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Wilkin seinerseits war nicht ganz gewiß, ob der Mönch von dem, was er seinem Landsmann gesagt hatte, nicht mehr gehört und verstanden hatte, als er wünschte. Um nun jeden Argwohn, den Pater Aldrovand fassen konnte, einzuschläfern, wiederholte er im Englischen das meiste der Befehle, die er gegeben hatte, hinzufügend: »Nun, guter Vater, was meint Ihr davon?«

»Ganz vortrefflich,« erwiderte der Pater, »als hättet Ihr den Krieg von Eurer Wiege an mitgemacht, statt Zeug zu weben.«

»Nun ja, spart Eure Späße nicht, Pater,« antwortete Wilkin, »ich weiß recht gut, daß Ihr Engländer meint, die Flamländer hätten nichts in ihrem Gehirnkasten als gesottenes Fleisch und Kohclass="underline" aber Ihr seht, Wissenschaft und Handel gehen hier Hand in Hand zusammen.«

»Recht so, Wilkin Flammock,« antwortete der Pater, »aber, guter Flamländer, willst Du mir wohl sagen, was Du auf die Aufforderung des Walliser Ersten für Antwort geben wirst?«

»Ehrwürdiger Vater, sagt mir nur erst, worin diese Aufforderung bestehen wird,« erwiderte der Flamländer.

»Die Burg augenblicklich zu übergeben,« antwortete der Mönch. »Was wird Eure Antwort sein?«

»Meine Antwort wird sein. – Nein! es sei denn unter guten Bedingungen.«

»Wie, Herr Flamländer, wagt Ihr Bedingung und Schloß von Garde Duloureuse in einen Satz zu bringen?« sagte der Mönch.

»Nicht, wenn ich etwas Besseres tun kann!« antwortete der Flamländer. »Oder wünschen ehrwürdiger Pater, daß ich zaudern soll, solange, bis unter der Besatzung die Frage entsteht, ob ein feister Priester oder ein fetter Flamländer das beste Fleisch zur Schlächterei darbieten?«

»Pah,« erwiderte Pater Aldrovand, »an solche Narrenpossen ist nicht zu denken, Entsatz muß spätestens innerhalb vierundzwanzig Stunden kommen, Raymond Berenger erwartete ihn bestimmt zu dieser Zeit.«

»Sofern es mit dem Entsatze nicht geht wie mit dem, der ihn erhoffte.«

»Hör, Flanderchen,« antwortete der Mönch, dessen Abgeschiedenheit von der Welt nicht ganz und gar seine militärischen Gewohnheiten und Neigungen erstickt hatte. »Ich rate Dir, wenn Dir Dein eigenes Leben lieb ist, ehrlich und rechtlich in dieser Angelegenheit zu handeln, denn trotz der heutigen Niederlage leben hier noch Engländer genug, die flamländischen dicken Frösche in den Burggraben zu schleudern, sollten sie Ursache haben zu glauben, daß Du, in Rücksicht auf die Bewahrung des Schlosses und der Verteidigung von Lady Eveline, Falsches im Sinne hast,«

»Laß Ew. Hochwürden keine unnötige und törichte Furcht beunruhigen,« erwiderte Wilkin Flammock. »Ich bin Kastellan in diesem Hause, auf Befehl seines Herrn, und was ich in meinem Amte für vorteilhaft erachte, das werde ich tun.«

»Aber ich,« sagte der erzürnte Mönch, »bin ein Diener des Papstes, der Kaplan dieses Schlosses, mit der Macht, zu binden und zu lösen. Ich fürchte, Du bist nicht ein echter Christ, Wilkin Flammock, sondern neigst Dich zu der Ketzerei der Bergbewohner, Du hast es abgeschlagen, das heilige Kreuz zu nehmen, Du hast gefrühstückt, Bier und Wein getrunken, ehe Du die Messe gehört hast. Du bist kein Mann, dem man trauen kann, und ich will Dir nicht trauen. – Ich verlange, gegenwärtig zu sein bei der Unterhandlung mit den Wälschen.«

»Das kann nicht sein, guter Vater,« sagte Wilkin mit demselben schwerfällig lächelnden Angesicht, welches er bei allen Gelegenheiten, auch den dringendsten, beibehielt. »Es ist wahr, was Du sagst, guter Vater, daß ich meine eigenen Gründe habe, für jetzt nicht ganz so weit, als bis zu den Toren vor Jericho zu wandern; und glücklich war es, daß ich solche Gründe hatte, sonst wäre ich nicht hier gewesen, das Tor von Garde Douloureuse zu verteidigen. Es ist ebenfalls wahr, daß ich zuweilen genötigt gewesen bin, meine Mühle früher zu besuchen, als den Kaplan sein frommer Eifer zum Altar rief, und daß mein Magen nicht die Arbeit verträgt, als bis er das Frühstück trägt. [Im Englischen ein Wortspiel mit brook working und breakfast.] Aber dafür habe ich Ew. Hochachtbaren Ehrwürden selbst eine Geldstrafe erlegt, und ich sollte denken, da es Euch gefällig ist, Euch meiner Beichte so genau zu erinnern, daß Ihr auch der Buße und Absolution nicht vergessen solltet.«

