [So das Deutsche im Original] .« Ohne weitere Worte stieg er die Treppe hinab und setzte ununterbrochen seinen Weg fort bis zum Speisegewölbe. Hier rief er gleich einem Löwen, nach dem Aufseher dieser Regionen unter den verschiedenen Namen Kammeder, Kallermaster [so im Original] usw., worauf der alte Reinold, ein betagter normannischer Knappe, nicht antwortete, bis der Niederländer sich endlich glücklich des englischen Titels Buttler erinnerte. Dieses, der ordnungsgemäße Titel seines Amtes, ward der Schlüssel zur Kellertüre, und der alte Mann erschien sogleich, in seinem grauen Leibrock und den hochaufgekrempelten Hosen, mit einem gewichtigen Schlüsselbunde an einer silbernen Kette, von dem breiten ledernen Gürtel hinabhängend, der er in Betracht dessen, was diese Zeit fordern könnte, zum Gegengewicht auf der linken Seite einen gewaltigen Pallasch gegeben hatte, wohl zu gewichtig, als daß sein greiser Arm ihn hätte schwingen können.

»Was begehrt Ihr, Herr Flammock?« sagte er, »oder was sind Eure Befehle, da es meinem gnädigen Herrn gefällt, daß sie auf eine Zeit für mich Gesetze sein sollen?«

»Nur einen Becher Wein, guter Kellermaster – Buttler, wollte ich sagen.«

»Ich freue mich, daß Ihr Euch des Namens meines Amtes erinnert,« sagte Reinold mit der kleinlichen Empfindlichkeit eines herabgesetzten Domestiken, welcher glaubt, daß wider alle Ordnung ein Fremder ihm vorgesetzt worden ist.

»Eine Flasche Rheinwein, wenn Ihr mich lieb habt,« antwortete der Flamländer, »denn das Herz ist mir so niedergeschlagen und matt, daß ich notwendig recht vom Besten trinken muß.«

»Und trinken sollt Ihr,« entgegnete Reinold, »wenn Trinken Euch vielleicht den Mut geben kann, der Euch vielleicht fehlt,« – Er stieg hinab zu den abgesonderten Gewölben, deren Wächter er war, und kehrte zurück mit einer silbernen Flasche, welche ungefähr ein Quart enthalten konnte, – »Hier ist ein solcher Wein,« sagte Reinold, »wie Du ihn selten gekostet haben wirst.« Damit wollte er ihn in einen Becher gießen.