Der Mönch hatte durch die Anspielung auf die Geheimnisse des Beichtstuhls die Regeln des Ordens und der Kirche überschritten. Des Flamländers Antwort beschämte ihn, und da er sah, daß der Vorwurf der Ketzerei gar keinen Eindruck auf ihn machte, so konnte er nur mit einiger Verwirrung antworten: »So weigert Ihr Euch also, mich zu Eurer Unterredung mit dem Walliser zuzulassen?«

»Ehrwürdiger Vater,« sagte Wilkin, »sie betrifft ganz und gar nur weltliche Dinge. Sollte etwas von Religionssachen dazwischen kommen, sollt Ihr ohne Verzug herbeigerufen werden.«

»Ich werde doch dabei sein. Dir zum Trotz, Du flämischer Ochs,« murmelte der Mönch, doch so leise, daß keiner der Umstehenden es vernehmen konnte, und damit verließ er die Zinnen.

Wenige Minuten nachher stieg Wilkin Flammock, nachdem er zuvor nachgesehen, ob auf den Zinnen alles so geordnet worden, um einen großen Begriff von Stärke zu geben, die nicht da war, in ein kleines Wachzimmer hinab, zwischen dem äußern und innern Tore gelegen, wo ihn ein halbes Dutzend seiner Landsleute versteckt in der normannischen Rüstung, welche sie in der Rüstkammer gefunden hatten, erwarteten. Ihre starken großen und massiven Gestalten und ihre regungslose Stellung gab ihnen mehr das Ansehen von Trophäen einer vergangenen Zeit, als wirklich noch lebender Krieger. Von diesen gewaltigen und unbeseelten Bildsäulen in einem kleinen Gemache, wohinein fast kein Tageslicht drang, umringt, empfing Flammock den wälschen Abgesandten, welcher mit verbundenen Augen von zwei Flamländern hereingeführt, aber absichtlich nicht so sorgfältig bewacht ward, daß er nicht hätte auf die Zinnen hinschielen können, auf denen, hauptsächlich, um ihn zu täuschen, solche Vorbereitungen gemacht waren. In derselben Absicht ließ sich von Zeit zu Zeit ein Waffengeklirr hören, Stimmen vernahm man, als ob Offiziere die Runde machten, und Töne von Geschäftigkeit mancherlei Art schienen eine zahlreiche und reguläre Garnison anzukündigen, die sich vorbereitete, einen Angriff abzuwarten.

Als die Binde von Jorworths Augen abgenommen ward, denn eben derselbe, welcher früher Gwenwyns Anerbieten eines Bündnisses hierher trug, brachte jetzt die Aufforderung zur Uebergabe – blickte er stolz um sich her und fragte, an wen er die Befehle seines Herrn, Gwenwyns, Sohn des Cyvelic, Fürsten von Powys, abzugeben hätte.

»Seine Hoheit,« antwortete Flammock mit seiner gewöhnlichen schmunzelnden Gleichgültigkeit, »muß sich begnügen, zu unterhandeln mit Wilkin Flammock von den Waldmühlen, bestalltem Befehlshaber der Garde Douloureuse,«

»Du, bestallter Befehlshaber!« rief Jorworth aus, »Du, ein gemeiner bäurischer Weber! – es ist unmöglich! – Wie niedrig sie sein mögen, diese Engländer, können sie nicht so tief gesunken sein, daß sie sich von Dir befehlen lassen. – Diese Männer scheinen Engländer zu sein, ihnen will ich meine Botschaft entrichten.«

»Ihr mögt es tun, wenn Ihr wollt,« entgegnete Wilkin, »aber wenn sie Euch anders antworten als durch Zeichen, so sollt Ihr mich einen Schelm nennen.«

»Ist das wahr,« sagte der wälsche Abgesandte, auf die Bewaffneten hinblickend, die Flammock zur Seite standen. »Seid Ihr wirklich bis dahin gekommen? Ich sollte glauben, daß schon das bloße Geborensein auf britischem Boden, wenn Ihr auch Kinder von Plünderern und Unterdrückern seid, Euch so viel Stolz eingeflößt haben sollte, nicht das Joch eines niedrigen Handwerkers zu tragen. Oder, wenn Ihr nicht den Mut habt, solltet Ihr doch nicht auf Eurer Hut sein? – Wohl sagt das Sprichwort: Wehe dem, welcher dem Fremden vertraut. – Noch immer stumm – noch immer schweigend? – Antwortet mir durch ein Wort oder Zeichen. – Nennt ihr und erkennt Ihr ihn wirklich als Euren Führer?« Die Männer in der Rüstung nickten einmütig mit ihren Helmen zur Antwort auf Jorworths Frage, und blieben dann bewegungslos wie vorher.